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24. November 2009, 06:48 Uhr

FDP-Vize kritisiert Merkel

Der Streit ums Betreuungsgeld wird persönlich: FDP-Vizechefin Cornelia Pieper wirft Kanzlerin Angela Merkel vor, "Gefangene der CSU" zu sein. Gerade als Ostdeutsche müsse Merkel es besser wissen.

Buschkowsky, Heinz, Interview, Integration, Einwanderer, Migranten, Migration, Türken, Neukölln

Wie lassen sich Familien am besten fördern? Die CSU fordert ein Betreuungsgeld in bar, die FDP will es in Gutscheine - beispielsweise für Kitas - stecken© Matthias Rietschel/AP

Im Streit der Bundesregierung um das für 2013 geplante Betreuungsgeld beharren die Liberalen auf einem Gutscheinsystem. Die stellvertretende FDP-Vorsitzende Cornelia Pieper stellte sich grundsätzlich gegen die Barauszahlung der 150 Euro monatlich an Familien, die Kinder unter drei Jahren zu Hause betreuen. "Das kommt für die FDP nicht in Frage", sagte Pieper der "Frankfurter Rundschau". Unter Hinweis auf den Koalitionsvertrag bekräftigte sie ihren Vorschlag, alternativ zum Betreuungsgeld Gutscheine auszugeben.

Über Kanzlerin Angela Merkel sagte die Staatsministerin im Auswärtigen Amt: "Ich glaube, sie ist in dieser Frage Gefangene der CSU geworden." Als Ostdeutsche sollte die Kanzlerin um den Wert frühkindlicher Bildung in Krippen und Kitas wissen.

Auf dem Weg zur "Bildungsrepublik" müsse Deutschland möglichst früh "das Gold in den Köpfen heben", betonte Pieper in der Zeitung. Dazu seien vorschulische Bildungsangebote zu verstärken, nicht aber Sozialtransfers an die Familien. "Hier ist ein Umsteuern angesagt: Geld an die Familien mindert die Chancengerechtigkeit, schafft keine Anreize, etwaige Betreuungsangebote anzunehmen, und verstärkt somit soziale Selektion", so die FDP-Politikerin. Gutscheine würden überhaupt erst die Möglichkeit der Wahlfreiheit schaffen.

"Das hat mit meinem Menschenbild nichts zu tun"

Merkel hatte am Samstag auf dem Landesparteitag ihres CDU- Heimatverbandes in Mecklenburg-Vorpommern gesagt, Familien, die ihre Kinder zu Hause betreuten, müssten selbst darüber entscheiden dürfen, wie sie das Geld verwenden. "Wenn wir diese Diskussion anfangen, dass man Familien nicht mehr zutrauen kann, (...) damit etwas Vernünftiges zu machen - dann tun wir etwas, was mit meinem Menschenbild zumindest nichts zu tun hat." Dies war als Abrücken von früheren Aussagen zum Betreuungsgeld und Plädoyer für Barzahlung verstanden worden.

Am Montagabend ließ die Kanzlerin jedoch eine Festlegung in Sachen Betreuungsgeld bestreiten. Der Kurs sei unverändert, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm der "Süddeutschen Zeitung". Merkel habe auf dem Landesparteitag lediglich grundsätzlich auf die Frage geantwortet, ob der Staat Familien vorschreiben solle, wie sie mit staatlichen Leistungen umzugehen hätten. Diese Frage habe Merkel, bezogen auf das Kindergeld, mit Nein beantwortet. Dies ändere aber nichts an den Plänen, beim geplanten Betreuungsgeld Wege zu suchen, die es verhindern, dass das Geld nicht den Kindern zugute komme. Dazu kämen unter anderem Gutscheine in Betracht. Wilhelm verwies auch auf Äußerungen der Kanzlerin, dass eine Lösung so ausgestaltet sein müsse, "dass die Freiheit der Eltern gestärkt wird, ohne dass dabei die Bildungschancen für Kinder verloren gehen".

CDU, CSU und FDP hatten sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, ab 2013 allen Eltern, die Kinder bis zu drei Jahren selbst betreuen, ein Betreuungsgeld in Höhe von monatlich 150 Euro zu zahlen. Für das bar gezahlte Betreuungsgeld macht sich vor allem die CSU stark. Vor allem die FDP, aber auch einige CDU-Politiker sind skeptisch, ob von einer Barzahlung in allen Fällen auch die Kinder profitieren.

chs/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 32)
 
1ullameyko (25.11.2009, 07:48 Uhr)
Gießkannprinzip?
Ich kann die Logik in der "Kinderförderung " nicht erkennen. Statt sich zu streiten, in welcher Form man den Eltern bzw deren Kinder die staatlichen "Wohltaten" zukommen läßt, wäre es sinnvoller in BRD- weite Ganztagesschulen und Ganztagskindergärten mit gut geschultem Personal und kleinen Gruppen (man wird ja wohl mal träumen dürfen) zu investieren um mehr Chancengleichheit zu schaffen. Das kommt dann wirklich den Kindern zugute. Ach, und dann bekommen die Harzt IV KInder wieder nix, weiles den Eltern von den Leistungen abgezogen wird, gelle? Deutschland ist sowas von zynisch geworden...
auwei (24.11.2009, 17:30 Uhr)
@evitaevita
Nun ja, Adenauer hatte NICHT Recht. Die Leute kriegen keine (jedenfalls zu wenige) Kinder, um unsere Umlagesysteme am Laufen zu halten. Ob das Kindergeld ein geeigneter Anreiz ist, sei dahingestellt (ich wäre ja eher für a) bessere Betreuungsmöglichkeiten, b) höhere Löhne (sodass u.U. auch EIN Gehalt reicht - muss ja nicht der Mann sein ) und c) eine weniger kinderfeindliche Gesellschaft. Aber seis drum, den Konservativen ist die Illusion der 50er-Jahre-Familie eben so "viel" Kohle wert. Zum Argument "es gibt bereits genug Menschen auf der Welt": Sehe ich im Prinzip auch so, aber in Bezug auf die Finanzierung unserer Systeme hilft das nicht. Nicht mal mit massiver Zuwanderung - und was die Deutschen mehrheitlich davon halten, ist ja ausreichend bekannt. Fazit: Mit Ihrer Haltung läuft die BRD zukunftstechnisch noch sicherer vor die Wand als mit den gutgemeinten Versuchen, die "Wurfquote" zu erhöhen.
evitaevita (24.11.2009, 17:02 Uhr)
Adenauer hatte Recht
Auch ohne Kindergeld gäbe es kein einziges Kind weniger. UND: 7 Milliarden Menschen auf der Erde, 1 Milliarde hungert -. und wir fördern das Werfen mit über 200 Milliarden Euro pro Jahr!
Kippi (24.11.2009, 16:50 Uhr)
Gutschein-System
Mit ihrer Forderung das Betreuungsgeld
durch Gutscheine auszuzahlen, spaltet die
FDP die Gesellschaft. Sie spricht von Unterschicht und wird demnächst fordern, dass Sozialhilfe- und Hartz IV - Empfänger sowie Geringverdiener in "Gutscheinen"
ausgezahlt werden. Vom Begriff der " Menschenwürde" haben diese Herrschaften offensichtlich noch nie etwas gehört; es sei denn, es geht um ihre eignen Interessen. Aber sie gehören ja auch zur " besseren " Bevölkerungsschicht !
ARMES DEUTSCHLAND !!!
auwei (24.11.2009, 16:33 Uhr)
@evitaevita
Und "nicht-Werfen" (um in Ihrer Terminolgie zu bleiben) wird ein enormes Verlustgeschäft für die gesamte Gesellschaft. Schon mal daran gedacht? Familienpolitik kommt doch nicht aus reiner Herzensliebe sondern aus sozio-ökonomischem Kalkül. Und wer Kinder für die Rente will, muss Anreize setzen. So einfach ist das, Adenauer hat eben geirrt ("Kinder kriegen die Leute immer").
evitaevita (24.11.2009, 15:54 Uhr)
Süsser die Kassen nie klingen!
Das Kindergeld ist DIE Einkommensquelle, die sich in den letzten Jahren um 700 Prozent erhöht hat. Dazu noch Betreuungsgeld. Das Anspruchsdenken ist inzwischen so ausgeufert, dass die Elternlobby glaubt, das sei alles noch viel zu wenig! Das grenzt schon an Anmaßung! Der persönliche Kinderwunsch und das private Glück darf doch nicht von der Allgemeinheit bezahlt werden! Werfen ist zum Geschäft verkommen!
simbadische (24.11.2009, 14:48 Uhr)
? Kindeswohl ? Familienförderung ?
Sind wir doch mal ehrlich - es geht doch nicht um das Wohl der Kinder ! Es geht um die Durchsetzung eines bestimmten Weltbildes !

Ich habe meine Kinder gerne selbst erzogen, das war eine bewußte Entscheidung. Eigentlich hätte ich auch als Grundschul-Lehrerin arbeiten können. Dann hätte ich mich um die Kinder anderer Menschen gekümmert während meine eigenen von Fremden versorgt worden wären (hätte ich ziemlich schräg gefunden) - Und genau diese Entscheidungsfreiheit wünsche ich mir für alle Familien ! Da helfen kein Betreuungsgeld und keine Gutscheine ! Führt lieber ein Familiensplitting ein ! Bei uns leben vier Erwachsene (Eltern und zwei Studenten mit geringem BAFöG-Anspruch) und zwei Jugendliche von einem Einkommen. Zugegeben ist das z.Z. A 14 (ohne Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, das zahlt der Arbeitgeber meines Mannes schon lange nicht mehr). Dennoch ist unser reales Pro-Kopf-Einkommen nicht besonders üppig. Das ist das eigentliche Problem : niemanden interessiert wieviele Personen vom Familieneinkommen leben, die Kinderfreibeträge sind viel zu gering. Und daran wird sich NIE etwas ändern. Da traut sich keiner ran : Rentner und Ehegatten-Splitting-Nutznießer haben eben mehr Wählerstimmen als Familien mit Kindern (egal in welcher Konstellation sie zusammen leben!) solange man erst ab 18 ein Wahlberechtigter ist !
Adabei (24.11.2009, 13:44 Uhr)
@simabdische
Sie nehmen mir die Worte aus dem Mund. Gebt Familien endlich ein stärkeres politisches Mitspracherecht. Dann gibt es keine sinnlose Geldverheizung via Betreuungsgeld, sondern familienGERECHTE Entscheidungen in der Politik!
VolkerRockel (24.11.2009, 12:39 Uhr)
Der Streit ist relativ überflüssig...
Es darf vermutet werden, dass spätestens beim Bundesverfassungsgericht Schluss gewesen wäre mit dem Gutschein-Modell!?

Denn nicht alles was Politik glaubt regeln zu können, ist dann auch noch verfassungskonform.
laluna3 (24.11.2009, 12:38 Uhr)
Gutscheine
Fuer wie unfaehig bitte haelt der Staat die Buerger?
Muss ich mir dann jeden Monat z. B.1 Kinokarte oder eine Eintrittskarte fuers Schwimmbad abholen? Oder darf ich mit einer Einkaufsliste, die der Staat mir vorschreibt, bei Lidl oder Aldi einkaufen?
Ich sehe schon eine Frau von der Leyen, die mit ihrem Gutscheinheft einkaufen geht.
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