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22. August 2001, 17:51 Uhr

Hör auf dein Herz!

Dass Axel Westerwelle in dem »Bereich Wirtschaft« arbeiten möchte, war ihm schon früh klar: Mit 14 besaß er seine erste Aktie. Heute ist Westerwelle 35 Jahre alt, seit 1988 selbstständig und steht mit seiner Firma »Westerwelle Consulting & Media AG« kurz vor dem Börsenstart.

Neben den Aktien interessieren ihn vor allem die Lebensläufe: Als Personalberater beschäftigt er sich mit Hochschulabsolventen aller möglichen Universitäten. Seine Firma unternimmt eigene Studien, stellt diverse Rankings auf, rekrutiert Mitarbeiter bei der jährlich stattfindenden eigenen Messe »Characters«. Mit dem Unternehmer, der selbst in Bayreuth, Wien und Nürnberg studiert hat, sprach stern.de-Mitarbeiter Florian Neuhann über arrogante Schnösel und soft skills.

Als Personalberater haben Sie tagtäglich mit Absolventen von privaten Hochschulen zu tun. Halten die sich für etwas besseres?

»Es ist schon so, dass die Studenten oft die Privatunis mit einem Selbstbewusstsein verlassen, mit dem sie bei vielen Firmen Probleme haben. Im Klartext: Die Wahrscheinlichkeit, als arroganter Schnösel aufzufallen, ist sicherlich als Absolvent einer privaten Hochschule wesentlich größer. Es gibt gute Gründe, weshalb beispielsweise die Vereinsbank seit einigen Jahren nicht mehr in St. Gallen rekrutiert. Die St. Gallener Absolventen fielen reihenweise in den hausinternen Assessment Centern durch, was die sogenannten «soft skills» betrifft.«

Also sind die Privatunis nichts anderes als Kaderschmieden für reiche Kinder?

»Das würde ich so nicht sagen. Allerdings habe ich bei einem Interview schon wortwörtlich gehört, es sei schon schön, an dieser Hochschule unter seinesgleichen zu sein. Und das kam von einem Industriellensohn! Da müssen sich die privaten Hochschulen nicht wundern, wenn sie ein solches Image bekommen. Natürlich kommen die Studenten meist aus wohlhabenderen Verhältnissen. Die wenigsten wissen, dass sie auch für die European Business School ein Stipendium beantragen können. Das belegt auch unsere Studie unter Abiturienten: Bei der Wahl des Studienortes stehen die finanziellen Möglichkeiten an erster Stelle, danach das räumliche Einzugsgebiet!«

In einer Umfrage von »DM-Online« unter führenden Unternehmen schnitt die private WHU in Koblenz mit ihrem Image immerhin besser ab als Harvard.

»Das ist Unsinn. Die Menge an Dingen, die in Harvard erarbeitet wurden und die Harvard-Absolventen für die jeweiligen Volkswirtschaften gebracht haben, ist ungefähr das hundertfache von dem, was die WHU geschafft hat. Das ist, als ob man einen Supertanker mit einem schnellen Boot vergleichen würde. Beide sind stark, beide sind gut, aber man kann es nicht direkt vergleichen. Überhaupt erhalten die Hochschulen sehr schnell ein Image, das dann bestimmt 20 Jahre hält. Davon profitiert natürlich Harvard. Das internationale Renommee unserer Hochschulen im wirtschaftswissenschaftlichen Bereich liegt sicher nicht im Bereich der kleinen privaten Unis, sondern bei den großen, bekannten Universitäten wie Köln, München, im technischen Bereich Aachen oder Karlsruhe.«

Was sind denn in Ihren Augen die deutschen Elite-Universitäten?

»Sicher sind die privaten Universitäten im Wirtschaftsbereich sehr stark und zwar deshalb, weil sie nicht nur mit der Praxisnähe werben, sondern diese auch mit dem Lehrplan, der Auswahl der Lehrkräfte und der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft vorleben. Im Kommen sind allerdings auch die Fachhochschulen in Deutschland. Die Firmen merken, dass die FH-Absolventen für ihre jeweiligen Bereiche sehr gut ausgebildet sind. Man sieht das auch bei unseren Ranking-Studien, dass drei, vier Hände voll Fachhochschulen einen sehr guten Ruf haben. Schönes Beispiel dafür ist Andersen Consulting: Die haben lange Jahre gesagt, für sie sei der Fachhochschul-Abschluss ein Ausschlusskriterium. Seit zwei, drei Jahren aber sieht das anders aus; mittlerweile haben auch Partner bei Andersen Consulting einen FH-Abschluss.«

Wo stehen im Vergleich dazu die staatlichen Universitäten?

»Es gibt viele kleine Unis, sicherlich angefangen bei den süddeutschen wie Bamberg, Bayreuth, Regensburg, Passau, Ingolstadt, die sehr schnell auf die Veränderungen durch die privaten Unis reagiert haben. Nun ist auch dort ein Praktikum Pflicht. Bayreuth zum Beispiel hat sogar den Lehrplan optimiert. Jetzt ist es dort möglich, in drei Semestern ein Vordiplom zu machen.«

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