21. Juni 2010, 11:32 Uhr

Wie die WM Homburger und Kauder zum Küssen verführte

Politik ist bisweilen auch nur Fußball. Und weil die schwer ramponierte Koalition in Berlin derzeit wenig zu lachen hat, bietet die WM in Südafrika eine willkommene Abwechslung. Wenn Deutschland spielt kommen sich Schwarze und Gelbe sogar ganz nahe. Von Hans Peter Schütz

 
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Volker Kauder und Birgit Homburger: Auf Du und Du seit dem ersten Deutschlandsieg der WM©

Sage keiner, die Fußball-WM sei nur Spiel und besitze keine politische Bedeutung. Sie hat. Denn sie lieferte einen wichtigen Beitrag zur Rettung der demoskopisch schwer im Rückstand liegenden und vom Abstieg in die politische Regionalliga bedrohten schwarz-gelben Koalition. Denn endlich sagen Frau Homburger und Herr Kauder Birgit und Volker zueinander. Lange hat das politische Berlin auf den Umstand gelauert, dass der CDU/CSU-Fraktionsboss und die Chefin der FDP-Fraktion sich endlich duzen. Am Tag als die deutsche Fußball-Nationalmannschaft Australien 4:0 besiegte, geschah es endlich.

Erst speiste das im südbadischen Singen am Hohentwiel aufgewachsene Duo im Berliner Ristorante Cinque, wo Homburger am liebsten nudelt, weil es nahe an der FDP-Zentrale liegt. Dann guckte man TV und feierte die deutsche Elf, "die ein richtig gutes Spiel gemacht hat." So Homburger, der man Fachkenntnis im Kicken nicht absprechen kann, weil sie früher Mal selbst gerne Profi-Kickerin geworden wäre; Kenner jener Tage behaupten, sie sei am Ball stets besser gewesen als heute am Rednerpult im Bundestag. Nach dem Abpfiff gab es Küsschen und Kauder gestand stern.de: "Ich bin mit Birgit gerne per Du, ich mag sie sehr, und das wird das Klima in der schwarz-gelben Koalition sehr verbessern." Politische Analytiker bezweifeln allerdings, ob der geglückte Spannungsabbau durch Fußball die schwarz-gelben Eheprobleme tatsächlich leichter lösbar macht.

"Trauzeugen" der neuen Verbindung waren immerhin beachtliche politische Größen: CDU-Ministerpräsident Stefan Mappus, FDP-Wirtschafts-Staatssekretär Ernst Burgbacher und Ex-FDP-Chef Wolfgang Gerhardt. Jetzt kann ja nichts mehr schief gehen mit der Wahl von Christian Wulff zum neuen Präsidenten. Es sei denn, die schwarz-gelbe Koalition spielt in der Bundesversammlung so schlapp die deutsche Elf gegen Serbien. Gewinnt Joachim Gauck, wäre dies durchaus vergleichbar mit dem von Lukas Podolski versemmelten Elfmeter.

Allerdings: Vom Fußball versteht Gauck nach eigenen Worten wenig: "Ich selbst habe Handball gespielt." Und dass er von Roten und Grünen als Kandidat nominiert worden ist, diese politische Zustimmung hat ihn sehr überrascht: "Ich bin doch nicht Beckenbauer oder Ballack", gestand er der "Berliner Zeitung", "ich bin mit allerhand politischen Kontroversen unterwegs gewesen.

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Sage keiner, der Bundestag kenne seine vaterländischen Fußballpflichten nicht. Pflichtbewusst diskutierte er am Freitag schnell noch über das Krankenversicherungsrecht und übers Waffenrecht. Ein Antrag zur Zukunft der Bahn wurde ohne Diskussion zu Protokoll gegeben, denn da zeigte die Plenumsuhr bereits 13.25 Uhr. Eine von der Linken für 14 Uhr geforderte Aktuelle Stunde über die ausgefallene Opel-Hilfe wurde gestrichen, weil zu vermuten war, dass sie vor peinlich leeren Stuhlreihen stattfinden würde. Und alle Volksvertreter rückten in der Tat blitzschnell ab, rannten die 50 Meter vom Reichstag hinüber zur Parlamentarischen Gesellschaft, dem Club der Abgeordneten. Dort gab es reichlich Bier, Wein und Fernseher fürs Spiel Deutschland gegen Serbien. Dumm nur, dass es nichts zu feiern gab. Dabei hatte der CSU-Abgeordnete Johannes Singhammer extra schwarz-rot-goldene Fähnchen gestiftet, damit die Kanzlerin, falls auch sie kommen würde, endlich mal wieder über einen Sieg jubeln könne. Wer denn nun die "Gurkentruppe" sei, wurde hinterher eifrig diskutiert. Die deutsche Elf? Ein bisschen schon, war der Tenor. Doch Singhammers CSU sagt weiterhin, es sei eindeutig auch die FDP.

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KOMMENTARE (4 von 4)
 
audio001 (22.06.2010, 06:42 Uhr)
Das Traumpaar....
einer Albtraumkoalition!
rennschnecke (21.06.2010, 15:03 Uhr)
faculdoc
Da hast Du recht !
erichmonika (21.06.2010, 14:54 Uhr)
Schauspielerei!
Die müssen ja so tun, als ob. Die Presse hat ja schon geschrieben, dass der Kauter Beklemmungen bekommt, wenn er mit der Homburger im selben Aufzug fahren muss. Überigens, das kann ich nachfühlen, mir ginge das genau so. Nicht umsonst vermisst der Kauter den Struck.
faculdoc (21.06.2010, 13:26 Uhr)
...Berlin vertraulich ...
Diesen Beitrag muss man nicht kommentieren,verehrter Herr H.P.Schütz.
Berlin vertraulich!

Homo politicus Hans Peter Schütz notiert in seiner wöchentlichen Kolumne den manchmal keineswegs politisch korrekten Tratsch hinter den Kulissen des politischen Berlins für stern.de.

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