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9. Juni 2009, 07:28 Uhr

Schmidt wirft Kassen Maßlosigkeit vor

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hat die Forderung der gesetzlichen Krankenkassen nach einem Krisenzuschuss in Milliardenhöhe zurückgewiesen und den Kassenfunktionären Maßlosigkeit vorgeworfen. "Manche haben offenbar den Bezug zur Realität verloren", sagte Schmidt. Von Claudia Kade, Berlin

Ulla Schmidt, Krankenkassen, Maßlosigkeit

Verschärft den Ton im Streit über den Gesundheitsfonds: Ulla Schmidt© Michael Gottschalk/DDP

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hat die Forderung der gesetzlichen Krankenkassen nach einem Milliardenzuschuss zurückgewiesen. Die SPD-Politikerin warf einigen Kassenfunktionären Maßlosigkeit vor. "Manche haben offenbar den Bezug zur Realität verloren", sagte Schmidt. "Es kann nicht sein, dass jeder im Gesundheitssystem immer nur nach mehr Geld ruft. Das passt überhaupt nicht in diese Zeit, in der immer mehr Menschen um ihren Arbeitsplatz bangen müssen."

Mit ihrer harschen Attacke verschärft Schmidt den Ton im Dauerstreit über den Gesundheitsfonds. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen hatte vor wenigen Tagen Milliardenhilfen verlangt, um Beitragsausfälle infolge der Wirtschaftskrise auszugleichen. Nach Berechnungen von Experten dürften dem Gesundheitsfonds, in den die Beiträge der Versicherten fließen und aus dem die Kassen ihren Anteil erhalten, in diesem Jahr 2,9 Mrd. Euro fehlen. Der Bund ist verpflichtet, den Fehlbetrag durch ein Darlehen auszugleichen, bis 2011 soll der Fonds die Steuergelder aber zurückzahlen. Dem verweigern sich die Kassen nun.

Schmidt warf den Krankenkassen vor, dass sie sich über die Gesetze der Gesundheitsreform stellten. "Die Honorierung der Ärzte muss stärker an der Qualität der Patientenversorgung ausgerichtet werden", sagte die SPD-Politikerin. Mit der Reform sei festgelegt, dass Kassen und Mediziner bis Ende Juni in gemeinsamen Verträgen einen Teil der Hausarzthonorare an eine verbesserte Versorgungsqualität knüpfen sollten. Bisher ist das aber nicht flächendeckend gelungen.

"Dass manche Kassen sich hier nicht bewegen wollen, ist ein Armutszeugnis", sagte Schmidt. "Die Gesetze gelten auch für die Akteure im Gesundheitswesen, das scheint manchem Kassenvertreter nicht ganz klar zu sein." Die Ministerin drohte den Kassen, sollten sie sich weiter sperren, würden die zuständigen Schiedsstellen ihnen die Entscheidung abnehmen.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Kassen wehrt sich gegen die Pflicht, diese sogenannten Hausarztverträge abzuschließen. Außerdem fürchten die Funktionäre, von den einflussreichen Hausarztverbänden die Bedingungen diktiert zu bekommen.

Die Ministerin betonte, die Kassen würden das erste Quartal mit einem klaren Plus abschließen. Sie wies zugleich auch die Ärzteverbände in die Schranken und lehnte deren Sparideen ab. "Die Vorschläge von Ärztekammerpräsident Hoppe und vom Marburger Bund für eine Rangliste der zu behandelnden Erkrankungen sind nicht vereinbar mit dem ärztlichen Eid und dem Sozialstaat." Die Funktionäre verließen ihre ethische Ordnung, wenn sie eine Liste verlangten, welche Krankheiten noch in der gesetzlichen Versicherung behandelt würden und für welche die Patienten eine Zusatzversicherung bräuchten.

Von Claudia Kade, Berlin
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
lorac (09.06.2009, 17:37 Uhr)
Besser Spät als nie
Ui Ulla,
auch schon wach geworden?
Sieh Dir doch mal an was die Oberfuzzis von AOK, Barmer,TKK, etc. verdienen, ohne dass diese Herrschaften die Läden im Griff haben!
Gottseidank zu einem rellen Preis - Privatversichert -
Ullallahalten Sie zwei Augen drauf und keins zukneifen!
bR4iNST0RM (09.06.2009, 15:17 Uhr)
"Manche haben offenbar den Bezug zur Realität verloren", sagte Schmidt.
Wer von "unserer Elite" denn nicht?! Politiker, Banker (die heute noch eine Dividende von über 20 Prozent als absolut machbar halten) und Manager (die sich brüskieren, wenn es keine Bonis mehr gibt) haben alle den Bezug zur Realität verloren. Inklusive einer mit dem Finger auf andere zeigenden Ulla Schmidt.
Angel_of_Mercy (09.06.2009, 15:05 Uhr)
Für Interessenten 2 Links
http://www.saarbreaker.com/2009/06/was-derzeit-wirklich-geschieht-%E2%80%93-teil-1/
http://www.youtube.com/watch?v=8yffW6U97Fw
Enjoy it
raptor-xl (09.06.2009, 13:43 Uhr)
@knilch_59
wo habe ich geschrieben, dass sie die kk alle geschaffen hat. sie soll sich doch nur nicht darüber wundern. denn sie und ihre vorgänger haben das alles zu verantworten. hat sie selbst keine gegründet, so hätten aber längst viele fusioniert sein können, oder?!
es ist doch so: jeder minister für gesundheit schwafelt bei amtsübernahme, dass der drache pharmaindustrie in siegfried-manier erledigt werden soll. und am ende klettert der minister in die drachenhöhle, aber statt zu kämpfen, bringt es noch reichlich futter mit.
gespart hat noch keiner. aber ullala hinterläßt den größten murks...
knilch_59 (09.06.2009, 11:06 Uhr)
Wieder wird sie zur komischen Figur …
.
Wie kann es nur sein, dass die Kassen mit den zugeteilten Mitteln nicht auskommen? Könnte das etwas mit der ansteigenden Arbeitslosigkeit und der Kurzarbeit zu tun haben, so dass dort tatsächlich Monat für Monat einige Mia-s weniger ankommen als geplant? Oder werden die Leute davon, dass sie keinen Job haben oder zwar einen Job, aber dort keine Arbeit, gesünder?
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Na ja, noch 111 Tage, dann sind wir auch diese Clownsgestalt los …
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Aber es geht noch blöder – siehe @raptor_xl! Der behauptet, dass Ulla Schmidt die Vielfalt der Gesetzlichen Kassen geschaffen hat … Und was noch alles? Vielleicht ist sie ja auch schuld an der tektonischen Plattenverschiebung und verursacht deshalb Erdbeben …
Gockeline512 (09.06.2009, 10:29 Uhr)
Einer läßt den anderen auflaufen????
Ulla möchte alles regulieren,die anderen verweigern dies mit Blockaden oder lassen alles auflaufen.
Ärzte und Krankenkassen führen Ulla an der Nase herum,wir bezahlen den Preis.Warum schöpfen die Ärztevereinungen eine so große Menge vom Topf ab für Verteilungsgelder die sie nach gutdünken verteilen.Warum müßen die Ärzte ihre Vereinigung nicht selber bezahlen?
raptor-xl (09.06.2009, 10:12 Uhr)
guten morgen, ulla!
na, endlich aufgewacht? oder doch nur wieder floskeln beim problemelösen? wer hat denn die zig hundert kassen geschaffen? wieso haben die alle super viele chefs mit großen autos und wuchtigen verwaltungszentren in bester immobilienlage? und wer schmeisst denn das geld zum fenster raus und macht ärzte arm, während die pharmakonzerne sich dusselig verdienen?
wer kann denn den mißbrauch nicht stoppen und kann die kosten nicht im zaum halten, so dass ehrlichen einzahlern behandlungen verweigert werden?
das sie nur grundschullehrerin ist, dass merkt man an allen ecken und kanten. aber dass sie nicht mal bemüht, sondern gleich der lobby alles nachquatscht, ist schon peinlich...
Angel_of_Mercy (09.06.2009, 10:04 Uhr)
Ausgerechnet das Trullala
Die parlamentarische und Regierungsvertreterin der Pharmakonzerne, welche Gesetze zu verantworten hat, die es Ärzten und Krankenkassen unmöglich macht günstige Medikamente und vor allem alternative Heilpraktiken mit geringeren bis gar keinen Nebenwirkungen zu verschreiben, die langfrisitg gesehen erheblich weniger kosten.
Und dazu noch ein absurdes Zulassungssystem für Medikamente, deren Wirkung gar nicht langfristig geprüft wurde, die aber ein vielfaches kosten als vorhergehende Medikamente, welche aber nach Einführung des Neuen nicht mehr verschrieben werden dürfen.
Sorry, aber das Schmidt und die Pharmakonzerne sind das eigentliche Geschwür am deutschen Gesundheitssystem. Dann erst kommen die Krankenkassen.
kabelmann (09.06.2009, 08:31 Uhr)
Das Umtopfprinzip
scheint wohl doch nicht zu funktionieren? Man zahle das Geld an die Krankenkassen, die zahlen es an den Gesundheitsfond, der zahlt es wieder zurück an die Krankenkassen. Und da kommt unterm Strich mehr Geld raus.
.
Ja nee, is klar
ganzbaf (09.06.2009, 08:24 Uhr)
Die Trulla...

dilettiert nun schon seit Menschengedenken in dieser Position und wirklich NICHTS hat sich seither verbessert.
Unglaublich.
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