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29. August 2007, 10:58 Uhr

Panzer vor dem Krankenhaus

Wirklich neutrales Terrain scheint es während des G8-Gipfels in Heiligendamm nicht gegeben zu haben. Selbst in einem Bad Doberaner Krankenhaus kontrollierten Feldjäger der Bundeswehr, wer sich auf den Klinikfluren aufhielt. Von Manuela Pfohl

Ein Fahrzeug der Bundeswehr im Einsatz für den G8-Gipfel© Danny Gohlke/DDP

7. Juni. Vormittags. Kamil Majchrzak ist auf dem Weg zu den Blockaden in Börgerende. Der polnische Journalist will für "Le Monde Diplomatique" ein Interview mit den Protestierern machen, als er von einer Polizeieinheit angehalten und kontrolliert wird. Die Beamten finden eine Sonnenbrille und eine schwarze Jacke. Majchrzak, wird festgenommen, seine Hände werden mit Kabelbindern auf dem Rücken fixiert. Der 30-Jährige soll in die Gefangenensammelstelle nach Kröpelin gebracht werden.

Er sagt: "Was danach kam, weiß ich nicht mehr. Ich wurde ohnmächtig und bin erst in einem Krankenhaus in Bad Doberan wieder aufgewacht." Der Journalist traut seinen Augen nicht, als er sieht, dass vor der Klinik Panzerwagen stehen. "Als ich dann auch noch von Bundeswehrsoldaten untersucht wurde und feststellte, dass auch vor den Krankenzimmern Soldaten waren, bekam ich Panik."

"Ich habe gedacht, bloß schnell weg"

Majchrzak lässt sich auf eigenen Wunsch entlassen. "Ich habe gedacht, bloß schnell weg. Das kann doch nicht sein, dass jetzt schon die Krankenhäuser von der Armee besetzt sind." Tatsächlich hat das Bundesverteidigungsministerium vom 30. Mai bis 10. Juni das Hausrecht in der Klinik an die Bundeswehr übertragen. Generalmajor Heinz-Georg Keerl kann sich bei einem Besuch bei Klinik-Verwaltungsleiter Uwe Borchmann von der "guten zivil-militärischen Zusammenarbeit" zur "Unterstützung des zivilen Krankenhauspersonals bei der ambulanten und stationären Patientenversorgung" überzeugen.

Dass der Einsatz von Soldaten des Sanitätsregiments 12 aus Fürstenau und vom Lazarettregiment 11 aus Breitenburg mindestens bei den eingelieferten Gipfelkritikern "Befindlichkeiten" auslösen könnte, wird bei dem Treffen nicht erörtert.

Frank Matz von der Hannoveraner Gewerkschaft Gesundheitsberufe (GGB) nennt das Ganze einen "skandalösen Vorgang". In einem Brief an die Klinikleitung fordert er am 14. Juni eine Erklärung. Er will unter anderem wissen, "auf wessen Initiative diese Zusammenarbeit stattfand". Er fragt, "welche Rechtsgrundlage es dafür gab, dass sich Patienten und Besucher nur in Begleitung bewaffneter Feldjäger im Krankenhaus bewegen konnten". Vier Wochen später sagt er: "Ich habe bis heute keine Antwort bekommen."

Von Manuela Pfohl
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
Midnight_74 (01.09.2007, 08:25 Uhr)
ZMZ- das Zauberwort für neue Aufgaben
Die Bundeswehr möchte mittels ZMZ den Einsatz im Innern salonfähig machen. Es ist grotesk: der orginäre Katastrophenschutz wird zurückgebaut und die milliardenschwere Bundeswehr soll jetzt die löchrigen Strukturen flicken! Das kann nicht sein, da die Bundeswehr keine Einsatzorganisation ist und z.B. wochenends gar nicht verfügbar ist. Es ist mittlerweile schon so weit fortgeschritten, dass sich Reservistenkameradschaften auf dem Markt ausgemusterte Feuerwehrfahrzeuge beschaffen und sich damit ausstatten. Das ist gesetzesbruch und kompetenzüberschreitung, ausserhalb jeder Kontrolle. Ein Blick in die "Loyal" genügt. Während der Einsatz von ehrenamtlichen bei Feuerwehr, Rotem Kreuz, THW usw. nahezu kostenfrei ist, dann soll mir mal jemand erklären, wer die Kosten für den Einsatz von Soldaten übernehmen soll? Jede Stunde muss voll bezahlt werden, DUZ-Zuschlag und weitere Ausgleichsregelungen. Das darf nicht zu Lasten des Steuerzahlers gehen! Während jeder im Katastrophenschutz eine Ausbildung erhält, hat die Bundeswehr nichts in dieser Richtung vorzuweisen, sie bildet ja zum Töten aus. Ich möchte nicht in einer Notlage sein und in Kontakt mit solchen Amateuren kommen müssen!
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