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Es sollte eine freundliche Podiumsdiskussion werden, ein Zeichen für Integration und Toleranz auf dem Evangelischen Kirchentag in Köln. Doch dann gerieten Bischof Huber und seine muslimischen Gesprächspartner heftig aneinander.
Sie heißen allesamt Huber - bitte, da kann schon mal Verwechslungsgefahr bestehen. Der stern bat sie zum Gipfel: Erwin, den CSU-Chef, Berthold, den IG-Metall-Vorsitzenden, und Wolfgang, den EKD-Ratsvorsitzenden. Resultat: ein heftiger Disput über Gerechtigkeit und die Linkspartei.
Aus den rheinhessischen Weiten erhebt sich der Dom zu Worms. Hier zog 1521 vom Norden her, am Rhein entlang, Martin Luther in die Stadt, um vor dem Kaiser und den Großen des Reiches seinen neuen Blick auf die alte Lehre zu verteidigen. Ob ihn dabei ein Gefühl von Angst beschlichen haben mag? Um die Unsicherheit zu vertreiben und sein Vertrauen auf Gott zu untermauern hat er, so sagt es die Tradition, die Silhouette von Worms im Blick, das Lied "Ein feste Burg ist unser Gott" gedichtet. Dabei hatte er die Schriftworte des 46. Psalms im Ohr. Der Choral ist in den knapp 500 Jahren, seit er zum ersten Mal auf einem Pferdefuhrwerk auf dem Weg nach Worms erklungen ist, zu einem festen Bestandteil lutherischen Selbstverständnisses geworden. Luthers auf dem Reichstag zu Worms gesprochenes großes Wort „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen“ ist heute am Fuße der Statue des größten Reformationsdenkmals der Welt im Stadtzentrum eingelassen. Der große Wittenberger Professor hält in seiner linken Hand die Heilige Schrift und blickt in Richtung des Domes St. Peter und Paul, der, in allen Wirren der nachreformatorischen Geschichte immer ein katholisches Gotteshaus geblieben ist, sieht man von einigen wenigen Wochen ab, in denen die durchziehenden Schweden in der Kirche gemäß der neuen Lehre ihren Gottesdienst gefeiert haben. 490 Jahre sind seit dem Thesenanschlag Luthers an der Schlosskirche zu Wittenberg vergangen. Der in lateinischer Sprache verfasste Text beginnt mit dem Hinweis, dass das Leben der Christenmenschen von Buße geprägt sei. Der Einzelne büßt vor Gott, zwischen ihn und seinen Schöpfer tritt keine weitere Instanz. Die Grundlage des neuen Kirchen- und Menschenbildes von Martin Luther wird in diesem Satz erstmals beschrieben. 490 Jahre sind eine lange Zeit, genügend Zeit, um in einer eigenen Tradition zu stehen. Sola scriptura , allein die Schrift, war der Hinweis Luthers, neben dem Wort der Offenbarung keine in der Zeit entstandene und durch den Begriff der Tradition kanonisierte Wahrheit mehr anzuerkennen. 490 Jahre sind eine lange Zeit, Tradition zu begreifen. Die wortwörtliche Bibelauslegung Luthers war in der damaligen Zeit eine Kulturrevolution, die das denkende (bekennende, bereuende) Subjekt in den Mittelpunkt stellte und den Kern der Theologie wieder neu in ihrem Ursprung, der für den Glauben grundlegenden Schrift, verortete. Diese Auslegung verfängt heute nicht mehr. Ihr hatfet nichts befreiendes mehr an, sie wirkt eher fundamentalistisch und dogmatisch. Auch für manche Theologen der Kirchen, die aus der Reformation hervorgegangen sind, besteht heute viel mehr ein eigener Reiz darin, in der Vielzahl der Liturgien und Bekenntnisse, sprich der Traditionen, die Teile eines großen Ganzen, der universalen Kirche Jesu Christi, zu begreifen. Die Tradition wird zur Chiffre des gelebten Glaubens in der Zeit. In ihr erhält sich das ewig gültige, in seiner Bedeutung unwandelbare Wort, nicht andersherum. Das ist dem Verständnis der katholischen Kirche sehr ähnlich, die sich selbst als universal versteht und unter ihrem Dach verschiedene Riten kennt und zulässt. Die lateinische Liturgie, von der wir im Westen so viel hören und die den Christen in der Alten Welt in den Kirchen des Orients den Beinamen "die Lateiner" eingebracht hat, ist nur eine unter ihnen und nicht allein seligmachend. Die Kirche, ihre Tradition, so das katholische Verständnis, macht das göttliche Wort, Christus, in der Welt sichtbar. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, der Berliner Bischof Wolfgang Huber, betont, dass seine Kirche nicht erst in der Reformation entstanden ist, sondern das Erbe der 1500 Jahre Kirchengeschichte zuvor auch in sich trage. Die Tradition, die gesamtkirchliche Tradition, bekommt durch eine solche Äußerung ein neues Gewicht und eine neue Bedeutung im reformatorischen Selbstverständnis. Für die Lutherfeierlichkeiten im Jahr 2017, zum Jubiläum von 500 Jahren Thesenanschlag zu Wittenberg, wünscht sich Bischof Huber, die Christen aller Konfession in Deutschland, dem Land, in dem die Glaubensspaltung des Abendlandes stattgefunden hat, mögen zu einer gemeinsamen Deutung der Umstände, die zu dieser Reformation geführt haben, kommen. Die Geschichte der Spaltung soll gedeutet werden, ein für alle mal, um im Blick nach vorne die Gemeinsamkeiten des christlichen Glaubens, auf einem Kontinent, der schon lange nicht mehr das christliche Abendland ist, herauszustellen und zu sichern. Diese Deutung wird kanonisiert werden und selbst einen Teil der Tradition beider Kirchen in Deutschland werden, wenn es denn so kommt, wie Bischof Huber es sich wünscht. Um die Reste des christlichen Abendlands zu retten, bedarf es des Rückgriffs auf die Tradition der christlichen Kultur. Sie wird die Bedeutung der Schrift erklären helfen – auch in der evangelischen Kirche. Die Bibel ist nicht mehr in der Weise die norma normans , die unhinterfragbare Instanz, die sie zu Luthers Zeiten war. Die sichtbare Tradition des Glaubens, seine Kirchen, Klöster und Kathedralen, seine Chormusik und Literatur allerdings werden ebenso wie die Ethik und das Menschenbild des Christentums sehr wohl wahrgenommen und neu rezipiert. Was wären die Deutschen ohne die Bibelübersetzung Luthers, ohne die Kompositionen Bachs und die Dichtungen Paul Gerhardts? Von dieser evangelischen, lutherischen oder reformatorischen Tradition haben auch die Katholiken profitiert. Wer dafür einen Beweis sucht, der möge einmal eine Messe in Deutschland mit Orgelklang und Gemeindegesang vergleichen mit einer schmucklosen Feier in Italien, in der, wie zu Luthers Zeiten, vobiscums und aeternums lieblos genuschelt werden, als hätte es die großen Liturgiereformen in der Papstkirche in der Zwischenzeit nie gegeben. Der Choral "Ein feste Burg ist unser Gott" ist im katholischen Gebet- und Gesangbuch nicht aufgenommen. Er hat bei den Katholiken schlicht und ergreifend keine Tradition. Die diesem Liede zugrunde liegende Rechtfertigungsvorstellung des Menschen allein aus Glauben und durch Gottes Gnade, das haben die Kirchen bereits im Zuge der gemeinsamen Vergangenheitsbewältigung in einer Erklärung im Jahr 1997 festgestellt, wird sowohl von Katholiken als auch Protestanten geteilt. Wenn Katholiken und Protestanten aus Anlass des Gedenkjahres 2017 zu einer gemeinsamen Deutung der Vergangenheit gelangen, kommen sie hoffentlich auch zu einer gemeinsamen Strategie und Bestimmung, wie diese Religion, gleich welcher Konfession, die Menschen in Deutschland in den kommenden Jahren erreichen möchte. Im Kernland der Reformation, den neuen Bundesländern, gehören nur noch rund 15 Prozent der evangelischen Kirche an, fünf Prozent sind Katholiken. Ob der Gott der Christen „das Feld behält“, wie Luther in seinem Choral dichtet, ist längst noch nicht ausgemacht. Dieser Text ist zuerst erschienen auf www.cicero.de/alexanderplatz.php Mehr über den Autor erfahren Sie unter www.a-goerlach.com Weitere Texte zum Thema auf www.cicero.de: Interview mit Bischof Wolfgang Huber: http://www.cicero.de/97.php?ress_id=4&item=2597 Das Leiden macht den Unterschied von Klaus Berger http://www.cicero.de/97.php?item=2480&ress_id=10 Gott ist wieder da von Wolfram Weimer http://www.cicero.de/97.php?item=1316&ress_id=4
Was für eine Harmonie: Ohne störende Banker in der Diskussionsrunde ließ Anne Will ihre Talkgäste auf die Finanzbranche einschlagen. Heraus kamen Thesen und Forderungen, die Marktwirtschaftlern die Zornesröte ins Gesicht treiben.
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, sorgt sich angesichts der wachsenden Armut in Deutschland, dass das Vertrauen in die Demokratie schwinden könnte.
Papst Johannes Paul II. hat in seiner Weihnachtsbotschaft zu größeren Anstrengungen für den Frieden sowie zu Dialog und Versöhnung aufgerufen. Kardinal Lehmann erinnerte an die Kinder-Armut in Deutschland.
Papst Benedikt XVI. hatte am zweiten Tag seines Aufenthalts in Köln nur wenig Zeit für die Jugend dieser Welt: Politiker und Würdenträger standen auf dem Besuchsprogramm - und der Papst schrieb damit Geschichte.
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