Startseite

Röttgen bremst Atomtransport nach Russland aus

Das Vorhaben war umstritten: 951 Brennelemente aus einem DDR-Forschungsreaktor sollten in eine russische Aufbereitungsanlage gebracht werden. Jetzt hat Bundesumweltminister Norbert Röttgen die Genehmigung verweigert.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat die Genehmigung für den umstrittenen Atomtransport aus dem westfälischen Zwischenlager Ahaus nach Russland verweigert. Röttgen verweigerte die Genehmigung für den Atomtransport mit der Begründung, dass das russische Atomkombinat Majak eine militärische Anlage sei. Auch sei die Wiederaufarbeitungsanlage noch nicht einmal in Betrieb. Aus diesen Gründen sei grundsätzlich eine schadlose Verwertung der 951 Brennelemente aus Rossendorf nicht möglich.

Der Umweltminister erklärte in Bonn, seine Entscheidung sei "zunächst endgültig". Auf die Frage, ob ein Transport zu einem späteren Zeitpunkt infrage kommen könnte, antwortete er ausweichend. Es werde bis zu einer Entscheidung "wohl Jahre dauern können", sagte der CDU-Politiker. Nun bleiben die Brennelemente bis auf Weiteres im Zwischenlager in Ahaus. Sie hätten dafür eine Genehmigung, sagte eine Ministeriumssprecherin in Berlin. Die Genehmigung sei aber auf 40 Jahre befristet. "Das gilt generell für alle Zwischenlager."

Die 951 Brennelemente aus dem DDR-Forschungsreaktor Rossendorf bei Dresden waren 2005 nach Ahaus gebracht worden. Auf Intervention Sachsens sollten sie nach Majak gehen, weil sie aus der früheren Sowjetunion stammen. Majak soll seit einem Unfall im Jahr 1957 noch stärker radioaktiv verstrahlt sein als Tschernobyl. Dort war es 1986 zum größten anzunehmenden Unfall (GAU), zur Kernschmelze, gekommen. Deshalb hatten deutsche und russische Umweltschützer eindringlich vor dem Transport nach Majak gewarnt.

Bundesamt für Strahlenschutz hatte Okay gegeben

Sachsen hatte für den Transport der Castoren bereits 35 Millionen Euro bereitgestellt. Das Bundesamt für Strahlenschutz genehmigte den Atomtransport in die Häfen Hamburg und Bremen bereits Ende September. Aber die beiden Stadtstaaten lehnten ab. Auch fehlte noch die Genehmigung des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa), das wiederum beim Bundesumweltministerium die Erlaubnis beantragte. Röttgen erklärte, er habe seine ablehnende Entscheidung der Bafa bereits mitgeteilt.

Grundlage für den Rücktransport hätte der zwischen den USA, Russland und der Internationalen Atomenergiebehörde geschlossene Vertrag sein sollen, der die Rückholung von Brennelementen aus Forschungsreaktoren, die von der Sowjetunion bestückt worden sind, vorsieht.

tkr/DPA/DAPD/AP/AP/DPA
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools