. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
16. Juni 2009, 15:48 Uhr

Der Kandidat und seine Tafelrunde

Die Männer hinter Steinmeier

Auf dem SPD-Parteitag wurde Frank-Walter Steinmeier für seine Rede gefeiert. Sie ist das Werk eines einflussreichen Teams von Beratern. Mit einigen von ihnen ist der SPD-Kanzlerkandidat seit vielen Jahren befreundet. Von Jens Tartler

Frank-Walter, Steinmeier, SPD, Parteitag, Rede, Wahl, Berater, Schreiber

Endlich mal durchatmen: Steinmeier hat bei den Genossen wieder den Kampfgeist geweckt© Fabrizio Bensch/Reuters

Einige im Saal schauen sich ungläubig an, als der Kanzlerkandidat sagt: "Wir bleiben die Partei der Neuen Mitte." Computerunternehmer, Kreative, "alle diese haben in dieser großen Traditionspartei ihren Platz", ruft Frank-Walter Steinmeier. Mit der "Neuen Mitte", der Erfolgschiffre des Wahlkampfs 1998 von Gerhard Schröder, hatte auf dem Parteitag niemand gerechnet, nachdem Steinmeier mit Reichensteuer, Mindestlohn und Opel-Rettung eher linke Akzente gesetzt hatte.

Wir haben gemerkt, dass wir nicht nur die Karstadt-Kassiererin ansprechen müssen, sondern auch andere Wählergruppen", sagt ein enger Berater des Mannes, der für die SPD im Herbst ins Kanzleramt einziehen will.

An der Rede, für die Steinmeier am Sonntag elf Minuten von seinen Genossen gefeiert wurde, haben mehrere Männer gearbeitet. Sie begleiten Steinmeier zum Teil schon seit Jahren. Viele von ihnen sind mit dem Kanzlerkandidaten eng befreundet. Das erklärt nicht nur den enormen Einsatz der Zuarbeiter, sondern auch die geringen Reibungsverluste im Team.

Stephan Steinlein und Ulrich Deupmann - Die Verfasser Bei der Rede am Sonntag kommt das größte Verdienst sicher zwei Männern zu: Stephan Steinlein und Ulrich Deupmann. Sie haben den Text geschrieben. Zugeliefert haben aber viele andere wie Steinmeiers Wirtschaftsberater Markus Klimmer. Etwas überraschend: Auch Matthias Machnig, Staatssekretär bei Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) und erfolgreicher Wahlkampforganisator von Schröder 1998, hat in der Rede seine Spuren hinterlassen. Jetzt fragen sich manche, ob Machnig in Steinmeiers Kampagne noch eine wichtigere Rolle spielen wird.

Redenschreiber Steinlein ist schon von Amts wegen kein Wahlkämpfer. Er ist Steinmeiers Büroleiter im Auswärtigen Amt und gehört seit zehn Jahren zu den engsten Vertrauten des Kanzlerkandidaten. Beide denken so ähnlich, dass Steinlein im Team als Alter Ego der Nummer eins gilt. Der Büroleiter hat seine Stärken nicht nur in der Organisation, sondern auch in der Entwicklung der Strategie.

Steinmeier und sein Team treffen sich mindestens einmal in der Woche zu einer Planungsrunde im Außenministerium. Hinzu kommt noch eine Strategierunde, in der Themen diskutiert werden, die über das kurzfristige Tagesgeschäft hinausweisen.

Ulrich Deupmann ist Steinmeiers Kommunikator im Hintergrund. Dem langjährigen Journalisten ist es wohl auch zu verdanken, dass die Reden des Kanzlerkandidaten wesentlich strukturierter und rhetorisch geschliffener sind als die des ehemaligen SPD-Chefs Kurt Beck oder die von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Heinrich Tiemann und Markus Klimmer - sie beraten ihn Eher Exekutor als Stratege ist Steinmeiers Staatssekretär Heinrich Tiemann. Der Sozialdemokrat diente, genau wie der frühere Kanzleramtschef Steinmeier, schon Schröder in der Regierungszentrale. Heute ist er Staatssekretär im Auswärtigen Amt - dabei hat er mit Außenpolitik nichts zu tun. Seine Position lässt sich allein damit begründen, dass Steinmeier Vizekanzler ist und er Tiemann übernahm, als Franz Müntefering seinen Job als Arbeitsminister und Vizekanzler aufgeben musste. Als Quasichef des Vizekanzleramts ist Tiemann heute der Gegenpart zu Merkels Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU). Er hat im Außenamt ein leistungsfähiges Team, das ebenfalls schon lange für ihn arbeitet. Außerdem gilt er als durchsetzungsstark. "Er geht durch wie ein Panzer", sagt ein Kollege.

Gerade in Zeiten kriselnder Großunternehmen wie Opel und Arcandor ist ein Wirtschaftsfachmann unverzichtbar. Bei Steinmeier ist das der McKinsey-Berater Markus Klimmer. Die beiden haben sich vor Jahren in der niedersächsischen Staatskanzlei kennengelernt, als sie gemeinsam ein Projekt durchzogen. Klimmer hat gute Kontakte zu Beratern und Unternehmen. So kann er schnell Gesprächsrunden zusammenstellen, zum Beispiel bei der Opel-Rettung durch Magna. Steinmeier schätzt an dem Unternehmensberater, dass er wirtschaftliche Probleme schnell analysieren und eine Lösung anbieten kann - notfalls nach einer durchgearbeiteten Nacht.

Der Sprecher

Diplomat Der 41-jährige Jens Plötner ist ein Eigengewächs des Auswärtigen Amtes. Er war unter anderem in Tel Aviv tätig. Später arbeitete er mit Steinmeier vor allem beim Thema Nahost zusammen.

Beförderung Seit 2008 ist Plötner oberster Pressesprecher des Ministers. In dieser Funktion äußert er sich aber auch zu innenpolitischen Themen wie Opel und Arcandor.

Der Macher

Gewerkschafter Der Diplom-Verwaltungswissenschaftler Heinrich Tiemann hat schon für die IG Metall gearbeitet. Seitdem hat er gute Gewerkschaftskontakte. Er war Ministerialdirektor im Kanzleramt bei Schröder.

Staatssekretär Als Staatssekretär im Gesundheits- und Arbeitsministerium zeigte er Managementqualitäten. Der 58-Jährige ist seit 2007 Staatssekretär im Auswärtigen Amt.

Der Ökonom

Berater Der 44-jährige Markus Klimmer hat Politik, Volkswirtschaft und öffentliches Recht in Hamburg und an der London School of Economics studiert. Nach dem Studium ging er zur Unternehmensberatung McKinsey. Dort ist er seit 2000 Partner.

Idealist Klimmer hat sich von McKinsey freistellen lassen, um bis zur Bundestagswahl Steinmeier zu beraten - gratis.

Der Schreiber

Journalist Er arbeitete für die "Süddeutsche Zeitung", den "Spiegel" und "Bild am Sonntag". Dann stieg Ulrich Deupmann aus dem Journalismus aus und wurde Steinmeiers Medienberater.

Reden Er schreibt für den Kanzlerkandidaten zentrale Reden. Außerdem zieht der 43-Jährige im Hintergrund die Fäden, wenn es um Kommunikationsfragen geht. Er ist ein wichtiger Ratgeber.

Der Stratege

Botschafter Der Ostdeutsche Stephan Steinlein stammt aus dem Umfeld des letzten DDR-Außenministers Markus Meckel (SPD). Steinlein war zu Wendezeiten Botschafter der DDR in Paris.

Agenda Der 47-Jährige traf im Kanzleramt mit Steinmeier zusammen. Er arbeitete mit an der Agenda 2010, die Steinmeier für Schröder konzipierte. Steinmeier und Steinlein sind Freunde.

KOMMENTARE (10 von 13)
 
Gewissen (16.06.2009, 22:17 Uhr)
Steinmeier ist Schröder 2
Wer die SPD wählt, wählt Schröder 2! Dann wird auch der Rest von Deutschland nach Russland verschoben. Kaschmir-Schröder steckt sich jetzt schon mit breitem Grinsen die Havanna in den Mund.
Nastrovje Gas-Gerd, du hast Deutschland da, wo du es haben wolltest: am Ende!
tetrapanax (16.06.2009, 21:52 Uhr)
Was für eine Lachnummer!
Poltern tut er wie Schröder, das selbe dumme Gequatsche loslassen in gleicher Sprechfrequenz...
und nächste Woche hat er dann dunkle Haare und verklagt jeden, der behauptet, dass...
Beruhigend ist: egal, wie viel Kreide er bis September frisst, wie krampfhaft er locker rüberkommen will und wie nett er sich zu geben versucht - einen solch unfähigen Mann zum Kanzler wählen, das hieße Schröder toppen.
Dann kann´s ja noch eher der rote Saarland-Zwerg machen!
Putinki (16.06.2009, 18:03 Uhr)
Tafelrunde
Das ist ein Lichtblick. Die größten deutschen Denker unter sich. Nun kann nichts mehr schief gehen.
Johann58 (16.06.2009, 17:51 Uhr)
kommt die CDU ohne Berater aus?
Die Frage ist doch sicher legitim oder? so wie kaum ein Unternehmen ohne Berater auskommt kommen auch die politischen Parteien schon lange nicht mehr ohne aus. Politik ist schon lange ein Geschaeft meist sogar sein ziemlich schmutziges. Zwar hat Steinmeier wohl kaum eine Chance gegen eine aus unerklaerlichen Gruenden so beliebte Frau Merkel aber zu hoffen bleibt, dass die SPD wenigstens so etwas wie einen Achtungserfolg feiern kann und gegen den trend ein paar mehr Punkte erzielt als prognostiziert. Leider ist ja keine Alternative zu Steinmeier in Sicht.
domit (16.06.2009, 17:38 Uhr)
Der Schutzheilige verarmter Milliardäre,
Frank-Walter Steinmeier, als Sprechpuppe von wem auch immer, das kann niemanden, der seiner Parteitagsrede auch nur 2 Minuten zugehört hat, überraschen. Seine jeweils mit einem völlig deplazierten "JA" endenden Selbstmotivationssätze, waren ausreichender Beleg für eine Transplantation.
Bienban (16.06.2009, 17:22 Uhr)
Eloquenz
Ein gutes Team für den künftigen Kanzler.Wie sagte schon der "Dicke"...abwarten was hinten rauskommt...! Da mache ich mir um F.W.Steinmeier keine Sorgen, in dieser exorbitanten Krise kann es nur ein "Change" geben. Wir haben von dieser "vermerkelten" Republik die Schnauze voll!!!
olga1805 (16.06.2009, 17:17 Uhr)
Frank-Walter hatte in . . . .
seiner Politlaufbahn mehrmals Gelegenheit Charakter zu beweisen, ich meine die Zeit, wo er noch nicht so furchtbar herumschrie wenn er was sagte, da er das aber unterließ kann man getrost davon ausgehen, er hat keinen. Also, genau richtig für die SPD. Wohl bekomm`s.
endbenutzer (16.06.2009, 16:26 Uhr)
@Pijey:
"......wenn man schon kein eigenes Profil hat und nicht weiß was man denn machen soll (wenn denn die Wahl gewonnen wird) muss man sich eben durch Berater erklären lassen was zu tun ist...."
.
Ja klar. Und Frau Merkel oder Herr Westerwelle schreiben ihre Reden garantiert ohne Berater....
traldors (16.06.2009, 16:18 Uhr)
Herr Steinmeier ist (...)
eben nicht der "Ventriquolist" sondern lediglich die Puppe.
Aber wirklich "neu" ist das ja nicht (...)
Pijey (16.06.2009, 16:10 Uhr)
ist ja nichts Neues...
...wenn man schon kein eigenes Profil hat und nicht weiß was man denn machen soll (wenn denn die Wahl gewonnen wird) muss man sich eben durch Berater erklären lassen was zu tun ist.
Da werden ganze Stäbe installiert und dazu noch Unternehmensberater wo sich ganze Abteilungen mit beschäftigen den Menschen(Wählern) diesen Unfug zu unterbreiten. Wer bezahlt das alles, klar der Steuerzahler.
Egal welche Frmen es betrifft, ob McKinsey, KPMG etc. etc. und wie sie alle heißen. Sie verdienen sich an solchen profil- und deenlosen Politiker eine goldene Nase.
Unglaubluch wie hier mit dem Geld des Bürgers umgegangen wird.
Jetzt wird auch jedem klar woher und weshalb die Idee entstanden ist 50,--€ von den Nichtwählern zu kassieren. Irgendwie muss das ja alles bezahlt werden.
Mir stehen die Schweißperlen auf der Stirn vor lauter Wut.
Die Menschen wissen nicht wie sie den Monat über die Runden bringen und diese Sch... Typen schleudern das Geld zum Fenster raus.
Berlin vertraulich!

Homo politicus Hans Peter Schütz notiert in seiner wöchentlichen Kolumne den manchmal keineswegs politisch korrekten Tratsch hinter den Kulissen des politischen Berlins für stern.de.

WEITERE ARTIKEL DER KOLUMNE
MEHR ZUM ARTIKEL
Berlin vertraulich! Steinmeier übt keine Schachzüge

Wie gut spielt SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier Schach, das Spiel der Strategen? Als Ente hat sich jedenfalls ein Bericht entpuppt, der Außenminister übe das Bauernopfer als Zeitvertreib mit seiner Gattin. In Berlin verlassen überdies zwei vermeintlich große Juristen den Bundestag. mehr...

Weimers Woche Und das Personalkarussell dreht sich ...

Je näher die Bundestagswahl rückt, desto lauter hört man im politischen Berlin das Stühlerücken. Einige schieben sich in Position, knüpfen Seilschaften und verhandeln über etwaige Posten. Dabei scheint im Moment nur ein Job halbwegs sicher: der von Bundeskanzlerin Merkel, schreibt Wolfram Weimer. mehr...