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2. April 2003, 13:17 Uhr

Alle Sinne auf Empfang gestellt

Im Kita-Alter durchleben Kinder die entscheidende Phase der Hirnentwicklung - und wollen gefordert sein.

Was schwimmt - was geht unter? Das Beste aus der kindlichen Neugier machen© Nele Martensen

Rund sechs Jahre dauert es, bis sich die Grundstruktur der Nervenverbindungen im Kopf eines neuen Erdenbürgers gebildet hat. In einer ersten Phase, die sich über etwa zwei Jahre erstreckt, wird nahezu alles mit allem verdrahtet, pro Sekunde können im Kopf eines Säuglings bis zu zwei Millionen neue Kontakte entstehen. Das so gebildete neuronale Netz saugt Reize auf wie ein trockener Schwamm - ein Kleinkind hat alle seine Sinne auf Empfang gestellt, ist begierig, die Eindrücke, denen es ausgesetzt wird, zu sortieren, zu beurteilen, zu begreifen.

Für die Ausformung des individuellen Denk- und Gefühlsapparats ist jedoch vor allem die zweite Phase der Hirnentwicklung wichtig, also etwa der Zeitraum zwischen dem dritten und dem siebten Lebensjahr eines Kindes. Dann nämlich wird im Kopf sortiert: Viel genutzte Nervenverbindungen verstärken sich, wenig genutzte hingegen verkümmern - aus dem wüsten Durcheinander der ersten Jahre entsteht langsam ein strukturiertes, an die jeweiligen Anforderungen angepasstes Netz. Langeweile und Unterforderung gehören zum Schlimmsten, was einem gesunden Gehirn in dieser Entwicklungsphase widerfahren kann. Denn Signalbahnen, die im Kleinkindalter zurückgebaut werden, lassen sich später nur schwer rekonstruieren.

Selbst komplexere Zusammenhänge können Kinder schon im Kita-Alter begreifen. Etwa mit zwei Jahren entdeckt ihr Denken das "Ich" und wagt dann auch den Sprung ins Abstrakte. Allerdings ist alles Lernen noch stark an Gefühle gekoppelt: Was nicht berührt, hat keine Dauer. Nur wer es schafft, Kinder für neues Wissen wirklich zu begeistern, sie emotional anzusprechern, erzielt längerfristige Erfolge. Andernfalls werden alle pädagogischen Bemühungen randlos verdampfen.

 
 
 
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