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15. Mai 2002, 18:36 Uhr

SCHWARZE HELDEN

Von der Sklaverei bis zur Bürgerrechtsbewegung war es für Amerikas Schwarze ein langer Weg. Der »Black History Month« erinnert daran - und zeigt, dass der Kampf nicht vorbei ist

Schwarze Helden: 1968 protestierenOlympiasieger gegen Rassismus

Jedes Jahr im Februar ist Tommie Smith ein begehrter Mann. Dann muss er Reden halten, sein Name steht in Zeitungen und fällt in Quiz-Shows. Denn Februar ist in den USA »Black History Month«: Mit unzähligen Veranstaltungen erinnern Schulen, Vereine und Medien im ganzen Land an die Geschichte der Schwarzen in Amerika. Und der Sozialkundelehrer Tommie Smith aus Kalifornien ist einer ihrer Helden.

Nicht bloß, weil er 1968 in Mexiko City der schnellste Mann der Welt war. 200 Meter in 19,83 Sekunden: Olympisches Gold in neuer Rekordzeit, trotz Oberschenkelzerrung. Ein amerikanischer Ausnahme-Athlet über den die ganze Nation jubelte. Nicht lange: Auf dem Siegerpodest steht er neben Bronze-Gewinner John Carlos. Bei den ersten Klängen der amerikanischen Hymne senken die beiden Athleten den Kopf und recken eine geballte Faust im schwarzen Lederhandschuh in den Himmel - das Zeichen der Black-Power-Bewegung, die im rassistischen Amerika für schwarze Bürgerrechte kämpft. Ein Riesenskandal! Kameras aus aller Welt beobachten diesen stillen Protest zweier Farbiger gegen ihre amerikanische Heimat, die sich eigentlich mit den beiden Sportlern brüsten wollte. »Als wir vom Podest stiegen, starrten uns nur hassverzerrte Gesichter entgegen,« erzählt Smith. Es waren weiße Gesichter.

Binnen 48 Stunden schicken die US-Funktionäre Carlos und Smith nach Hause. Statt Werbeverträgen erhalten sie lebenslange Wettkampfsperre, Schmähbriefe und sogar Morddrohungen. »Trotz allem: Ich bereue nichts«, sagt Carlos heute. Und Smith ergänzt: »Ich wollte mich nicht im Stadion als schnellster Mann der Welt feiern lassen und zu Hause wieder nur Nigger sein.«

Tatsächlich ist die Menschenrechtslage im Amerika der 50er und 60er Jahre katastrophal, die Stimmung gespannt. Rassentrennung gilt in Restaurants und Schulen, auf Parkbänken und an Trinkfontänen - immer wieder gibt es blutige Zusammenstöße. Doch am 1. Dezember 1955 gab eine Näherin aus Montgomery/Alabama das Signal zum Widerstand: Wie gewohnt fuhr Rosa Parks mit dem Bus von der Arbeit nach Hause. Sie saß hinten, wo die Schwarzen sitzen mussten. Als sie diesen Platz auch noch für einen weißen Fahrgast aufgeben sollte, weigerte sie sich - und kam dafür ins Gefängnis. Ihr Mut wurde zum Symbol: 50 000 schwarze Bürger Montgomerys boykottierten die Busse und gingen zu Fuß zur Arbeit. Alle gemeinsam. Eine Demonstrantin bringt die Bedeutung des Streiks auf den Punkt: »Früher tat meine Seele weh, aber meine Füße waren okay. Heute tun mir die Füße weh, aber meine Seele ist voller Zuversicht.« Nach 381 Tagen lenkt das Bus-Unternehmen ein. Der erste Sieg auf dem langen Weg aus der Unterdrückung - die Bürgerrechtsbewegung war geboren.

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