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8. Februar 2010, 09:18 Uhr

Nach der Wahl ist vor der Wahl

100 Tage nach der Regierungsbildung: Die FDP geht in Krisen-Klausur. Die Kanzlerin jagt beherzt Steuerhinterzieher. Und alle schielen schon zur nächsten Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Von Hans-Peter Schütz

 
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Die FDP im Umfragetief: Außenminister Guido Westerwelle© Matthias Schrader/AP

Mit satter Genugtuung hat man im Kanzleramt die Krisenklausur der Liberalen am vergangenen Wochenende beobachtet. In Angela Merkels nächster Nähe kann man mit Blick auf die rapide absackenden Umfragezahlen der FDP den Satz hören: "Es war höchste Zeit, dass die Liberalen endlich mal das tiefe Loch sehen, in das sie abstürzen können, wenn sie so weiter machen wie in den ersten 100 Tagen nach der Regierungsbildung." Respektvoll wird dem von der eigenen Partei scharf gerügten nordrhein-westfälischen FDP-Landesvorsitzenden Andreas Pinkwart, immerhin Chef des mit Abstand größten liberalen Landesverbandes, zugute gehalten, er wenigstens befinde sich "im Landeanflug auf die Realität".

Die stellt sich in den Augen von Pinkwart-Vertrauten miserabel dar. Sein Sprecher André Zimmermann bot stern.de eine Wette darauf an, dass CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers ohne klare Koalitionsaussage in Richtung FDP in die NRW-Landtagswahl im Mai gehen werde. Rüttgers bastle doch voller Liebe an einer Brücke zu den Grünen. Zu bedenken sei auch, dass bisher seit 2005 jede Umfrage eine Mehrheit für Schwarz-Gelb in Düsseldorf gebracht habe. Seit die FDP in Berlin mitregiere, sei diese Mehrheit binnen 100 Tagen verschwunden. Insofern sei Pinkwarts Forderung, nicht noch länger an dem bürokratischen Monster der Mehrwertsteuersenkung für Hotels festzuhalten "ein dringend notwendiger Warnruf" an die FDP-Spitze in Berlin gewesen.

Tapfer verteidigt hingegen FDP-Generalsekretär Christian Lindner, auch aus NRW und auch dort gleichzeitig Generalsekretär, die von seiner Partei durchgesetzte Senkung der Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen von 19 auf sieben Prozent. Wer genau hinschaue, so Lindner jetzt tapfer, der sehe schon Preisvorteile. Bloß laut einer Studie des Unternehmens Trivago aus Düsseldorf gibt es die gar nicht. Vielmehr seien die Zimmerpreise um ein Prozent seit Dezember gestiegen. stern.de ist es indes jetzt nach intensiven Recherchen gelungen, ein korrekt reduziertes Hotelangebot zu finden. Nein, nicht in der Mövenpick-Hotelkette.

Mal preisgünstig in Berlin übernachten? Die baden-württembergische Landesregierung, die im Bundesrat der Senkung der Mehrwertsteuer im Hotelgewerbe zugestimmt hat, macht es möglich. Sie nimmt ihre im Bundesrat beschlossene politische Entscheidung ernst und gibt sie an die Bürger weiter: Seit Januar kostet die Übernachtung in der baden-württembergische Landesvertretung, wunderbar zentral am Rande des Tiergartens gelegen, statt 63 Euro pro Nacht jetzt nur noch 58 Euro. Ein Musterbeispiel an politischer Korrektheit. Willkommen in den 22 Zimmern ist jedermann, nicht nur preisbewusste Schwaben. Vorheriger Anruf empfehlenswert.

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KOMMENTARE (2 von 2)
 
ssteffen (09.02.2010, 11:01 Uhr)
ich habe da auch ein Paar Probleme
gibt es eigendlich einen Katalog. Na ja wie soll isch sagen. Ne Liste, welcher Partei ich bei einem bestimmten Problem auf ein bestimmtes Konto einen bestimmten Betrag überweisen ... nee, nee Spenden .... kann. Und dann bekomme ich eine Steuersenkung, Beitragsminderung oder sowas.
Da ja der Herr Guido jetzt so richtig Gas gibt, kann ich dann auch mit schnellen Entscheidungen rechnen. Beginnen kann er dann mit einem Verarmungsbeschleunigungsgesetz für die Unberührbaren und dann mit einem Strahlungsverbot für radiaktive Abfälle später ein Quecksilberverbot in Energiesparlampen und wenn er dann immer noch da ist ein Gesetz gegen das 68ste Lebensjahr. Da gibts noch einiges zu tun für WW.
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Wir haben keinen Gott, wir haben Geld.
Neid, Missgunst und Gier regieren uns.
Das Leben ist schön.
ganzbaf (09.02.2010, 00:14 Uhr)
"100 Tage Schwarz-Geld"

;-D

Berlin vertraulich!

Homo politicus Hans Peter Schütz notiert in seiner wöchentlichen Kolumne den manchmal keineswegs politisch korrekten Tratsch hinter den Kulissen des politischen Berlins für stern.de.

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