
Die Wende war gnadenlos, auch so manche westliche Institution scheint nicht davon- zukommen. Der Kalte Krieg galt über Jahrzehnte als Existenzberechtigung für das Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin - doch der letzte Fünfjahresplan blieb unerfüllt. Der anfängliche politische Frühling entwickelte sich zu einem strahlenden Azorenhoch der Weltgeschichte. Die Völker des Warschauer Pakts schickten ihre Staatslenker zum Teufel. Der Jubel war groß, doch synchron zur mancherorts aufkommenden Katerstimmung kühlte auch die Stimmung der Osteuropawissenschaftler ab. Und deren Suche nach neuen Aufgaben dauerte manchem zu lang.
Der Wissenschaftsrat, der sich mit der Strukturplanung der Berliner Hochschulen beschäftigt, wirft dem Institut fehlende Flexibilität vor.
»Eine Neuorientierung nach der Auflösung der großen politischen Blöcke sei verpasst worden«, heißt es in einer Stellungnahme des Rates.
Gefordert wird jetzt, die Konzeption des Osteuropa-Instituts zu überarbeiten. Glücklicherweise ist die angedrohte Schließung des Fachbereichs damit vorerst vom Tisch.
FU-Präsident Peter Gaehtgens vernimmt es mit Genugtuung: »Das würde niemand verstehen. Achtzig Kilometer von der polnischen Grenze entfernt, wird ein solches Institut für die Beratung der Politik, der Wirtschaft und der Rechtsinstitute gebraucht.«