In einem Jugenddorf in Hannover sollen Hochbegabte normal begabten Kindern lernen und Spaß haben. Christa Hartmann setzt dieses Konzept seit einigen Jahren in der Kindertagesstätte des "Christlichen Jugenddorfwerks Deutschland" (CJD) um. Die Kinder spielen zusammen, wachsen gemeinsam auf und werden gefördert. Hartmann will, "das ganz normale Leben abbilden und die Kinder entsprechend ihrer Neigungen oder Fähigkeiten so fördern, dass sie als selbstsichere, gefestigte Persönlichkeiten in die Welt hinausziehen." In fünf Gruppen können die Kinder verschiedene Angebote nutzen. Vormittags werden Kurse angeboten: Englisch, Bio/Chemie, Schach, Computer, musikalische Früherziehung, Theater und Religionspädagogik - Erlaubt ist, was interessiert. Nachmittags im Kindertreff "Fantasticus" dürfen die Kids sich richtig austoben. Hier können auch die Größeren kommen und in Kursen Theater spielen, Chinesisch lernen oder andere Angebote nutzen. Die Kinder werden nicht nach Begabung getrennt. Jeder darf alles machen, sich überall ausprobieren. Allerdings ergibt es sich doch, dass "zwei Kinder an einem Tisch sitzen, die Schach miteinander spielen und dann sieht man: Da haben sich zwei Gleichgesinnte gefunden", sagt die Diplom Psychologin. Weniger Kinder in den Gruppen, mehr Betreuungspersonal und eine gute räumliche Ausstattung sind das Fundament. Ohne entsprechende Ausstattung und das richtige Personal wäre ein das Angebot nicht machbar. Den Kindern haben Betreuer aus allen möglichen Bereichen: vom Sozialpädagogen über den Tanztherapeuten bis hin zum Erzieher.
Eltern sollen nicht nur Feste mit feiern, sie arbeiten als Experten für ihr Kind aktiv mit. Da macht der Kindergarten einen Ausflug ins Chemie-Labor, weil ein Vater den Kindern seine Arbeit zeigen und erklären will. Was kommt nach dem Kindergarten? Das CJD arbeitet mit einer Stadtteilschule zusammen, um in einem Schulversuch hoch begabte Kinder speziell fördern zu können. Lehrer und Lehrerinnen der Schule hospitieren bereits regelmäßig im Kindergarten, die Zusammenarbeit klappt.
Die Hochbegabtenförderung selbst fördert im außerschulischen Bereich. "Wir bieten den Kindern unterschiedliche, interessante Themen an. Hauptsächlich im Bereich Informatik, Naturwissenschaften und exotische Sprachen. Das heißt wir konzentrieren uns auf Bereiche, die nicht von der Schule mit Lehrinhalten besetzt sind, damit wir durch unsere Förderungen nicht wieder Langeweile in der Schule vorproduzieren." Teilnehmen können Kinder ab einem IQ von 120 Punkten, deutlich weniger als bei der klassischen Hochbegabung. Wieso? "Nicht jedes Kind kann 100 Prozent seines Potentials im Test umsetzten. Ein hoch begabtes Kind kann einen schlechten Tag oder auch eine geistige Blockade haben, so dass wir im Test weniger Punkte ermitteln", begründet Otto den Bonus.
Fragen zum Intelligenztest, zur besten Beschulung oder einfach nur ein offenes Ohr: die Hochbegabtenförderung bietet Eltern und Kindern ihre Hilfe an. In vielen größeren deutschen Städten hat der Verein Beratungsstellen. Dort, wo es keine eigene Niederlassung gibt, können Betroffene am Telefon Hilfe bekommen. Anschließend wird an eine regionale Kontaktgruppe weiter verwiesen.
Katarina Rathert