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16 Fragen und ein Karriereende

Eine Anfrage des stern löste im Dezember 2011 Panik im Bundespräsidialamt aus. Sprecher Glaeseker musste gehen - was seinen Chef aber nicht rettete. So beschreibt es ein neues Buch.

Von Hans-Martin Tillack

  Seine Entlassung rettete Wulff nicht: Ex-Präsidenten-Sprecher Olaf Glaeseker

Seine Entlassung rettete Wulff nicht: Ex-Präsidenten-Sprecher Olaf Glaeseker

Ein Fragenkatalog des stern stürzte den mächtigen Präsidentensprecher: Ein neues Buch ("Affäre Wulff") der beiden "Bild"-Journalisten Nikolaus Harbusch und Martin Heidemanns beschreibt im Detail, wie eine stern-Recherche den plötzlichen Abgang von Olaf Glaeseker auslöste, der bis dahin als Sprecher des Bundespräsidenten Christian Wulff amtierte.

Am 22. Dezember 2011, neun Tage nach Beginn der Affärendebatte um Wulff, hatte der stern morgens um 9.41 Uhr einen Fragenkatalog mit 16 Punkten an das Präsidialamt übermittelt, auch an die Mailadresse von Glaeseker selbst. Dem stern lagen damals erste Zeugenaussagen über kostenlose Urlaubsaufenthalte von Glaeseker auf Anwesen des Eventmanagers Manfred Schmidt in Spanien und Frankreich vor. Dies zu einer Zeit, in der Glaeseker als Staatssekretär und Wulff-Helfer in der niedersächsischen Staatskanzlei dienstlich mit den sogenannten Nord-Süd-Dialogen befasst war, also mit Lobbyveranstaltungen, die Schmidt organisierte.

Affäre am Siedepunkt

Heidemanns und Harbusch beschreiben nun im Detail, welche Aufregung die Anfrage des stern auslöste: "Es brennt lichterloh um Schloss Bellevue", rekapitulieren sie: "Die Affäre Wulff - würde man sie in Temperaturen messen -, an diesem Tag erreicht sie den Siedepunkt."

An diesem Morgen des 22. Dezember informierte Glaeseker jedenfalls sofort den Amtschef des Bundespräsidialamtes, Lothar Hagebölling, über die Fragen des stern. Er bestritt die Urlaubsaufenthalte nicht, brachte aber zu seiner Verteidigung vor, dass Schmidt ein alter Freund von ihm sei.

Belastetes Verhältnis Wulff-Glaeseker

Dennoch, so das Buch der "Bild"-Reporter, war Hagebölling und Glaeseker die Brisanz der stern-Anfrage sofort bewusst. Glaeseker sagt zu Hagebölling, er wolle zu keiner zusätzlichen Belastung für Wulff werden. Zusammen mit Wulff solle er "über seine Entlassung entscheiden".

Glaubt man der Schilderung des Buches, dann war das Vertrauensverhältnis zwischen dem Präsidenten und seinem ehemals engsten Vertrauten zu diesem Zeitpunkt bereits schwer belastet. Von Wulffs Urlauben bei den Finanzmanagern Wolf-Dieter Baumgartl und Carsten Maschmeyer habe er erst im Nachhinein erfahren. Auch über die Herkunft des privaten Hauskredits von Wulff sei Glaeseker von seinem Chef "anfangs getäuscht worden". Erst im November 2011 habe Wulff ihm erklärt, dass es nicht die BW-Bank war, die im Oktober 2008 den Kauf des Hauses finanzierte, sondern Edith Geerkens, die Frau des in der Schweiz lebenden Unternehmers Egon Geerkens. In der Tat hatte Glaeseker noch im Februar 2011 dem stern schriftlich versichert, Kreditgeber "war und ist" die BW-Bank.

Entlassung des Sprechers

Am 22. Dezember lässt nun Wulff seinen Getreuen Glaeseker fallen. Nur etwa fünf Stunden nach Eingang der stern-Anfrage verkündet das Präsidialamt am Nachmittag die Entlassung des Sprechers. Und Wulff kündigt noch für den selben Tag einen persönlichen Auftritt im Präsidialamt an. Offenkundig glaubt er nun, er müsse Distanz zwischen sich und Glaeseker schaffen.

Denn auch Wulff selbst unterhielt enge Beziehungen mit dem als Partykönig geltenden Manager Schmidt. Auf dessen Veranstaltungen war Christian Wulff in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident häufig zu Gast. Später wird der stern über Vorwürfe berichten, dass auch Wulff Schmidt half, Sponsoren für die Nord-Süd-Dialoge zu werben.

Korruptionsverfahren dauert an

Wulff übersteht danach noch knapp zwei weitere Monate, bevor er am 17. Februar ebenfalls gehen muss. Dass er den Vertrauten geopfert hat, rettet den Präsidenten am Ende nicht.

Und noch aus einem anderen Grund ist die Geschichte des Sturzes von Olaf Glaeseker bemerkenswert: Allein der Fragenkatalog des stern reichte aus, um ihn herbeizuführen. Erst am Tag darauf, dem 23. Dezember, berichtete der stern auf seiner Website öffentlich über die Vorwürfe. Auf diesen Artikel wiederum wurde die Staatsanwaltschaft Hannover aufmerksam - er löste um die Jahreswende die Korruptionsermittlungen gegen Glaeseker und Eventmanager Schmidt aus, die bis heute andauern.

Martin Heidemanns, Nikolaus Harbusch: "Affäre Wulff", Schwarzkopf & Schwarzkopf, 336 Seiten, 19.95 Euro

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