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20. November 2008, 11:01 Uhr

Schwan fordert Köhler zum TV-Duell

Horst Köhler hat die Finanzmärkte als Monster bezeichnet. Auch Gesine Schwan will den Bank-Managern an den Kragen. Im stern.de-Interview fordert die SPD-Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten eine gerechtere Kräfteverteilung zwischen Arbeit und Kapital und spricht sich für ein Fernsehduell mit ihrem Kontrahenten aus.

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Gesine Schwan: Kandidatin für die Bundespräsidentschaftswahl© Andreas Gebert/DPA

Frau Schwan, haben Sie sich schon damit abgefunden, nicht Bundespräsidentin zu werden?

Warum sollte ich? An den Ausgangsbedingungen hat sich doch nichts geändert.

Wie bitte? In Bayern haben die Bürgerlichen die Mehrheit, in Hessen wird vermutlich CDU-Chef Roland Koch gewinnen. Woher nehmen Sie Ihren Optimismus?

Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich meine Kandidatur als eine überparteiliche verstehe. Ich möchte Menschen über die Parteigrenzen hinweg ansprechen. Und da bekomme ich durchaus Zeichen, dass meine Positionen Anklang finden. Letztlich müssen sich die Wahlmänner und -frauen bei der Wahl zum Bundespräsidenten doch die Frage stellen, wer Demokratie und Zivilgesellschaft in Deutschland am ehesten stärken kann.

Warum treten Sie nicht zu einem TV-Duell gegen Horst Köhler an, um die Alternativen kenntlich zu machen?

Fragen Sie den Bundespräsidenten. Wenn er zustimmt - an mir soll es nicht scheitern.

Ein brennendes Thema bei einem TV-Duell wäre die Wirtschaftskrise. Derzeit plant die Große Koalition eine Milliardenhilfen für Opel. Was halten Sie davon?

Opel ist zu wichtig, gerade was die Arbeitsplätze angeht. Da kann man nicht tatenlos zusehen, wie diese traditionsreiche Firma abschmiert. Wenn der Mutterkonzern General Motors nicht mehr zahlungsfähig ist, muss Opel geholfen werden - vorausgesetzt, das Geld bleibt in Deutschland und rettet hier Arbeitsplätze. Andererseits habe ich gerade gelesen, dass der künftige US-Präsident Barack Obama General Motors mit 25 Milliarden Dollar unter die Arme greifen will. Trifft das zu, weiß ich nicht, wozu die deutsche Rettungsaktion notwendig wäre.

Sind solche massiven Eingriffe des Staates noch mit ihrer Vorstellung von der Marktwirtschaft vereinbar?

Ordnungspolitisch nicht. Aber Ausnahmesituationen sind Ausnahmesituationen. Eine einmalige Hilfe, die den Absturz verhindert und Zukunftsperspektiven schafft, kann trotz aller ordnungspolitischen Bedenken sinnvoll sein.

Das ist eine Einladung an Unternehmer, sich in riskante Ausnahmesituationen vorzuwagen.

Dass darin eine gewisse Versuchung liegt, gebe ich zu.

Auf der anderen Seite steht der Steuerzahler, der das Gefühl hat, er muss für "die da oben" gerade stehen - obwohl er selbst durch die Agenda 2010, die der SPD-Kanzler Gerhard Schröder durchgesetzt hat, sozial bedroht ist.

Das Soziale der sozialen Marktwirtschaft ist zunehmend weggebrochen, keine Frage. Ursächlich dafür sind die sehr hohe Arbeitslosigkeit nach der deutschen Wiedervereinigung und die demografische Entwicklung. Schröder musste die Sozialsysteme umbauen, weil sie sonst unbezahlbar geworden wären. Dann fasste die Wirtschaft wieder Tritt, auch dank der Agenda 2010. Und natürlich ist es ein Problem, wenn jene, die dann satte Gewinne eingestrichen haben, sich jetzt von der Allgemeinheit retten lassen wollen. Wir sollten die wirtschaftliche Elite daran erinnern, dass auch sie ihren Teil zur Sozialpartnerschaft beitragen muss.

Die Realität sieht anders aus.

Deswegen ist unser Wirtschaftssystem in einer Legitimationskrise. Wir brauchen eine neue Kräfteverteilung zwischen Kapital und Arbeit, die alle als halbwegs gerecht empfinden. Das ist schwierig, weil dies auf internationaler Ebene geschehen muss.

Das klingt nach einem sehr abstrakten Fernziel. Machen wir es konkret: Wie lässt sich die Gier der Manager eindämmen?

Wenn die Gier in einem System alles überlagert, müssen wir nicht die Gier angucken, sondern das System. Zum Beispiel übersteigen die erfolgsabhängigen Boni für Manager oft deren Grundgehalt. So etwas reizt zu egoistischem, kurzatmigem Verhalten, das nicht dem Wohl des Gesamtunternehmens dient. Obendrein verletzt die Höhe der Gehälter das Prinzip der Leistungsgerechtigkeit. Ein Joseph Ackermann kann nicht tausendmal mehr und besser arbeiten als andere, aber er verdient tausendmal mehr als andere.

Das heißt …

dass wir wieder in Erinnerung rufen müssen, dass auch börsennotierte Unternehmen ihren Arbeitnehmern und dem Allgemeinwohl verpflichtet sind. Ein Renditeziel von 25 Prozent ist damit kaum vereinbar. Hier wäre es übrigens ein spannender Vorschlag, das Aktiengesetz so zu präzisieren, dass dort die Gemeinwohlverpflichtung der Unternehmen wieder klar zum Ausdruck kommt.

Jetzt hören Sie sich an wie Oskar Lafontaine, der Chef der Linkspartei. Bleiben Sie dabei, ihn einen "Demagogen" zu nennen?

Ich habe meine damalige Aussage dahingehend modifiziert, dass er sich demagogisch verhält. Zudem habe ich gesagt, dass seine Partei kein hinreichendes Programm für die Herausforderungen der Gegenwart hat. Zu diesem Punkt stehe ich. Aber: Warum sollte die Linkspartei, bei der sich ja Leute ernsthaft für mehr Gerechtigkeit engagieren, nicht für die Demokratie zu gewinnen sein? Die Integrationsfähigkeit unseres politischen Systems ist viel größer, als ich das vor 30 Jahren gedacht habe.

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KOMMENTARE (10 von 26)
 
Anemone (20.11.2008, 20:10 Uhr)
Sehr unseriös!
stern:
"Warum treten Sie nicht zu einem TV-Duell gegen Horst Köhler an, um die Alternativen kenntlich zu machen?"
Frau Schwan:
"Fragen Sie den Bundespräsidenten. Wenn er zustimmt - an mir soll es nicht scheitern."
Daraus macht "stern":
SCHWAN FORDERT KÖHLER ZUM TV-DUELL
Aaron71 (20.11.2008, 19:55 Uhr)
@ Eisenbär
Das Fernsehduell soll doch nur an Mitglieder der Bundesversammlung ausgestrahlt werden, damit uns das dann erspart bleibt. Am Schluss werden dann wie im richtigen Duell Waffen verteilt. Komissar Sodann übernimmt danach die Ermittlungen.
SethusCalvisius (20.11.2008, 19:53 Uhr)
@Eisenbaer
Wie aus dem Artikel einwandfrei hervorgeht, hat Frau Schwan kein TV-Duell gefordert. Das war ein Vorschlag des Interview-führenden Journalisten. Also beschimpfen Sie bitte ihn oder die Stern-Redaktion, die immer wieder irreführende Überschriften wählt.
Eisenbaer (20.11.2008, 19:35 Uhr)
Was sollte das für einen Sinn haben, Frau Schwan?
Der Bundespräsident wird von der Bundesversammlung gewählt. Dabei spielt es so gar keine Rolle, wer bei welchem TV Duell wie abgeschnitten hat. Aber wesentlich wichtiger ist: Gewählt wird nicht eine Person, sondern eine Person in das Amt des höchsten Repräsestanten des deutschen Staates. Ein TV-Duell der Kandidaten, fürchte ich, würde das Amt beschädigen.

Wenn das die Art Amtsführung ist, die Frau Schwan für die nächsten Jahre so "vorschwebt", dann sage ich lieber "Nein Danke, Frau Schwan und bleiben Sie mal da wo Sie jetzt sind."
Necro (20.11.2008, 18:46 Uhr)
Ja nee, is klar...,
als ob das auch nur einer sehen wollte werter Herr Vegefranz. Mal ganz davon abgesehen das dies off toipic ist, bedarf es wohl keinen hochschulabschlusses um zu erkennen das wir politisch jweils andere Positionen besetzen. Wenn man aber immer no polemisiert, darf man sich auch nicht wundern, dass man nicht unbedingt sachliche Diskussionen zustande bekommt
SethusCalvisius (20.11.2008, 18:25 Uhr)
Haben Sie außer Vorurteilen noch etwas zu bieten,
lieber Schnaafpaaf? Es gehört zum Wesen der Demokratie, dass man aus mehreren Kandidaten einen wählt. Es gehört auch dazu, dass jeder dieser Kandidaten gewinnen möchte; warum sollte er sonst antreten? Können Sie mir einen (sachlichen!) Grund nennen, warum die SPD keinen eigenen Kandidaten aufstellen darf? Und können Sie mir einen Grund nennen, warum Frau Schwan nicht den Wunsch haben sollte, gewählt zu werden?
Frau Schwan ist im übrigen eine anerkannte Wissenschaftlerin, die schon an mehreren internationalen Hochschulen gelehrt hat. Sie gehört im übrigen zu den Mitbegründern des "Seeheimer Kreises" und ist von daher wohl kaum als "Schachzug linker Kräfte" geeignet.
Im übrigen bitte ich, wenn Sie mit meiner Argumentation nicht einverstanden sind, meine Argumente zu widerlegen. Da Sie das nicht einmal ansatzweise versuchen, nehme ich an, dass sie es nicht können.
Schnaafpaaf (20.11.2008, 18:04 Uhr)
@SethusCalvisius17.24 h: dialektisch versierter Schutzpatron von Ypsilanti und Schwan
Immer noch aktiv in der Rechtfertigung des blindwütigen oder verblendeten Machtstrebens der o.a. Damen!
Na dann zu Ihrer Frage: Sodanns Kandidatur ist, obgleich demokratisch legitim, ein Streich Lafontaines , seine Auftritte sind schlicht absurd.
Schwans Kandidatur hingegen lässt sich unschwer als Ranküne, als Schachzug linker Kräfte (hier: insb. Frau Nahles)erkennen, um Machtverhältnisse zu verändern. Durchaus legitim. Im Konzert mit Ypsilantis Macht- Amok- Lauf eine verheerende Geschichte für die SPD, Kurt B. könnte hierzu sicher aus der Distanz einiges beitragen.
Mir ist bislang nicht bekannt, ob es vergleichbare Politpossen mit männlicher Beteiligung gibt; jedoch ist diese Ansammlung an weiblichem (verblendetem) Machtsterben Anlass, Schillers Glocke auszugsweise zu bemühen: "...da werden Weiber zu Hyänen und treiben mit Entsetzen Scherz..."!
Necro (20.11.2008, 17:37 Uhr)
@Vegefranz
Nicht zu vergessen das Koehler intellektuell mindestens 30 Ligen hoeher spielt wie Sie.
Merken Sie wie nichtssagend das ist? Da dies maximal eine subjektive aner nestimmt keine objektive Aussage ist.
SethusCalvisius (20.11.2008, 17:24 Uhr)
Zum Kotzen!
Was bezweckt der Stern eigentlich mit diesen absurden Überschriften? Doch wahrscheinlich nur diese Reaktionen hier von vegefranz und co. Wenn man nicht nur die Überschrift, sondern das ganze Interview liest, (wenn man dazu in der Lage ist) stellt man fest, dass Frau Schwan überhaupt kein TV-Duell gefordert hat, sondern lediglich auf den Vorschlag des Journalisten (!) ihre Bereitschaft dazu erklärt hat. Das ist ja wohl ein himmelweiter Unterschied!
Da wir den Bunsespräsidenten nicht selber wählen dürfen (warum eigentlich nicht?) macht so ein Duell natürlich überhaupt keinen Sinn.
Frage an schnaafpaaf und co: Warum werden eigentlich Frauen, die sich um ein politisches Amt bemühen, grundsätzlich als machtgierig bezeichnet? Ist das bei Männern anders?
Schnaafpaaf (20.11.2008, 17:14 Uhr)
Altgewordener amtsgieriger Ypsilanti - Verschnitt
ist Frau Schwan, mehr nicht.
Sie und Sodann wollen die Wahl des Staatsoberhauptes zur Kirmesveranstaltung machen, ermutigt von Lafontaine und Genossin Nahles. Zum K...en!
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