Die besten Unis

14. April 2004, 11:24 Uhr

Seit Bundeskanzler Gerhard Schröder ein "deutsches Harvard" forderte, wird in Deutschland gestritten: über Elite-Unis und über die Frage, was eine gute Hochschule eigentlich auszeichnet.

Im alten Lesesaal der Unibibliothek können Forscher historische Ausgaben einsehen©

Seit Bundeskanzler Gerhard Schröder ein "deutsches Harvard" forderte, wird in Deutschland gestritten: über Elite-Unis und über die Frage, was eine gute Hochschule eigentlich auszeichnet. Das Ranking von stern und dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) zeigt: Auch in Deutschland gibt es Fakultäten, die Spitze sind. In Tübingen zum Beispiel. Wie machen die Schwaben das bloß?

Vielleicht muss man diese Geschichte mit den nackten Füßen von Florian Müller beginnen. Es ist gerade mal März, doch die Sonne scheint schon so warm, dass der 23-jährige Rhetorikstudent es sich barfuß auf der Wiese hinter dem Schloss bequem gemacht hat - im Kopf das Thema seiner nächsten Hausarbeit, auf die er sich schon "richtig freut": Es geht um die Überzeugungskünste des Machtstrategen Machiavelli. "Tübingen ist die perfekte Kombination aus Geistesarbeit und Idylle", findet Florian, der in Bielefeld sein Abi gemacht hat und unbedingt in Tübingen studieren wollte, weil es hier den einzigen Lehrstuhl für Rhethorik in Deutschland gibt.

"Wir wollen die Nummer eins werden"

Vielleicht muss man diese Geschichte aber auch mit den Stelzen beginnen, auf denen das nagelneue Lehr- und Lerngebäude für die Medizinstudenten steht. Die Stelzen sind da, damit man das Haus jederzeit wieder versetzen kann, denn Professor Claus Claussen, Dekan der medizinischen Fakultät und Leiter der Radiologie, hat noch Großes vor. Der Medizinprofessor eilt über das riesige Klinikgelände am Schnarrenberg, auf dem in den vergangenen Jahren 300 Millionen Euro verbaut worden sind, und ruft stolz: "Gucken Sie mal hier, die Kinderklinik und da, die neue Hals-Nasen-Ohren-Klinik und dort, das zukünftige Forschungszentrum für neue Krebstherapien." Claussen träumt von einem Mediziner-Campus, hier oben auf dem Berg, mit Studentenwohnheimen, für die er schon einen privaten Investor gefunden hat, Cafeterien, Forschungsinstituten und allem Pipapo, denn, so Claussen "wir wollen die Nummer eins werden".

Egal, wo man die Geschichte beginnt. Sie handelt von klugen Köpfen und ihrer Liebe zur Wissenschaft, von provinzieller Enge, großartigen Gedankengebäuden und kreativem Unternehmertum. Eine Kombination, die die Eberhard-Karls-Universität Tübingen zu einer der besten in Deutschland gemacht hat.

Gewaltige Unterschiede in Ausstattung, Forschung und Lehre

Das ist ein Ergebnis des Hochschulrankings, das der stern mit dem CHE herausgibt. Das Ranking gilt unter Experten als das größte und fundierteste in Deutschland. "Unser Ansatz, streng nach Fächern zu untersuchen, hat sich bewährt", sagt CHE-Chef Detlef Müller-Böling. So erfahren Abiturienten, welche die beste Hochschule für Anglistik, Wirtschaft oder Zahnmedizin ist. 26 Fächer wurden in den vergangenen Jahren getestet; 16.000 Professoren und 300.000 Studenten an 255 Universitäten und Fachhochschulen befragt. Ziel ist es, mit der großen Bildungsillusion der sechziger Jahre aufzuräumen, die da heißt: Egal, an welcher Uni du studierst, du bekommst überall die gleiche Qualität. Bekommst du eben nicht. Die Untersuchung des CHE macht die gewaltigen Unterschiede in der Ausstattung, in der Forschung und Lehre deutscher Unis und FHs transparent.

Tübingen besticht vor allem durch starke Forschungsleistungen. Gute Noten erhalten die Naturwissenschaften Medizin, Biologie, Pharmazie, Chemie, Mathe, Informatik; aber auch die Geisteswissenschaften Germanistik, Geschichte, Erziehungswissenschaften und Politik liegen in der Forschung ganz vorn.

"Wir spielen insgesamt in der Bundesliga, und einige Fakultäten sogar in der Champions League"

Das ist ungewöhnlich für deutsche Unis. Normalerweise gelingt es ihnen, zwei oder drei Leuchttürme aufzubauen, die aus dem Mittelmaß herausragen. In Darmstadt sind das zum Beispiel Bauingenieurwesen, Maschinenbau oder Elektrotechnik, in Mannheim Wirtschaftswissenschaften, Politik oder Sozialwissenschaften, in Bonn Chemie oder Pharmazie. Tübingen dagegen hat gleich zehn Leuchttürme. Ein "deutsches Harvard" oder Stanford, das sich Bundeskanzler Schröder so sehr wünscht, wird die Uni dadurch zwar nicht. Wie auch bei einem Etat von 330 Millionen Euro im Jahr, während Stanford über 2,1 Milliarden Dollar verfügt? "Aber", sagt Volker Rittberger, Professor für Politikwissenschaften, selbstbewusst, "wir spielen insgesamt in der Bundesliga, und einige Fakultäten sogar in der Champions League."

Der Studienführer 2004

Der Studienführer 2004 Hier finden Sie die neuen Ergebnisse des größten deutschen Hochschulrankings.

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