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3. Januar 2008, 15:18 Uhr

Beugehaft für Ex-RAF-Terroristen

Den ehemaligen RAF-Terroristen Brigitte Mohnhaupt, Christian Klar und Knut Folkerts droht Beugehaft. Die Ermittlungsrichter haben entsprechenden Anträgen zugestimmt. Die ehemaligen RAF-Mitglieder hatten Aussagen verweigert, die zur Aufklärung des Mordes an Siegfried Buback beitragen sollen.

RAF-Fahndungplakat von 1980© Keystone/Getty Images

Gut 30 Jahre nach dem Anschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback hat der Bundesgerichtshof Beugehaft gegen die drei ehemaligen RAF-Topterroristen Christian Klar, Brigitte Mohnhaupt und Knut Folkerts angeordnet. Damit soll endgültig geklärt werden, wer Buback und seine beiden Begleiter am 7. April 1977 erschossen hat. Die Bundesanwaltschaft teilte mit, Klar, Mohnhaupt und Folkerts sowie ihr Komplize Günter Sonnenberg hätten bei einer Zeugenvernehmung im Ermittlungsverfahren gegen das Ex-RAF-Mitglied Stefan Wisniewski keine Angaben gemacht, ohne dass ihnen ein umfassendes Auskunftsverweigerungsrecht zugestanden habe.

Sonneberg darf Aussage verweigern

Die Anträge auf Ordnungsgeld, ersatzweise Ordnungshaft, und Haft zur Erzwingung des Zeugnisses bis zur Dauer von sechs Monaten stammen bereits vom September. Weil davon auszugehen sei, dass die Betroffenen Beschwerde einlegten, sei ein Vollzug der Beschlüsse zunächst ausgesetzt worden, erklärte die stellvertretende Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Sonja Heine. Klars Anwalt Heinz-Jürgen Schneider sagte in der ARD-"Tagesschau": "Ja, es wird Beschwerde eingelegt werden gegen diesen Beschluss des Ermittlungsrichters. Zuständig wird dann der Bundesgerichtshof sein."

Im Fall Sonnenbergs habe laut Heine der Ermittlungsrichter den Antrag der Bundesanwaltschaft auf Beugehaft zurückgewiesen, weil sich der Zeuge durch Angaben zur Sache der Gefahr einer Strafverfolgung in dem Fall ausgesetzt hätte. Allerdings sei eine Wiederaufnahme der Ermittlungen gegen Sonnenberg nicht ausgeschlossen.

Wisniewski von Aussteiger Boock belastet

Gegen Wisniewski wird wegen des Buback-Anschlags sowie des versuchten Raketenwerferanschlags auf das Gebäude der Bundesanwaltschaft im Jahr 1977 ermittelt. Anlass für die neuen Ermittlungen waren Aussagen des RAF-Aussteigers Peter-Jürgen Boock, der seinen früheren Komplizen Wisniewski beschuldigt hatte, die tödlichen Schüsse auf den Generalbundesanwalt und seine zwei Begleiter abgegeben zu haben.

Klar, Mohnhaupt, Folkerts und Sonnenberg sind bereits als Tatbeteiligte verurteilt. Von ihnen sitzt nur Klar noch in Haft und wird voraussichtlich Anfang 2009 aus dem Gefängnis entlassen. Seine reguläre Haftzeit würde während der Beugehaft ruhen.

Boock brach Schweigen als Einziger

Insgesamt wollte die Bundesanwaltschaft elf frühere RAF-Mitglieder in dem Fall befragen. Außer Boock verweigern alle die Aussage, wie Terrorermittler Rainer Griesbaum von der Bundesanwaltschaft bereits Mitte Dezember erklärt hatte.

Siegfried Buback und seine Begleiter Wolfgang Göbel und Georg Wurster war am 7. April 1977 von einem RAF-Kommando getötet worden. Klar, Sonnenberg und Folkerts sollen das Attentat ausgeführt haben. Unklar blieb die Rolle von Brigitte Mohnhaupt bei der Tat. Alle vier RAF-Mitglieder wurden wegen des Mordes verurteilt.

Was ist Beugehaft? Wenn sich in einem Strafverfahren ein Zeuge grundlos weigert, eine Aussage zu machen, muss er unter Umständen mit Ordnungsgeld oder sogar Ordnungshaft rechnen. Eine entsprechende Regelung gibt es in Paragraf 70 der Strafprozessordnung. Maximaldauer der Haft ist sechs Monate. In der Praxis verhängen Richter aber meist nicht mehr als vier bis fünf Monate Haft gegen widerspenstige Zeugen.

Die Ordnungshaft kann nicht mehrmals angeordnet werden. Sitzt ein Zeuge ohnehin im Gefängnis, wird seine normale Haftzeit während der Beugehaft ausgesetzt und verlängert sich entsprechend. Zeugen müssen sich aber nicht grundsätzlich äußern: Wenn sie sich zum Beispiel selbst oder enge Angehörige belasten würden, dürfen sie die Aussage verweigern.

AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
Punito (04.01.2008, 18:07 Uhr)
Das Verhängen der Beugehaft ...

macht die Toten nicht mehr lebendig .
Die Angehörigen der Ermordeten sind bemüht den /die Mordschützen zu Gesicht zu bekommen und Klar und Genossen schweigen vermutlich weiterhin
zu den RAF-Morden der 70er .
Die gleichen Protagonisten jener Zeit
halten ihre pro oder Konterreden zur Verhängung von Beugehaft ab
und die Masse der Bevölkerung hat keine Ahnung . Weder über die politische Situation der "wilden 60er" , der Entwicklung der APO ,
dem Zusammentreffen der RAF-Protagonisten und den Thesen jener "Revolutionäre",die laut Dutschke viele Vietnams schaffen sollten .
hardrain (04.01.2008, 11:49 Uhr)
Super, zaxxon, Ihre Idee:
Dann fangen Sie doch mal damit an, die Soldaten einzusperren, die andere Menschen, egal, aus welchem Grund, ermordet haben und bis jetzt nicht verhaftet wurden. Oder sehen Sie da einen Unterschied?
Ach so, Zivilisten zu töten, ist was anderes?!
zaxxon (04.01.2008, 11:14 Uhr)
extrawurst
ich hoffe sie kommen in beugehaft und es gibt nicht wieder ne extrawurst für die "edel mörder".
manche der schreiber hier haben beim linksterrorismus eine sehr verklärte sicht der dinge. wenn jemand mehrere menschen ermordet hat, egal aus welchem grund, ist er für IMMER einzusperren!
Ernst1 (04.01.2008, 10:27 Uhr)
Warum hat man das mit Kohl nicht auch gemacht?
Dieser mann hätte es auch verdient. schliesslich sind da auch noch einige Kofferwechsel offen.
Malt (04.01.2008, 10:06 Uhr)
Erst mal...
...sollten Kohl und Schäuble zusammen in Beugehaft gehen... das ist schließlich noch nicht ganz so lange her... und der eine meint ja noch immer, uns sagen zu müssen, was richtig und falsch ist. Die schlimmsten Terroristen regieren uns!
belzebub99 (04.01.2008, 10:00 Uhr)
Witwe Bolte im TV
Ich freue mich immer wieder. Wilhelm Busch läßt grüßen.
Corum (04.01.2008, 09:51 Uhr)
Das Ende vom Rechtsstaat....
Beugehaft für RAF-Mitglieder die sowieso schon aufgrund der politischen Umstände übermässig hart bestraft wurden.
Bundestrojaner um jeden auszuspähen, dazu überarbeitete Richter, die ohne sorgfältige Prüfung alles unterschreiben.
Dann noch die Vorrats-Datenspeicherung, das Tür und Tor für alle Spionagemöglichkeiten öffnet.
Dann noch das "freiheitliche" Rauchverbot.
Cool, was kommt als nächstes? Ausgangssperre für Jugendliche ab 18:00 h damit kein Rentner mehr zusammengeschlagen werden kann?
Grüne Quadrate als Pflichtbutton für Arbeitslose, damit man Schwarzarbeit besser bekämpfen kann?
Schöne Aussichten, Deutschland....
Marty_D (04.01.2008, 08:57 Uhr)
Beugehaft????
Die sitzen schon soooooo lange ein, da macht noch mehr "eingesperrt sein" bestimmt total eindruck auf die!
Ey wer denkt sich sowas aus?? Spaken!
Ist echt nicht zu glauben, du meinst du hast es nur mit idioten zu tun - unfassbar!
kralli19 (04.01.2008, 03:56 Uhr)
cool...
...besteht also die reelle Chance, das Birne Kohl wieder in den Knast wandert ?
Wenn nicht, können sich die 3 ja auch auf einen Blackout berufen, gleiches Recht für alle, oder etwa nicht ?
Wie ein Vorkommentator schon schrieb, schon wieder wird ein Stück Rechtstaat beerdigt.
ganzbaf (03.01.2008, 19:20 Uhr)
Zusammen mit Kohl in eine Zelle
Wer übrig bleibt, hat verloren... ***
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