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6. September 2010, 13:14 Uhr

Wie gut kickt Mutti Merkel?

Wie gut spielt Angela Merkel Tipp-Kick und wie führt sie künftig die Koalition - als Stürmerin oder Verteidigerin? In Berlin sind viele sicher: Früher wurde besser gekickt. Von Hans Peter Schütz

 

Sehr entspannt war es, das Treffen der baden-württembergischen CDU-Landesgruppe mit Angela Merkel vergangene Woche. Bei Krautwickeln saß man drei Stunden im Kanzleramt zusammen, geplant waren eineinhalb Stunden. Krach gab es keinen, obwohl er zu erwarten gewesen wäre. Landesgruppenchef Thomas Strobl hatte mit Blick auf die Bundesregierung geklagt: "Das Bild der Zerstrittenheit nervt viele." Es müsse endlich Schluss sein mit den öffentlichen Streitereien der schwarz-gelben Bundesminister. Die 37 Volksvertreter aus dem "Ländle", nach den nordrhein-westfälischen Abgeordneten immerhin die zweitstärkste Landesgruppe, nahmen die feste Überzeugung mit, dass Merkel die Laufzeitverlängerung bei den Atomkraftwerken im zweistelligen Bereich durchsetzen will. Und auch in der umstrittenen Frage der künftigen Struktur der Bundeswehr habe die Kanzlerin eine Lösung angedeutet, mit der auch die baden-württembergische CDU leben könne.

Für die gute Laune der Kanzlerin sorgten vor allem der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder und sein ebenfalls im Bundestag sitzender Bruder Siegfried: Sie schenkten Angela Merkel mit Blick auf die 2011 in Deutschland stattfindende Fußball-Frauen-WM ein Tipp-Kick-Spiel der im Wahlkreis Siegfried Kauders ansässigen Schwenninger Firma Mieg - ohne männliche Spieler, aber mit zwei anspruchsvoll figurierten Fußballerinnen und zwei Torhüterinnen. Die Kauders galten für diesen Abend Meister im Gendern. Nicht geschafft haben sie es jedoch, der Kanzlerin eine Antwort auf ihre Frage zu entlocken, wo sie am liebsten und besten spiele – Tormann, Stürmer oder Verteidiger. Immerhin soll Merkel zugesichert haben: "Wir suchen die schnelle Entscheidung." Fragt sich: Mit Blick aufs Tipp-Kick oder auf die künftige Politik?

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Auf fußballerischer Ebene machte jetzt auch die grüne Parteivorsitzende und bayerische Abgeordnete Claudia Roth Politik. Bei einem Gespräch mit Uli Hoeneß, dem Präsidenten des FC Bayern München, entlockte sie ihm mit Blick auf die künftige Steuerpolitik ein bemerkenswertes Geständnis: "Ich will mehr bezahlen." Die Frage ist, ob sich die CSU diese Position ihres Mitglieds Hoeneß zu eigen macht. Einerseits ist CSU-Chef Horst Seehofer strikt gegen Steuererhöhungen. Andererseits hat er aber auch schon gesagt, vom FC Bayern könne man sich abgucken, "wie man trotz großer Herausforderungen Erfolg haben kann".

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Spektakulär musste sich Bundesumweltminister Norbert Röttgen jetzt öffentlich auf Anweisung der Kanzlerin, als deren "Klügster" er gerne tituliert wird, bei Außenminister Guido Westerwelle entschuldigen, weil er den schwarz-gelben Vizekanzler im öffentlichen Gespräch als "irreparabel beschädigt" bezeichnet hatte. Wie unendlich harmonischer lief da doch der persönliche Umgang in der Politik zu Zeiten der schwarz-roten Großen Koalition. SPD-Fraktionschef Peter Struck und Volker Kauder, Chef der Unionsfraktion, wurden jenseits ihres roten beziehungsweise schwarzen Parteibuchs aufrechte Freunde.

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Diese Woche lässt sich das in Berlin besichtigen. Struck hat ein Buch geschrieben, wie es im politischen Geschäft zugeht. Titel: "So läuft das - Politik mit Ecken und Kanten." Vorgestellt wird es von Kauder, der sofort bereit war, seinem Duzfreund Struck zu einem Gespräch über den Inhalt des Buchs bei der Präsentation zur Verfügung zu stehen. Man darf wetten: Dass beide mit einem guten Schuss Sehnsucht an die gemeinsamen politischen Jahre zurückdenken. "Ich vermiss Dich," hat Kauder Struck bereits gestanden. Und eine sehr angesehene Bundesministerin seufzte: "Ach, mein Gott, was war das mit den Sozis professionell." Jetzt wartet Polit-Berlin gespannt darauf, was wohl Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück in seinen "Unterm Strich" getitelten politischen Erinnerungen schreibt, die ebenfalls demnächst vorgestellt werden.

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Frauen im Bundestag haben es nicht leicht, vor allem gut aussehende Abgeordnete. Da hat sich nicht viel verändert seit jenen Tagen vor 40 Jahren, als es die SPD-Bundestagsabgeordnete Lenelotte von Bothmer gewagt hatte, in einem Hosenanzug ans Rednerpult zu treten, obwohl der damalige Bundestagsvizepräsident Richard Jaeger (CSU), genannt "Kopf-ab-Jaeger" zuvor getobt hatte, er werde keine Frauen in Hosen dort dulden. Die linke Abgeordnete Sarah Wagenknecht musste sich jetzt die Frage gefallen lassen: "Sagen sie mal, hätten sie Karriere gemacht, wenn sie nicht so aussehen würden, wie sie aussehen?" Und die grüne Abgeordnete Agnes Krumwiede (32), die derzeit als "Miss Bundestag" gehandelt wird, erzählt von einem Kollegen, der sie gefragt hat: "Sie haben aber eine große Tasche. Die ist ja dreimal größer als meine." Sie antwortete: "Ich habe vielleicht mehr zu tun." Darauf schritt der männliche Volksvertreter zur Beleidigung: "Mein Gott sind Sie zickig!"

Von Hans Peter Schütz
 
 
Berlin vertraulich!

Homo politicus Hans Peter Schütz notiert in seiner wöchentlichen Kolumne den manchmal keineswegs politisch korrekten Tratsch hinter den Kulissen des politischen Berlins für stern.de.

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