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14. Oktober 2008, 16:51 Uhr

Sodann tritt für Linke gegen Köhler an

Die Linke schickt einen Schauspieler ins Rennen um die Wahl des Bundespräsidenten: Ex-"Tatort"-Kommissar Peter Sodann wird gegen Horst Köhler und Gesine Schwan antreten. "Mein Herz hat immer links geschlagen", sagte der 72-Jährige nach seiner Nominierung.

Tritt für die Linke an: Schauspieler Peter Sodann, 72© Markus Schreiber/AP

Die Linke schickt den ehemaligen "Tatort"-Kommissar Peter Sodann in die Entscheidung um das Amt des Bundespräsidenten. Nach monatelanger Kandidatensuche nominierte die Bundestagsfraktion den 72-jährigen Schauspieler am Dienstag in Berlin. "Mein Herz hat immer links geschlagen", sagte Sodann. Er ist nach Amtsinhaber Horst Köhler und der SPD-Kandidatin Gesine Schwan der dritte Bewerber für die Wahl am 23. Mai 2009. Sodann sagte, er wolle mithelfen, langfristig die Utopie einer gerechteren und friedlichen Welt zu verwirklichen. Bei der Wahl gilt er jedoch als chancenlos.

Sodann beschrieb sich selbst als "utopischen Sozialisten". Ihm sei es stets um die Idee gegangen, auch wenn diese von Menschen missbraucht worden sei, sagte er in Anspielung auf die DDR. Linke- Fraktionschef Gregor Gysi rief in Erinnerung, wie Sodann Anfang der 60er Jahre wegen staatsfeindlicher Hetze sechs Monate lang in DDR-Untersuchungshaft saß. "Er ist ein rebellischer Geist - das war er, und das blieb er." Als Bundespräsident stünde Sodann für "eine gerechte Vereinigung" von Ost- und Westdeutschland. Parteichef Lothar Bisky attestierte ihm einen "aufrechten Gang".

"Er wäre ein wirklicher Bundespräsident des Volkes"

Linke-Partei- und Fraktionschef Oskar Lafontaine sagte über Sodann: "Er wäre ein wirklicher Bundespräsident des Volkes." Sein "Tatort"-Kommissar Bruno Ehrlicher habe 16 Jahre lang zu den erfolgreichsten Figuren der Krimi-Reihe gehört. Für die Nominierung habe sein Eintreten für Frieden, mehr Demokratie und soziale Gerechtigkeit den Ausschlag gegeben.

In nachdenklichem Tonfall trat Sodann gegen Resignation wegen der Finanzkrise und sozialer Ungleichheit ein. Bei vielen Leuten sei die Meinung: "Da können wir nichts machen." Er empfahl jedoch: "Da müssen wir einfach neu denken." Ungerecht sei, dass am Ende der Steuerzahler für den Schaden aufkommen müsse. "Es wird noch einen kleinen Linksruck geben", sagte er voraus.

Seine Kandidatur stellte der Schauspieler als Teil eines langfristigen Projekts dar. Ob er gewählt werde, sei ein "weites Feld". "Ganz dämlich bin ich auch nicht." Er kündigte an: "Ich werde meine Kraft einsetzen, der Linken zu helfen, ihr Haus zu bauen." Am Fundament baue er nun mit, so dass andere später einziehen könnten. "Wenn ein Volk keine Utopie mehr hat, dann ist es wohl tot." Seine Utopie beschrieb Sodann so: "Jeder nach seinen Leistungen, jeder nach seinen Fähigkeiten, und dass die Menschen sich verstehen und sich nicht die Köpfe einschlagen." So wolle er sich dafür stark machen, dass Deutschland keine Soldaten mehr nach Afghanistan schicke.

In der Bundesversammlung, die aus den Abgeordneten des Bundestages und Vertretern der 16 Landtage besteht, ist im Mai kommenden Jahres zunächst die absolute Mehrheit der Stimmen erforderlich. In einem dritten Wahlgang reichte dann die einfache Mehrheit. Ob die Linke Sodann in diesem Fall zugunsten Schwans zurückziehen, ließ die Partei offen. Lafontaine sagte: "Im Moment steht die Frage nicht an." Sonst wären Schwans Chancen noch geringer.

Der Schauspieler wollte bereits 2005 für die damalige PDS zur Bundestagswahl kandidieren, zog aber zurück. Er hätte sonst die Rolle als "Tatort"-Kommissar aufgeben müssen. Vergangenes Jahr wurde dann die 45. und letzte Folge mit Sodann ausgestrahlt. Bekannt ist er auch als Theaterregisseur und -intendant.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 47)
 
chaos1234 (16.10.2008, 11:59 Uhr)
TATORT
also wenn schon ein tatort kommisar dann besser schimanski. der nennt die dinge wenigstens beim namen (scheisse), kommt ausm pott und kennt die gossen dieser republik. außerdem hat er internationele erfahrung ( z.b. mit den holländern), ist nicht angepasst und haut auch mal einem auf die fresse. also leute - schimanski for president!!!!
Westerle.Merkwelle (14.10.2008, 21:43 Uhr)
Warum kein dritter Kandidat?
Bei einer Wahl unter mehreren Kandidaten hat sowieso nur einer eine Chance. Die anderen eben nicht. Gesine Schwan genauso wenig wie Peter Sodann. Aber warum sollte die drittgrößte Partei keinen eigenen Kandidaten aufstellen und damit ein politisches Signal setzen?
Dass das den neoliberalen Schönrednern nicht passt, ist dabei irrelevant.
Hätte Gesine Schwan der Linken nicht immer mit dumpfer Polemik gegen das Schienbein getreten, hätte man sich dort sicher auch für diese Dame entscheiden können. Aber so bleibt eigentlich nur ein eigener Kandidat.
Ich finde das OK
csyas (14.10.2008, 20:36 Uhr)
...
...primäres Ziel ist doch: die Wiederwahl des Wirtschaftslobbyisten Köhler muss verhindert werden - völlig egal ob Sodann oder Schwan...
herrfreitag (14.10.2008, 19:05 Uhr)
warum nicht?
eine seniorenrepublik deutschland sollte selbstverständlich von rentnern regiert werden, bloss wie soll es man den jüngeren im land erklären?
keine ahnung!
lorac (14.10.2008, 18:56 Uhr)
Kommissar Ehrlicher for Bundespräsident
Ich hätte nichts dagegen wenn Herr Sodann Bundespräsident würde.
Vielleicht würde sich so einiges in der Republik zum Guten wenden!!!
vegefranz (14.10.2008, 17:37 Uhr)
nützlicher Idiot für die Ex SED (statt Margot Honecker) #4
nützlicher Idiot für die Ex SED (statt Margot Honecker) #3
@OttoB: warum lässt er sich dann von den Folterknechten nominieren? da kann man nur spekulieren: Vielleicht ist er zum Schein eingebuchtet worden, um für die Stasi Informationen zu sammeln? Vielleicht ist er im Knast umgedreht worden?
OttoB (14.10.2008, 17:13 Uhr)
@vegefratz
ZITAT:@OttoB: "Menschen, die in der DDR gelitten haben ..." - damit meinst Du aber nicht Gysi, Modrow und wie die Figuren alle heissen, oder?
Nein, falls sie es nicht mitbekommen habe, es geht hier um Peter Sodann,
Hier ein Auszug aus seiner Biographie
""Wegen staatsfeindlicher Hetze wurde Peter Sodann verhaftet, vom Schauspielstudium relegiert und zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt.""
Menschen als Figuren zu bezeichnen spricht auch für ihre primitive Art.
rubymuc (14.10.2008, 17:06 Uhr)
sodann for president
dann will ich aber auch stumph als kanzler und den trabi als bundesauto. soljanka als bundesgericht und cottbus in der bundesliga (axo, sorry, da sind sie ja schon(
manesse (14.10.2008, 16:52 Uhr)
Wie mupfeline
bin ich auch für die Volkswahl des Bundespräsidenten. Und wer das nicht will, sollte die Vorteile eines monarchistischen Modells wie etwa in Großbritannien erwägen. Wenn der Monarch gute Figur macht - wie etwa Elisabeth II oder der spanische König - sind alle zufrieden. Ist der Monarch hingegen peinlich oder lächerlich, kann jeder zurecht sagen: Wir haben ihn/sie ja nicht gewählt. Bei uns ist der Bundespräsident hingegen indirekt legitimiert (durch die Bundesversammlung) und sein Amt wird Gegenstand eines undurchschaubaren Parteiengeklüngels.
hardius (14.10.2008, 16:51 Uhr)
@mupfeline
Was gehört dazu?
-Lebenserfahrung
-Einfühlungsvermögen
-Treue zum Grundgestz
-Durchsetzungsvermögen
-Selbstständigkeit
-Bescheidenheit
-Symphatie von der Bevölkerung
-eine gewisse Erhabenheit
Wer weiß noch etwas? Wir schreiben die Stelle hier aus!
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