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Neue Lehrer braucht das Land

Es ist Zeit, dass wir über Lehrer reden: Denn der Schulalltag wird geprägt von Frauen und Männern, die langweiligen Unterricht machen, die Kinder traktieren, träge sind. Dabei gibt es auch solche: motiviert, begeisternd, zugewandt. Das sind die Glücksfälle. Und Deutschland braucht mehr von ihnen.

Von Catrin Boldebuck

  • Catrin Boldebuck
    Catrin Boldebuck

Der Musiklehrer Herr H. pickt sich im Unterricht gern mal die Schwächsten raus, zum Beispiel den dicken Moritz aus der vorletzten Reihe. "Komm mal nach vorn und räum den Müll da weg", sagt er und kickt mit dem Fuß gegen ein zusammengeknülltes Papier auf dem Boden. Der korpulente 15- Jährige zwängt sich durch die Stuhlreihen und geht nach vorn. Herr H. läuft hinter Moritz her. Der Lehrer watschelt und schnauft, er imitiert die schwerfälligen Bewegungen von Moritz. Der bückt sich. Der Lehrer zeigt auf die Jeans von Moritz, die beim Bücken einen Teil seines dicken Hinterns freigibt. Die Klasse johlt. Moritz sagt nichts. Mit rotem Kopf geht er zurück an seinen Platz. Eltern haben sich beim Direktor über den Lehrer beschwert. Ohne Erfolg. Herr H. unterrichtet seit 25 Jahren an der Schule. Durch seinen Unterricht sind bislang Tausende Schüler gegangen.

Die Deutschlehrerin Frau B. unterbricht regelmäßig ihren Unterricht, greift ihre Tasche und murmelt: "Muss schnell noch was kopieren." Dann verlässt sie die Klasse. Nach fünf Minuten kommt sie wieder - ohne Kopien. Die ganze Schule weiß: Frau B. hat ein Alkoholproblem.

Schulszenen auf Youtube

Auf der Videoplattform Youtube laufen Filme, die Schüler während des Unterrichts mit Handykameras aufgenommen haben. Da kann man Szenen aus dem Schulalltag wie diese sehen: Schüler unterhalten sich, einige stehen auf und laufen durch die Klasse, einer mit brennender Zigarette. Der Lehrer sitzt teilnahmslos am Pult. In einem anderen Film brüllen sich der Techniklehrer und ein Schüler an. Der Lehrer geht auf den Schüler los, greift dessen Jacke, die auf dem Tisch liegt, und schlägt sie auf die Schulbank. Im Internetportal Spickmich können Schüler ihre Lehrer bewerten: von "guter Unterricht" über "faire Noten" bis "beliebt" gibt es zehn Kategorien. Mehr als 900.000 Mädchen und Jungen haben bisher mitgemacht. Natürlich kühlen Schüler im Schutz der Anonymität auch mal ihr Mütchen. So lästert ein Elfjähriger: "Am liebsten würde ich alle meine Lehrer für 1.000.000 Jahre auf 'ne Uni schicken, damit sie mal neuen Stoff lernen zum Beibringen!" Das Bild, das dabei von Deutschlands Pädagogenschaft entsteht, ist verheerend: unvorbereitet, unpünktlich, unfair. Unfähige Lehrer gehören zum Schulalltag wie Tafel und Kreide.

Niemand dürfte so mit Erwachsenen umspringen. Wer in seinem Job mit Stühlen schmeißt oder ohne die Erlaubnis die Taschen von Kollegen durchwühlt, kassiert eine Abmahnung. Zwischen Lehrern und Schülern kommen solche Ausfälle viel zu häufig vor. Ohne Folgen.

Es ist ein tägliches Drama. Eltern vertrauen den Lehrern das Liebste an, was sie haben: ihre Kinder. Wenn die mit sechs bis sieben Jahren zur Schule kommen, brennen sie darauf, Lesen und Schreiben zu lernen. Und was erleben sie dann? Lehrer nehmen ihnen die Lust am Lernen, indem sie ihre Schüler entmutigen oder langweiligen Unterricht machen. Schwache Schüler lassen sie auf der Strecke, schwierige sortieren sie aus. Jeder vierte Schüler bleibt während seiner Schulzeit mindestens einmal sitzen. 20 Prozent können nicht richtig lesen, schreiben oder rechnen. Bereits bei den 13-Jährigen ist das Feuer erloschen: Nur 16 Prozent gehen noch sehr gern zur Schule.

In Deutschland kann jeder Lehrer werden

Lehrer machen nicht irgendeinen Job. Sie haben einen der schönsten und wichtigsten Berufe. Einen mit sehr viel Verantwortung. Lehrer formen junge Menschen. Sie verteilen Chancen. Sie entscheiden, wer Abitur macht, wer es später zu etwas bringt und wer nicht. Es ist eine schwierige Aufgabe, 25 bis 30 Kinder zu unterrichten, jedes einzelne zu fördern. Das kann nicht jeder. Dafür sollten die Besten gerade gut genug sein. Nicht in Deutschland. Hier kann jeder Lehrer werden, der ein mittelmäßiges Abitur vorweist.

Professor Udo Rauin von der Universität Frankfurt hat in einer Langzeitstudie die Motivation von Pädagogen untersucht und dazu 1100 angehende Lehrer zwölf Jahre lang wissenschaftlich begleitet. Sein Fazit ist vernichtend: Nur 35 Prozent sind sehr engagiert. Für ein Viertel ist der Beruf eine Notlösung. "Das Studium zieht Leute an, die sich ein schwieriges Studium nicht zutrauen", sagt der Erziehungswissenschaftler. Sie wollen nicht mit Kindern arbeiten, sondern einen krisensicheren Job. "Viele glauben, dass sie als Lehrer Beruf und Familie besonders gut vereinbaren können." Deshalb fordert Rauin: Weg mit dem Beamtenstatus. Er lockt die falschen Leute an.

Lehrer jammern zu viel, findet jeder zweite Deutsche. Über die Kinder, die Eltern, die vielen Unterrichtsstunden. Lehrer arbeiten 45 bis 55 Stunden pro Schulwoche, sagt der Deutsche Lehrerverband. Doch Lehrer haben 13 Wochen Ferien im Jahr - mehr als doppelt so viel wie alle Festangestellten. Drei Viertel der etwa 800.000 Lehrer sind Beamte. Ihr Job ist sicher bis ans Lebensende. Sie zahlen nicht für ihre Rente ein, und sie kommen beim Arzt als Erster dran, weil sie privat versichert sind. Ihr Gehalt steigt automatisch, und wenn sie heiraten und Kinder kriegen, gibt der Staat noch etwas obendrauf. Nur in Luxemburg, der Schweiz und Korea verdienen Lehrer noch mehr als in Deutschland.

Hilfloses Gemurkse

Die Wahrheit über die Lehrer unserer Kinder ist brutal: Zu viele Pädagogen machen den falschen Job mit der falschen Ausbildung. Doch statt über die Menschen zu reden, doktern Politiker und Wissenschaftler an den Strukturen herum. In Hamburg zanken Eltern, Lehrer und Schüler über die Einführung der Primarschule bis 2010, Schleswig-Holstein schafft die Hauptschule ab. Alle Bundesländer verkürzen die Zeit bis zum Abitur von neun auf acht Jahre. Ein hilfloses Gemurkse. Zu Recht gehen Schüler und Eltern auf die Barrikaden. Sie beschweren sich in Internetforen, gründen Bürgerinitiativen und strafen Politiker bei Landtagswahlen ab.

Auch davon hätte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in den vergangenen zehn Wochen ein Bild machen können - auf Bildungsreise im eigenen Land. Sie informierte sich in 13 Kitas, Schulen, Betrieben und Universitäten. Aber es gab kaum ein Wort über das Kernproblem: die Lehrer. Umso deutlicher formuliert die neue Studie "Zukunftsvermögen Bildung", die die Unternehmensberatung McKinsey im Auftrag der Bosch-Stiftung erstellte, was schiefläuft in der Bildung. Das Fazit der Pädagogen und Ökonomen: Deutschland braucht einen pädagogischen Kurswechsel.

Einer der Autoren der Studie ist Manfred Prenzel. Der Leiter der deutschen Pisa-Studie fällt ein ungewöhnlich hartes Urteil: "Von Profis erwartet man, dass sie ihre Leistung systematisch überprüfen." Doch in Deutschland werden nur die Schüler regelmäßig getestet, nicht die Lehrer. "Lehrer wissen zu wenig darüber, was von ihrem Unterricht tatsächlich bei ihren Schülern ankommt", sagt Prenzel. Vielen mangelt es schon am Handwerkszeug: Grund- und Hauptschullehrer brauchen mehr Fachwissen. Gymnasiallehrer müssen in Didaktik und Pädagogik nachsitzen. Gezielte Weiterbildung ist dringend notwendig. Doch gute Schule gibt es nicht zum Nulltarif. Allein für die Fortbildung der Lehrer wären bis 2020 Investitionen von 15 Milliarden Euro notwendig, rechnen die Unternehmensberater vor.

Es gibt Ausnahmen

Natürlich gibt es auch in Deutschland begnadete Pädagogen. Geschichtslehrer, mit denen die Schüler in den Punischen Krieg ziehen. Mathe-Lehrer, die Primzahlen zum Schillern bringen, und Biologen, bei denen der Zitronensäurezyklus zum Krimi gerät.

Anika Schirmer ist eine dieser neuen Lehrerinnen, die zeigen, wie es geht und wie viel ein guter Pädagoge bewirken kann. Seit zwei Jahren unterrichtet Anika Schirmer Deutsch und Spanisch an der Robert-Bosch-Gesamtschule in Hildesheim. Gemeinsam mit ihren Kollegen arbeitet die 31-Jährige systematisch an der Verbesserung des Unterrichts. So ist es üblich, dass sich die Lehrer gegenseitig im Unterricht beobachten und anschließend über die Qualität diskutieren: Haben alle Schüler das Buch "Die Rote Zora" gelesen? Haben sie Lesetagebücher geführt? Sinnvolle Notizen gemacht? Genug gelernt? "Am Anfang hatte ich vor der Hospitation tierische Angst", sagt Anika Schirmer. "Aber das Feedback hilft mir, meinen Unterricht noch besser zu machen." Der Einsatz der Lehrer in Hildesheim hat sich gelohnt: Vor einem Jahr wurde ihre Schule von einer Expertenjury zur besten Schule Deutschlands gekürt. Sie bekam den Deutschen Schulpreis.

Ralf Kerstgens, 45, unterrichtet am Maria-Sibylla-Merian-Gymnasium in Telgte. Im Speckgürtel von Münster gehen 60 Prozent der Kinder aufs Gymnasium, viele kommen aus der Mittelschicht. Für Ralf Kerstgens endet das Engagement für seine Schüler nicht nach der sechsten Stunde. Sie können ihn immer anrufen: "Wenn es ein Problem gibt, dann will ich das klären, sonst können die Kinder sich nicht aufs Lernen konzentrieren." Kerstgens hat eine Homepage für seine Klasse eingerichtet. Dort finden Kinder und Eltern nicht nur die Termine für den nächsten Elternsprechtag und die Englischarbeit, sondern auch Hinweise, was drankommt. Zusammen mit Kollegen arbeitet Kerstgens an dem Konzept "Schülern helfen Schülern": Am Nachmittag sollen starke Schüler den schwächeren Hausaufgabenund Nachhilfe geben. Ralf Kerstgens: "Wir wollen die kommerziellen Nachhilfe-Institute überflüssig machen, sie sind ein Armutszeugnis für unser Schulsystem."

Gute Lehrer wechseln die Perspektive

Gute Lehrer sorgen dafür, dass jedes Kind in seinem Tempo lernt. "Lernen ist ein durch und durch individueller Prozess", sagt der Pädagogik-Professor Peter Fauser, einer der Autoren der McKinsey-Studie. Er fordert: Lehrer müssen verstehen, wie Kinder denken, ihre Sicht einnehmen. Wie das funktioniert, erklärt er an einem Beispiel: Wenn der Physiklehrer fragt: "Warum schwimmt ein Schiff?", geben Kinder ganz unterschiedliche Antworten: Weil es aus Holz ist. Weil es einen Kapitän hat. Weil es durch den Auftrieb das Wasser verdrängt. "Alle Antworten sind richtig", sagt Fauser. Für den Physiklehrer, der nur sein Fach im Blick hat, gibt es nur eine richtige Antwort. "Alle guten Lehrer wechseln die Perspektive, jeder kann das lernen", sagt Fauser.

Dagmar Gräber unterrichtet an der Tackenberg-Grundschule in Oberhausen Mathe, Deutsch, Musik, Religion und Sachunterricht. Die 37-Jährige arbeitet viel mit Wochenplänen. Die Arbeitsblätter liegen in bunten Kisten in der Klasse aus: Rot für Deutsch, Blau für Mathe, Grün für Sachkunde. Jedes Kind löst die Aufgaben in seinem Tempo. Wer früher fertig ist, bekommt zusätzliches Lernfutter. Projekte wie das über Haustiere bereiten die Lehrerinnen gemeinsam vor. "Den Unterricht neu zu gestalten ist anstrengend. Das kostet viel Zeit", sagt Dagmar Gräber. "Aber wenn die Kinder allein arbeiten, mich gar nicht mehr bemerken - dann habe ich meinen Job gut gemacht."

Für Schüler und Eltern sind solche Lehrer wie ein Sechser im Lotto. Ein glücklicher Zufall. Die systematische Auswahl, Ausbildung oder Belohnung guter Lehrer findet in Deutschland nicht statt. Das muss sich ändern.

Vorreiter Finnland

Finnland lädt zum Abgucken ein. Die Schüler des Landes zwischen Helsinki und Rovaniemi holten nur deshalb beim Pisa-Vergleich schon zum dritten Mal die meisten Punkte, weil sie hervorragende Lehrer haben. Nur die Besten dürfen Kinder unterrichten. Die Auslese ist hart und gefürchtet: 6500 Bewerber kämpften in diesem Sommer um 800 Plätze. Drei Tests waren zu bestehen. Erst müssen die Aspiranten Fragen zu einem Text über Erziehungswissenschaften beantworten, dann ein Gruppeninterview überstehen und sich zum Schluss einem Einzelgespräch stellen. Alles dreht sich um Pädagogik. Matti Meri, Professor an der Universität Helsinki und Leiter des Auswahlverfahrens, sagt: "Wir brauchen keine Lehrer, die wunderbar Flöte spielen. Wir brauchen Menschen, die sich fragen: Wie erreiche ich, dass Kinder gern Flöte spielen?" Der Beruf des Lehrers genießt hohes Ansehen. Das zieht gute Leute an.

Zulassungstests vor dem Studium? Warum nicht endlich auch in Deutschland? Gymnasiallehrer Ralf Kerstgens hat in Nordrhein-Westfalen jahrelang Referendare ausgebildet. "Etliche davon mochten keine Kinder. Denen hätte man sagen müssen: ,Lass die Finger von dem Beruf, das ist nichts für dich!‘" Das tat Kerstgens aber nicht. Das ist ein Tabu in Deutschland. Kaum einer fällt bei der Lehramtsprüfung durch.

Auch das Studium muss reformiert werden. "Ich wurde in mittelalterlichem Englisch geprüft", erzählt Kerstgens. Das braucht er höchstens, wenn er mit seinem Leistungskurs in der Oberstufe religiöse Lyrik im Original liest. Was er dagegen wirklich im Schulalltag benötigt, hat er im Studium nicht gelernt. "Viele meiner Schüler wissen in der fünften Klasse nicht, wie sie ihren Ranzen packen oder wie sie ihre Hausaufgaben planen sollen." Kerstgens hat sich deshalb im "Methodentraining" weitergebildet. Freiwillig.

Anreize fehlen

In der Wirtschaft wird gute Arbeit belohnt: mit mehr Gehalt oder Sonderzahlungen. In der Arbeitswelt Schule gibt es keinen Anreiz, den Unterricht zu verbessern. Für Lehrer ist es vollkommen egal, wie viele ihrer Schüler fehlerfrei lesen können, den Dreisatz kapieren oder beim Abitur durchfallen. Ihr Gehalt steht fest. Am wenigsten verdienen Grund- und Hauptschullehrer, obwohl sie die meisten Stunden in der Klasse stehen und die schwierigsten Schüler haben.

Isabelle Menz unterrichtet jede Woche 28 Stunden Mathe, Englisch und Religion an der Martin-Luther-King-Hauptschule in Köln. Dazu kommen Vor- und Nachbereitung sowie Elterngespräche. Dafür erhält sie im Monat 3174,10 Euro brutto. Ihr Kollege Ralf Kerstgens vom Gymnasium (Englisch, Religion und Sport) hat auf seiner Gehaltsrechnung für 25,5 Stunden Unterricht insgesamt 4520 Euro brutto. Das sind über 1300 Euro mehr im Monat. Isabelle Menz findet das ungerecht: "Wir machen alle die gleiche Arbeit mit unterschiedlichen Schwerpunkten. An der Hauptschule müssen wir mehr erziehen, fördern und Probleme klären, der Kollege am Gymnasium muss mehr korrigieren."

Alle Lehrer sollen das gleiche Grundgehalt bekommen und dazu Prämien für Leistung. Auch hier lohnt sich ein Blick über die Grenze: nach Finnland, Dänemark oder den Niederlanden. Dort bekommen Lehrer für die Förderung von Schülern oder die Betreuung der Theater-AG zusätzliches Geld. Ein ähnliches Modell berechnen derzeit Ökonomen am Institut der Wirtschaft (IW) in Köln für Deutschland.

Zuschläge für manche Fächer

Prämien könnte es zum Beispiel für herausragenden Unterricht geben. Oder für den Einsatz an Brennpunktschulen. Helmut Klein, Leiter der IW-Studie, sagt: "In einem besonders schwierigen Umfeld brauchen wir die besten Lehrer. Warum sollen die nicht auch besser verdienen?" Auch über Zuschläge für Fächer denkt er nach: "Es fehlen Lehrer für Mathe, Physik und Informatik. Die Studenten sind so begehrt, die gehen lieber in die Wirtschaft als in die Schule."

Zur Finanzierung der Prämien wollen die Experten den Altersbonus und die Heirats- und Elternzulagen abschaffen. Bei Gymnasiallehrer Ralf Kerstgens, verheiratet, zwei Kinder, macht die Zulage fast 300 Euro im Monat aus. Die Mehrheit der Lehrer wünscht sich sogar eine Bezahlung nach Leistung: 80 Prozent sind dafür. Das zeigt eine neue Forsa-Umfrage im Auftrag der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft". Auch die Lehrer-Gewerkschaft (GEW) fordert das seit Langem.

Die Schulleiter sollen entscheiden, wer eine Prämie bekommt. Sie können am besten beurteilen, wer viel leistet. Wilfried Kretschmer leitet die Robert-Bosch-Gesamtschule in Hildesheim. "Ich hätte gern die Möglichkeit, engagierten Kollegen mehr zu zahlen als denen, die nur Dienst nach Vorschrift machen." Zum Beispiel den Lehrern der Fächer Natur, Geschichte und Wirtschaft, die zurzeit für die neunten Klassen fächerübergreifenden Unterricht vorbereiten: Die Schüler werden in einem Naturschutzgebiet Pflanzen bestimmen, Wasserproben nehmen und das Leben im Mittelalter auf einer Burg erforschen.

Die Schulleitung sitzt am Hebel

Die Schulleiter rücken in der McKinsey-Studie ins Rampenlicht: Hinter jeder guten Schule steckt ein guter Manager. Von ihm hängt ab, ob das Kollegium weiter vor sich hinschnarcht, oder ob es den Lehrplan umkrempelt, Kontakte zur Wirtschaft sucht und Musikinstrumente für die Schule organisiert. "Alle internationalen Befunde zeigen, dass in der Führungsqualität der Schulleitung der entscheidende Hebel für die Qualität von Schulen zu finden ist", heißt es in der Studie. Damit nicht jedes Bundesland seine Schulmanager unterschiedlich ausbildet, fordern McKinsey und die Bosch-Stiftung die Gründung einer "deutschen Akademie". An dem zentralen Institut sollen Lehrer, Forscher und Staatsbeamte gemeinsam lernen, Schule zu entwickeln. Ähnliche Akademien arbeiten bereits erfolgreich in Großbritannien und Österreich.

Ein völlig neues Profil entsteht: Schulleiter sollen wie Unternehmer handeln, Strategien für ihre Schule entwickeln, die Leistung ihrer Lehrer überprüfen.

Früher bestand die Aufgabe des Direktors darin, überspitzt gesagt, die Abiturrede zu halten und die Stundenpläne zu organisieren. "Heute muss ich kommunizieren, Teams motivieren und moderieren", sagt Schulleiter Kretschmer. Als er die Chance bekam, für seine Schule ein eigenes Budget zu verwalten, griff er zu - als einziger Rektor in Hildesheim. "Viele wollen die Verantwortung nicht." Von den rund 75.000 Euro pro Jahr kann er Büromöbel oder Lehrmittel wie Tafeln kaufen, Lehrer davon bezahlen darf er aber nicht. Für die meisten Lehrer ist der Schulleiterposten ein undankbarer Job: zu viel Verwaltungsarbeit, kaum Geld für die Mehrarbeit an Grund- und Hauptschulen. Tausende deutsche Schulen haben derzeit keinen Chef.

Schulleiter Heinz Klein von der Martin-Luther-King-Schule in Köln wundert das nicht. Er fordert: "Gebt uns mehr Freiheiten." An seiner Hauptschule entschied er vor sieben Jahren: "Keiner bleibt mehr sitzen." Fünfer-Kandidaten schickt er in Förderkurse am Nachmittag. Heinz Klein möchte seine Lehrer selbst aussuchen können - und notfalls entlassen dürfen. "Es geht nicht darum, sich als Boss aufzuspielen", sagt er. "Wir müssen Schule besser machen: für unsere Kinder!"

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