Flexi-Schröder ganz kompromisslos

16. Juli 2012, 14:05 Uhr

Eigentlich wollen ja alle den Anteil von Frauen in Führungspositionen erhöhen. Jetzt muss eine gehen. Ausgerechnet im Haus von Familienministerin Kristina Schröder. Von Hans Peter Schütz

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Schmiss Abteilungsleiterin raus: Familienministerin Kristina Schröder (CDU)©

Die Linken-Vorsitzende Katja Kipping schummelt - was ihre Haarfarbe betrifft. Das Rot, das sie trägt, sei "eher ästhetischer Natur", hat sie jetzt dem Tagesspiegel gestanden. Ihre echte Haarfarbe sei "ziemlich langweilig". Und deshalb trage sie das aktuelle Rot schon länger als ihr Parteibuch. Entstanden ist es auf einer Party, bei der man sich die Haare rot färbte, "passend zum Rotwein". Ideologisch hat sie mit Rot naturgemäß kein Problem. Ihrem Nachfolger im Amt des Vorsitzenden des Bundestagsauschusses für Arbeit und Soziales, dem hessischen FDP-Abgeordneten Heinrich Kolb, hat sie das Büchlein "Marx für Eilige" geschenkt. Der Grund: Kolb habe sich im Ausschuss oft verhoben, wenn er sich an Marx-Interpretationen versucht habe. Kipping gab den Ausschussvorsitz ab, weil sie seit November letzten Jahre ihr Töchterchen Natalja betreuen muss, dessen Erziehung sie sich mit ihrem Mann zur Hälfte teilt.

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Richtigen Internet-Ärger hatte dieser Tage der Unions-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder. Da meldete der Internet-Dienst "MMnews", Kauder habe sich zusammen mit dem Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zum Fußball-Halbfinal-Spiel Deutschland gegen Italien in einem Airbus 319 der Flugbereitschaft der Bundeswehr kutschen lassen. 25.000 Euro Steuergeld habe der Spaß gekostet. Nach ihrer "Zechtour" seien die beiden Politiker wohlbehalten wieder in Berlin gelandet. So weit, so falsch. Kauder hat das Fußballspiel am Fernseher verfolgt und saß keine Sekunde im Flugzeug. Geflogen ist Bundesinnenminister Friedrich, der als Sportminister zur Teilnahme verpflichtet war, und er hat Wowereit mitgenommen, weil den eine Städtepartnerschaft Berlins mit Danzig verbindet. MMnews hat später die Falschmeldung eingeräumt - aber da lief die Empörungsmaschine schon heiß, inklusive unflätiger Beleidigungen in Richtung des CDU/CSU-Fraktionschefs. Kauders Kommentar zu den Reaktionen: "Dem Internet ist man wirklich hilflos ausgeliefert. Einmal dort verleumdet, bringt man die Lügen nicht mehr aus der Welt."

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Der Geldverschwendung macht sich jetzt Familienministerin Kristina Schröder (CDU) schuldig. Nicht, weil sie die drohende Milliardenausgabe für das Betreuungsgeld verhindern wollte, sondern deshalb, weil sie die Leiterin ihrer Abteilung Gleichstellung und Chancengleichheit im Familienministerium, Eva Maria Welskop-Deffaa, in den einstweiligen Ruhestand entlassen hat. Die ist 53 Jahre jung und muss von den Steuerzahlern noch lange bezahlt werden. Welskop-Deffaa wurde noch von Schröders Vorgängerin, Ursula von der Leyen, wegen ihrer modernen frauenpolitischen Positionen eingestellt. Sie tritt für eine fixe Frauenquote in Führungspositionen ein, während Schröder allenfalls eine "Flexi-Quote" will. Außerdem hat Welskop-Deffaa so ihre Probleme mit dem Betreuungsgeld, die sie intern auch schon mal "Kita-Fernhalteprämie" genannt habe. Damit konnte von der Leyen offenbar gut leben. Schröder nicht.

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CSU-Chef Horst Seehofer ein "Sozi"-Fresser? Von wegen. Bei einem Festakt zu 120 Jahre SPD in Regensburg sagte er den Genossen: "Ich sage im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte: Ich wünsche Ihnen auch viel Erfolg für die Zukunft. Über das Ausmaß lassen Sie uns nächste Jahr streiten." Im Herbst 2013 ist Landtagswahl. Und für das 125-jährige Jubiläum ihrer Partei haben die Sozen bereits eine Vision: "Sie, Herr Seehofer, sprechen wieder ein Grußwort – aber dann als Oppositionsführer."

Seehofer selbst sprach von einer "Welturaufführung", dass ein CSU-Chef ein Grußwort bei der SPD habe sprechen dürfen. SPD-Landeschef Florian Pronold antwortete, wichtigste Aufgabe der SPD sei es, Bayern den Freistaat zurück zu geben.

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Keine Sommerpause im Bundestagspräsidium: Dessen Chef Norbert Lammert muss in den kommenden Wochen einen neuen Sprecher suchen. Am vergangenen Freitag räumt Sabine Adler, bisher in dieser Funktion tätig, ihren Arbeitsplatz. Die hochgeschätzte Journalistin geht wieder zum Deutschlandfunk zurück, ihrem früheren Arbeitgeber. Von September an berichtet sie als Korrespondentin für Osteuropa aus Warschau. Adler, die Polnisch wie Russisch spricht, hat es in der Verwaltung nicht lange ausgehalten: Schon nach vier Monaten war ihr klar, dass sie lieber selber beschreibt und beurteilt als bereits Beschriebenes und Beurteiltes zu verkünden. Eben eine Journalistin vom Scheitel bis zur Sohle.

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Homo politicus Hans Peter Schütz notiert in seiner wöchentlichen Kolumne den manchmal keineswegs politisch korrekten Tratsch hinter den Kulissen des politischen Berlins für stern.de.

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