Erst die Autobiografie des Sohnes, dann ein Porträt seiner Frau als einsame Gattin. Jetzt wehrt sich Altkanzler Helmut Kohl (CDU) gegen die Einblicke in sein Familienleben. In einer Erklärung beklagt er eine "unangemessene öffentliche Zurschaustellung und Vermarktung".

Kritisiert die Veröffentlichungen über sein Familienleben: Altkanzler Helmut Kohl vor einem Bild seiner verstorbenen Ehefrau Hannelore© Steffen Kugler/DPA
Seit vielen Wochen schlagen Bücher über die Familie Helmut Kohls hohe Wellen - jetzt meldet sich der Altbundeskanzler zu Wort. "Die öffentliche Zurschaustellung und Vermarktung meines Privatlebens durch Dritte empfinde ich als unangemessen", heißt es in einer Erklärung Kohls, die sein Berliner Büro am Dienstag verbreitete. Kohl beklagte, dass die Veröffentlichungen "die Grenzen von Geschmack und Anstand weit überschreiten und in wesentlichen Punkten mit der Wahrheit nicht in Einklang stehen".
Derzeit sind zwei Bestseller im Buchhandel, die sich mit Kohls Leben beschäftigen. Zu Jahresanfang hatte Kohls Sohn Walter sein Buch "Leben oder gelebt werden. Schritte auf dem Weg zur Versöhnung" vorgelegt. Darin beschreibt er das schwierige Familienleben im Haus des früheren Kanzlers und sein zerrüttetes Verhältnis zum Vater.
Vor wenigen Wochen veröffentlichte dann der Autor Heribert Schwan eine Biografie von Kohls Frau Hannelore ("Die Frau an seiner Seite: Leben und Leiden der Hannelore Kohl"), die sich im Jahr 2001 das Leben genommen hatte. Das Buch beruht dem Autor zufolge auf vertraulichen Gesprächen mit der früheren Kanzlergattin. Am 5. Juli jährt sich der Todestag von Helmut Kohls Frau Hannelore zum zehnten Mal. In Abschiedsbriefen hatte sie ihren Suizid mit einer seltenen, schmerzhaften Lichtallergie begründet. Schwan schildert Hannelore Kohl als eine extrem einsame Frau, die unter vielen Zwängen leidend über Jahre an diesen zugrunde ging.
In der Mitteilung vom Dienstag erklärt Kohl, seit Monaten beschäftigten sich Veröffentlichungen ausführlich mit Angelegenheiten aus seinem Privatleben. Dazu werde er sich öffentlich nicht äußern. "Ich bitte um Respekt für meine Privatsphäre und überlasse es der Öffentlichkeit, selbst zu beurteilen, welche Interessen den Publikationen in Wahrheit zugrunde liegen."