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Seehofer lässt den Wald kränkeln

Die Bundesregierung präsentiert sich gerne als grüner Engel. Dem Wald helfen Verlautbarungen jedoch nichts. Dem jüngesten Waldzustandsbericht zufolge sind 70 Prozent der Bäume krank. Schuld daran trage vor allem Landwirtschaftsminister Seehofer, sagt Naturschützer Weiger im stern.de-Interview.

Der Wald ist krank - und zwar schwerer, als gemeinhin angenommen. In den Pressemitteilungen von Horst Seehofers Landwirtschaftsministerium heißt es zwar "Die Wälder konnten sich auch 2007 leicht erholen", aber diese Aussage suggeriert einen falschen Eindruck. Der Waldzustandsbericht, den das Ministerium auf der eigenen Website veröffentlich hat, zeigt, dass nur der Anteil der schwer erkrankten Bäume gesunken ist, und zwar von 28 auf 25 Prozent. Der Anteil der leicht geschädigten Bäume ist hingegen gestiegen, von 40 auf 45 Prozent. In der Summe wurden 2007 also mehr Bäume als geschädigt eingestuft als 2006.

Die Naturschutzorganisation Bund erhebt aufgrund der schlechten Bilanz Vorwürfe an Landwirtschaftsminister Horst Seehofer. "Seehofer tut zu wenig" sagte Bund-Chef Hubert Weiger im Video-Interview mit stern.de. Seiner Ansicht müsste Seehofer verhindern, dass konventionell arbeitende Bauern die Böden weiterhin überdüngen. "Die intensive Landwirtschaft ist einer der Hauptverursacher [der Waldschäden, Red.]", so Weiger, "und deswegen hat natürlich ein deutscher Agrarminister kein großes Interesse mehr, dies zu dokumentieren. Er kann nicht mehr die Verantwortung auf die Weltsituation schieben."

Nach Weigers Darstellung wollte Seehofer die Daten des Waldzustandsberichts eigentlich gar nicht oder verspätet veröffentlichen - und hat sich nur unter dem Druck der anberaumten Bund-Pressekonferenz in Berlin am Mittwoch zur Publikation entschieden. Die Daten wurden allerdings nur auf die Homepage des Ministeriums gestellt, eine öffentliche Präsentation - und die damit verbunden kritischen Nachfragen - hat sich das Ministerium erspart.

Weiger sieht indes nicht nur Seehofer in der Pflicht - auch der Bürger sei gefragt. "Ich kann mit meinem eigenen Verhalten weniger Schadstoffe erzeugen", sagt Weiger. Zum Beispiel, indem man statt des Autos den öffentlichen Nahverkehr nutze und statt industriell hergestellter Lebensmittel ökologische Produkte verwende. Weiger: "Dem Wald hilft eben kein politisches Geplapper und keine bunten Berichte und keine Bagatellisierung."

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