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Schulkleidung statt Markenwahn

Schüler in Uniform? Auch Bayerns Ministerpräsident Stoiber und Bundesbildungsministerin Schavan sprachen sich dafür aus. Kritiker des Einheitslooks verweisen auf unselige deutsche Traditionen.

Nach Bundesjustizministerin Brigitte Zypries haben sich auch Bildungsministerin Annette Schavan und der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber positiv zur Einführung von Schuluniformen geäußert. Die CDU-Politikerin sagte der Tageszeitung "Die Welt", wenn einheitliche Schulkleidung zur Identifizierung mit der Schule beitrage und Symbol einer Gemeinschaft aller am Schulleben Beteiligten sei, dann sei das zu begrüßen. "Falls Schulkleidung darüber hinaus dem verbreiteten Markenwahn entgegenwirkt, umso besser", zitierte das Blatt Schavan. Zugleich betonte sie jedoch, die Schulen müssten selbst darüber bestimmen können, ob sie Schuluniformen einführen wollten, "und zwar in Abstimmung mit allen am Schulleben Beteiligten".

Stoiber sprach sich zumindest für Schuluniformen an den Schulen in Bayern aus. "Ich halte das für eine gute Idee", sagte der CSU-Chef in München. Allerdings sei er gegen eine gesetzlich vorgeschriebene landesweite Uniformpflicht, da dieses Thema zu umstritten sei. "Die Schulen müssen aber die Möglichkeit haben, selbst über Einführung von Schuluniformen zu entscheiden", betonte Stoiber. Eine Einheitskleidung wäre günstig gegen soziale Unterschiede in den Klassen, da ein Druck hin zu teuren Markenartikeln vermieden werden könne. Auch seien Schuluniformen von Vorteil für die Integration ausländischer Schüler. "Themen wie Burka in der Schule wären damit natürlich obsolet", so Stoiber.

"Äußerst naiv"

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus, nannte den Zypries-Vorschlag, durch die Einführung von Schuluniformen könnten religiöse und soziale Diskriminierung verhindern werden, "äußerst naiv". Der Netzeitung sagte er: "Das ist eine typische Schaufensterpolitik, mit der man glaubt, irgendwelche Schulprobleme lösen zu können." Schuluniformen hätten in Deutschland zudem eine "problematische Tradition".

"Völlig unrealistisch"

Auch der Deutsche Philologenverband (DPhV) hat sich gegen eine verpflichtende Einführung von Schuluniformen ausgesprochen. Der Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger erklärte in Berlin: "Es ist völlig unrealistisch zu glauben, mit Schuluniformen ließen sich Integrationsprobleme lösen oder der Markenfetischismus bekämpfen." Der DPhV-Chef verwies darauf, dass es in Deutschland keine historisch unbelastete Tradition von Schuluniformen gäbe. Anders als etwa in England habe das Bild uniformierter Jugendlicher im Dritten Reich in der Bundesrepublik eine wohlbegründete Abneigung gegen Schuluniformen entstehen lassen.

"Auch dem Markenfetischismus beugen Schuluniformen nicht vor", fügte Meidinger hinzu. "Denn Forscher haben herausgefunden, dass sich in Ländern mit Schuluniformen dieses Phänomen dann in andere Bereiche, zum Beispiel Handys und Uhren, verlagert." Lohnender wäre es nach den Worten Meidingers, wieder verstärkt das Augenmerk darauf zu richten, dass Jugendliche ordentlich gekleidet in die Schule kommen. Auch durch Kleidung werde ein Signal dafür gesetzt, wie ernst man Schule nehme. Schlabberlook und bauchfreie Tops haben seiner Auffassung nach im Klassenzimmer nichts verloren.

"Historisch belastet"

In Europa ist Großbritannien das Land der Schuluniformen. Auch in Deutschland gab es immer wieder Versuche, Kindern und Jugendlichen Schulkleidung schmackhaft zu machen, etwa in Berlin, Hamburg und Brandenburg. In Baden-Württemberg hatte sich der heutige CDU-Ministerpräsident Günther Oettinger 1997 in einem Grundsatzpapier für Schuluniformen stark gemacht.

Von Seiten der Kultusministerkonferenz (KMK) hieß es bisher, in der Bundesrepublik habe man sich aus historischen Grünen nach dem Zweiten Weltkrieg gegen Schuluniformen entschieden. Zu frisch seien noch die Erinnerungen an die Uniformen der Hitlerjugend und des Bundes Deutscher Mädel. Eine grundsätzliche Verordnung von einheitlicher Kleidung werfe auch die Frage auf, in wie weit in die Rechte von Schülern und Eltern eingegriffen werde.

AP/DPA/AP/DPA

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