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23. Oktober 2008, 08:09 Uhr

SPD und Lehrer mit Gipfel unzufrieden

Unkonkret, mutlos und vage: SPD-Politiker, Wissenschaftler und Lehrer haben die Ergebnisse des Bildungsgipfels in Dresden scharf kritisiert. Und wer das alles bezahlen solle, sei noch immer nicht geklärt, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck.

Das Plakat vor der Dresdner Semperoper sollte die Gipfelteilnehmer an das Wichtigste erinnern: gute Bildung© Jens Schlueter/DDP

Die Ergebnisse des Bildungsgipfels von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder sind auf zum Teil scharfe Kritik gestoßen. Vor allem SPD-Politiker zeigten sich unzufrieden. Sie vermissen konkrete Vereinbarungen und Finanzierungszusagen. Kritik kam aber auch vom Deutschen Lehrerverband und vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Hingegen begrüßten CDU-Politiker die Ergebnisse des Gipfels.

Merkel und die Länderregierungschefs hatten sich am Montag darauf verständigt, dass die Ausgaben für Bildung und Forschung bis 2015 auf zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöht werden sollen. Derzeit werden für Bildung 6,2 und für Forschung 2,7 Prozent ausgegeben. Umstritten ist noch, welchen Anteil davon der Bund und welchen Betrag die Länder übernehmen sollen.

Vereinbart wurde ferner, den milliardenschweren Bund-Länder-Hochschulpakt zur Schaffung zusätzlicher Studienplätze und zur Verbesserung der Hochschulforschung über 2012 hinaus bis 2020 zu verlängern. Weitere Vereinbarungen betreffen Sprachkurse für Migrantenkinder und benachteiligte Jugendliche, verbindliche Sprachtests vor der Einschulung, die Halbierung der Abbrecherzahlen in Schule und Lehre durch mehr vorbeugende Hilfen sowie nachträgliche Bildungschancen für Arbeitslose.

Die SPD-Bildungspolitiker Jörg Tauss und Christel Humme bedauerten, dass das Gipfel-Papier "in weiten Teilen eine Sammlung vager Zielformulierungen, politischer Absichtserklärungen und abermals vertagter Entscheidungen" enthalte. Die Juso-Bundesvorsitzende Franziska Drohsel und ihr Stellvertreter Ralf Höschele sagten ebenfalls, die Ergebnisse enthielten "viel bereits längst Beschlossenes, viele unkonkrete Absichtserklärungen und nur wenige neue Maßnahmen".

"Herbe Enttäuschung"

Die Bundesvorsitzende der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Bildung, Eva-Maria Stange, kommentierte: "Als Tiger gestartet, als Bettvorleger gelandet - dieser Bildungsgipfel bleibt am Ende eine herbe Enttäuschung." Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) kritisierte vor allem, dass es noch keine Einigung zur Finanzierung gebe. Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschef Erwin Sellering (SPD) monierte eine mangelnde Unterstützung des Bundes für Kinder aus armen Familien.

Der Bildungsgipfel ändere nichts am eklatanten Lehrermangel an den Schulen, kritisierte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, in der "Stuttgarter Zeitung". "Der Bildungsgipfel ist in der Geschichte eine unbedeutende Fußnote." Der Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, Arend Oetker, bedauerte: "Bund und Länder zeigen sich mutlos. Sie haben das Ziel aufgegeben, mehr junge Leute zur Aufnahme eines Studiums zu motivieren."

Lob von der CDU

Nur CDU-Politiker sahen den Bildungsgipfel als Erfolg an. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen wertete das Treffen als "zukunftsweisendes Signal". Auch Nordrhein-Westfalens Regierungschef Jürgen Rüttgers sprach von einem "großen Fortschritt". Baden-Württembergs Kultusminister Helmut Rau betonte: "Meine Erwartungen sind erfüllt worden." Sein Amtskollege Henry Tesch aus Mecklenburg-Vorpommern sagte, in Dresden seien Vereinbarungen getroffen worden, "die schon lange auf der Dringlichkeitsliste stehen und auf eine höhere Qualität in der Bildung abzielen".

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), erläuterte, viele Beschlüsse von Dresden seien von der KMK entwickelt worden. "Insofern haben sich die Bemühungen der Kultusministerkonferenz gelohnt." Der Präsident des Deutschen Industrie und Handelskammertages (DIHK), Georg Ludwig Braun, mahnte in der "Rheinischen Post", dass die guten Ideen des Gipfels nicht im Streit um die Finanzierung auf der Strecke bleiben dürften.

DPA
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
Westerle.Merkwelle (24.10.2008, 20:45 Uhr)
Dieses Bildungssystem ist eine Katastrophe
• Milliarden € Steuergeschenke für die Superreichen => leere Staatskassen
• Massenarbeitslosigkeit, HartzIV und Millionen neuer Billigjobs
• Eltern, die oft mehr als einen Job brauchen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten
• Unkontrollierter Fernsehkonsum schon für Kleinkinder
• Sprachdefizite, die Lebensläufe festlegen, bei der Einschulung
• Dreigliedriges Schulsystem ohne Rücksicht auf die unterschiedliche Entwicklung von Kindern
• Lehrermangel seit Jahrzehnten
• Lehrmittelfreiheit - Vergangenheit
• Studiengebühren
• "Elite" - Universitäten
Zufall? Nein!
Pech? Nein!
Das hat alles ein System! Und wenn man mal die Sache aus einer gewissen Entfernung betrachtet, kann man den roten Faden erkennen.
Naomi Klein: "Die Schockstrategie" - ein Buch, das vieles erklärt. (http://www.naomiklein.org)
Aaron71 (24.10.2008, 11:26 Uhr)
die Bildungskompetenz
sollte wirklich bei den Ländern bleiben. Denn nur so lässt sich wirklich eindrucksvoll belegen, dass Länder, in denen die CDU alleine oder gemeinsam mit der FDP regiert nicht nur wirtschaftlich weit vorne liegen, sondern ausnahmslos auch bei der PISA Studie am besten abgeschnitten haben. Das ist eine Tatsache, die man auch als noch so ideologisch eingekrusteter Linker nicht vom Tisch gelogen bekommt.
SethusCalvisius (24.10.2008, 00:25 Uhr)
Man sollte vorsichtig sein,
wenn man fordert, den Ländern die Kompetenz für die Bildung zu entziehen. Eine bundesweite Bildungspolitik würde nach derzeitigem Stand von Frau SDchavan und Frau Merkel bestimmt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das besser würde. Da lassen wir lieber die Länder machen, denn da gibt es doch zumindest die Chance, dass hier und da etwas gutes herauskommt.
atticus (23.10.2008, 11:06 Uhr)
Das Muster ist altbekannt...
die Fürsten werden immer mächtiger, Zentralgewalt ist nur noch eine Marionette. Und jetzt halt mal in der Bildungspolitik. Die Provinzfürsten hätten zwar alles gern vom Bund bezahlt, reinreden lassen wollen sie sich aber nicht. Und da kommts dann zu diesen Absurditäten, dass Schulwechsel zwischen den einzelnen Lädenrn ein Abenteuer werden , weil in jedem Fürstentum was anderes gelehrt wird. Aber das System ist ja supiklassetoll, aber auch supi... Ich kann dieses ganze Geseiere echt nicht mehr hören.
schmutz (23.10.2008, 09:53 Uhr)
Schwer zu Verstehen..
Der Bildungsgipfel lässt uns mal wieder einen Blick auf den Ist Zustand der Deutschen Politik werfen. Ein paar Stunden zusammensitzen ohne konkrete Beschlüsse. Anschließend Fototermin mit Kinder (soll ja bei den Wählern immer gut ankommen), gefolgt von der üblichen Schlammschlacht (SPD: Alles Mies, CDU: Alles Super). Das Deutschland es seit Jahren nicht schafft, sein Schulsystem zu reformieren ist einfach nur noch frustierend. Es lässt uns einen Blick werfen auf die Deutsche Politk, die einfach nicht in der Lage ist wichtige Aufgaben zu bewältigen, die einfach nicht Entschlussfähig ist (oder es nicht sein will). Bildung ist für ein Land ohne nennenswerte Rohstoffreserven ein wichtiger Bestandteil der Zukunftsfähigkeit, allen ist es Bewusst (oder es wird behauptet das es einem Bewusst ist), aber es passiert nichts. Den Parteien geht es, wie immer, nur ums taktieren, um guten Willen zeigen ohne sich freilich auf irgendetwas festnageln zu lassen (bloß nicht Konkretes). Wie soll man den Menschen klarmachen, das 500 Milliarden in die Wirtschaft gepumpt werden können, aber die Bildung mit Verweis auf einen ausgeglichenen Haushalt (sowieso erledigt), nie etwas übrig geblieben ist.
Na ja,
dafür haben wir nun hübsche Fotos unser geliebten Bundeskanzlerin mit adretten Schulkindern.
Ist doch auch was.
whismerh2 (23.10.2008, 09:49 Uhr)
@exiled
kurz und bündig treffend erklärt.
Erschreckend ist auch, keine 1-2 Woche für aber Millarden, für einen korrupten Sektor, die Bildungsmisere und deren notwendigen Unterstützung über Jahre hinweg Fehlanzeige.
traurig, traurig
.
"Bucklige Brotspinne", der ist wirklich gut.
globalhumanist (23.10.2008, 09:14 Uhr)
Finanzspritzen und Sofortmaßnahmen
... wie bei unserem ach so arg gebeutelten Bankensystem durfte man ja eh nicht erwarten - aber diese Ansammlung von pauschalen Lippenbekenntnissen ohne konkrete Planung und Vorstellung zur Durchführung wäre der absolute Lacher - wenn es nicht so zum Heulen wäre!
---
Beispiel gefällig?
Beschlossen wurde u.a. die Halbierung der Fallzahlen von vorzeitigen Schulabgängern - ohne auch nur ansatzweise Erläuterung, wie das denn erreicht werden soll...
---
Ein wirkliches Nothilfeprogramm wäre notwendig um die "Karre" Bildung aus dem Dreck zu ziehen. Stattdessen Platitüden, Wunschdenken, Finanzierungsdefizite und Wahlkampfgedöhns auf dem für Deutschland eigentlich wichtigsten Gipfel der letzen Jahre.
Wichtiger als jede Bankenrettung und zugleich doch stiefmütterlicher behandelt als die Managerhaftung.
---
Also weiter abwärts mit D ....
exiled (23.10.2008, 09:10 Uhr)
Web wundert's?
Was soll man von der buckeligen Brotspinne (Merkel) und ihren im Lobbyistennetz zappelnden Schergen auch anderes erwarten??
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