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18. Januar 2008, 17:50 Uhr

Merkel will mit Nokia sprechen

Nach überdeutlichen Solidaritätsbekundungen ihrer Minister will auch Bundeskanzlerin Angela Merkel im Streit ums Bochumer Nokiawerk mitmischen. Sie hat den Konzern aufgefordert, die Gründe für die Schließung offenzulegen.

Bundeskanzlerin Merkel beim Telefonat mit dem französischen Außenminister Bernard Kouchner - mit einem Handy der Marke Nokia© Michael Urban/DDP

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich in den Streit über die Zukunft des Bochumer Nokia-Werkes eingeschaltet. Sie machte deutlich, dass sie die Motive des finnischen Konzerns für die geplante Schließung erfahren und offene Fragen klären will, wie Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin sagte.

Nordrhein-Westfalen will möglicherweise 40 Millionen Euro Subventionen von Nokia zurückfordern. Steg sagte, es komme jetzt darauf an, möglichst viel für die Beschäftigten herauszuholen und eine Perspektive zu entwickeln. Für die Bundesregierung führt die Gespräche der parlamentarische Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Hartmut Schauerte. Zu Ziel und Ort der Unterredung wollte ein Sprecher des Ministeriums keine Angaben machen.

Wirtschaftsministerium sieht Anhaltspunkte für Vertragsbrüche

Das Düsseldorfer Wirtschaftsministerium erklärte, Nokia habe sich verpflichtet, eine festgeschriebene Anzahl unbefristeter Arbeitsplätze zu schaffen. Es gebe Hinweise, dass diese Werte nicht erreicht und entsprechende Berichtspflichten nicht erfüllt worden seien. "Die Daten signalisieren, dass die Beschäftigungszusagen bereits zwischen 1998 und 2003 nicht eingehalten worden sind", sagte Wirtschaftsministerin Christa Thoben. Dies müsse aber noch überprüft werden. Werde der Nachweis erbracht, könne man das Geld zurückfordern. Neben einer Förderung von rund 17 Millionen Euro von 1999 geht es laut Ministerium nun auch um 23,8 Millionen Euro aus dem Jahr 1998.

Nokia will sein Bochumer Werk noch diesen Sommer stilllegen und die Produktion in andere europäische Werke verlagern, vor allem in Rumänien und Ungarn. Nach Gewerkschaftsschätzungen sind rund 4.000 Arbeitsplätze von Nokia-Angestellten, Leiharbeitern und Beschäftigten in Zulieferfirmen bedroht.

IG Metall kämpft um Standorterhaltung

Mit einer einstweiligen Verfügung will die IG Metall verhindern, dass Nokia schon jetzt Aufträge aus Bochum nach Ungarn umleitet. Die Beschäftigten hätten Hinweise gehabt, dass so etwas vorbereitet würde, sagte der Sprecher der nordrhein-westfälischen IG-Metall-Bezirksleitung. Damit solle laut IG Metall der laufende Betrieb "im Vorgriff von Aufsichtsratsentscheidungen und Verhandlungen" ausgeblutet werden.

Am Dienstag wollen Nokia-Beschäftigte und Mitarbeiter anderer Unternehmen in Bochum auf einer Großdemonstration ihrem Ärger Luft machen. Auch wenn das Unternehmen verkündet habe, dass die Schließung feststehe und nicht diskutiert werde, wolle die Belegschaft nicht aufgeben, sagte die Betriebsratsvorsitzende von Nokia in Bochum, Gisela Achenbach. "Wir möchten mit Nokia sprechen, aber nicht um Sozialpläne zu machen, sondern um den Standort zu erhalten." Gestreikt wird aber zunächst nicht.

AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
flashback02 (19.01.2008, 10:13 Uhr)
Lieber ganzbaf,
dieser Paragraf ist Umweltverschmutzung, denn er ist das Papier nicht wert, auf dem er geschrieben steht. Die armen Bäume tun mir leid, die wegen so einem Schwachsinn bisher gefällt werden mussten ;) - Aber unter uns: schön wäre es ja...
gmathol (19.01.2008, 10:08 Uhr)
Das Land wird zur Zeit von einem grinsenden Stasi Alfred reagiert!
Ist Merkel eigentlich wirklich so dumm wie sie - na ja der liebe Gott mag mir verzeihen - aussieht?
Ich jedenfalls werde weiterhin die hervorragenden Nokia Produkte kaufen, denn was sollten wir denn sonst noch alles boykottieren? Alle US Heuschrecken Firmen, die deutsche Bank, BMW, Volkswagen die unsere Arbeitsplaetze in die USA und nach China verlagern?
ganzbaf (18.01.2008, 22:56 Uhr)
Schon wieder einer,

der das Grundgesetz nicht kennt: ;-)
Artikel 14
.
(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.
.
Gerne geschehen, flaschback ;-P
flashback02 (18.01.2008, 22:08 Uhr)
Nokia hat Recht
Marktwirtschaft ist nun mal nicht sozial, sondern schlicht und einfach auf Gewinnmaximierung ausgerichtet. Das hat auch nichts mit einer dubiosen Verschwörung der Wirtschaftseliten zu tun. Der Mensch ist eine Kostenstelle. Wer das noch nicht selbst bemerkt hat, muss wohl die letzten 20 Jahre hinter dem Mond verbracht haben. Und wenn Konzernen die EU-Milliarden hinterher geworfen werden, warum sollten sie diese denn nicht dankbar annehmen. Schuld daran sind einzig und allein diejenigen Politiker und Parteien, welche diese Regeln aufgestellt und umgesetzt haben und Schuld sind auch insbesondere diejenigen, welche jenen ihre Stimmen gegeben haben und wahrscheinlich auch zukünftig geben werden. Jetzt mit sozialem Gejammer anzukommen mag die Seele trösten, ändern wird es nichts.
vondervogelwheyde (18.01.2008, 21:57 Uhr)
@uwe12
Sie haben es richtig gesagt, uwe. Die ArbeiterInnen in Rumänien werden in einigen Jahren vor der gleichen Situation stehen. Die Marke Nokia wird in ein paar jahren Geschichte sein.
Uwe12 (18.01.2008, 21:48 Uhr)
selbstverständlich ist die Marke
"Nokia" für mich auf längere Sicht "verbrannt". Schlimmer als die eigentliche Werksschließung aus niederen Bleistift-Ökonomiegründen finde ich die Plötzlichkeit, mit der dieser Laden seine Mitarbeiter vor das vorläufige wirtschaftliche "Aus" gestellt hat! Bei ähnlichen Aktionen in ein paar Jahren in Rumänien rechne ich nicht mit ein paar harmlosen Demos, da wird vermutlich das Werk inklusive Inventar abgerissen und verschwinden.
Ich hätte von diesem finnischen Konzern mehr soziale Kompetenz erwartet und hoffe wirklich, daß ihnen in Rumänien alsbald die Löhne davonlaufen damit man sich noch weiter östlich orientieren muß.
"Geiz ist geil" ist bei technischen Dingen nicht mein Ding, wenn ich gute Kohle ausgebe, erwarte ich aber auch keine Billigproduktion. Diese Marke ist für mich auf lange Zeit tabu. Mag sein, daß das nichts ändert, aber bei der "Brent Spar" damals fühlte man mal die Marktmacht des Konsumenten - leider viel zu selten sowas!
vondervogelwheyde (18.01.2008, 21:47 Uhr)
Dreist
Die Heuchelei der PolitikerInnen kennt keine Grenzen mehr. Das die Verantwortlichen von Nokia ins Bundeskanzleramt zitiert werden, ist eine Dreistigkeit. Eine reine Showveranstaltung, um das gemeine Volk zu beruhigen damit das eigene Fehlverhalten nicht offenbart werden muss. An den Pranger gehört nicht Nokia. An den Pranger gehört die Subventionspolitik der EU und in den deutschen Bundesländern. Gewerkschaften und NRW haben den Deal mit Nokia unterstützt und gefördert. Das die Heuschrecken jetzt weiterziehen ist nicht das Ergebnis von Globalisierung, sondern zeigt in aller Deutlich-keit, wie EU-Politik funktioniert. Die Dummen sind die Angestellten. Den ersten Leiharbeitern wurde gekündigt. Auch das muss gesagt werden: ohne Nokia wären die LeiharbeiterInnen arbeitslos gewesen. Also ein Beschäftigungs-pakt auf Gegenseitigkeit. Nokia als Weltmarktführer nutzt eiskalt die Möglichkeiten der Subventionspoli-
tik aus. Mit Unterstützung von Subventionen die höchstmögliche Rendite erzielen, so wird in den Manageretagen gerechnet. Willkommen in der Realität. Alles andere ist Träumerei!
mitlaeufer1it (18.01.2008, 21:39 Uhr)
Nokia
Alles nur EUCHELEI, die Politiker und die vasallen presse. Beim boykottieren bitte BMW; MERCEDES ; PIN ;DEUTSCHEBANK; AIRBUS; TELEKOM ;UND TAUSEND ANDERE GROSSE UND KLEINEN KONZERNE NICHT VERGESSEN denn die exportieren nicht nur waren sonder viel mehr arbeitsplätze
frank77777 (18.01.2008, 20:09 Uhr)
@starmax
Volle Zustimmung !
"Wir müssen für beide Seiten eine Lösung finden"
Mit dieser Standardhohlphrase wird ein 80 Millionenvolk regiert.Unglaublich !
grossbuerger (18.01.2008, 19:40 Uhr)
Peinlich !
Ja, Tante "Merkelst Du´s nicht" ... jetzt ist es eh zu spät für Arschkriecherei, es ist zu spät !
Die wollen nicht, wir wollen nicht ! Nokia ist für mich gestorben und sollte es für jeden Bürger in diesem Lande auch sein !
Subventionen zurückfordern ! Strafzölle auf Nokia-Produkte erheben !!! Endlich mal Eier zeigen Deutschland !!!
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