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26. November 2008, 13:45 Uhr

Merkel hat kein Rezept gegen die Krise

Während die EU beherzt ein milliardenschweres Konjunkturpaket schnürt, brüstet sich die Kanzlerin mit dem Klein-Klein derr Großen Koalition. Die Haushaltsdebatte zeigte erneut, wie halbherzig und ratlos Angela Merkel in der Krise agiert. Und durch ihr Nichtstun den letzten Rest an Glaubwürdigkeit verliert. Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

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Merkel im Bundestag: Über Piraten reden ist einfach© Wolfgang Kumm/DPA

Wie schön ist es derzeit, im Bundestag Opposition zu sein? Wie leicht fällt es, dort die Bundesregierung im Rahmen der Generalaussprache der Haushaltsdebatte vorzuführen? FDP, Grüne und Linkspartei haben die Chance gut genutzt, die ihnen die Große Koalition durch ihre Ratlosigkeit, Halbherzigkeit und Unentschlossenheit präsentiert hat, mit der sie politisch die globale Finanzkrise samt realwirtschaftlicher Rezession bekämpfen will.

Die Kanzlerin beansprucht für ihre Krisenstrategie das Gütesiegel einer Politik der "praktischen Vernunft". Zur Stunde, da der Regierungschefin die Nachricht auf den Tisch flatterte, dass die EU für den Kampf gegen die Wirtschaftskrise ein Konjunkturpaket mit 200 Milliarden Euro beschlossen hat, brüstete sich die Bundesregierung damit, dass künftig Autokäufern 100 Euro Kfz-Steuer erspart blieben.

Wo ist die Krisen-Kanzlerin Merkel?

So stellt man sich eine Krisen-Kanzlerin nicht vor. Erwarten können die Bürger, dass sie sich mit größter Energie und mit allen vernünftigen Möglichkeiten in den Kampf gegen die Rezession stürzt. Aber sie sitzt praktisch untätig da, rät zum Abwarten und Aussitzen. Steuererleichterungen soll es im Jahr 2010 geben. Versprechungen dieser Art besitzen gerade bei Angela Merkel wenig Glaubwürdigkeit. Schon 2005 versprach sie Entlastung, um dann die massivste Erhöhung der Mehrwertsteuer aller Zeiten zuzulassen.

Die Große Koalition operiert kleinmütig, fast ausschließlich mit PR-Maßnahmen wie der Befreiung von der Kfz-Steuer, die gewiss keine Belebung der Auto-Kauflust der Bürger bringen wird. Möglich wäre aber sehr wohl eine schnelle Reform der Lohnsteuer, die den Bürgern von den Lohnerhöhungen im nächsten Jahr ein paar Euro belässt und ihnen die nicht auch noch durch die kalte Progression aus der Tasche nimmt. Eine solche Steuerpolitik besäße wenigstens eine psychologische Wirkung im Sinne der Aufmunterung. Wirkungsvoller noch wären natürlich massive Investitionen in Infrastruktur des Landes oder etwa in die Bildungspolitik.

Die Möglichkeiten dazu hat die Regierung allerdings leichtfertig verspielt. Unterm Strich dieser Legislaturperiode stehen 60 Milliarden zusätzliche Steuereinnahmen, aber dennoch wurden 80 Milliarden mehr Schulden angehäuft. Drei Jahre lebte die Koalition bequem auf dem konjunkturellen Aufschwung, genutzt für den Schuldenabbau hat sie ihn nicht. Das Ziel eines schuldenfreien Haushalts im Jahr 2011 ist unerreichbar geworden.

Noch immer ist weiterhin nicht zu erkennen, wie künftig gegen die Steueroasen vorgegangen werden soll, über die sich viele Banken goldene Nasen verdient haben. Richtig auch die Kritik der Grünen, wann und wie denn nun endlich die Verbraucher vor Banken und Finanzdienstleistern wirksam geschützt werden sollen, die in der Vergangenheit zehntausende Opfer trickreich um ihr Geld gebracht haben.

Im Januar wird wieder über die Konjunktur beraten

Die Behauptung der Regierungsparteien, der neue Haushalt gebe Antworten für eine außergewöhnlich schwierige Zeit, geht völlig an den Tatsachen vorbei. Es ist doch kein Zufall, dass sie bereits im Januar erneut darüber beraten will, wie man den Konjunktureinbruch mildern könnte. Dorthin verschoben wird die Aktion nur deshalb, damit die CDU und ihre Chefin einen Parteitag ohne harte Diskussionen abfeiern können. Man darf schon fragen, weshalb denn nicht schon auf diesem Kongress mal offen und ehrlich darüber geredet werden soll, wie unsinnig ein ehrlich geplanter Etat ist, der noch immer ein Wachstumspotential von 0,2 Prozent unterstellt.

Es ist bezeichnend, dass im Bundestag darüber wenig, aber viel über die Piraterie am Golf von Aden geredet worden ist. Über Seeräuber lässt sich leicht plaudern. Wie künftig effektiver mit Finanzräuberei umgegangen werden könnte, das würde man im Bundestag auch gerne hören. Konnte man jetzt aber leider nicht.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 34)
 
gsc777 (29.11.2008, 10:52 Uhr)
Erkenntnis
Jetzt weiß man, was für eine Kanzlerin wir haben:
Eine Schönwetter-Kanzlerin.
Gut zu wissen ein Jahr vor der Wahl.
utospatz (28.11.2008, 20:42 Uhr)
Ist doch ganz einfach,
dann müsste Sie üben weis auf Schwarz zu schreiben, wenn Sie des christlichen Schreibens fähig wäre!
nightmare_online (27.11.2008, 12:04 Uhr)
Kohl's Mädchen
Wer von Merkel was anderes erwartet hat, ist entweder zu jung, um sie während ihrer Zeit im Kabinett Kohl erlebt zu haben, oder aber naiv.
Das einzige was sie seit damals gelernt hat, ist ihre nun ausgeprägte Fähigkeit in den Medien und der Öffentlichkeit gut darzustehen. Was ganz sicher ausreicht, um ihre Wiederwahl zu garantieren.
pitiplatsch (27.11.2008, 06:03 Uhr)
Ja ja die Kriegskanzlerin
so langsam merkt der letzte, was wir uns für eine Kanzlerin eingetan haben. Sie ist nicht in der Lage das Chaos, das sie angerichtet hat zu vermeiden. Rumlabern Kriege führen Partys schmeissen das kann die Uckermärkische, nen Staat führen kann dieses Weib nicht. Den Arbeiter ausbeuten, diese Kohle den Reichen Superreichen und Politikern reinschieben da ist sie groß, aber alles andere kannste vergessen. Hoffentlich können wir diesen Abklatsch vom Kohl auch bald vergessen.
SethusCalvisius (27.11.2008, 00:52 Uhr)
@klawe
1. Ihre Beschreibung der Kohlschen Politik trifft zu, meine Bemerkung zielte aber darauf, dass Sie Merkels Politik mit ihrer Ostzonen-Vergangenheit erklärt haben. Wie Sie sehen, muss man für so eine Politik nicht im Osten geboren sein.
2. Lassen Sie sich überraschen, wenn erst einmal eine große Flüchtlingswelle nach Europa einsetzt.
3. Ich will ja weiß Gott nicht Frau Merkel oder sonst einen Politiker verteidigen, aber die Einfachlösungen, die hier in diesen Foren formuliert werden, bringen uns auch nicht weiter. Aber immerhin müssen wir die abstrusen Internet-Foren-Kommentare nicht mit unseren Steuergeldern finanzieren.
klawe (26.11.2008, 23:36 Uhr)
@SethusCalvisius
1.) Helmut Kohl ist zwar kein "Ossi", hat aber an dem wirtschaftlichen downfall in Deutschland erheblichen Beitrag: Umtauschkurs, volle Renten fuer die Ostdeutschen waehrend viele westdeutsche Rentner "in die Roehre gucken". Belogen wurden wir auch mit dem Solidaridaetszuschlag. Der gehoert schon lange abgeschafft!
2.) Eine Mauer brauchen wir nicht bei der Abschaffung der Entwicklungshilfe. Sind doch schon genug Auslaender vorhanden - und die paar mehr machen "den Kohl auch nicht fett" :-)
3.) Wir koennen hier reden wie wir wollen, unsere Vorschlaege kommen "oben" sowieso nicht an. Die machen was sie wollen. Wo ist eigentlich der deutsche Barack Obama?
gmathol (26.11.2008, 22:17 Uhr)
Merkel = Krise!
Wuerde Merkel und einige Politiker die von ihnen zusammengerafften Bestechungsgelder zurueckgeben koennte ein Konjunkturprogramm aufgelegt werden.
Hier helfen nur Aktionen wie am 17. Juni - damals ist den korrupten Politikern der DDR der Hintern versohlt worden.
SethusCalvisius (26.11.2008, 22:10 Uhr)
@ phocs
Zitat "Mein Vorschlag: Streichung sämtlicher Wirtschaftsförderungsprogramme und Entlassung aller zugehörigen Staatsdiener. Das bringt netto soviel Plus, dass eine merkliche Steuersenkung drin ist."
Super Idee. Und das ganze Geld für die dann mindestens 1 Mio mehr Arbeitslose regnet wahrscheinlich vom Himmel. :-)
@klawe
Nach Ihrer Argumentation muss Helmut Kohl auch ein Ossi gewesen sein. :-)
Auch die Streichung der Entwicklungshilfe ist eine prima Idee. Ich fürchte nur, dass das Geld dafür draufgeht, eine Mauer um Deutschland zu bauen, denn wenn unser Geld nicht zu den Armen kommt, kommen die Armen zu uns.
Wenn ich die ganzen schlauen Vorschläge hier lese, empfinde ich die Untätigkeit von Angie direkt als das kleinere Übel. :-)
Corazito3333 (26.11.2008, 20:59 Uhr)
H.P. hat alles gesagt was es zu sagen gibt
200.-- Euro Steuergeschenk - ehrlich gesagt, würde mir nix bringen, was soll ich denn damit kaufen. Die Umverteilung nach oben muß gestoppt werden, also Oscar muß kommen.... nur wird ers besser machen??? Ich denke, der Mensch muß umdenken, nicht mehr so gierig sein und dann schafft es vielleicht auch die Gesellschaft. Aber zuerst müßten auch die Weichen gestellt werden, also weg mit diesem ganzen Gesetzes-Wirrwarr daß ja nur den Wohlhabenden dient!!!
jomimo (26.11.2008, 19:47 Uhr)
@ phocs
schliesse mich Ihnen voll und ganz an.
Supertreffend gesagt !
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