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20. Februar 2008, 17:51 Uhr

Merkel liest Hasler die Leviten

Die Pressekonferenz war sehr kurz, sehr nüchtern und hatte eine klare Rollenaufteilung: Kanzlerin Angela Merkel forderte, Liechtensteins Premier Hasler besänftigte - und kündigte an, ein Betrugsbekämpfungsabkommen abzuschließen. Von Lutz Kinkel

"Eine gewisse Animation zur Rechtsverletzung": Liechtensteins Regierungschef Otmar Hasler und Kanzlerin Angela Merkel© Wolfgang Kumm/DPA

Vier Fragen waren erlaubt. Zwei durften liechtensteiner Journalisten stellen, zwei durften deutsche Journalisten stellen. So verhindert man eine Debatte. Daran hatten offenbar beide Seiten ein Interesse: Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel und Liechtensteins Regierungschef Otmar Hasler. Denn sie konnten nicht mehr als Forderungen und Ankündigungen präsentieren, wie das vermurkste Verhältnis der beiden Staaten neu zu regeln sei.

Eine Frage unter den vieren war wichtig: Wird Liechtenstein das Stiftungsrecht ändern? Das Stiftungsrecht erlaubt Ausländern, ihr Kapital anonym im Fürstenstaat anzulegen. Sie müssen das Geld nur über die Grenze schaffen, dann vermehrt es sich von selbst, ohne dass die Steuerbehörde des Anlegers davon weiß. Liechtensteins Regierungschef antwortete, dass das Stiftungsrecht derzeit überarbeitet werde. Er ergänzte aber sogleich: "Es ist nicht legitim, das Stiftungsrecht mit Steuerhinterziehung gleichzusetzen". Er hätte auch sagen können, dass man bei McDonalds schließlich auch Salat essen könne.

Gleichwohl: Der gemeinsame Auftritt von Merkel und Hasler war erkennbar darauf angelegt, den Streit einzudämmen. Merkel erklärte, sie wolle vorangegangene Äußerungen "nicht auf die Goldwaage legen" - gemeint war unter anderem der Vorwurf des Liechtensteiner Fürsten, Deutschland betreibe "Hehlerei", weil die aktuelle Steuerfahndung gegen Klaus Zumwinkel und Co. auf Daten beruht, die ein Informant in der Liechtensteiner LGT-Bank beschafft und für mehrere Millionen Euro dem Bundesnachrichtendienst verkauft hatte. Merkel sagte weiter, dass die "Theorien, die da geäußert wurden" nicht tragfähig seien. Hasler schwieg.

"Animation zur Rechtsverletzung"

Die Kanzlerin trug einen grauen Hosenanzug, ihr Gesicht zeugte von anstrengenden Gesprächen. Nüchtern beschrieb sie die Forderungen, die die deutsche Regierung an Liechtenstein stellt. Das Fürstentum solle die Verhandlungen über ein Betrugsbekämpfungsabkommen abschließen, die EU-Richtlinie zur Geldwäsche umsetzen und gemeinsam mit der OECD an der Eindämmung des unfairen Steuerwettbewerbs arbeiten - mehr Hausaufgaben lassen sich bei bilateralen Gesprächen wohl nicht verteilen. Hasler konzidierte, dass sein Land gewillt sei, das Betrugsbekämpfungsabkommen abzuschließen. Die Kanzlerin ließ durchblicken, dass dies nicht in ferner Zukunft passieren sollte: "Die Vorfälle, die wir haben, sollten uns dazu anspornen, die Zeitachse zu verkürzen." So übt man Druck aus.

Nur ein einziges Mal wurde Merkel so deutlich, dass ihre Worte auch als direkter Angriff gewertet werden konnten. Sie sagte, dass sie es "nicht gut fände", wenn Liechtensteiner Banken "eine gewisse Animation zur Rechtsverletzung" liefern würden - im Klartext: Die Banken sollten künftig nicht mehr offensiv damit werben, dass ausländische Kapitalgeber in Liechtenstein Steuern sparen respektive hinterziehen können. Hasler ließ auch diesen Vorwurf unwidersprochen.

Nach etwa 30 Minuten war die Pressekonferenz im Bundeskanzleramt vorbei. Ein letztes Foto-Shooting vor den Flaggen. Die Kanzlerin verzog keine Miene.

Von Lutz Kinkel
 
 
KOMMENTARE (10 von 17)
 
mona.lisa (21.02.2008, 17:09 Uhr)
Höschen statt Hose, noch dazu im Konjunktiv
Ich kann meiner Vorrednerin nicht ganz folgen. Der Ausschnitt der Merkelschen Rede auf dem Videofilm zeigt doch was anderes, ich zitiere: ...sozusagen... daß wir das nicht gut FÄNDEN......bestehen WÜRDE.....
Das sich Drehen und Winden im Konjunktiv war nur peinlich. Das sagt niemand der die Hosen anhat, und Leviten lesen sieht auch vollkommen anders aus.
Nursery (21.02.2008, 16:01 Uhr)
Die Frau hat wirklich Hosen an

Der nette Besuch aus Lichtenstein kam mir sehr bekümmert vor.Sie hat ja nun mal die Hosen an.
Hauser29 (21.02.2008, 11:55 Uhr)
was für ein blödsinn
also wenn ich hier manche Komentare lese, dann geht mir echt die galle hoch. ich kann absolut nicht nachvollziehen, weshalb sich leute über den bnd aufregen, nur weil die jemandem kohle für informationen gegeben haben. glaubt ihr den wirklich, dass irgendwer von den "Anlegern" sich selbst angezeigt hätte..oder das vielleicht die lichtensteiner irgendwann mal ide Geldtransaktionen an unseren Fiskus gemeldet hätte?!?.. es ist nun mal so , dass man um verbrecher aufzuspüren infos braucht...und diese infos bekommst du nun mal meißtens von denen, die selbst dreck am stecken haben...und das die diese infos nicht umsonst rausrücken ist doch klar. vielleicht haben ja die, die sich darüber so köstlich aufregen (und auch noch anzeige erstatten) ja selbst ihre leichen im keller versteckt. ich jedenfalls fidne die aktion ganz gut...so ein reinigendes gewitter habenw ir mal gebraucht
guinness.1 (21.02.2008, 11:02 Uhr)
@tagora-sagittara - sehe ich genauso!
@tagora-sagittara hat Recht: das war eine gut inszenierte Show für die Pressekonferenz. Vielleicht bringts ja ein paar Wählerstimmen mehr.
Mein gestriger diesbezüglicher Beitrag ist von der Redaktion gelöscht worden, vielleicht überlebt ja der heutige...
RomanTicker (21.02.2008, 10:07 Uhr)
Fakten
Gegen geltendes Recht haben nur die deutschen Anleger und der BND, der einen Kriminellen bezahlte für illegal erworbene Informationen.
Alle Neider finden das natürlich richtig. Mal sehen, ob das auch noch so ist, wenn Beamte auf einmal in Privatwohnungen einbrechen, um eventuell vorhandene Beweismittel für Straftaten zu sichern. Ist ja genau das gleiche.
tagora-sagittara (21.02.2008, 09:21 Uhr)
Man sah,...
zwei Politkrähen, die sich nicht wirklich gegenseitig weh tun wollten.
Alles nur Theater!!
undjetztnochder (21.02.2008, 09:03 Uhr)
Meine Prognose
Die EU - angetrieben durch Deutschland - wird sich nun zunächst alle "Steueroasen" in Europa vorknöpfen - angefangen mit Liechtenstein, aber auch Luxemburg, die Kanalinseln, Malta und schließlich die Schweiz stehen auf der Liste. Vermutlich in dieser Reihenfolge, denn ja kleiner das Land umso leichter kann die mächtige EU denen Stress machen. Eigentlich gibt es ja nur eine einzige Forderung an diese Staaten: Transparenz! Wenn die dortigen Auslandskonten der EU-Bürger erst einmal gläsern sind für den Fiskus, regelt sich alles andere von alleine. Insbesondere dürften diese Piratenstaaten dann nicht mehr attraktiv für Schwarzgelder jeglicher Art sein und so manch einer wird sich überlegen, ob er sein Geld wirklich auf die Bahamas oder sonstwohin bringt, denn das Risiko eines solchen Geldtransportes steigt mit der Entfernung erheblich. Wie schön bequem und risikoarm war da doch bisher die Fahrt über die Grenze zum Nachbarn... Dann vielleicht doch lieber gleich hier versteuern und die Sache ist sauber! Natürlich werden sich die Piratenstaaten hier und anderswo wehren, was letztendlich heißt: so lange wie möglich verzögern - aber die Sache ist eigentlich bereits abgefrühstückt, der Sack ist zu und die Piratenstaaten werden sich in Zukunft andere Einnahmequellen suchen müssen. Auf jeden Fall werden sich die kleinen Schurkenstaaten finanziell deutlich schlechter stellen als heute. Hat jemand Mitleid?
vegefranz (21.02.2008, 08:57 Uhr)
aus Erfahrung mit Erdogan gelernt?
vielleicht hat Merkel nach der Demütigung durch Erdogan wirklich auf den Tisch gehauen. Das suggeriert jedenfalls ihre Üerschrift. Ich würde aber mal die konkreten Resultate abwarten
ruebesamen (21.02.2008, 08:21 Uhr)
Richtig gut...
Das fand ich richtig gut von unserer Kanzlerin. Eine Form von Diplomatie, die auch innerparteilich und innerkoalitioär oft ihre Berechtigung hätte.
Aurum (21.02.2008, 05:12 Uhr)
O Weh!
Die Leviten? Das gibt wieder Ärger! Bestimmt wieder eine Großdemo in Köln. Und der Author dieses Artikels wird zur Steinigung freigegeben.....
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