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17. Juni 2008, 17:09 Uhr

Köhler gehen die Themen aus

In seiner nun dritten "Berliner Rede" hat sich Horst Köhler den Sujets "Arbeit, Bildung, Integration" angenommen. Moment mal, hat er darüber nicht schon des Öfteren räsoniert? Oh doch, das hat er. Das ist ja das Problem. Ein Kommentar von Axel Vornbäumen

Just den Wahlkampf eingeleitet: Bundespräsident Horst Köhler© Michael Kappeler/AP

Die gute Nachricht vorweg: Wahrscheinlich wird es die letzte "Berliner Rede" in seiner ersten Amtsperiode gewesen sein. Ein knappes Jahr ist es nur noch, dann muss sich Horst Köhler dem Votum der Bundesversammlung stellen, muss ins Gefecht ziehen gegen die muntere Gesine Schwan, jene Frau, die die Sozis in finsterer Absicht nun doch noch nominiert haben. Wie immer das auch ausgehen mag, am 23.Mai 2009 - eine weitere Rede in Schloss Bellevue kurz vor diesem Termin wäre für Köhler zu heikel, sie würde wie Wahlkampf wirken.

Schon diesmal stand die Veranstaltung ja im latenten Verdacht, Köhler wolle sich den Parteien anbiedern. Früher hielt er seine Berliner Reden in so putzigen Locations wie einen Szeneclub oder eine Schule in einem Berliner Problembezirk. Diesmal also musste es der Festsaal im Bellevue sein - bundespräsidialer geht es wirklich nicht.

Was ist die Agenda 2020?

Hat der Präsident auch was zu sagen? Doch, das hat er, immerhin eine gute Stunde lang. Worte an die Nation sind so schwer ja eigentlich gar nicht- da ist naturgemäß für jeden viel dabei, allerlei Richtiges und oft recht eng an der Grenze zum gesunden Menschenverstand. "Alltagsvernunft" nennt das der Präsident, was man in einer Sonntagsrede eben so sagt. Diesmal war alles ein wenig ungelenk komponiert - "Arbeit, Bildung, Integration" - bis auf wenige Versprecher dann aber doch recht wacker vorgetragen.

Nur, seit Roman Herzogs "Ruck" im Jahr 1997 fahndet das Volk regelmäßig nach Schlagworten in Bundespräsidentenreden - sei es, um damit zu vorgerückter Stunde auf Partys zu glänzen, sei es, um einen fahlen Lichtstrahl der Orientierung zu finden. Herzogs "Ruck", so viel darf man verraten, ist Köhlers "Agenda 2020", nein: nicht ist - wäre. Denn der Bundespräsident hat Mitte April in dem von jeglichem Intellektuellenverdacht befreiten Blatt "Super-Illu" das Schlagwort schon einmal fallen lassen - es in den Folgewochen aber verabsäumt, die Worthülse mit Inhalt zu füllen. Bis "2020", soviel ist für Köhler klar, muss vieles besser werden - nur wie, tja, das weiß der Bundespräsident auch noch nicht so genau.

Demokratie und Fußball

Dabei ist Köhlers Analyse durchaus gefällig. Dem Land in toto geht es in etwa so wie derzeit Jogis Truppe in Österreich - mit ein bisschen mehr Leidenschaft wäre allenthalben mehr drin. Das Zusammenspiel von Abwehr, Mittelfeld und Angriff heißt bei Köhler: Demokratie, Soziale Marktwirtschaft und Bürgergesellschaft. Schwächelt ein Teil, geht's den anderen auch nicht gut, so viel hat er erkannt. "Die drei hängen tausendfach zusammen und stützen sich gegenseitig", sagt Horst Köhler, "und alle drei sind bei uns in einem Zustand, der im Interesse der Integration verbessert werden muss".

Wohl war. An dieser Stelle ist normalerweise Parteienschelte fällig. Horst Köhler ist ja keiner, der mit dem Berliner Polit-Apparat auf Du und Du wäre. Doch seltsam gemäßigt fällt diesmal seine Kritik aus. Waren ihm früher die Parteien schon mal "problemaufsaugende Ungeheuer ohne Lösungskompetenz" wird nun den Volksvertretern attestiert, "insgesamt" die Sache doch sehr gut gemacht zu haben, verglichen mit den desaströsen Verhältnissen der Weimarer Republik, beispielsweise. Köhler verweist zwar auf die wachsende Politverdrossenheit im Volk, aber: Er verweist nur noch darauf und bittet sie, ernst zu nehmen - er macht sie sich nicht mehr zu Eigen. Und auch sein Traum von der Bürgergesellschaft findet Grenzen dort, wo die repräsentative Demokratie mit ihren Regeln ins Spiel kommt. Horst Köhler scheint sie plötzlich zu akzeptieren, hat allenfalls ein paar Änderungsvorschläge im Detail: eine um ein Jahr verlängerte Legislaturperiode des Bundestags, neue Abstimmungsregeln im Bundesrat, stärkerer Einfluss der Bürger auf die Wahllisten der Parteien. Darüber kann man reden. Das ist jedenfalls nichts, womit man jemanden in der Bundesversammlung verprellen kann.

Ein bisschen zu bequem

Will man streng sein, dann hat Horst Köhler mit seiner "Berliner Rede" just den Wahlkampf eingeleitet, den er vorgeblich nicht zu führen gedenkt. Der Präsident macht es sich und allen ein bisschen bequemer.

Wird etwas hängen bleiben von der "Berliner Rede"? Wohl nicht. Schon gar nicht Köhlers frommer Wunsch bei "ABI" künftig nicht mehr nur an einen Schulabschluss zu denken, sondern an : "Arbeit, Bildung, Integration".

Ein Kommentar von Axel Vornbäumen
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Clibanarius (18.06.2008, 00:59 Uhr)
@Pamela
Nicht aufregen, auf Namen schauen, persönliche Blacklist checken und bei Treffer Post einfach überspringen. Reinste Zeitverschwendung es zu lesen und gar darauf eine Antwort zu verfassen.
Ich bin auch '71.;o)
Clibanarius (18.06.2008, 00:52 Uhr)
!!
"Herr Köhler, Sie müssen weg!"
------------
*unterschreib*
gez. Clibanarius
tagora-sagittara (17.06.2008, 23:48 Uhr)
Ich hab mir diese WischiWaschi Rede...
reingezogen... ich hätte es mir schenken können,... ganz ehrlich!?,.. das Geschwafel klang wie von einem, dem der Ar... auf Grundeis geht weil seine Abwahl bevorsteht. Warum,... weil dieser Mensch kein Mensch des Volkes ist,... der labert sich seine Pension fett,... kein Bedarf auf diese Pfeife, setzten,..6,... und tschüss Herr Köhler,... Sie haben mir nichts gegeben,... Sie werden mir nicht fehlen!!
Pamela_1971 (17.06.2008, 23:26 Uhr)
@ vegefranz
Meine Güte,... Sie haben wirklich kein anderes Thema, oder?
.
Oder (ich hab´s!) Sie haben so ´ne Biertisch-Wette laufen: "Wetten, Du schaffst es nicht, im Stern-Forum 1.000 Kommentare zu posten, die alle ein- und die selbe belanglose Aussage haben!". Vielleicht ist das ja die Erklärung... oder Guiness Buch der Rekorde?
ganzbaf (17.06.2008, 23:15 Uhr)
Jaa a...

Vor Links muß dringend gewarnt werden.
Die sind einfach näher dran, an der Wahrheit, das ist immer gefährlich!... ;-p
vegefranz (17.06.2008, 22:37 Uhr)
Präsident sollte Bürger vor Linken und NPD warnen
Legitime Themen gibt es noch zuhauf: Der Präsident sollte Bürger vor Linken und NPD warnen
Tucek (17.06.2008, 22:33 Uhr)
Demokratiefreiheit
Bei mir kam die Rede von Bundespräsident Köhler anders an als beim Autor des Artikels. Er hat klar betont, dass Mitspracherecht legitim ist und damit verdeutlicht, WIE der Ruck durch unsere Gesellschaft geht. Dachten die Medien, dies gepachtet zu haben oder wieso so miesepetrig?
knilch_59 (17.06.2008, 21:55 Uhr)
Von wegen Präsident aller Deutschen …
Ich wollte, ich könnte sagen, dass Köhler nicht mein Präsident wäre. Er ist und bleibt nur ein Neoliberaler.
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ABI – Arbeit, Bildung, Integration – so seine Formel . Und nun die Frage, wie steht er persönlich dazu?
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Arbeit: Er hat die Reformen des Schröder-Regimes gelobt, sie aber als nicht weit genug gehend bezeichnet. Ihm reichen also 1-€-Jobs, 400-€-Jobs, prekäre Arbeitsverhältnisse, Generation Praktikum, sinkende Durchschnittslöhne, noch nicht aus – die Umverteilung nach oben soll weiter betrieben werden, nur mit dem Unterschied, dass sich die Manager- und Politikerkaste ihrer „gesellschaftlichen Verpflichtung“ stärker bewusst wird und vom eigenen Zuwachs – vielleicht durch mehr Almosen – freiwillig etwas mehr hergibt.
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Bildung: Wir haben kein Bildungsproblem, unser Problem ist, dass durch die faktische Aufstellung unserer Gesellschaft bestimmten Gruppen der Zugang zur Bildung nur theoretisch offen steht, weil das Schulsystem zu früh elitär differenziert. Die Vorbereitung auf die Schule ist ungenügend, insbesondere Allein Erziehende und Migranten werden alleine gelassen und durch gezielte Armut zwangsisoliert. Wenn nur Mittelschicht-Kinder die reelle Chance auf Abitur und Studium haben, gleichzeitig aber alles dagegen getan wird, dass sich die Mittelschicht noch Kinder leistet, wird sein ganzes Gerede zu blankem Hohn!
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Integration: Klar, solange er mit der Bundeswehr durch Afrika jettet, kann man leicht darüber schwadronieren – aber was hat er im Innland dazu getan? Hat er sich mal mit den Afrikanern getroffen, die der Mob durch Sachsen-Anhalt gejagt hatte? Und die Vietnamesen in Berlin integriert er wahrscheinlich dadurch, dass er sich dort die Zigaretten billiger besorgen lässt. Wann hat er sich auf die Neudeutschen aus Alt-Jugoslawien, die Wiederdeutschen aus der UdSSR, den Asylanten aus Afghnistan, Iran, Irak usw. getroffen und ein Zeichen gesetzt, dass er Migranten im Land grundsätzlich willkommen heißt? Da schließt sich der Kreis – er spielt den gönnerhaften Überflieger, aber bei der Nagelprobe fällt er durch!
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Dieser Mann ist eine Beleidigung für das Amt, das er bekleidet (besser wäre okkupiert!). Herr Köhler, Sie müssen weg!
Is2a3bella (17.06.2008, 21:12 Uhr)
Sehr geehrter Herr Köhler,

würden Sie mir bitte die folgenden Fragen beantworten.....
Hat der Bundespräsidient den EU-Vertrag abgezeichnet und warum ist das so?
Was sagen Sie zur Thematik EU-Vertrag respektive Irland:
Wird der Bürger nicht wissentlich manipuliert durch Abschreckung? Handelt es sich bei diesem EU-Vertrag nicht um ein Vertragswerk, daß selbst für sogenannte "Profis" eher schwer verständlich ist?
Ist der EU-Vertrag nicht bewußt abschreckend für die Bürger gestaltet, so daß sich die "Volksvertreter" schon darauf verlassen können, daß sich die Bürger weniger intensiv damit auseinandersetzen?
Is2a3bella (17.06.2008, 20:32 Uhr)
Ob es um...
Herrn Horst Köhler geht, Frau Gesine Schwan, Frau Angela Merkel und wie sie alle heißen...
Ist eventuell das "System" der "Politik-Elite" erkrankt?
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