16. November 2010, 11:27 Uhr

Handwerk sieht sich durch Ein-Euro-Jobs bedroht

Das Handwerk hat eine Abschaffung der Ein-Euro-Jobs gefordert. "Geförderte Arbeit konkurriert mit regulär arbeitenden Unternehmen und schafft damit mehr Arbeitslosigkeit", sagte Handwerkspräsident Otto Kentzler.

Das Handwerk hat eine Abschaffung der Ein-Euro-Jobs gefordert. "In Zeiten eines sich verschärfenden Fachkräftemangels muss der jahrzehntelange Irrweg, Langzeitarbeitslosigkeit mit künstlicher Beschäftigung bekämpfen zu wollen, endlich verlassen werden", sagte Handwerkspräsident Otto Kentzler der Zeitung "Die Welt" (Dienstagsausgabe). Er begrüßte zwar die Erwägung der Bundesagentur für Arbeit, vom massenhaften Einsatz der Ein-Euro-Jobs abzurücken und sie auf eine freiwillige Basis zu stellen. "Noch besser wäre, Ein-Euro-Jobs ganz abzuschaffen", sagte der Handwerkspräsident.

"Immer wieder werden Ein-Euro-Jobs zur Durchführung handwerklicher Tätigkeiten genutzt - auch wenn dies eigentlich verboten ist", kritisierte Kentzler. So entgingen dem Handwerk Aufträge und Arbeit. "Geförderte Arbeit konkurriert mit regulär arbeitenden Unternehmen und schafft damit mehr Arbeitslosigkeit."

Die Kommunen stellten sich dagegen hinter die öffentlich geförderte Beschäftigung. Generalkritik an den Ein-Euro-Jobs sei nicht gerechtfertigt, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, dem Blatt. Viele der 320.000 Betroffenen seien froh, wenigstens vorübergehend eine Beschäftigung zu haben, die entlohnt wird. "Das gibt Selbstwertgefühl, selbst dann, wenn dadurch nicht unmittelbar der Weg in den ersten Arbeitsmarkt gefunden wird."

Der Rechnungshof bemängelt in einem internen Bericht laut "Süddeutscher Zeitung", dass Ein-Euro-Jobs zumeist nicht die Chancen auf reguläre Arbeit erhöhen. Bei mehr als der Hälfte der geprüften Fälle von Ein-Euro-Jobs fehlten zudem die Voraussetzungen für eine staatliche Förderung. Entweder habe es sich nicht wie vorgeschrieben um eine zusätzliche Tätigkeit im Interesse der Allgemeinheit gehandelt, oder durch die Ein-Euro-Jobs sei nicht geförderten Unternehmen Konkurrenz gemacht worden.

AFP/DPA
 
 
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