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22. Oktober 2008, 18:31 Uhr

Merkels ungedeckter Scheck

Ein Jahr lang hatte die Bundesregierung für den Bildungsgipfel in Dresden getrommelt. Gebracht hat er wenig. Die einzige wichtige Einigung bestand darin, dass die Bildungsausgaben erhöht werden sollen. Allein: Noch weiß keiner, wer das bezahlen soll. Von Sebastian Christ, Dresden

Begeisterung sieht es anders aus: Bundeskanzlerin Merkel nach dem Bildungsgipfel© Norbert Millauer/ddp

Irgendwie war das alles anders geplant. Ein dichter Vorhang aus kleinen und großen Nieseltropfen hängt über Dresden und taucht die Stadt in dampfdicke Luft. Mistwetter. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) scheint das alles nicht zu stören. Als Gastgeber lächelt er stets und sieht dabei sogar noch optimistisch aus. Man hat ihm einen Schirm gereicht. Und so steht er da einige Minuten vor der Chipfabrik am Stadtrand, wo die Wiese von den Fotografen schon so in den Matsch getreten wurde, dass man locker Blumenzwiebeln darauf aussähen könnte, und die neongelben Trennwände hinter ihm sehen im Regen so traurig aus wie die Duschwände einer Informatiker-WG. Dann wird es kurz hektisch. Drei Dienstwagen fahren vor. Angela Merkel kommt die Kanzlerin. Kinder werden heran geschoben, warten. Und als die Fotografen zu knipsen anfangen, holt die Kanzlerin den kleinsten Jungen der Gruppe mit unter den Schirm. Es ist ungemütlich.

Gipfel rückte in den Hintergrund

Der Bildungsgipfel in Dresden stand seit Monaten unter keinem guten Stern. Forschungsministerin Annette Schavan hatte ihn vorgeschlagen, Merkel hatte ihn in Windeseile zur Chefsache erklärt. Doch immer wieder gab es Streit um Details und um die große Linie, sowohl im Kabinett als auch zwischen Bundesregierung und den Ländern. Jetzt beherrscht zudem noch die Finanzkrise das Tagesgeschäft, und alle Bemühungen um Reformen müssen in ihrer finanziellen Reichweite und ihrer gesellschaftspolitischen Wirkmächtigkeit angesichts des weltweiten Wirtschaftsdesasters winzig klein wirken.

So verwundert es kaum, dass die am Mittwoch gefassten Beschlüsse kaum mehr als ein kleinst möglicher gemeinsamer Nenner sind. Bund und Länder verständigten sich auf ein "gemeinsames Bekenntnis", in dem unter anderem steht, dass die Bildungsausgaben bis 2015 auf zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts erweitert werden sollen. Aber wie das geschehen soll, darüber herrscht noch brutale Uneinigkeit. "Der Bund sah sich leider noch nicht in der Lage, konkreten Maßnahmen zuzustimmen und die Kosten gemeinsam mit den Ländern zu tragen", sagte Klaus Wowereit (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin. "Der Bund hat derzeit einen Anteil von neun Prozent an den Bildungsausgaben. Das muss sich erhöhen."

"Das ist ein Riesenschritt" Merkel wiederum rechnete in aller Öffentlichkeit vor, dass es ja auch in den Kosten für das Arbeitslosengeld II Anteile gebe, die durchaus auch als Investitionen in Bildung und das Wohlergehen von Schülern verstanden werden könnten. So feierte Merkel allein das Vorhandensein eines Basis-Konsenses als großen Sieg: "Die Tatsache, dass wir uns auf 10 Prozent geeinigt haben, ist ein Riesenschritt", so Merkel. Wer nachher wie viel zahlen muss, dass soll eine "Strategiegruppe" klären. Sie wird ihre Arbeit bis zur nächsten gemeinsamen Konferenz von Bund und Ländern im Oktober 2009 abschließen - also nach der Bundestagswahl.

Bei Wowereit hörte sich die Bewertung des Kompromisses schon pessimistischer an. "Wir haben es Gott sei Dank erreicht, dass es ein gemeinsames Bekenntnis gibt", sagte er. Die Gruppe zur Klärung der Finanzierungsfrage solle aber "schnellstmöglich" ihre Arbeit aufnehmen. Es gibt offenbar massiven Klärungsbedarf aus Sicht der SPD-geführten Länder.

Einig sind sich Bund und Länder in manchen prinzipiellen Fragen. So sollen die Naturwissenschaften, das duale Ausbildungssystem und Programme zur Begabtenförderung gestärkt und die Schulabbrecherquote bis 2015 halbiert werden. In Zukunft sollen darüber hinaus 40 statt bisher 36 Prozent eines Jahrgangs das Abitur machen. Außerdem soll der Hochschulpakt fortgeführt werden. In diesem Rahmen soll das Potenzial von 275.000 neu zu schaffenden Studienplätzen in Deutschland bis 2015 voll ausgeschöpft werden. All das steht aber noch unter Finanzierungsvorbehalt.

Das Thema Studiengebühren blieb in den Redebeiträgen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich außen vor. Zu Beginn der Woche war eine Studie bekannt geworden, nach der die Campus-Maut vor allem Kinder aus sozial schwachen Familien von Studium abschreckt. Das Papier war offensichtlich vom Bildungsministerium zurück gehalten worden. "Wenn wir hier vereinbaren, dass 40 Prozent eine Jahrgangs Abitur machen soll, dann ist es kontraproduktiv, wenn es Studiengebühren gibt", so Wowereit. Und kurze Zeit später fügte er in Bezug auf den Bildungsgipfel an: "Eine abschließende Bewertung können wir noch nicht vornehmen. Es sind immer noch kritische Punkte vorhanden, und es kann sein, dass wir uns zerstreiten." Nach einem großen Wurf klingt das jedenfalls nicht.

Von Sebastian Christ, Dresden
 
 
KOMMENTARE (10 von 28)
 
peterpan1001 (23.10.2008, 11:42 Uhr)
liebe stern redaktion
warum wird mein beitrag gelöscht, wenn ich sage, das geld das jetzt an georgien verschenkt wird (100mio von deutschland) sollte besser für deutsche kinder und schulen verwendet werden.?!
jetrabbit (23.10.2008, 09:27 Uhr)
korrektur

der verlängerte arm der illuminaten in europa hat das einzig und erklärte ziel, den euro abzuwerten, dem dollar anzugleichen, damit der AMERO demnächst eingeführt werden kann.
ich bin gegen NWO.
knilch_59 (23.10.2008, 09:01 Uhr)
Die werden ihr Ziel doch erreichen!
10% des BIP für Bildung – bis 2015. Das ist Zeit genug, um diverse Kosten, die bisher anderen Bereichen zugeschlagen wurden, auf die Bildung umzulegen. Dann zählt die Holz-Pellets-Heizung für die Schule eben nicht mehr unter Öko-, Klima- und CO-2-Investitionen, sondern unter „Investition in Bildung“ – das Ziel wird scheinbar erreicht, aber nichts wird besser.
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Zunächst müsste man sich mal einigen, was man überhaupt möchte. Nicht nur innerhalb der politischen Kaste, sondern insgesamt in der Gesellschaft! Was nützt ein Hauptschulabschluss, wenn die Wirtschaft sagt, dass man keine Hauptschüler für diverse Ausbildungsberufe einstellt? Was nützt der Mittlere Bildungsabschluss, wenn angeblich die „qualifizierte Tätigkeit“ in der Branche nur von Akademikern oder Ausgebildeten mit jahrelanger Berufserfahrung bewältigt werden kann? Wie soll dann die Spanne zwischen einem Ausbildungsabschluss und der Tätigkeit überbrückt werden? Gibt es Alternativen zum Studium oder reichen alternative Zugangswege zur (Fach-)Hochschule?
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Immer im Hinterkopf behalten: Ein Großteil der Menschen, über die hier verwaltet wird, sind garantierte Nichtwähler. Die Eltern haben häufig keinen deutschen Pass, obwohl sie schon seit Jahrzehnten hier leben. Bis der Zeitpunkt erreicht ist, zu dem die Kinder über ihre Staatsangehörigkeit entscheiden dürfen/müssen, ist der wichtigste Teil der Bildung schon gelaufen. Es gibt ein riesengroßes Schwarzes Loch, darin Millionen Menschen, die zwar am Deutschen Wirtschafts- und Bildungssystem teilnehmen, nicht aber an dessen politischer Gestaltung. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Menschen durch Klientelpolitik systematisch und planmäßig vergessen und damit benachteiligt werden.
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In dieses Bild passt auch die Show-Veranstaltung „Bildungsgipfel“. Völlig expertenfrei trifft sich die politische Elite, um Absichtserklärungen zu plakatieren, die keine (!) Lösungsansätze beinhalten. Perfekte Ankündigungspolitik – Opium fürs Wahlvolk!
Wiebitte20081 (23.10.2008, 08:41 Uhr)
???
Das Bild ist Klasse.Schade nur das man es auch im Ausland sieht.Mal Ehrlich,der würde ich keinen Staubsauger an der Tür abkaufen.Dieser Blick v.,, Trotziger Entschlossenheit" und dann immer diese Gekuschel mit d. Franzosen.Geil sag ich.
insLot (23.10.2008, 08:33 Uhr)
Nicht woher, sondern warum nicht dafür!
Was für eine Lachnummer, die Frage nach dem Wer. Letztlich zahlt das der Steuerzahler. Aus welchen der durch diesen gefüllten Töpfe ist eigentlich herzlich egal!
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Wir haben Geld für Auslandseinsätze, zur Rettung privater Unternehmen uvm.
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Ganz ehrlich für die Bildung der Kinder zahle ich da lieber, zumal hier langfristig auch von einer ordentlichen Verzinsung auszugehen ist. D hats ja bekanntliche nicht mit Bodenschätzen, bleibt nur der Kopf!
Sublucem (23.10.2008, 07:53 Uhr)
Geht doch zur Wahl
Spätestens bei der Wahl wird man sehen, wer für das Volk spricht und wer nicht. So mancher meint, für alle zu reden und stellt doch wieder fest, er gehört einer Minderheit an - oder wie erklärt es sich, dass die CDU mit der SPD regiert? ;)
Ich bin mit dem, was da "entschieden" wurde, auch nicht einverstanden. Wo ein Wille ist, ist ein Weg und wer die Finanzkrise höher als die Bildungskrise ansiedelt, der zeigt ganz genau, wo seine Prioritäten liegen. Kann ich getrost darauf verzichten. Wahltag ist Zahltag.
Honigstaub (23.10.2008, 07:51 Uhr)
Alter Spruch mit aktuellem Bezug
Hoch mit der Bildung! Runter mit der Rüstung!
-Dagegen- (23.10.2008, 07:49 Uhr)
Wahltag ist Zahltag!
Wer nächstes Jahr zu Haus bleibt oder wieder seine Stimme für diese Flachpfeifen abgibt hat selbst schuld!
ganzbaf (23.10.2008, 07:42 Uhr)
Woher das Geld?

Alleine die Bonuszahlungen für die Pleitemanager in 2008 würden vollauf genügen.
whismerh2 (23.10.2008, 07:22 Uhr)
@pitiplatsch
Scheint was wahres dran zu sein, das mann bewusst nicht allen die gleiche Bildungschance ermöglicht. Wer mehr weiß, oder besser gebildet ist, stellt auch mehr kritische Fragen.
Frau Merkel weiß nich wie das bezahlt werden soll, zeigt mal wieder wie unverschämt sie Ihr Volk belügt.Ich hätte da ein Vorschlag, Chinaentwicklungshilfe zur Hälfte kürzenoder ganz sreichen, und schon ist genug Geld da.
Es gäbe gewiss noch weitere Vorschläge,die den Steuerzahler nicht belasten würden und eine Zukunftschance für unas alle darstellen würde, aber davon will unsere Mätchentante ja nichts wissen, aber wehe wenns den Banken selbstverschudet an den Kragen geht, Wie hoch war nochmals die Summe für die kfw, abgeshen was uns dieser koruppter Sauladen schon gekostet hat. Faru Merkel ist einfach nur noch peinlich.
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