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25. Juni 2003, 17:11 Uhr
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Das Elend mit den schlauen Kids

Sie können alles ein bisschen früher, ein bisschen schneller und ein bisschen besser – hoch begabte Kinder. Denkt man. Ist aber nicht so!

Kleine Leseratten: hochbegabte Kinder können schon früh lesen© dpa

Im Vergleich zum Erdzeitalter ist die Lebenszeit zu kurz, um zu trödeln!", erklärt Katja - fünf Jahre alt und hoch begabt. Kinder wie Katja lesen, schreiben früher und drücken sich in komplexen Sätzen aus. Nicht immer ein Vorteil: Sie langweilen sich im Kindergarten wird, finden selten Freunde, und in der Schule tauchen meist große Probleme auf.

Eine Frage der Intelligenz

Die Grenzen zwischen Normalbegabung, überdurchschnittlicher Intelligenz und Hochbegabung werden in Intelligenzquotient- (IQ) Punkten gemessen. Normal begabte Kinder erreichen einen Wert zwischen 95 und 115 Punkten. Überdurchschnittliche Intelligenz fängt bei etwa 120 an und geht bis zu 130 Punkten. Danach spricht man von einer Hochbegabung. Hochbegabte Kinder begegnen oft mangelndem Verständnis. Eltern und Lehrer erwarten Höchstleistungen von ihnen, doch sie haben besondere Probleme, zum Beispiel Lern- und Leistungsstörungen. Andererseits kann es sich auch um Auffälligkeiten im motorischen, visuellen und auditiven Bereich handeln. Das größte Problem hoch begabter Kinder ist die Früherkennung: nicht immer werden sie als hoch begabt erkannt, weil Eltern, Lehrer oder Psychologen ihre Verhaltensweisen nicht verstehen können.

Gen "clever"?

"Es ist nicht so, dass die Hochbegabung irgendwann mit fünf Jahren plötzlich einsetzt, sie ist im Prinzip a priori da", so Karsten Otto, Leiter der Bundesgeschäftsstelle der Hochbegabtenförderung e.V. in Bochum. Hoch begabte oder überdurchschnittlich intelligente verhalten sich häufig anders, als normal begabte Kinder. "Das Kind lernt sehr früh laufen und sprechen, auch schon komplexere Sätze. Mit anderthalb, zwei Jahren werden die Eltern aufmerksam und merken: Mein Kind spricht, als wäre es schon vier. Die Kinder schlafen wenig, versuchen viele Sachen gleichzeitig zu machen, haben aber Schwierigkeiten sich auf eine entscheidende Sache zu konzentrieren. Sie gehen Freundschaften mit älteren Kindern ein, die dann allerdings normalbegabt sind", führt Otto aus. Oft vereinsamen Hochbegabte in Gruppen mit Gleichaltrigen, zum Beispiel im Kindergarten oder in der Schule. Problem: "Diese Punkte müssen nicht auf das einzelne Kind zutreffen." Stellen Eltern einige dieser Verhaltensweisen an ihrem Kind fest, rät Otto zu einem Intelligenztest.

Der IQ entscheidet

Der Intelligenztest sollte von einem Fachmann durchgeführt werden. Psychologen in der Nähe nennt die Hochbegabtenförderung. Otto empfiehlt einen "Intelligenzstrukturtest". Im Gegensatz zum Schulleistungstest kann dieser Test die verschiedenen Bereiche der Intelligenz transparent machen: Sprachverständnis, logisches Denken, Raumvorstellung, Wahrnehmungsgeschwindigkeit und Gedächtnisleistungen. Wichtiger Punkt: Eltern sollten sich das Ergebnis schriftlich geben lassen, um in Beratungen, Therapien oder Schulen darauf zurückgreifen zu können. Problem: Intelligenztests ermitteln den Intelligenzquotienten, über soziale Kompetenzen, emotionale Fähigkeiten und Lebensfähigkeit sagen sie nichts aus.

Grundsätzlich gilt: je früher, desto besser. Kinder ab etwa viereinhalb Jahren können getestet werden. Im Kindergarten können Eltern zusammen mit Erziehern und Psychologen beraten, ob das Kind früher eingeschult werden soll. Für Hochbegabte ist es entscheidend, den optimalen Einstieg in die Schule zu finden. Andernfalls langweilen sie sich schnell und Erfolge bleiben aus, sie versagen im schulischen Bereich.

Nur Probleme mit Hochbegabten?

Kinder, die hoch begabt sind, werden schneller unruhig oder aggressiv. Der Grund: Unterforderung. "Es gibt einen Zusammenhang zwischen ADS, Lese-Rechtschreibschwächen und Legasthenie und Hochbegabung", erklärt Karsten Otto. Otto: "Unter Kindern, bei denen ADS diagnostiziert und ein Intelligenztest gemacht wurde, befanden sich überproportional viele Hochbegabte. Im Umkehrschluss kann das heißen: Setze ich ein hyperaktives Kind erhöhten Anforderungen aus, sind plötzlich Hyperaktivität und Konzentrationsschwäche weg." Negativ-Erlebnisse von Hochbegabten beginnen im Kindergarten und setzen sich in der schulischen Laufbahn fort. Die Ursachen: "Schulische Lehrinhalte und Lehrkonzepte sind nicht auf hoch begabte Kinder und ihre Art zu denken, zugeschnitten. Besonders Gymnasien sind für normalbegabte, fleißige Kinder konzipiert. Da fallen hoch begabte Kinder raus. Weil sie komplexer und schneller denken und von der Struktur des Lernens her etwas ganz anderes erwarten, als ihnen dort geboten wird." Diese Kinder können ihre Fähigkeiten nicht voll ausschöpfen. "Das ist so, als sollten die ganzen normalen schulischen Lehrinhalte bei einem geistig behinderten Kind funktionieren und das tun sie nicht. Für Behinderte gibt es natürlich speziell ausgearbeitete Konzepte. Genau das müsste es für den Hochbegabten-Bereich geben."

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