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1. Februar 2009, 15:17 Uhr

Der Hilferuf der Berliner Schulen

Es wird viel über die Bildungsrepublik gequatscht und wenig getan. Deswegen haben die notleidenden Schulen des Berliner Bezirks Mitte einen Brandbrief an die Politik geschrieben. Was hat er gebracht? Und was wird das Konjunkturpaket II für die Schulen bringen? stern.de war vor Ort. Von Mandy Schünemann und Jacob Thießen

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Brandbrief vom Schulleiter - ein Graffiti an der Max-Planck-Oberschule© Mandy Schünemann

Die Bevölkerung Deutschlands schrumpft - allein deswegen ist der Zuzug aus dem Ausland überlebenswichtig. Tatsächlich ist Deutschland inzwischen Europas Einwanderungsland Nummer Eins. Das bestätigt eine kürzlich publizierte Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Aber sie zeigt auch die Kehrseite der Entwicklung: Zugewanderte und ihre Nachkommen - also etwa 15 Millionen Menschen - sind im Durchschnitt schlechter gebildet und häufiger arbeitslos. Der Studie zufolge sind am häufigsten Türken betroffen. Etwa ein Drittel hat keinen Schulabschluss, nur 14 Prozent machen Abitur. Diese Zustände verspricht die Politik immer wieder zu ändern, gebetsmühlenartig sagt Kanzlerin Angela Merkel, die Bildungspolitik dürfe kein Talent vernachlässigen, die Integration müsse voran getrieben werden. Aber wie sieht es wirklich aus?

68 Schulleiter des Berliner Bezirks Mitte haben Mitte Januar einen Brandbrief losgeschickt. In dem Schreiben stellen sie fest, dass der Bezirk vor seinem "bildungspolitischen Aus" steht. Die Gründe: Personalknappheit, mangelnde Ausstattung und die unzureichende Integrationspolitik. Der Bezirk habe einen Migrantenanteil von 90 Prozent, eine hohe Kriminialitätsrate und die Mehrheit der Familien sei sozial benachteiligt. Das schlage auf die Schulen durch. Hier kämpften die Lehrer mit Analphabetentum, mangelnden Deutschkenntnissen und Schulabbrechern. Zeit und Geld für Fördermaßnahmen sei schlicht nicht vorhanden. Die Ergebnisse der Pisa-Untersuchung und der Studien Iglu und Timms zeigten die Resultate.

"Gute Schüler fliehen"

Die Folge: "Gute Schüler fliehen in Scharen aus dem Bezirk oder aus dem öffentlichen Schulsystem", heißt es im dem Brandbrief, Zulauf hätten dagegen die zahlreich gegründeten Privatschulen. "Es wird allerhöchste Zeit, dass nicht nur über Bildung geredet wird, sondern auch etwas passiert", resümiert Jochen Pfeifer, Schulleiter des John-Lennon-Gymnasiums, im Gespräch mit stern.de.

Pfeifer gehört zu jenen sieben Direktoren, die stellvertretend für alle 68 Schulen in Berlin-Mitte sprechen. Er sagt, dass insbesondere die Zurückhaltung der Berliner Integrationssenatorin Heidi Knake-Werner (Die Linke) für Ärger gesorgt habe. Erst lag der Brandbrief - genauso wie der Rütli-Brief vor drei Jahren - einen Monat lang beim Bezirksamt herum. Als er endlich Beachtung fand, habe die Integrationsbeauftragte das Thema nicht ernst genommen. "Das empfinden wir als ziemlich skandalös", sagt Pfeifer.

"Notschrei" findet Aufmerksamkeit

Ein Fortschritt sei dagegen das Treffen mit dem Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) in der vergangenen Woche gewesen. Es habe zwar keine konkreten Ergebnisse gegeben, so Pfeifer, aber der Senator habe den "Notschrei" wahrgenommen. Auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), schaltete sich ein. Sie traf sich mit sieben Vertretern der Schulen in Berlin-Mitte zu einem Gespräch. Ein Sprecher Böhmers sagte stern.de, die Staatsministerin wolle sich in den kommenden Wochen verstärkt für die Belange der Schulleiter einsetzen. Sie werde sich unter anderem mit Botschaftern der Herkunftsländer der Zuwandererkinder treffen, um "die Relevanz der Elternarbeit" zu betonen.

Lee Hielscher, 20, Sprecher der Landesschülervertretung Berlin, steht voll hinter dem Brandbrief. "Dadurch ist eine Diskussion losgegangen, die bitter nötig war", sagt er zu stern.de. Seiner Ansicht nach leiden die Schulen unter einer "neoliberalen Bildungspolitik", die wesentliche Probleme missachte. "Zu viele Zuwanderer sind nicht das Problem", sagt Hielscher. "Wenn sie nicht richtig Deutsch können, muss man das eben fördern, zum Beispiel durch Programme wie Deutsch als Zweitsprache." Die Umsetzung hänge aber an vielen Schulen davon ab, ob Lehrer dazu bereit seien, "sich mehr oder weniger ehrenamtlich einzubringen".

Über 300 Millionen Euro für Berlin

Das Konjunkturpaket II wird daran vermutlich nichts ändern. Denn das auf die Berliner Schulen entfallende Geld - immerhin 308 Millionen Euro - ist hauptsächlich für Bauinvestitionen vorgesehen. "Das ist etwas, was einen Teil unserer Forderungen entschärfen kann", sagt Direktor Pfeifer. Aber eben auch nur einen Teil - den was nutzt die schönste Schule, wenn dort weiterhin kein Geld für zusätzlichen Deutsch-Unterricht ist? Obendrein sorgt sich Pfeifer, dass ein Teil des Geldes für die Schulreform abgezwackt wird. Der rot-rote Senat will will Haupt-, Real- und Gesamtschulen zu einer Regionalschule zusammenlegen.

Aus Kostengründen wurden in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Schulen "fusioniert", zum Beispiel die Max-Planck-Oberschule und das Charles-Darwin-Gymnasium in Berlin Mitte. Solche Zusammenlegungen bringen allerdings immer wieder erhebliche Unruhe mit sich: Die Schüler müssen sich an neue Räume, Lehrer und Klassenkameraden gewöhnen. "Wir haben große Probleme, die Schüler des ehemaligen Charles-Darwin-Gymnasiums zu motivieren", sagt Schülersprecher Yannik Maximilian Schneider zu stern.de. Der Grund: Die Darwin-Schüler pauken jetzt im Gebäude der Planck-Schule - und zwar in großen, neu zusammengesetzten Klassen.

"Kein Gymnasial-Niveau"

Auch hier macht sich die Probleme der Integrationspolitik bemerkbar. "44 Prozent der Schüler sind nicht-deutscher Herkunft", sagt Schneider. "Es sind einfach keine ordentlichen Deutschkenntnisse vorhanden. Der Unterricht in Geschichte leidet zum Beispiel unheimlich darunter, weil die Texte nicht so kompliziert sein dürfen." Hätte Yannik ein Kind, würde er es nicht auf seine Schule schicken. "Das Niveau" entspräche einfach "nicht mehr dem eines Gymnasiums".

Mitarbeit: Lutz Kinkel
 
 
KOMMENTARE (10 von 27)
 
utospatz (03.02.2009, 19:48 Uhr)
Wie war das noch mit
bildungspolitischen Arschlöchern?
16fach landespolitisch bezahlte Armleuchter, gewählt, kulturell, christlich und sozial gequält, 90% davon verlassen seit jahrzehnten das Land, hunderttausend angeblich ausbildungsunfähige verbleiben daheim. Hat irgendwann ein christlicher Depp denn nachgefragt, ob 50millionengewinner Schremp-Crysler-Arschloch nach seinen ehemaligen Beschäftigen fragt?
vegefranz (02.02.2009, 16:37 Uhr)
@hamburg: das spricht für Dich
aber vielleicht hast Du gute Gründe. es heisst übrigens "widersprechen"
hamburg123 (02.02.2009, 13:18 Uhr)
@vegefranz
ihre ausführungen erinnern mich ein wenig an das dritte reich. ich will ihnen ja nicht wiederprechen, aber ein bisschen suspekt ist mir das schon.
vegefranz (02.02.2009, 11:30 Uhr)
noch mehr geld für nicht Integrationswillige ausgeben? - dumme Idee
da es politisch nicht korrekt it, gibt es hierzu keine zahlen, ber Interessant wäre mal auszurechnen, in welcher Höhe sach-, Personenschäden, vergebliche Antigewalt-Kurse, gefängniskosten, Sprachkurse etc durch nicht integrationswillige verursacht wurden. Und da haben Ewiggestrige noch die Idee, es müsse "mehr Geld" ausgegeben werden. tatsächlich muss man Integrationswillige und -fähige fördern. Den Rest muss man vor die Tür setzen. Unter dem Strich hat man da sehr viel Geld gespart
gmathol (01.02.2009, 23:57 Uhr)
Geld fuer Afghanistan, den zionistischen Staat und die Banken ist ja reichlich vorhanden.
Mensch, wehrt euch doch endlich! Wollt ihr erst abwarten bis man euch wieder die Haut vom Leibe zieht.
Streicht das Militaer endlich wieder zusammen, oder teilt Deutschland auf.
Dirk_37 (01.02.2009, 23:51 Uhr)
n8g8
Dann sind Sie ja einer der wenigen privilegierten, die in den Genuß einer Privatschule kamen, freut mich für Sie. Ich denke nicht jeder, der Mitglied der CDU/CSU/FDP ist, hatte sich seine Noten erkauft. Genausowenig wie es übrigens die Politiker der anderen Parteien taten, sie spielen da etwas mit Ressentiments:-)
...
Wir stecken in einem Dilemma: ich weiß sehr wohl um die Lage der meist "ausländischen" Schülern in unserem Land, die Statistiken und eigene Erlebnisse sprechen ja Bände. Ich finde dies auch nicht in Ordnung und sage ja klar, daß speziell dort sehr viel Geld fließen muss, damit man die Rahmenbedingungen verbessert. Aber:
Sie reduzieren diese Situation allein auf die mangelnde Unterstützung der Politik, im speziellen nennen Sie die FDP. Gut, lassen wir das mal so stehen, ändern werde ich Ihre Einstellung nicht. Mein Credo ist, daß, wenn sowohl die Eltern als auch der Schüler willens und fähig sind, es auch unter den jetzigen (sicherlich stark verbesserungswürdigen) Umständen ein vernünftiger Abschluß erreichen lässt. Punkt.
...
Klar, die Klassen sind zu groß, die Baulichkeiten teilweise abbruchreif, manche Lehrer unmotiviert usw. Mir ist das zu einseitig. Wenn ich mit meiner Familie in ein anderes Land ziehe (und bitte nicht wieder die Nazikeule auspacken, das zählt nicht:-) )dann werde ich allein schon wegen meiner Kinder versuchen, so schnell wie möglich mich dort anzupassen, die Sprache zu erlernen und meine Kinder fördern. Wenn mir dieser andere Staat dann in irgendeiner Weise unter die Arme greift, umso besser!
...
Das meine ich, beide Seiten müssen deutlich mehr tun. Integration ist in erster Linie eine Sache, die im eigenen Interesse der Betroffenen liegen muß. Ebenso aber muß jedem klar sein, das "Ghettoisierungen" sowohl langfristig wirtschaftliche wie gesellschaftliche Mißstände herbeiführen!
Das " Heile-Welt-Bild" werden wir in den nächsten Jahren nicht erreichen und deshalb rate ich jedem, seine kinder maximal zu fördern und sich anzupassen. Das ist übrigens kein Verrat an der eigenen Herkunft, ich persönlich sehe die Immigranten als eine Bereicherung unserer Kultur in vielen Bereichen, spreche aber auch die Probleme an, die dadurch entstehen können. MfG Dirk
n8g8 (01.02.2009, 21:22 Uhr)
@dirk
Der Fairness halber: Ich habe keine staatliche Schule besucht und trotzdem/deshalb - im Gegensatz zu manchem CDU/CSU/FDP-Politiker - ohne finanzielle Extramittel, nen akademischen Abschluss erreicht. Schön, oder? :-)
n8g8 (01.02.2009, 21:16 Uhr)
@dirk: Richtigstellung
Es geht bei Bildung sehr wohl um sozial-benachteiligte und auch ausländosche Schüler. Genau DIE sind eben das Problem und genau diese werden von DIESEM System produziert. Ihre Schreckensbeispiele belegen genau DAS!!!
Kooomisch, bei dem (Ver-)Kohl hatten "wir" seltsamerweise noch nicht solche Probleme mit dem "sozialen Status"... Trotz Berliner Bauarbeiter-Demos.-
Woher kommts?!? Von der sozialen Marktwirtschaft wohl kaum.-
Dirk_37 (01.02.2009, 21:08 Uhr)
n8g8, Schwätzer!
Sorry,
Sie haben mit keinem Wort den Monatsbeitrag erwähnt, den die Gymnasien ja Ihrer werten Meinung nach kosten sollen:-)
Offensichtlich haben Sie sehr schlechte Erfahrungen machen müssen und sich ihre Noten erkaufen können, bei uns musste man einfach dazu lernen.
Ich beschönige die Verhältnisse deutscher Schulen nicht, kenne selber Lehrer in meinem Freundeskreis, die sich Sorgen machen. Auch befürworte ich generell die Bildung viel stärker in den Vordergrund zu rücken. Ganz einfach aus der Struktur unserer Wirtschaft heraus, wir brauchen Fachkräfte weil wir einfach ein Exportland sind, so einfach ist das.
Schwarzmaler wie Sie allerdings wollen das persönliche Versagen von Eltern und Schülern auf andere umwälzen, und das sehe ich anders. Selber genug mitgemacht im Leben, mit 400 DM/Monat BaföG ausgekommen, gekellnert und nix von Papi in den A... geschoben bekommen, weil der selber kleiner Angestellter bei der bahn war, und jetzt gehts mir gut! Sechsstelliges Jahreseinkommen, klar rede ich jetzt leicht. Aber der Weg dorthin war steinig und ich arbeite auch ein bisschen mehr als der Durchschnitt! Ich kenne "Ausländer", die es geschafft haben, "Ossis" im zweiten Bildungsweg, die nach der Wende (weil sie vorher nicht auf der entsprechenden Schule waren) ihr Diplom machten! Also erzählen Sie keinen Blödsinn, wer intelligent genug und willens ist, kann es schaffen. Natürlich muss das Elternhaus mitspielen, da kann das Kind nichts dafür!
MfG Dirk
Dirk_37 (01.02.2009, 20:56 Uhr)
nachtrag
Es gehts nicht um Ausländerdiskreminierung oder in der Art, auch nichts gegen sozial schwache Familien! Natürlich muss mehr für Bildung getan werden, viel mehr. Aber das persönliche Versagen der Schüler wie Eltern immer den Lehrern, Politikern oder sonst wem anzuheften ist schlicht falsch!
Zwei kurze, selbst erlebte Beispiele:
1 türkischstämmiger Junge, übersprang die zweite(!) Klasse und machte mit 17 ein Abitur, bei dem einem die Tränen kamen. Nur im Sport war er, weil er ein Jahr jünger war als wir, nur auf einer Zwei! Er ist heute promovierter Wissenschaftler, hatt sich sein Studium zum Teil nachts bei ARAL verdient! Respekt!!!
Nummer 2, ebenfalls türkischstämmig, ist 5 Jahre jünger als ich. Seine Eltern haben 30 Jahre lang hier gearbeitet bevor sie sich ein Haus kaufen konnten! Ich gab ihm selber Nachhilfe, damit er den Quali schafft, was er auch tat. Lehre begonnen,abgebrochen,zweimal Knast bisher (Drogen,soviel ich noch mitbekommen habe!), jetzt mit Mitte 30 entdeckte er den Islam und seine Frau bekommt auf die Backen, wenn sie alleine zum Einkaufen geht! Merken Sie was? Es geht sowohl als auch, leider wird Leistungsbereitschaft nicht honoriert und Faulheit oft entschuldigt mit allen möglichen Scheinargumenten.
Da geht mir der Hut hoch, natürlich sind bei uns auf dem Land die Verhältnisse gravierend besser, auch in den Schulen. Deswegen ja, mehr investieren in Bildung, aber nicht immerzu jeden in Schutz nehmen, der zu faul ist, den Hintern hochzubekommen.MfG Dirk
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