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23. Mai 2011, 14:38 Uhr

Berliner Bahn-Chaos, nächster Teil

Berlin hat schon Übung im Bahn-Chaos. Doch diesmal kamen nicht nur zehntausende Pendler zu spät zur Arbeit, ein Brand bei der Bahn legte auch noch deren Homepage und ein Handynetz lahm. Die Ursache ist wohl ein Anschlag. Von Milena Mileva, Berlin

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Berlins S-Bahngäste bleiben gelassen - sie kennen sich mit Pannen aus© Wolfgang Kumm/DPA

Die Bahn kommt nicht, und Ersatzverkehr gibt es auch nicht. Zehntausende Berliner und Brandenburger hatten am Montagmorgen mal wieder Probleme, pünktlich zur Arbeit zu kommen. Wirklich wütend war allerdings keiner. Man hat sich in Berlin ja schon daran gewöhnt.

Ursache der Ausfälle war diesmal ein Kabelbrand, wie der Leiter der DB-Region Berlin mitteilte. Der wurde um 3:11 Uhr entdeckt und war um 4:30 Uhr gelöscht. Verletzt wurde niemand.

Weil eine Hauptverkehrsleitung der Bahn zerstört wurde, fielen Stellwerke im Osten Berlins und in Brandenburg aus. Auch eine Computerzentrale war betroffen. Das setzte Signalanlagen, Fahrstrom, Lautsprecher und Fahrplananzeiger außer Betrieb, so dass die betroffenen Fahrgäste nicht einmal informiert werden konnten. Das Drama hatte Auswirkungen über Berlin hinaus: So war die Internetseite der Bahn zeitweise genauso lahmgelegt wie das Netz von Vodafone.

Lokführer-Streik erschwert die Situation

Betroffen war vor allem der Verkehrsknotenpunkt Ostkreuz. Wann der Zugverkehr wieder normal laufen könne, ist noch nicht klar. Der Sprecher: "Das Kabel soll Stück für Stück repariert werden. Die Einschränkungen werden voraussichtlich den ganzen Tag über andauern." Erschwert wurde die Situation am Morgen durch einen Streik der Lokführergewerkschaft GDL bei der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH (ODEG). Damit fielen weitere Regionalbahnen aus.

Nach Angaben der Berliner Polizei brannte es in einem Kabelschacht. Die Ursache ist noch unklar, so eine Sprecherin. Ermittelt werde in alle Richtungen - vom Unfall bis zum Brandanschlag werde derzeit alles in Betracht gezogen. Wegen des Verdachts einer möglichen Straftat hat die Bundespolizei die Untersuchungen übernommen. Im Internet ist bereits ein Bekennerschreiben aufgetaucht. Eine Sprecherin bestätigte entsprechende Informationen der "Berliner Morgenpost". Linksextremisten übernahmen demnach die Verantwortung. Bereits im November hatte sich eine autonome Gruppe zu einem Kabelbrand in Berlin-Neukölln bekannt.

Die S-Bahn in der Hauptstadt hat seit langer Zeit erhebliche Probleme. Wegen technischer Mängel ist seit knapp zwei Jahren nur ein Teil der Flotte einsatzbereit. Der Rest muss in den Werkstätten sicherheitstechnisch überprüft werden. Dazu kommen umfangreiche Bauarbeiten mit dem Schwerpunkt im nun lahmgelegten Bahnhof Ostkreuz, die immer wieder zu Unterbrechungen des normalen Linienverkehrs führen.

Schwere Mängel kosten 400 Millionen Euro

Das seit 2008 anhaltende Chaos mit Achsschäden, Bremsversagen und anderen schweren Mängeln hat die Deutsche Bahn bislang 400 Millionen Euro gekostet, schreibt die "Berliner Morgenpost". "Eine dauerhafte Gesundung werden wir in unserer alten Flotte nie erreichen", sagte der für den Personenverkehr zuständige Vorstand Ulrich Homburg resigniert.

Wegen des anhaltenden Chaos überdenkt der Berliner Senat eine Neuausschreibung für das S-Bahn-Netz, dessen Verträge 2017 auslaufen. Die Fahrzeuge will das Land selbst. Laut Homburg ist dies wenig allerdings praktikabel, weil dem Land Berlin als Besteller das Know-How für die Wartung und Instandsetzung fehle.

Mitarbeit: Sophie Albers
 
 
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