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22. Juni 2009, 13:42 Uhr

Frau Fröhlich sucht einen Job

Auf Jobsuche befindet sich derzeit die Ex-Freundin von CSU-Chef Horst Seehofer. Die Mutter seines unehelichen Kindes sieht sich nach einem neuen Arbeitgeber um, weil ihr derzeitiger Chef, der CDU-Mann Lorenz Meyer, arg in die Bredouille geraten ist. Schwangerschaftsgerüchte erschweren die Suche. Von Hans Peter Schütz

 
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Ein Freund der Muse - wenn's sein Wahlkreis ist: Sigmar Gabriel zweigte für das Lessingtheater in Wolfenbüttel Steuergelder ab. Tue Buße, Sigmar!© Klaus-Dietmar Gabbert/DPA

Vor politischer Wut schier ausgerastet ist der haushaltspolitische Sprecher der FDP, Jürgen Koppelin, auf der letzten Sitzung des Haushaltsausschusses. Es ging dabei um 18,5 Millionen Euro, die aus dem Konjunkturpaket II für "Grundsanierung und energetische Sanierung von Gebäuden" zu verteilen waren. Wie sich schnell herausstellte, hatten die zuständigen SPD-Ministerien - das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung sowie das Bundesfinanzministerium - vor allem Parteifreunde bedient. Karl Diller, Parlamentarischer SPD-Staatssekretär für Finanzen und zuständig für die Vorlage an den Haushaltsausschuss, ließ seinem Wahlkreis Trier zunächst 400.000 Euro für Steinrestaurierungen an einer Kirche zuweisen. Dann schob er für die Sanierung des Schlosses Malberg in der Gemeinde Kyllburg, ebenfalls in seinem Wahlkreis, eine weitere Million Euro hinterher.

Gut bedient wurde auch SPD-Justizministerin Brigitte Zypries, die in der Feriengemeinde Modautal (in ihrem Wahlkreis Darmstadt gelegen) einen Dachstuhl für 500.000 Euro restaurieren lassen kann. Umweltminister Sigmar Gabriel leitete 2,4 Millionen Euro in seinen Wahlkreis Wolfenbüttel zwecks Sanierung des dortigen Lessingtheaters. Zwei SPD-Abgeordnete im Haushaltsausschuss kamen ebenfalls gut weg. Bettina Hagedorn beschaffte ihrem Wahlkreis Ostholstein 800.000 Euro für die Sanierung einer Feldsteinkirche, der SPD-Abgeordnete Klaus Hagemann seinem Wahlkreis Worms 500.000 Euro für die Sanierung des Doms.

Für Koppelin ist das ganze ein Skandal: "Die Sitzung des Haushaltsausschusses wurde zur schamlosen Selbstbedienung missbraucht für Abgeordnete der Koalition, die entweder im Haushaltsausschuss sitzen oder wichtige Regierungsämter haben."

*

Ein "denkwürdiges Ereignis" hat CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer gemeldet: Mit Volker Kauder (CDU) und Peter Struck (SPD) saß er jetzt zum 75. Koalitionsfrühstück (mit Weißwürsten) zum Auftakt einer Sitzungswoche des Bundestags zusammen. So gut man sich auch immer verstanden habe, so Ramsauer, er sei sicher, dass es kein 100. Koalitionsfrühstück geben werde. Die Prognose ist allerdings nur insoweit bombensicher, als er mit Struck selbst dann nicht mehr zusammensitzen wird, wenn es erneut zur Großen Koalition nach der Bundestagswahl kommt - was in Berlin niemand definitiv auszuschließen wagt.

Der Sozi Struck hört im September nach 30 Jahren Bundestag endgültig auf. Nicht ganz leichten Herzens, wie er einräumt. Nicht weil er von der Politik immer noch nicht lassen mag. Sondern weil er nicht weiß, wie er mit dem politiklosen Leben klar kommen wird. Klar, künftig hat er mehr Zeit für sein größtes Hobby, das Motorradfahren. Das beherrscht er. Lernen müsse er jedoch, sagt er, wie er nach Jahrzehnten der Wochenend-Ehe künftig mit einer Vollzeit-Ehe zu Recht kommen werde.

*

Beim Thema Horst Seehofer und den Gerüchten über das Privatleben des CSU-Vorsitzenden, gehört Ramsauer zu den wenigen in der Berliner Szene, die dazu eisern schweigen. Und dies, obwohl auf seiner Beziehung zum Parteichef mehrere dunkle Punkte lasten. "Ich lasse mich auf das Thema nicht ein", wehrte der Landesgruppenchef einen Versuch von Journalisten ab, ihm einen Kommentar zu entlocken.

Als aber die Frage kam, wie er denn die Aufforderung des ehemaligen bayerischen Wissenschaftsministers Thomas Goppel finde, der von Seehofer harsch eine Klarstellung in Sachen potentieller außerehelicher Schwangerschaft gefordert hatte, fand Ramsauer den Mut zu einer bemerkenswert ehrlichen Antwort: "Ich bin nicht der Interpret von Thomas Goppel, mit dem ich befreundet bin ... "

*

Unendlich viele dezent neugierige Blicke der 4000 Gäste auf dem Sommerfest von Bundespräsident Horst Köhler am vergangenen Freitagabend musste Anette Fröhlich aushalten, Mutter der außerehelichen Seehofer-Tochter Anna-Felicia. Sie hatte das süße Mädchen, das dem Papa so ähnlich sieht, dabei und lächelte und lächelte. Wie es in ihr drinnen aussieht, ließ sie nicht erkennen. Sehr fröhlich ist sie dieser Tage allerdings nicht. Denn sie befindet sich auf der Suche nach einem neuen Job. Zurzeit leitet die Juristin noch das Büro des CDU-Bundestagsabgeordneten Laurenz Meyer. Doch es ist überaus fraglich, ob der die Bundestagswahl politisch überlebt.

Die nordrhein-westfälische CDU hat ihn mit stillem Einwirken von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers auf einen hoffnungslosen Listenplatz verbannt. Und dass Meyer das CDU-Direktmandat in seinem Wahlkreis Hamm erobert, ist unwahrscheinlich. Anette Fröhlich sucht also aus gutem Grund einen neuen Job im politischen Bereich. Doch so lange die Gerüchteküche brodelt, zögern alle potentiellen neuen Arbeitgeber im Bereich der CDU-Abgeordneten. Was wäre denn, wenn...

*

Um den letzten Rest seines ohnehin bescheidenen Ansehens hat sich Jörg Tauss, bis vor kurzem noch Generalsekretär der baden-württembergischen SPD, gebracht. Der Karlsruher Abgeordnete, gegen den die Justiz wegen Kinderpornobesitzes ermittelt, ergriff vergangene Woche zunächst in der SPD-Fraktion das Wort, als dort über die Kinderporno-Sperre im Internet diskutiert wurde. Tauss lehnte das Gesetz ab, da die Sperre sowieso nicht funktioniere. Er befasse sich seit Jahren mit dem Thema. Daraufhin verließen einige Genossen den Fraktionssaal. Fraktionschef Peter Struck war stinksauer. Ob denn dieser Genosse nicht begreifen könne, dass die SPD in der Wahlkampfsituation nicht gegen das Gesetz sein könne?

Noch mehr ärgerte Tauss die SPD, als das Gesetz am Donnerstagabend im Bundestag debattiert wurde. Erst wollte er dem SPD-Redner eine Zwischenfrage stellen. Der Parteifreund sagte: "Herr Tauss, bei jedem anderen würde ich eine Frage zulassen, aber bei ihnen nicht." Später machte Tauss dann von seinem Platz aus eine so genannte Kurzintervention zum Thema. Wieder verließen viele Abgeordnete den Plenarsaal. Sie schimpften: "Wie kann denn zu diesem Thema einer reden, der bald einen Strafbefehl wegen des Besitzes von Kinderpornos bekommt?"

Die SPD kann hoffen. Tauss erwägt allen Ernstes den Wechsel in die so genannte "Piratenpartei", die für völlige Freiheit im Internet eintritt. Allerdings: Ob die ihn nehmen? Für den Besitz von Kinderpornografie plädieren die Piraten nicht.

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 19)
 
I474IsabeIl974 (24.06.2009, 13:52 Uhr)
Verteidigungsminister Jung
"Wer uns angreift, der wird auch bekämpft"
€€€€€€€€€€€€€€€€€€€€€€€€€€€€€€€€€
Erläuterungen zur Grundrechtecharta des EU-Vertrages
"Eine Tötung wird nicht als Verletzung des Artikels betrachtet, wenn es erforderlich ist,
einen Aufruhr oder Aufstand
rechtmäßig niederzuschlagen. Die zweite Ausnahme, wann die Todesstrafe verhängt werden darf: Für Taten in Kriegszeiten oder bei unmittelbarer Kriegsgefahr."
Quelle
www.eu-vertrag-stoppen.de
Eisenbaer (23.06.2009, 18:01 Uhr)
Man muss die Genossen doch verstehen...
...denn das wird vermutlich das letzte Mal für viele Jahre sein, dass die noch was zu verteilen haben ;-))
Gisella (23.06.2009, 10:48 Uhr)
ich muss (leider)
wieder diese Fälle mit denen in den USA vergleichen. Diese korrupten Politiker sitzen in den USA ein-gnadenlos, wenn sie "erkannt" worden sind, werden und wurden sie verfolgt und verdonnert.Gut so. Hier?????!!!!!
raptor-xl (23.06.2009, 09:04 Uhr)
@nurzudiesemzweck...
...vielleicht würde es helfen, wenn sie sich erst einmal mit der materie vertraut machen.
tauss war in keinem gremium, was sich mit diesen htema beschäftigte. er selbst aber, wollte sich über das thema "informieren", damit er "dagegen" arbeiten kann.
vielleicht sollte diesem mann bekannt sein (als politiker und gesetzesverabschieder und -befolger), dass allein der besitz dieser, natürlich rein informativer bilder und filme schon strafbar ist. das er, ohne zustimmung der behörden, nach so etwas gar nicht suchen darf oder gar verwenden darf. und das es dafür ausgebildete polizisten und einsatzkommandos gibt... sorry, aber die ausreden des herrn tauss sind mehr als dünn! sie sind dämlich und für mich absolut unglaubhaft. der mann hat gegen zig gesetze verstoßen und das (so würde ich sagen) mit absicht. denn "informieren" wollte der sich nicht!!!
was jeder in diesem land wissen muss, dass muss ihm als politiker erst recht bekannt sein. das war ein strafdelikt!!!
und von der leyen (die frau mit dem geringsten kenntnisstand, dem ewigen alle-weglächeln und der unaushaltbaren betonung einer grundschullehrerin) ist sicher nicht meine favoritin. aber sie in einem topf mit tauss zu werfen, ist einfach nur doof! riesig doof!!!
die frau hat sich mit dem thema zu beschätigen, auch wenn sie fehlende erziehung, verwahrlosung der gesellschaft und mißhandlung der kinder mit internetblockaden und pc-spiele-verboten aufhalten will. das ist einfältig, ebenfalls blöde und nutzlos. aber scheinbar beruhigt sie damit ihre inkompetenz oder sie glaubt gar selbst dran.
aber tauss ist in meinen augen ein würstchen, was dringend mit ärzten reden sollte.
gmathol (23.06.2009, 08:59 Uhr)
Schuld hat die Justiz!
Die tut eben nichts mehr. Korruption war mal eine Straftat.
gesox (22.06.2009, 19:38 Uhr)
Ein schönes überparteiliches Beispiel
...gibt es in Mainz. Dort gibt es die Wohnbau, ein städtisches Immobilienunternehmen. Wie in solchen Fällen üblich, wurde der Aufsichtsrat kompetenzfrei nach Parteienproporz besetzt. Wie üblich gab es weitere schöne Verflechtungen, so steht das Haus des Bürgermeisters auf einem betont preiswerten Erbpachtgrundstück der Wohnbau. Und wie üblich hat die Wohnbau das Geld der Stadt in wilden Spekulationen und bei absurden Bauprojekten verzockt.
Anders als üblich haben die Bürger die etablierten Parteien ordentlich gerupft, aber leider noch nicht heftig genug um den Mainzer Klüngel in die Wüste zu schicken.
der2groeste (22.06.2009, 19:36 Uhr)
die sogenannte Imunitaet der politiker
In anderen Ländern werden korrupte Politiker von der Polizei verhört und wenn es nachweisbar ist gehen diese vor den Kadi und schlimmstenfalls in den Knast. Deutschland ist das Paradies für Korruption im Staatsdienst und ungeschoren mit allen was sich korrupt verwirklichen lässt davon zukommen. Deutschland verstoßenst damit den Gesetzen in der EU und in den vereinigten Nationen. Möglich wird dies gemacht durch ein komplettes korruptes Gerichtssystem.
Das Wort Amtsmissbrauch existiert nur noch im Duden. So gut wie jedes Amt wird missbraucht. Darin ist Deutschland in der EU führend.
raptor-xl (22.06.2009, 19:30 Uhr)
...was soll denn das?
gibt es eine einseitige berichterstattung seitens des sterns? oder vielleicht keine seilschaften in diesem fall bei der cdu? traurig, traurig! hier wird gar nicht das unrecht beklagt, sondern nur der punkt, dass man bitte auch die anderen anschwärzen soll. auch dann, wenn darüber nihts bekannt ist...
vielleicht schaffen es die leute mal wieder zu begreifen, dass ein unrecht nicht besser wird, wenn andere es auch begehen!!!
nurzudiesemzweck (22.06.2009, 17:54 Uhr)
daneben
So eine "Berichterstattung" passt tatsächlich besser in die Bild, als zum Stern...
Der Hang zur einseitigen Hervorhebung wurde ja schon gemacht - allerdings als zur-Anzeige-würdig, würde ich Ihre Verleumdung zu Tauss betrachten.
Ist Ihnen bewusst, dass Frau von der Leyen ebenfalls im Besitz von Kinderpornographie ist - dieses sogar für Ihre "Werbekampagne" verbreitet?
Bei dem einen Politiker ist das i.O. Bei dem unliebsamen Politiker wohl weniger - das stinkt!
Dass die eigenen Parteimitglieder jeglicher Vernunft, aus Angst vor der Presse "kurz vor den Wahljahren" so reagiert ist schlimm genug aber der wahre Verbrecher hat diesen Arikel verfasst.
Und dann möchte ich Ihnen eines ans Herz legen: Recherche!
Nein, das ist kein Plastikspielzeug mit dem man im Sand buddeln kann.
Oder ist Ihre Behauptung, die Piratenpartei wäre für völlige Freiheit im Internet, tatsächlich auf Volksverhetzung oder Dummheit zurückzuführen?
satyrffm (22.06.2009, 16:39 Uhr)
Genau deswegen
sollte der Geldsegen nicht von einem politischen Ausschuß, sondern von einem überparteilichen Gremium, Kirche, Gewerkschaften, Arbeitgeber, Behindertenverband und wer noch alles als Bürger engagiert sein könnte, verteilt werden. Knappe Präsentation des Geldanfordereres, kurze interne Diskussion unter den Gremiumsmitgliedern, öffentliche Entscheidung einzeln dafür oder dagegen - und die Kohle geht garantiert nicht als Wahlkampfhilfe für einzelne Abgeordnete in Projekte, die bei den anderen und den unbeteiligten Bürgern evtl. unschön ankommen..
Berlin vertraulich!

Homo politicus Hans Peter Schütz notiert in seiner wöchentlichen Kolumne den manchmal keineswegs politisch korrekten Tratsch hinter den Kulissen des politischen Berlins für stern.de.

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