19. Mai 2008, 10:41 Uhr

Die SPD kokettiert mit dem Bankrott

Die SPD zögert, einen eigenen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten zu stellen. Würde sie darauf verzichten, käme dies einer politischen Bankrotterklärung gleich. Deshalb müssen die Sozialdemokraten jetzt Gesine Schwan nominieren. Alles andere wäre absurd. Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

Gut geeignet, auch für das höchste Amt im Staat: Die Politik-Professorin Gesine Schwan beim SPD-Bundesparteitag in Hamburg©

Kurt Beck steht - mal wieder - nicht seinen Mann. Eiert, taktiert, stümpert. Will eigentlich keine SPD-Kandidatin bei der Wahl des nächsten Bundespräsidenten. Hat aber den Mut nicht, seine Position öffentlich zu beziehen. Dabei wäre es politisch absurd, verzichtete die SPD auf eine eigene Kandidatin (oder Kandidaten). Aus mehreren Gründen.

Erstens: Die Sozialdemokratie ist immer noch eine Volkspartei mit Wählern in allen gesellschaftlichen Schichten. Noch liegt sie nach Parteimitgliedern knapp vor der Union. Im Bundestag ist die SPD-Fraktion gerade mal einen einzigen Abgeordneten schwächer als die CDU/CSU-Fraktion. Wenn diese SPD darauf verzichtete, mit einem eigenen Kandidaten anzutreten, verzichtete sie auf ihren Anspruch, weiterhin Volkspartei zu sein.

Die SPD muss sich bekennen

Zweitens: Das Liebäugeln von Beck und seinen Parteigängern in der SPD-Führung mit Horst Köhler ist Verrat an der eigenen Programmatik. Natürlich ist Köhler populär bei den Bürgern, doch das war bisher noch jeder Bundespräsident. Aber er ist in wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Fragen weithin ein Präsident auf der Linie von CDU und FDP, deren Kandidat er schließlich auch war und ist. Dass er soeben Kritik an den Akteuren auf den internationalen Finanzmärkten geübt hat, ändert daran nichts.

Drittens: Gegen das persönliche wie politische Profil von Gesine Schwan gibt es keinerlei Einwände. Da sie sich intern bereit erklärt hat, gegen Horst Köhler im Mai nächsten Jahres anzutreten, müsste sich die SPD-Führung jetzt geschlossen und begeistert zu dieser Kandidatin bekennen, die bereits 2005 beste Figur gemacht und Frauenpower bewiesen hat. Schlappe 15 Stimmen haben ihr damals gefehlt.

Die Mehrheit zählt – und sei sie rot-rot-grün

Viertens: Gemessen an den Mehrheitsverhältnissen in der Bundesversammlung könnten die Chancen für die Polit-Professorin nächstes Jahr sogar noch besser sein als 2005. Die CSU wird bei ihrer Landtagswahl im Herbst ganz gewiss nicht wieder die 60 Prozent erreichen, mit denen sie heute regiert. In der neuen Bundesversammlung wird es mit Sicherheit keine Mehrheit mehr für Union und Liberale geben. In einer solch offenen Abstimmungssituation, die zudem noch besser ist als beim letzten mal, nicht mit einem eigenen Kandidaten anzutreten, hieße eindeutig: Wir wollen gar keine Chance auf einen SPD-Bundespräsidenten haben. Uns fehlt jedes Selbstbewusstsein.

Fünftens: Weshalb zittert die SPD-Führung vor dem Gedanken, eine Gesine Schwan könnte dann auch die Stimmen der Linkspartei in der Bundesversammlung bekommen? In Berlin regiert die SPD vergnügt mit der Linkspartei. In Sachsen-Anhalt hat sie sich jahrelang von der damaligen PDS an der Macht halten lassen. Und bei der letzten Präsidentenwahl hat die SPD sich an den PDS-Stimmen für Gesine Schwan nicht im Geringsten gestört. Wenn es bei der Präsidentenwahl Stimmen der Linkspartei für die SPD-Kandidatin gibt, so ist das doch keine Rot-rote-Koalitionsaussage für den Tag nach der nächsten Bundestagswahl. Und mit großer Wahrscheinlichkeit würden auch die Grünen eher für Gesine Schwan stimmen als für Horst Köhler.

Unterm Strich der SPD-Diskussion über die Präsidentenfrage steht: Es wäre ein fulminanter Akt der Selbstbeschädigung, keinen eigenen Kandidaten zu nominieren. Denn damit würde dokumentiert, dass die SPD unter ihrem Vorsitzenden Beck zu einer Partei ohne politisches Selbstbewusstsein geworden ist. Zu einer Partei, die in der Großen Koalition zufrieden ist mit der Rolle des folgsamen kleineren Partners der Union.

 
 
KOMMENTARE (10 von 20)
 
wilko0070 (20.05.2008, 17:28 Uhr)
Horst Köhler im greisen Lobbyistenclub
@Loewenherz_XL
Vielleicht gründet er dann zusätzlich seine eigene Stiftung und gibt ein Buch wie "Mut zur Abschaffung des Sozialstaates" heraus.
utospatz (19.05.2008, 19:56 Uhr)
Hat die SPD
hinieden auf Erden noch etwas anzubieten?
Angeblich ist sie die älteste demokratische Partei! Eija ja jei!
Was ein Glück, dass ich ihr Mitgliued ich nicht seiu!
sandraberlin (19.05.2008, 19:34 Uhr)
Kurt Beck als Bundespräsident
Vorteile: die spd wäre auch mal dran, verbrechen kann er als BP nix, er gibt netten eindruck von deutschland, er hätte einen von mir mitfinanzierten coiffeur,nahles ginge ihm nicht mehr auf´n sack und er bräuchte keine menschen mehr auf offener strasse zu beschimpfen. beck for präsi !
ojciec (19.05.2008, 18:22 Uhr)
So wird Sie zu Präsidentin gemacht:
Sie verkörpert die deutsche Art der partnerschaftlichen Gesprächsführung über Legalisierung der illegalen, amtlichen, politischen und gerichtlichen menschenrechtsverletzenden Polnischverbote durch die deutsche Regierung.
http://de.youtube.com/watch?v=HOntSw77lQo
ojciec (19.05.2008, 18:10 Uhr)
So ist sie ungeschminkt und deshalb beliebt
So ist Sie, die Kandidatin der Volkspartei:
Frau Prof. Dr. Schwan, welche in ihrem offiziellen Schreiben vom 4. Oktober 2006 die politischen Begrenzungen der polnischen Sprache für die polnischen Kinder und ihre Eltern in Deutschland befürwortet.
Frau Prof. dr. Gesine Schwan, als Wissenschaftlerin und Politikerin „legalisiert” die von den Jugendämtern und deutschen Gerichten praktizierten illegalen Polnischverbote.

www.rpdd.de/dokumente/profGSchwanOdp042006 hTs.pdf


Herr Prof. Dr. Hans Süssmuth, der Ehemann von Frau Prof. Rita Süssmuth, der Bundestagspräsidentin a.D. demonstrierte die deutsche Disskussionskultur auf die deutsche Eigenart, indem er den anwesenden Europäern die Stimme entzog und das Verbot ausrief, über die deutschen, amtlichen, gerichtlichen und politischen Verbote der polnischen Sprache in Deutschland auf partnerschaftliche Art und Weise zu diskutieren.
Die "richtige deutsche Art" des Handelns prädestiniert offensichtlich solche Menschen zu Politik
Bene1987t (19.05.2008, 17:01 Uhr)
Mit der Wahl
eines Bundespräsidenten setzt man, so denke ich , Akzente. Davon abgesehen, dass er fast keine MAcht hat, was hat die SPD Herrn Köhler vorzuwerfen??? Ich habe allgemein recht wenig Kritik gegen ihn gehört. DAss Volksparteien Bundespräsidentschaftskandidaten aufstellen müssen ist doch Unsinn. Zwei mal hat die FDP einen Bundespräsidenten gestellt, und die sind keine Volkspartei.Es ist sogar taktisch unklug für dei SPD einen eigenen Kandidaten aufzustellen, der am Ende mit den Stimmen der Linken gewählt werden würde. DAs wäre für Union und FDP ein gefundenes Fressen Wahlkampf mit Antikommunismus zu machen und die SPD so in die linke Ecke zu schieben. Desweiteren ist die SPD nicht in der Lage jetzt mit nicht vorahndenen Muskeln zu prahlen.
vegefranz (19.05.2008, 16:15 Uhr)
warum ein neuer Präsident?
warum überhaupt eine Neuwahl? Kostet doch alles nur Geld? Wer glaubt ernst an einen Bedarf für die Neubesetzung. was sollte sich ändern? daraus folgt: Neuwahl absagen, alten Präsi im Amt lassen
manesse (19.05.2008, 15:22 Uhr)
Was soll denn
in diesem Zusammenhang das Schröder-Bashing? Schröder hat als einziger Sozi überhaupt die SPD zweimal zur stärksten Fraktion im Bundestag gemacht und trotz des Gegenwahlkampfs von Ypsilanti und co Anno 2005 noch ein achtbares Ergebnis eingefahren. Das soll ihm mal der große Beck nachmachen. Und erinnern wir uns; einer der schlimmsten Looser für die SPD war seinerzeit Lafontaine, der gegen Kohl eines der blamablesten Wahlergebnisse der Nachkriegsgeschichte zu verantworten hatte, obwohl die Partei wie eine Eins hinter ihm stand.
In der konkreten Debatte wundere ich mich, dass man/frau in der SPD ausgerechnet diese Frau Schwan reaktiviert. Mit Müntefering stünde eine wirklich Erfolg versprechende Kandidatur im Raum. Dann nämlich würde Köhler überhaupt nicht mehr antreten wollen.
utospatz (19.05.2008, 15:18 Uhr)
Ach Gott,
wer ist denn schon eine SPD?
Die sind doch lang schon bankrott!
oscarherz (19.05.2008, 14:58 Uhr)
welche Richtung SPD?
Will sie oder will sie nicht, diese Frage muß die SPD beantworten. Hier hat Schütz recht, obwohl ich ihn oft kritisiere. Will die SPD die Politik bestimmen, so muß sie mit einen eigenen Kandidaten(in) antreten und sich nach links öffnen. Will sie weiter nur zweiter Mitläufer sein, so soll sie darauf verzichten einen Kandidaten aufzustellen und lieber FDP-Ersatz bleiben. Schröder führte die SPD an den Abgrund und die FRage steht, ob sie abstürzt. Die große Koalition führt die SPD in die Bedeutungslosigkeit. Weimar läßt grüßen.
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