. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
14. Dezember 2009, 09:25 Uhr

Schavan verteidigt angebliche Erfolge

In Hamburg demonstrieren Eltern gegen die sechsjährige Grundschule, in München dafür. Vor dem Bildungsgipfel am Mittwoch spricht Bildungsministerin Annette Schavan im stern.de-Interview über die Verantwortung der Länder, Investionen in Bildung - und rügt die vermeintliche Ignoranz der Eltern.

Annette Schavan Die promovierte Philosophin, seit 1975 Mitglied der CDU, war von 1995 bis 2005 Ministerin für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg. Seit 2005 ist sie Bundestagsabgeordnete und Bundesministerin für Bildung und Forschung.

Frau Schavan, am kommenden Mittwoch treffen Sie sich mit den Vertretern der Länder zum zweiten Bildungsgipfel. Was wollen Sie erreichen?

Bis 2013 wird der Bund zwölf Milliarden Euro zusätzlich für Bildung geben. Wir wollen uns in Berlin darüber verständigen, wie wir künftig zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Bildung und Forschung investieren. Eines ist also klar: Wenn der Bund mehr Geld für Bildung gibt, werden die Länder ihren Anteil nicht runterfahren.

Wofür soll das Geld ausgegeben werden?

Die eine Hälfte für Bildung, die andere Hälfte für Forschung. Einen starken Akzent wollen wir bei der frühkindlichen Bildung setzen. Außerdem wollen wir lokale Bildungs-Bündnisse stärken, die gezielt Kinder fördern, die wir bisher nicht erreicht haben.

In Deutschland gibt es 16 verschiedene Schulsysteme, weil jedes der 16 Bundesländer sein eigenes hat. Dabei wünschen sich Eltern vor allem ein einheitliches Schulsystem. Behindert der Föderalismus die Bildungspolitik?

Wenn Landesregierungen finden, dass ihre wichtigste Aufgabe ist, Schulstrukturen so zu verändern, dass sie anders als beim Nachbarn sind, machen sie damit den Föderalismus kaputt. Und es führt dazu, dass alle Reformen, die sonst noch im Bildungssystem laufen, immer weniger auf Verständnis stoßen.

Schulpolitik ist Sache der Länder. Sie als Bildungsministerin sind da doch total machtlos.

Ich bin überhaupt nicht machtlos. Die meisten Länder in Europa sind föderal. Schulpolitik ist in nahezu keinem Land nationale Aufgabe. Frühkindliche Bildung, berufliche Bildung und Weiterbildung sind wichtige Felder der Bildungspolitik des Bundes. Und das mit einer finanziellen Investition, die es noch nie gegeben hat. Die ist im Koalitionsvertrag durchgesetzt. Das erwächst nicht aus Machtlosigkeit.

Aber der Bund hat seit der Föderalismusreform 2006 in der Bildungspolitik immer weniger zu sagen und darf auch nur noch begrenzt investieren. War das so genannte "Kooperationsverbot" ein Fehler?

Das Kooperationsverbot verkompliziert vieles, aber wird uns nicht davon abhalten, zu tun, was notwendig ist.

Viele Eltern haben die ständigen Schulreformen satt. Sie wollen nicht, dass ihre Kinder zu Versuchskaninchen werden.

Reformen müssen kommuniziert werden, auch mit den Eltern. Allerdings gibt es in Deutschland eine bemerkenswerte Ignoranz gegenüber gelungenen Reformen und zufriedenen Kindern in der Schule.

Und warum wird in der Gesellschaft nicht über Bildung diskutiert?

Weil immer über Strukturen diskutiert wird, statt über Bildungsinhalte. Das führt nicht zu mehr Akzeptanz - egal wie die Struktur aussieht. In Hamburg demonstrieren Eltern gegen sechs Jahre Grundschule, in München für sechs Jahre. Die Reformen stoßen auch deshalb auf Widerstand, weil die dahinter stehende Vorstellung von Bildung nicht kommuniziert wird, und weil mit Eltern darüber überhaupt nicht diskutiert wird.

Was verstehen Sie unter Bildung?

Zur Bildung gehören Wissen, Können, Einsicht und Erfahrung. Bildung ist nicht nur das, was Pisa misst, sondern bedeutet auch Persönlichkeitsbildung, Herzensbildung und Gewissensbildung.

Nicht nur die Eltern sind sauer. Auch die Studenten gehen auf die Straße. Seit Wochen protestieren sie gegen die schlechten Studienbedingungen.

Es haben nur zwei Prozent der Studierenden demonstriert. Deshalb würde ist sehr behutsam sein mit pauschalen Aussagen über die angeblich so breite Protestbewegung. Ich bekomme mittlerweile Rückmeldungen von Studierenden, die mir sagen: "Die Situation an der Uni war noch nie so gut." Problematisch ist, dass bei zehn bis 20 Prozent der Hochschulen, die Umstellung auf die neuen Abschlüsse nicht gut gelaufen ist. Da wird jetzt korrigiert. Der Bologna-Prozess ist entschieden worden, als internationaler Prozess, der mit neuen Chancen verbunden ist. Die schlechten Beispiele dienen den Kritikern, die schon immer fanden, dass Bologna Mist ist.

Die Kritik an der Umsetzung der Bologna-Reform ist überhaupt nicht neu. Warum reagiert die Politik erst jetzt?

Sie reagiert nicht erst jetzt. Allerdings ist die Politik jetzt im Gespräch mit den Hochschulen über eine konkrete Korrektur-Agenda. Das ist sehr positiv.

Eine Sorge der Studenten ist, dass nicht jeder seinen Master machen kann, der möchte. Wird es eine Quote für den Master geben?

Ich finde jede Festlegung auf Zahlen viel zu früh, weil wir noch nicht genug Erfahrungen haben. Die Hälfte der Bachelors von den Fachhochschulen geht in den Beruf. Die Forderung, dass alle einen Master machen, hat auch mit Unsicherheit über Berufschancen zu tun. Nirgends in den 46 Ländern machen alle einen Master. Es gibt bislang genügend Plätze. Deshalb brauchen wir keine Quoten, aber eine entsprechende Qualifikation durch den Bachelor.

Wie viele junge Leute sollen in Zukunft studieren?

In diesem Jahr studieren erstmals 43 Prozent eines Jahrgangs. Wir brauchen möglichst viele gut gebildete und hoch qualifizierte junge Leute, im Studium und in der beruflichen Bildung. Denn wir brauchen auch neue Facharbeiter.

Interview: Catrin Boldebuck
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
Conval (14.12.2009, 14:21 Uhr)
Studierter Bachelor
Frau Schavan hat Recht, dass der Bologna Prozess in einigen FHs und Universitäten nicht gut umgesetzt wurde.
Das lag aber nicht unbedingt an der Qualität der Umstellung, sondern daran dass man sich umstellen musste und dies Arbeit macht. Nicht für die Studenten sondern für das Personal der Hochschule.
Es kommen jedes Jahr neue Studenten und die wissen ja nicht wie es vorher war, aber merken wenn es aktuell Probleme gibt, für die die Hochschule verantwortlich ist.
Etwas zu leiden hat man als Student unter dem Bachelor allerdings schon, da man sich nur schwer dabei ausruhen kann. 60 Stunden die Woche "arbeiten" und lernen war bei mir normal. Mit 24 war ich mit dem Studium allerdings fertig.
Generell ist die Lehre in meinen Augen auch in den letzten Jahren besser geworden; allein schon durch den Einsatz von moderner Technik wie Beamern und Notebooks. Das gilt auch für die Schule, aber die Ablenkung durch Medien für die Schüler und Studenten ist ebenfalls gestiegen, was sich auch auf das Lernen auswirkt.
simbadische (14.12.2009, 12:55 Uhr)
Pilosophin -
wenn sie geschwiegen hätte, wäre sie eine solche geblieben...
simbadische (14.12.2009, 12:54 Uhr)
Bla - Bla - bla
Es geht mir so auf die Nerven: immer wieder die gleiche Leier!

Ich habe mittlerweile 40 Jahre Schule als Mutter hinter mir (zweimal 12, einmal 9, einmal 7), dazu meine eigene Schulzeit mit 13 Jahren. Ich kann die vielen Reformen schon nicht mehr zählen, die über uns hereingebrochen sind - und NIE, NIE wurde etwas besser!
Es ist wie bei der DB : die Preise werden immer höher und der Service immer schlechter.
Und die "Landeselternschaft" ist auch wenig geeignet, die Interessen der Schüler zu wahren.

Zum guten Glück haben meine beiden Großen jeweils ein Schuljahr übersprungen und auch die jüngeren Kinder gehen ohne Probleme durch's Gymmi. Aber wenn ich mir vorstelle, ein Kind, das wirklich lernen muß um seine Leistung zu bringen, wird jetzt in 8 Jahren zum Abitur gepeitscht....
Aber vielleicht soll ja nochmehr aussortiert werden ??

Eltern sind natürlich selten objektiv, wenn es um ihre Sprößlinge geht. Aber ich sehe doch, wie wenig Zeit meinen Kindern bleibt für Musikschule, Sportverein, Freunde treffen - oder einfach mal "chillen". Das würde man keinem Erwachsenen zumuten.

Und zu guter Letzt : ich finde es ist eine Frechheit von Frau Schavan (die übrgens kinderlos ist und wenig direkte Erfahrung im alltäglichen Umgang mit Kindern haben dürfte) uns Eltern als Ignoranten zu bezeichnen!
MEHR ZUM ARTIKEL
Radikale Reform Merkel will Qualitätspakt für Bachelor-Studium vorschlagen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird den Ländern nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa beim Bildungsgipfel in der kommenden Woche einen Qualitätspakt für das umstrittene Bachelor-Studium vorschlagen. mehr...

Bildungsstreik "Studium ist harte Arbeit"

40 Stunden pro Woche studieren und dazu noch arbeiten gehen? Für den Politologen Ulrich von Alemann ganz normal. stern.de sprach mit ihm über die Studentenproteste und die Bologna-Reform. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe