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19. März 2009, 12:18 Uhr

Volksvertreter wollen keinen Opel fahren

Dienstwagen für die Abgeordneten müssen sein, sagt der Bundestag. Dass sie auch umweltfreundlich sind, darauf legen CDU, CSU, SPD und FDP keinen Wert. Saubere Luft sei nicht so wichtig wie Schaltgetriebe. Von Hans Peter Schütz

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Umweltfreundliche Dienstwagen, Sparaktion, Grü,ne, bä,rbel Hö,hn

Bärbel Höhn, grüne stellvertretende Fraktionsvorsitzende, ärgert sich über das mangelnde Umweltbewusstsein der Bundestagsabgeordneten© Jens-Ulrich Koch/DDP

Alle wollen sie Opel retten. Aber kaum einer will einen Opel fahren. Weder die CDU/CSU-Bundestagsabgeordneten, noch die Mandatsträger der SPD, jene der FDP schon gleich gar nicht. Das ist das ernüchternde Ergebnis eines Versuchs der grünen Bundestagsfraktion, die Wagen des Bundestagsfuhrparks billiger und umweltfreundlicher zu machen. Bärbel Höhn, stellvertretende grüne Fraktionsvorsitzende und Initiatorin der umweltfreundlichen Sparaktion: "Ich ärgere mich sehr darüber, dass Union, SPD und FDP unseren Antrag für sparsamere Dienstwagen abgelehnt haben. Damit gibt der Bundestag kein gutes Beispiel ab. Klimaschutz fordern, aber selbst auf große Autos bestehen, das passt nicht zusammen."

Geschehen ist folgendes: Die Grünen haben Rot, Gelb und Schwarz passende Autos vorgestellt. Einen BMW 1er, einen Opel Zafira, einen Toyota Prius mit Hybridantrieb. Die Idee dabei: Fahrzeuge der Fahrbereitschaft des Bundestags, die die Abgeordneten durch Groß-Berlin kutschiert und sonstige Pkw des Parlaments, sollten nur noch dann neu angeschafft werden, wenn sie ab sofort nicht mehr als 140 Gramm CO2 ausstoßen und ab 2012 nicht mehr als 120 Gramm.

Alles abgeschmettert. Der angemietete Fahrdienst kutschiert weiterhin mit den E-Klasse Daimlern 220 CDI, die diese Werte nicht erreichen. Und als eigene Fahrzeuge des Bundestags werden weiterhin nur Daimler, 5er BMW und Audi A6 gekauft. Der durchschnittliche Schmutzausstoß dieser 34-Wagen-Flotte liegt nach Angaben der Pressestelle des Parlaments bei 180 Gramm CO2 pro Kilometer.

Bundestagsvizepräsidentin Gerda Hasselfeldt erklärt: "Dass es sich dabei um Wagen der gehobenen Mittelklasse von deutschen Herstellern handelt, ist nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen sachlich gerechtfertigt." Da hat Opel natürlich keine Marktchance. Und außerdem, so Hasselfeldt, müsse man bedenken, dass der Fahrdienst des Parlaments fast nur bei Stadtfahrten eingesetzt sei. Das erfordere Automatikschaltungen, auch wenn die 20 Gramm mehr CO2 Schadstoff produzierten. Das erlaubt die Frage, was wichtiger ist: die Bequemlichkeit der schaltfaulen Bundestagsfahrer oder die bessere Luft der Bürger?

Die Antwort des Bundestags ist eindeutig. Da überrascht es nicht, dass es auch abgelehnt wurde, den Abgeordneten, die alle mit einer Gratis-Bahnnetzkarte reisen können, einen kostenlosen Zugang zum bahneigenen Mietradsystem "Call a Bike" frei zu schalten. Wer Rad fährt als Volksvertreter wie etwa Bärbel Höhn oder Hans-Christian Ströbele, muss sein Rad selber bezahlen und in die Pedale treten.

*

Die politische Nervosität steigt wöchentlich im Berliner Regierungsviertel, zuweilen auch schon auf nahezu hysterische Höhen. Etwa bei der CDU, deren Umfragewerte derzeit ja kontinuierlich nach unten rutschen. Panisch abgesagt hat jetzt die CDU-hörige Konrad-Adenauer-Stiftung ein seit fast vor einem Jahr sorgfältig vorbereitetes Initiativseminar. Stipendiaten der Stiftung sollten mit Stipendiaten der grünen Heinrich-Böll-Stiftung ein politisch spannendes Thema diskutieren: "Keine Experimente? Chancen und Herausforderungen schwarz-grüner Bündnisse."

Keine Experimente! Tagung fällt aus! Alle ausladen, alles absagen. Das scheint ein knallharter Befehl von CDU-Bundesgeschäftsführer Klaus Schüler gewesen zu sein. Beteiligt gewesen sein dürfte auch die Merkel-Vertraute Beate Baumann. Die war zwar eifrig dabei, als es darum ging im Stadtstaat Hamburg eine schwarz-grüne Ehe zu stiften. Jetzt aber sieht es danach aus, also ob es doch noch mit der FDP zum Machterhalt reichen könnte. Da will man Grüns nicht mit der eigenen Parteistiftung aufpäppeln. Peinlich dabei nur, dass einige Stipendiaten schon auf dem Weg nach Berlin waren, teilweise aus dem Ausland, als die Stornierung sie nur zwei Tage vor Seminarbeginn erreichte. Auch prominente Referenten wie das neue CDU-Mitglied Oswald Metzger (früher Grüne) oder die grüne Abgeordnete Ekin Deligöz wurden blitzschnell abbestellt.

Noch nie hatten die beiden Stiftungen eine gemeinsame Konferenz zu diesem Thema geplant. Es hätte spannende Vorträge gegeben. Der Berliner Professor Paul Nolte wollte über das Thema referieren "Schwarz-Grün - Wächst zusammen, was zusammen gehört?" Frankfurts schwarz-grüne Bürgermeisterin Jutta Ebeling, eine Grüne, sollte berichten, wie es in ihrer Stadt mit Schwarz-Grün in der Praxis läuft. Metzger gedachte, sich als "grün-schwarzer Grenzgänger" zu präsentieren, natürlich gegen Honorar. Alles über Nacht abgeblasen. Weil in der CDU neuerdings nur noch von Schwarz-Gelb geträumt werden darf. Grün ist da abgemeldet, auch wenn das die von Steuergeldern lebende Adenauer-Stiftung einige tausend Euro Spesen kostet. Ekin Deligöz: "Die haben Angst vor der eigenen Courage bekommen." Sie wollte über Familienpolitik debattieren. Ihr Urteil: "Die hatten Angst vor der Diskussion, denn dann hätten sie Denkfehler eingestehen müssen."

*

Hans Wallow, ehemaliger SPD-Bundestagsabgeordneter (bis 1998), verarbeitet seinen Abschied aus dem politischen Theater mit politischen Theaterstücken. Sein erstes Stück - "Glatzer oder Der hektische Stillstand" - führte das Stadttheater Brandenburg auf. Das zweite Stück - "Der Kaschmirfaschismus oder Die Rache der Fledermäuse" - war im Stadttheater Dresden zu sehen. Sein drittes Stück - "Die Brücke von Vavarin" - wird am 21. März auf der Neuen Bühne Brandenburg in Senftenberg aufgeführt.

Intendant, der es persönlich inszeniert, ist Sewan Latchinian. Das Thema des neuen Stücks wird von der SPD-Zentrale mit ausgeprägter Abneigung gesehen: Denn wieder geht es, wie in allen Wallow-Stücken, gegen Gerhard Schröder Politik. In diesem Fall um seine Entscheidung, riskiert zu haben, dass bei einem so genannten humanitären Einsatz wie im jugoslawischen Örtchen auch durch NATO-Bomben Vavarin acht Zivilisten getötet worden sind.

Hans Peter Schütz

Hans Peter Schütz Worüber redet das politische Berlin, wenn die Kameras ausgeschaltet sind? stern-Autor Hans Peter Schütz hört hin und notiert wöchentlich den neuesten Tratsch aus der Hauptstadt - exklusiv auf stern.de lesen Sie seine Kolumne "Berlin vertraulich!"

Von Hans Peter Schütz
KOMMENTARE (10 von 24)
 
Corazito3333 (17.03.2009, 09:13 Uhr)
klar Mercedes oder BMW - das sind Prestigeautos
Obwohl so ein "Opel-Manta" würde vielen Politikern gut zu Gesicht stehen! Denn in ihrem Verhalten sind die meisten Politiker "asozial"
stern-schauer (16.03.2009, 22:46 Uhr)
opel, schon wieder..
kann nicht endlich mal jemand der marke den kopf abhauen. das ist ja unerträglich..
_mk
terrax (16.03.2009, 16:17 Uhr)
Umeltschutz... und unsere Regierung..
das ich nicht lache... Uns wollt ihr alles verbieten und selbst verpestet ihr die Luft. Das Ausland lacht nur noch über uns...
Schaut Euch das mal an - danach denkt ihr aber alle anders über den Umweltschutz:
http://www.youtube.com/watch?v=IaPqCMIuEk4&NR=1
http://www.youtube.com/watch?v=7Xf1qcHHBXs&hl=de
http://video.google.de/videoplay?docid=-4628933618783916339
sportartmakler (16.03.2009, 15:48 Uhr)
sicherheit geht vor
in verbindung mit freibriefen zum rasen natürlich ein wahrer gedanke.....konsequent gründe des umweltschutzes(?) und höherer kosten außen vorlassen, sicherheit geht schließlich vor, sicherheit läßt sich dem bürger immer irgendwie verkaufen....und vergessen tut er`s auch wieder. praktisch. allein der grund den auftrag dt. autobauern zukommen zu lassen, genauer gesagt dt. werken, wäre zu vertreten gewesen. der hinweis zur sicherheit jedoch ist widersinnig und es haftet ihm sofort ein weiterer gedanke an. fürs volk ausreichend aber für unsere volksvertreter zu unsicher? war bestimmt nicht so gemeint frau hasselfeld, der bürger versteht halt gern falsch.
noch "lächerlicher" sind die automatikgetriebe. eine firma, die sich sicherlich über eine normale ausschreibung oder dergleichen diesen auftrag geangelt hat ;(, macht sich also sorgen um ihre mitarbeiter, speziell um die extreme körperliche belastung? wahrscheinlich werden wohl auch alle extras, egal ob notwendig oder nicht, eingebaut werden müssen, im zuge der sicherheit versteht sich.
sorry, bei solchem stuß kann man nicht wirklich sachlich bleiben.
Silbador (16.03.2009, 15:36 Uhr)
Mal ganz ehrlich
wer will denn schon überhaupt OPEL fahren.
Nur müssen es manche halt, weil das Budget für Sterne, Ringe oder Propeller nicht recht.
DasBertl (16.03.2009, 15:01 Uhr)
@ramteid
Gäbe es die Grünen nicht wären wir Umweltpolitisch höchst wahrscheinlich auf einem ähnlichen Stand wie die USA. Das Sie also selbst in Berlin noch einigermaßen gut durchatmen können verdanken Sie unter anderen den "Chaoten". Was hinzu kommt: Deutschland muss nicht die Welt retten, doch nur wenn Deutschland mit guten Beispiel voran geht, kann es auch Veränderungen in anderen Ländern glaubwürdig einfordern. Gleiches gilt Für Regierung und Bevölkerung. Nur leider macht die Regierung (zusammen mit der FDP) mal wieder das, was Regierungen eben gerne tun: Wasser predigen und Champagner saufen!
ramteid (16.03.2009, 14:46 Uhr)
Kritik angebracht - ja, aber!
Die größte Umweltsünde sind die Grünen selbst.Das suggerieren, dass Deutschland die Welt retten müsse ist die größte selbstgemachte Umweltsünde. Wenn die ganze Welt so umweltbewußt handeln würde wie Deutschland, gebe es dieses Thema gar nicht.
Malt (16.03.2009, 14:45 Uhr)
@schade77
Ja, war eigentlich auch eher eine rethorische Frage ;-)
.
Meines Erachtens sollte es sich so gestalten: Jedem Politiker wir ein Polo Blue Motion (o.ä.) als Dienstwagen zur Verfügung gestellt werden (von mir aus auch mit Fahrer, den selbst fahrende Politiker will bestimmt niemand auf der Straße sehen - ich danke da an Althaus ;-)) - alles, was darüber hinaus geht sollen sie selber bezahlen! DAS wäre doch mal ein Zeichen an das Wahlvieh! Aber wie immer, wnn es darum geht, werden Einschränkungen wohl doch nur weiterhin dem Volk gepredigt. Schlimm, eigentlich ist es nur noch traurig, aber ich kann mich nicht mal mehr drüber aufregen...
SirDidimus (16.03.2009, 14:44 Uhr)
schade77
dass dem nicht so ist, zeigt das beispiel des ehem. nrw verkehrsminister wittke. er musste zurücktreten, weil sein führerschein zum zweiten mal weg genommen wurde.
was ist eigentlich so verwerflich daran, dass "die da oben" mercedes fahren? ich bin mir sicher, dass ein fahrzeug, dass ein solches auto besser zum wieder verkauf eignet, als ein opel. darum sollte man nicht so meckern.
allein schon die überschrift dieses artikels: Volksvertreter wollen keinen Opel fahren... das klingt ja eher nach volksverdummung statt nach sachlicher information.
schade77 (16.03.2009, 14:26 Uhr)
@malt
wer schon mal Politikerkarawanen durch die Stadt oder über die Autobahn hat brettern sehen, weiss ganz genau: auch hier sind diese Menschen aber um einiges gleicher als wir anderen. Da traut sich doch kein Polizist, die anzuhalten und wegen der klitzekleinen bösen roten Ampel oder 50 km/h zu schnell auf die Finger zu hauen...
Die Sprüche, die dann aus dem Fond des Wagens kommen, kann ich mir bildlich vorstellen...
Berlin vertraulich!

Homo politicus Hans Peter Schütz notiert in seiner wöchentlichen Kolumne den manchmal keineswegs politisch korrekten Tratsch hinter den Kulissen des politischen Berlins für stern.de.

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