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2. November 2009, 09:45 Uhr

Klare Absage an umfassende Steuerreform

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat einer umfassenden Steuerreform in dieser Legislaturperiode eine klare Absage erteilt. Auch der Widerstand in den Ländern gegen Steuersenkungen steigt massiv. Die Union zeigt erste Kompromissbereitschaft im Steuerstreit.

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Steuersenkungen, Schä,uble, Widerstand

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU)© Michael Gottschalk/ddp

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat einer umfassenden Steuerreform in dieser Legislaturperiode eine klare Absage erteilt. "Am Ende dieser Legislaturperiode werden wir weder einen ausgeglichenen Haushalt noch ein grundlegend neues Einkommensteuersystem haben", sagte Schäuble dem "Handelsblatt". "Ich wage diese realistische Vorhersage", fügte Schäuble hinzu. Es sei "nicht die Zeit" für eine derartige grundlegende Reform - "bei allem was wir zu bewältigen haben", fügte Schäuble hinzu. Es gehe um begrenzte Korrekturen.

"Wir werden uns auf das beschränken, was wir in den Koalitionsvertrag hineingeschrieben haben", erläuterte Schäuble. Er verwies darauf, dass es in der Koalitionsvereinbarung lediglich heiße, ein Stufentarif solle "möglichst" 2011 eingeführt werden. Jeder wisse, dass Steuerreformen nur möglich seien, wenn es hinreichend große Spielräume für Steuerentlastungen gebe. Er habe auch schon in den Koalitionsverhandlungen deutlich gemacht, dass er den bestehenden linear-progressiven Steuertarif nicht für altmodisch halte. Er ziehe dieses Modell dem von der FDP geforderten Stufentarif vor.

Bundespolitiker von Union und FDP verteidigten am Wochenende die geplanten Entlastungen von jeweils bis zu 24 Milliarden Euro in den kommenden Jahren gegen die Angriffe aus den Ländern.

Kauder: Nur mit den Ländern geht es

Der hessische FDP-Chef und stellvertretende Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn warnte ebenso wie der FDP-Fraktionschef im schleswig-holsteinischen Landtag, Wolfgang Kubicki, vor zu hohen Belastungen der Länder durch Steuersenkungen. "Wir brauchen eine große Steuerreform, aber es kann nicht sein, dass alles zulasten der Länder geht", sagte Hahn dem "Tagesspiegel". Er warnte seine Partei davor, die Länder nicht mit einzubeziehen. "Ich habe meinen Amtseid auf die hessische Verfassung abgelegt, damit ist das Land Hessen mein Arbeitgeber und nicht die FDP", sagte Hahn. Kubicki sagte dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel": "Die schwarz- gelben Landesregierungen werden nicht alles, was im Bund beschlossen wird, einfach mitmachen." Es sei "nicht tragbar, dass die Länder dauerhaft Steuerausfälle in dreistelliger Millionenhöhe erleiden". Einige Länder erwägen eine Verfassungsklage, wenn die Bundesregierung im geplanten Umfang bei den Steuern entlastet.

Der künftige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel warf Schwarz-Gelb vor, die Steuergeschenke kämen nur solchen Leuten zugute, "die es nicht nötig haben". Das Geld fehle Ländern und Gemeinden für bessere Bildung, sagte er vor SPD-Mitgliedern in Loxstedt (Niedersachsen). SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier warf Schwarz-Gelb eine unseriöse Politik vor. Steuersenkungen müssten "seriös finanziert" werden, sagte er am Sonntag im "Bericht aus Berlin" der ARD. "Das ist hier nicht der Fall." Was er bei der neuen Regierung sehe, "das hat wenig mit Steuerpolitik zu tun, das ist mehr Hütchenspiel".

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte von denen, "die sich jetzt abseilen wollen", die Einhaltung der gemeinsamen Koalitionsziele. Die Vorgängerregierungen hätten versucht, die Staatsfinanzen über Steuererhöhungen zu sanieren. "Das muss ein Ende haben", sagte der FDP-Chef in Saarbrücken. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) erinnerte in der "Welt am Sonntag" daran, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ganz bewusst Ministerpräsidenten der CDU mit in die Koalitionsverhandlungen genommen habe. Zudem hätten drei Parteitage - einschließlich wichtiger Ministerpräsidenten - die Steuersenkungen einhellig gebilligt. Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) signalisierte, auf die Bedenken der Länder eingehen zu wollen. Dem "Tagesspiegel" sagte er: "Wir können nur eine Lösung mit den Ländern finden, nicht gegen sie."

KOMMENTARE (10 von 14)
 
kalaehne (02.11.2009, 22:32 Uhr)
FDP fordert neue Gemeindesteuern !
...Haushaltslöcher, verursacht durch den Bund, kann man auf verschiedene Weise stopfen. Folgt man der FDP, so sollen Städte und Gemeinden, denen durch eine Einkommensteuersenkung des Bundes anteilig Gelder zur Finanzierung ihrer Aufgaben vor Ort fehlen werden, durch ein neues Hebesatzsystem notwendige Finanzmittel von ihren Bürgerinnen und Bürgern eintreiben.

Wer das nicht glaubt, der möge sich die entsprechende Passage auf Seite 8 des FDP - Programmes ansehen . Auf diesem Wege sollen Städte und Gemeinden nach Meinung der FDP mehr Eigenverantwortung und Handlungsspielraum erhalten.

Wie nennt man es eigentlich, wenn man im Bund die Steuern für " Besserverdienende " senkt, um dann auf der Ebene der Städte und Gemeinden über Hebesätze von einer großen Zahl von Menschen fehlende Gelder hereinzuholen versucht? Wahlbetrug ? Wählertäuschung ? ... Juergen Kalaehne, BgM a. D.
tursu (02.11.2009, 11:04 Uhr)
Glaube oder Blindsein
Wer von Ihnen hat wirklich gedacht, das die Ihren Wahlversprechen einhalten? das ist eben Politik, man muss einfach lügen damit man Stimmen von den Bürgern kriegt, die überhaupt gar keine Ahnung haben. Heut zutage gehen die Bürger nicht nach einem Parteiinhalt wählen sondern einfach nach einer Person. Wie sieht er aus? Wie redet er? ach der ist ja cooll, ich gebe Ihm die Stimme
tursu (02.11.2009, 10:59 Uhr)
LÜGE
Wer hat denn wirklich gedacht das diese Regierung uns Bürger entlasstet? Mehr Netto vom Brutto, klar das habe ich Euch direkt geglaubt. Willkommen in der Kohl ÄRA. Die nächsten 4 Jahre werden sehr sehr Hart. Danach können die Ihre Koffer packen.
odyyn (02.11.2009, 10:57 Uhr)
Schwarz -Gelb in unserer Bananenrepublik.
Die FDP versucht umzusetzen, was sie uns vor der Wahl versprochen hat. Tatsächlich wird sie permanent von den alten Leuten und von "Rabenmutti" aus der CDU ausgebremst. Als bekannt wurde, daß Schäuble Finanzminister wird, habe ich den Glauben an diese assoziale Laienschauspieltruppe in Berlin zum x-ten Mal verloren. Bin ich so blauäugig daß ich an das Gute im Menschen glaube oder glauben will, oder bin ich nur ein hoffnungsloser Träumer? Es wäre eine super Chance für einen Neuanfang, aber mit den sogenannten "Großen Volksparteien" kann man das getrost in die Tonne klopfen. Wir werden weiter verarscht von diesen Parasiten und Schmarotzern in Berlin und ich denke ohne eine Riesenrandale von seiten des Volkes bleibt alles wie gehabt. Wir werden weiter verarscht von meineidschwörenden Politgangstern (nicht von allen aber vom größtenTeil der ReGIERung) und von unseren GIER-Bankstern. Es sei denn, wir fangen endlich an uns zu wehren. Schönen Tag noch.
einmensch2 (02.11.2009, 10:11 Uhr)
Zeit für Reformen
In der Regierungserklärung vom 28.10.1969 heisst es:

"Unser Ziel ist es, ein gerechtes, einfaches und überschaubares Steuersystem zu schaffen. Die Vorlage einer reformierten Abgabenordnung muß beschleunigt erfolgen."

Tja, das war vor 40 Jahren.....

Und auch heute heisst es noch, dass wir ein einfaches und überschaubares Steuersystem benötigen..... gut Ding will Weile haben.
Benkku (02.11.2009, 09:52 Uhr)
Womit hat das der Wähler verdient?
@n8g8: "Jedes Volk bekommt eben die Regierung, die es verdient. "
.
Wie kommt es dann aber dazu, daß es sich im Parlament fast nur noch Anwälte und Beamte bequem machen dürfen? Womit hat es der Wähler verdient, fast nur noch unzumutbare Lückenbüßer auf dem Stimmzettel vor die Nase gesetzt zu bekommen, von denen sich besonders die Neoliberalsten in einschlägigen Quasselrunden für ihre geistigen Absonderungen von bestellten Klatschkommandos loben lassen?
Administrator (02.11.2009, 08:42 Uhr)
@lummy
Ihr Beitrag wurde gelöscht. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen und argumentieren Sie sachlich.
whismerh2 (02.11.2009, 08:18 Uhr)
Bei dem engstirnigen Betonkopf
wundert mich gar nichts mehr, es wären soviel Reformen nötig, aber anstatt die Sache mal ehrlich anzugehen, wird eine wenig rumgedoktert und die Problematik bleibt die gleiche.
Stück für Stück zeigt die Regierung Ihr wahres Gesicht, Steuererhöhung nicht ausgeschlossen, also lassen wir uns mal wieder schön and der Nase rumführen
Mikeorganizer (02.11.2009, 07:13 Uhr)
Ist schon klar......
es ist für diese unfähigen, vergreisten Leute wie Schäuble leichter an einem unsinnigen, undurchsichtigen und unfähigem System zu feilen als es grundlegend zu verändern. Naja, die Leute die diese Leute an der Macht gehalten haben zahlen hoffenlich ordentlich ihre Quittung ! Wohl bekomms
Bitte-sachlich (02.11.2009, 00:08 Uhr)
Wo sind unsere sonst so eifrigen ...
... Kommentierer von der konservativen Fraktion?! Es muss sich doch ein Dreh finden lassen, diese Hiobsbotschaft den Linken anzulasten :))
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