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8. Juli 2008, 15:18 Uhr

Berlin erlaubt Obama-Rede

Noch bevor der Besuchstermin feststeht, sorgen die Reisepläne Barack Obamas in Deutschland für Aufregung. Der US-Demokrat will eine Rede vor dem Brandenburger Tor halten, was der Bundesregierung nicht recht zu passen scheint. Nun hat sich Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit auf Obamas Seite geschlagen.

Will an seinem außenpolitischen Profil feilen: US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama© Jae C. Hong/AP

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat sich grundsätzlich für eine Rede des Präsidentschaftsbewerbers der US-Demokraten, Barack Obama, vor dem Brandenburger Tor ausgesprochen. "Der Regierende Bürgermeister würde sich freuen, wenn Herr Obama einen Auftritt am Brandenburger Tor nutzen würde, um Botschaften auszusenden", sagte ein Senatssprecher. Allerdings bleibe abzuwarten, "wie das Ganze in das Besuchsprogramm passt". Dessen Ablauf sowie Sicherheitsaspekte seien in Gesprächen unter anderem mit der Voraus-Delegation von Obama noch zu klären. Der Berlin-Besuch des US-Präsidentschaftsbewerbers werde wahrscheinlich am 24. Juli stattfinden, so der Sprecher weiter.

Die Bundesregierung hatte die Absicht Obamas, vor dem Brandenburger Tor zu sprechen, einem Bericht von "Spiegel online" zufolge verhalten aufgenommen. Das Bauwerk sei "der bekannteste und ein geschichtsträchtiger Ort in Deutschland", hieß es demnach aus dem Kanzleramt. In der Vergangenheit sei dieser nur zu ausgesuchten Anlässen zu politischen Kundgebungen genutzt worden und dies bisher nur gewählten Präsidenten vorbehalten gewesen.

Dem Online-Magazin zufolge will Obama bei seinem Besuch eine Grundsatzrede zum transatlantischen Verhältnis halten. "Der Senator ist im Wahlkampf oft kritisiert worden, sich nicht genug für Europa zu interessieren. Diese Visite ist eine Antwort darauf, und deswegen will er sich zu dem Thema auch äußern", sagte ein namentlich nicht genannter Berater des US-Demokraten dem Bericht zufolge. Mit der Berliner Rede wolle Obama den Wählern in den USA signalisieren, dass er anders als der amtierende Präsident George W. Bush die enge Zusammenarbeit mit den Europäern suchen werde, sagte der Berater. "Bilder von 100.000 jubelnden Zuhörern würden dieses Argument stützen."

"Jeder Piesepampel konnte hier schon reden"

Kurz vor der Entscheidung Wowereits hatte FDP-Parteichef Guido Westerwelle die Bundesregierung bereits aufgefordert, ihren Widerstand gegen eine Rede Obamas vor dem Brandenburger Tor zu beenden. Die Begründung der Bundesregierung, dass nur amtierende Staatsoberhäupter hier reden könnten, sei "lächerlich".

"Da hat Herr Fischer schon gesprochen und Herr Schröder, da wird jeder Fußballstar geehrt und jeder Piesepampel konnte hier schon eine Rede halten", sagte Westerwelle. Die Haltung der Bundesregierung sei "Bürokratenquatsch". Das sei auch keine einseitige Parteinahme für Obama. Der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain könne ebenfalls dort sprechen, wenn er das wolle.

Auch der Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit, Karsten Voigt (SPD), wurde nach Bekanntwerden der Pläne vom Nachrichtensender N24 mit den Worten zitiert: "Bisher ist jeder amerikanische Gast auch durchs Brandenburger Tor gegangen. Dann waren immer auch Journalisten dabei. Und dann hat er immer auch was gesagt."

AFP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
dorarice (11.07.2008, 01:08 Uhr)
dorarice
To Mindspitting.
Ich stimme mit Ihnen total ueberein.
dorarice (09.07.2008, 19:16 Uhr)
Obama am Brandenburger Tor
Ich bin Deutsch-Amerikanerin and gehoere zur democratischen Partei in Amerika. Dass Obama vielleicht am Brandenburger Tor eine Reklame Sprache fuer seine Partei halten darf, tut mir gerade weh ums deutsche Herz. Er is ja noch nicht einmal amerikanischer President. Seine Reden sind mehr die Reden eines Predigers, denn die Reden eines Politikers. Ich hoffe dass Deutschland sich das noch ein mal ueberlegt and laesst Obama auf irgend einem Podium sprechen, aber nicht an dem deutschen Symbol, dem Brandenburger Tor.
Johann58 (09.07.2008, 16:04 Uhr)
@manfredbuchholz
Prinz Poldi und Oli Pocher sind also gewaehlte Repraesentantan?
Obama ist immerhin der gewaehlte Kandidat. Dass seine politischen Ziele nicht die sind, die sich die Welt erhoffen mag ist eine Sache, aber wollte die Welt die Politik von Bush?
tintones (09.07.2008, 14:51 Uhr)
Vor dem Tor ist hinterm Tor
Ob er nun hundert Meter weiter auf dem Pariser Platz oder hinterm Tor an der Grenze von 1988 sricht ... ist wurscht.
Kommt wohl auf die Podiumhoehe und die Kameraeinstellung an. Zur Not kann man ja noch schwenken. Oder eine Vogelperspektive einbauen. Tor!
endbenutzer (09.07.2008, 08:42 Uhr)
Da hat man also ein Problem...
..dass Obama eine Rede vor dem Brandenburger Tor hält. Hallo ihr Schnarchnasen in Berlin: Der Name ist "OBAMA" nicht "OSAMA". Komischerweise hat unsere Bundesregierung nichts dagegen einzuwenden, wenn der türkische Präsident in Deutschland Wahlreden hält..
MamfredBuchholz (09.07.2008, 03:31 Uhr)
@Asteriskina und Mindsplitting
dass da was vom Kanzleramt steht, liegt daran, dass dort nun mal der Regierungssprecher sitzt. Grundsätzlich ist es in der Tat falsch, ihn vor dem Brandenburger Tor sprechen zu lassen. Er ist kein gewählter Repräsentant der USA und befindet sich auf Wahlkampftour. Ganz nebenbei befände sich der hierzulande umjubelte und als neuer Kennedy gefeierte Obama in Deutschlands Parteiensprektrum weit rechts von der CSU. Er will die Todesstrafe sogar noch ausweiten und hat auch in Sachen Irak durchaus durchwachsene Ansichten. Ein wirklicher Wechsel sieht anders aus.
mupfeline (08.07.2008, 20:38 Uhr)
Er will halt auch ne Dynastie begründen
Wie die Kennedys auf der einen Seite und die Bushs auf der anderen Seite. Meine Güte, also lasst ihn doch auch mal Berliner sein :)
oscarherz (08.07.2008, 20:36 Uhr)
Nur kein Neid
Richtig ist, daß Frau Merkel hier nichts zu sagen hat.Die Entscheidung trifft der Senat. Wer Herrn Bush hofiert, muß damit leben, daß andere Politiker sich auch positionieren. Vielleicht zur Abwechslung mit dem zukünftigen amerikanischen Präsidenten. Nur kein Neid, es kommen wieder bessere Zeiten.
Mindsplitting (08.07.2008, 20:22 Uhr)
Erst denken dan reden...
@MamfredBuchholz
Da steht aber was vom Kanzleramt und soweit ich weis ist die Merkel Kanzlerin. Also nit direkt jemanden als dumm darstellen, das kann nach hinten los gehen.
Ansonsten denke ich überhaupt das das Brandenburger Tor nur für wirklich besondere Anlässe genutzt werden sollte. Nicht der Personen wegen, sondern wegen des Geldes was so etwas kostet. Dann werden wieder Straßen gesperrt, Gullis verschweißt, anwohner belästigt und wie Gefangene behandelt nur weil EIN Mann/Frau auftreten will. Dafür sind unsre Steuergelder zu schade. Es ist einfach prinzipsache, von mir aus könnte er im Bundestag reden, der wird eh nur für belanglose Überwachungs und Bürgermelkpläne benutzt.
bundesboy (08.07.2008, 19:57 Uhr)
Lasst den Jungen ruhig Eindruck schinden
Klar dass zur Not die ganze Bundesregierung vorgeschoben wird, wenn sich in erster Linie Angela Merkel mit Alpträumen rumplagt, weil Obama nun einmal viel charismatischer ist, als unsere Bundeskanzlerin.
Vor allen Dingen spricht Obama gern vom Wechsel und der steht doch in Deutschland derzeit gar nicht auf der Tagesordnung.
Trotzdem muss man wieder viel Geld an Meinungsforscher überweisen, die natürlich feststellen sollen, dass sich in Deutschland wegen Obama natürlich ganz bestimmt nix zugunsten der SPD bewegt, noch nicht einmal für Wowereit.
Und wenn doch? Na dann wäre das der bestmögliche Kollateralschaden, den der Junge aus Illinois in Deutschland hätte verursachen können.
Also lasst ihn doch ruhig Eindruck schinden.
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