Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft haben sich strikt gegen eine Lehrstellenabgabe ausgesprochen. Sie führe angeblich nicht zu mehr, sondern zu weniger Ausbildungsstellen

Notstand auf dem Lehrstellenmarkt: Ende August gab es noch 165.000 unvermittelte Bewerber© AP
Spitzenverbände der Wirtschaft haben sich erneut gegen eine Lehrstellenabgabe gewandt. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) warnten in der "Berliner Zeitung", Zwangsgelder und bürokratische Maßnahmen würden dazu führen, dass noch weniger Ausbildungsplätze bereitgestellt würden.
BDA-Präsident Dieter Hundt sagte dem Blatt: "Die wiederholten Drohungen von Gewerkschaften und Politik mit einer Ausbildungsabgabe sind in höchstem Maß kontraproduktiv. Sie führt nicht zu mehr, sondern zu weniger Ausbildungsplätzen." Handwerkspräsident Dieter Philipp sagte der Zeitung zu einer möglichen Lehrstellenabgabe: "Solche Drohgebärden führen dazu, dass sich Betriebe bei Ausbildungsplätzen zunehmend zurückhalten, weil sie mit finanzieller Unterstützung rechnen."
SPD-Fraktionschef Franz Müntefering hatte am Wochenende angesichts der dramatischen Lehrstellen-Situation gesetzliche Schritte angekündigt. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bezeichnete eine Ausbildungsplatzabgabe als gerechtfertigt, sollten sich die Betriebe nicht ausreichend um Lehrstellen bemühen. Arbeitsminister Wolfgang Clement (SPD) wandte sich dagegen erneut gegen Reglementierungen: "Wir brauchen keine gesetzlichen Vorgaben und auch keine Abgabe."