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24. Februar 2008, 11:08 Uhr

Abstimmung an der Elbe

1,24 Millionen Wahlberechtigte sind in Hamburg aufgerufen, ihre Bürgerschaft zu wählen. Den Endspurt im Wahlkampf prägte bis zuletzt auch der Streit über eine mögliche Zusammenarbeit von SPD und Linkspartei in Hessen. Die Hamburger Wahl könnte zur daher Richtungsentscheidung über Bündnisse mit der Linkspartei werden. Schon jetzt zeichnet sich ab: Die Wahlbeteiligung ist relativ gering.

SPD-Kandidat Michael Naumann bei der Stimmabgabe am Morgen© Fabian Bimmer/AP

Bei der Hamburger Bürgerschaftswahl zeichnet sich eine geringere Wahlbeteiligung als vor vier Jahren ab. Nach Angaben des Wahlamtes gaben bis 16.00 Uhr 54 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Bei der Wahl 2004 waren es zum selben Zeitpunkt 61,8 Prozent. Bis zur Schließung der Wahllokale um 18.00 Uhr können rund 1,24 Millionen Wahlberechtigte entscheiden, wer die Hansestadt in den nächsten vier Jahren führt. Beobachter erwarten ein spannendes Rennen um die 121 Sitze im Rathaus.

Gute Prognosen für die Linke

Bürgermeister Ole von Beust will mit der CDU die absolute Mehrheit verteidigen. SPD-Herausforderer Michael Naumann hofft, dass die Sozialdemokraten stärkste Fraktion werden und er mit der GAL koalieren kann. Mit Spannung erwartet wird das Abschneiden der Linken und der FDP. Während die FDP um den Einzug in die Bürgerschaft bangen muss, wird den Linken aller Voraussicht nach der Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde gelingen.

Zwölf Kreuzchen in 37 Sekunden

Als einer der ersten Wähler gab SPD-Spitzenkandidat Naumann seine Stimme unmittelbar nach Öffnung der Wahllokale um 08.00 Uhr ab. Seine zwölf Kreuzchen machte er in einer Minute und 48 Sekunden. "Ich bin gespannt und ein bisschen siegesgewiss", sagte Naumann anschließend. Die Zeit bis zum Abend wollte er noch für Wahlkampf am Fischmarkt und für den Besuch eines Fußballspiels des FC St. Pauli nutzen. Im Eiltempo und schneller als sein SPD-Herausforderer wählte Bürgermeister Beust. Für seine zwölf Stimmen brauchte der 52-Jährige nur 37 Sekunden und war damit mehr als eine Minute schneller als sein Kontrahent. "Ich bin sehr zuversichtlich", sagte er in der Staatsbibliothek. Am späteren Abend will Beust, der 2004 mit 47,2 Prozent das beste CDU-Ergebnis in Hamburg holte, mit Parteifreunden in der Fischauktionshalle feiern.

Erstmals entscheiden die Hamburger nach einem neuen Wahlrecht: Konnten sie bisher eine Stimme vergeben, so sind es jetzt sechs - eine für eine Partei auf der Landesliste, die anderen fünf für die Kandidaten selbst. Weitere sechs Stimmen haben die Hamburger für ihre Bezirksversammlungen, bei der inklusive der rund 65 000 wahlberechtigten EU-Ausländer 1,3 Millionen Wahlberechtigte abstimmen dürfen.

Streit um Linke in Hessen

Den Endspurt der Parteien im Wahlkampf prägte bis zuletzt auch die Debatte über den Umgang der SPD mit der Linken in Hessen. Ronald Pofalla hatte am Samstag die Hamburger Bürgerschaftswahl kurzerhand zur Richtungsentscheidung über rot-rote Bündnisse erklärt. Die Wähler in Hamburg hätten "die einmalige Chance, über den Wortbruch von Herrn Beck und Frau Ypsilanti abzustimmen", sagte der CDU-Generalsekretär. SPD-Spitzenkandidat Michael Naumann beteuerte, im Gegensatz zu Überlegungen für Hessen würde er sich nicht von den Linken zum Bürgermeister wählen lassen. Amtsinhaber Ole von Beust (CDU) konterte, er glaube zwar Naumann, aber nicht der SPD. Bei Sozialdemokraten in der Hansestadt löste die von Parteichef Kurt Beck ausgelöste Diskussion Verärgerung aus.

Unter Meinungsforschern herrscht Uneinigkeit, inwieweit sich der jüngste Streit in der SPD auf das Wahlergebnis auswirken könnte. Der Chef des Instituts Forsa, Manfred Güllner, erwartet nicht unbedingt massive Verluste für die Sozialdemokraten. "Ich bin nicht sicher, ob das Thema sich wirklich auf die Wahl am Wochenende auswirkt", sagte er "Spiegel Online". Dagegen wollte Klaus-Peter Schöppner von TNS Emnid nicht ausschließen, dass die Auseinandersetzung über das Verhältnis zur Linken der SPD schon am Wochenende ein Debakel bescheren könnte. "Eins steht fest: Das Thema wird der SPD eher schaden als nützen", sagte er dem Online-Dienst.

Den Streit hatte Beck diese Woche mit der Äußerung ausgelöst, die hessische SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti solle sich bei einer Verweigerung der FDP mit Hilfe der neuen Partei Die Linke zur Ministerpräsidentin wählen lassen. Das Thema belastet auch die große Koalition im Bund. CSU-Chef Erwin Huber sprach in der "Bild"-Zeitung (Samstag) von einem "Spiel mit dem Feuer" und unabsehbaren Folgen. Mehrere Unions-Politiker sprachen sich dafür aus, die Koalition mit der SPD zu beenden, sollte sich Ypsilanti tatsächlich mit Linken- Hilfe zur Regierungschefin wählen lassen.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
laui (24.02.2008, 17:39 Uhr)
Nicht alles ist eine Koalition
In Hessen diskutiert man immer wieder darum, ob Frau Ypsilaniti eine Koalition mit den Linken eingeht oder nicht.
In meinen Augen muss sie dies nicht. Sie kann sich jedoch durch die Stimmen der Linken, Grünen und ihrer eigenen Partei zum Ministerpräsident wählen lasse.
Denn sobald dann die Linken zusammen mit der CDU bei einer Abstimmung GEGEN ein Projekt der Regierungspartei SPD abstimmen. wird es in den Medien sicherlich sehr heiss hergehen.
"CDU zusammen mit den Linken ! "
Und genau vor davor fürchtet sich die CDU, polemisiert deshalb gegen eine Wahl von Frau Ypsilanti, die sich vor und nach der Wahl gegen eine Koalition mit den Linken ausgesprochen hatte.
taucher1102 (24.02.2008, 16:35 Uhr)
CeeTo
Das würde ich gerne tuen Arbeit verteilen. Den größten Batzen würdest du abbekommen, du scheinst im Wahren Leben nicht ausgelastest zu sein.
DummBatz (24.02.2008, 15:57 Uhr)
Direktdemokratie
@chaom
Zwei sehr kurzsichtige Beispiele!
Gegen direktere Demokratie spricht fast gar nichts, in der Schweiz wird so etwas sehr erfolgreich praktiziert.
1. Könnte es zu solchen Abstimmungen wie in den Beispielen nur dann kommen, wenn eine genügend grosse Anzahl an Bürgern für eine solche Abstimmung ist. Wenn also Hundebesitzer für die Abschaffung der Hundesteuer sind, müssten genügend Bürger für eine solche Abstimmung sein, damit sie überhaupt zur Abstimmung kommt.
2. Eine Abstimmung darf nur dann gültig sein, wenn zum Beispiel 75% aller Bürger ihre Stimme dazu abgegeben haben - oder sogar noch härter: JEDER MUSS seine Stimme abgeben, sonst Sanktionen.
3. Die Beispiele gegen davon aus, dass jeder ziemlich dumm ist und nur egoistisch nach seinen Interessen abstimmt. Ist aber Quatsch!
Fragt doch mal Hundebesitzer, ob sie für die Abschaffung der Steuer sind, es werden nicht alle dafür sein, wenn es sinnvolle Gründe dafür gibt.
4. Demokratie ist Mehrheitsprinzip. Das heisst, die Minderheiten müssen sich in einem gewisse Maße natürlich den Mehrheiten fügen. Es gibt aber auch noch das Grundgesetz und andere Gesetze, die verhindern, dass Minderheiten von Mehrheiten einfach so herumgeschubst werden können.
Setzt eine direktere Demokratie denn gleich alle Gesetze ausser Kraft?
Wohl kaum.
Für Gesetze gibt es Spezialisten, da hat das Volk sowieso nicht einfach dran rumzuwerkeln.
Man lässt ja auch keine Laien einfach so Herzoperationen durchführen, etc. ;-)
CeeTo (24.02.2008, 15:34 Uhr)
-.-
Na dann verteil du mal.
Komisch dass man aus anderen gescheiterten Versuchen nicht schlau wird.
Aber da sind die Linken ja nicht besser als die Rechten.
taucher1102 (24.02.2008, 15:18 Uhr)
CeeTo
FALSCH!
Es geht darum die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen.
CeeTo (24.02.2008, 14:38 Uhr)
-.-
Ja Links wählen bedeutet Nichtarbeiten wird sich wieder lohnen! Die die arbeiten und sich bilden können zusätzlich auch die Unwilligen durchfüttern.
chaom (24.02.2008, 13:34 Uhr)
@ganzbaf
Direkt-Demokratie im Beispiel:
Jeder Angestellte bekommt 100 Euro mehr im Monat, finanzieren tun wir das in dem wir jeden Beamten (oder auch Busfahrer, Piloten, etc) 500 Euro abziehen.
So lass das mal abstimmen! Viele die es betrifft würden wählen und die Mindheiten hätten das nachsehen.
Also ist Direkt-Demokratie zu Lasten von Minderheiten!
2. Beispiel:
Du läst abstimmen das die Hundesteuer wegfallen soll.
Hundebesitzer wählen natürlich dafür. Nicht-Hundebeitzer gehen nicht zur Wahl, weil es sie einfach nicht betrifft. D.h. Leute die speziell von etwas betroffen sind haben ein leichtes Spiel Gesetze nach ihrem Anliegen zu ändern. Einfach nur deshalb weil es kaum Gegenwähler gibt (aus interessenlosigkeit, bzw. der Gang zur Wahl lont nicht für sie!).
Man könnte noch unzählige Beispiele aufführen.
Aber da seinem Linken zu erklären der in seinem Traum gefangen ist bringt wohl nichts ;)
Dir zu erklären das wenn arbeit nicht belohnt werden würde. Die gute arbeit einfach abwandert wohl auch nicht. Wie auch immer schönen Sonntag!
Stefan1974 (24.02.2008, 13:13 Uhr)
Abschaffung
des Wahlrechts für alle diejenigen, die nur Phrasen dreschen und mit Smileys um sich werfen anstatt Argumente vorzubringen :-) Gell banzaf :-)
Johann08 (24.02.2008, 12:46 Uhr)
Der EnTspurt der Parteien im Wahlkampf...
Liebe Leute von der online-Redaktion oder von DPA/AP. Der Endspurt hat meines Erachtens nichts mit Enten zu tun und wird deswegen denk ich mit "d" geschrieben.
ganzbaf (24.02.2008, 11:50 Uhr)
Sexy wählen...

= Links wählen... ;-D
.
.
Für mich ist Links deswegen so sexy, weil nur Links die Ungleichverteilung von Vermögen und Arbeit an der Wurzel beheben will und kann. Und weil Links AUCH für mehr DIREKT-Demokratie eintritt, liebe Freundinnen und Freunde!!... (*:
.
Zeigt den rechten Konservennaiven die Rote KArte... ;-DD
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