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16. November 2008, 19:51 Uhr

BKA-Gesetz steht auf der Kippe

Eines der umstrittensten Gesetze von Innenminister Wolfgang Schäuble droht zu scheitern: Das BKA-Gesetz wird bei der Abstimmung im Bundesrat Ende des Monats voraussichtlich keine Mehrheit finden. Sachsens SPD hat im letzten Moment die Reißleine gezogen.

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Verteidigt das BKA-Gesetz: Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble© DPA

Das umstrittene BKA-Gesetz steht nach Ansicht der sächsischen CDU vor dem Scheitern im Bundesrat. Grund sei die Ablehnung des Gesetzes auf dem SPD-Landesparteitag vom Sonntag. CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer sagte, bislang habe es im Bundesrat eine knappe Mehrheit für das Gesetz gegeben: "Doch wenn wir nicht mitstimmen, war es das", erklärte er. SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz räumte indirekt ein, dass ein Scheitern des BKA-Gesetzes im Bundesrat absehbar ist und brachte einen Vermittlungsausschuss ins Gespräch.

Der sächsische SPD-Landesparteiparteitag in Burgstädt hatte sich am Sonntag gegen das umstrittene BKA-Gesetz ausgesprochen. Der Beschluss fiel mit breiter Mehrheit, wie Juso-Chef Holger Mann sagte. Die Jungsozialisten hatten einen entsprechenden Antrag eingebracht und sich darin gegen eine Einschränkung von Freiheitsrechten durch das BKA-Gesetz gewandt. SPD-Landeschef Thomas Jurk habe bereits erklärt, dass er sich im Dresdner Kabinett an den Beschluss gebunden fühle. Damit dürfte klar sein, dass sich das schwarz-rot regierte Bundesland bei der Bundesratsentscheidung seiner vier Stimmen enthält.

Voraussichtlich werden Stimmen aller FDP-Länder fehlen

Neben den Stimmen Sachsens werden bei der Verabschiedung des neuen BKA-Gesetzes im Bundesrat voraussichtlich auch die Stimmen aller Länder mit Regierungsbeteiligung der FDP fehlen. In Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen lehnen die Liberalen ein Ja zu den umstrittenen Gesetzesverschärfungen im Bereich der inneren Sicherheit ab. Auch im SPD-regierten Rheinland-Pfalz sowie in Ländern mit Regierungsbeteiligung der Grünen und Linken regt sich Widerstand. Scheitern wird das Gesetz bei 35 oder mehr Gegenstimmen. Allein die Länder mit FDP-Regierungsbeteiligung plus Sachsen kommen auf 28 Stimmen.

CDU-Generalsekretär Kretschmer warf der sächsischen SPD vor, sie sei ein Sicherheitsrisiko für das Land. Die Koalition in Berlin habe den Kompromiss zum BKA-Gesetz lange verhandelt. Dieser drohe nun zu scheitern wegen eines "pubertären Antrags" der Jungsozialisten. Er bekräftigte, die sächsische CDU stehe zu dem Gesetzesvorhaben.

Wiefelspütz enttäuscht

Wiefelspütz sagte, zwar sehe er der Abstimmung am 28. November mit "großer Gelassenheit" entgegen. "Es ist aber auch die Anrufung eines Vermittlungsausschusses denkbar." Der innenpolitische SPD-Fraktionssprecher war maßgeblich am Entwurf des neuen BKA-Gesetzes beteiligt. Ein Vermittlungsausschuss wird nötig, wenn ein vom Bundestag verabschiedeter Gesetzentwurf vom Bundesrat abgelehnt wird. Der Vermittlungsausschuss hat die Aufgabe, Uneinigkeiten zwischen Bund und Ländern bei Gesetzgebungsverfahren zu klären. Falls das Gesetz in der Länderkammer scheitern sollte, sei er bereit, über einzelne Punkte noch einmal neu mit dem Koalitionspartner zu sprechen, sagte Wiefelspütz. Dies könne beispielsweise die so genannte Eilfall-Regelung sein. Sie sieht vor, dass der BKA-Chef die umstrittene heimliche Online-Durchsuchung im Eilfall auch ohne richterlichen Beschluss anordnen kann.

Mit dem "Gesetz zur Abwehr von Gefahren des internationalen Terrorismus durch das Bundeskriminalamt" soll das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) erstmals die Aufgabe der Gefahrenabwehr erhalten. Die Ermittlungsbehörde soll künftig auch präventiv, also zur Verhinderung von Straftaten, tätig werden.

 
 
KOMMENTARE (10 von 28)
 
pitiplatsch (18.11.2008, 20:09 Uhr)
BKA-Gesetz steht auf der Kippe
und das ist gut so.
Tucek (17.11.2008, 19:05 Uhr)
Mir san mir
Am 15.11.08 brachte in München ein amtsbekannter Drogendelinquent vier Polizeibeamte zum Weglaufen, da er behauptete, SEIN Vater sei Anwalt, was gelogen ist und er Koffer voll mit Drogen in seiner Wohnung hatte. So lange in Bayern noch das Prinzip des "Mir san mir" herrscht, sollte man Einschränkungen des Grundrechts wohl tatsächlich vorsichtig angehen
Malt (17.11.2008, 12:50 Uhr)
Diese Verbrecher...
..., allen voran Schäuble und Wiefelspütz, gehören sich schlichtweg eingesperrt! Einduetiger als diese Herrschaften kann man ja nicht gegen das Grundgesetz aggieren! Was ist los, Verfassungsschutz? Ach ja, ich hab' ja vergessen, ihr gehört ja dem gleichen faschistischen Haufen an!
Necro (17.11.2008, 12:42 Uhr)
Die Sachsen-SPD besinnt sich freiheitlicher Werte...
...wer haette es gedacht, das manche Leute in der alten Tante SPD doch noch wach werden. Ich kann nur hoffen, das Sie weiterhin zu guten alten Werten zurueckfindet. Dann waehl ich Sie vielleicht auch mal wieder.
Gisella (17.11.2008, 11:41 Uhr)
pro nice
ja , ja Amerika- Schäuble muss doch annehmen , dass er irgendwie im "Stammbaum der Bush-Regierung" zu finden ist. Alles, was er versucht , hier in Deutschland durchzudrücken, hat man nach dem 9.11. in den USA eingeführt. Den Leuten Furcht einzuflössen -nicht vor Terroristen- nein, vor der Regierung, das war das wirkliche Ziel. Alles Gute und Schlechte aus den USA kommte eben ein wenig später rüber zu uns und wird herzlich dankend aufgenommen. Nur-den 1 Euro-Job, den gibt es bis heute nicht in den USA. Das ist gute deutsche "Mache".Endlich sind wir denen mal VORAUS.
quintus11 (17.11.2008, 10:35 Uhr)
@Sandygirl
Guter Kommentar!
Countryjoe (17.11.2008, 10:09 Uhr)
Hoppla!
Die Demokratie funktioniert wohl doch noch. Mal abwarten ob die Rettung noch klappt und wenn ja was sich die Totalüberwacher neues einfallen lassen um dieses Land im Namen der Terrorbekämpfung in ein Gefängnis zu verwandeln.
Lexxy (17.11.2008, 09:23 Uhr)
George Orwell...
... schrieb ja einst "Big Brother is watching you".
Aber selbst er konnte nicht ahnen wie wahr diese Aussage einst werden würde. Unter dem Mäntelchen der Terrorabwehr wird ein ganzes Volk vorbeugend unter Verdacht gestellt. Wenn ich noch nichtmal sicher sein kann das mein Mail verkehr nicht überwacht wird und mein Privatleben nicht mehr PRIVAT ist... Dann gute Nacht Demokratie. Alle die immer schön auf der DDR als STASI-STAAT rumreiten sehen nicht das dieses Gesetz der feuchte Traum eines jeden Stasi Mitarbeiters ist. Denkt mal darüber nach.
Ein nächster Punkt ist folgender: Wer überwacht die Wächter?
Wer garantiert mir das meine Daten nach einer event. erfolglosen Überwachung wieder gelöscht werden? Und nicht immer wieder darauf zurückgegriffen wird. Werde ich wenn ich die Linkspartei wähle zum Sicherheitsrisiko und muss im Zuge der Terrorabwehr damit rechnen eines Morgens das SEK um mein Bett steht?
Jedes Gebiete aufzuzählen wo solche erhebungen Gold wert sind würde den Rahmen sprengen.Gesinnungs-Polizei trifft da echt den Kern.
Mastergirl (17.11.2008, 08:45 Uhr)
Schäuble muss weg
Dieser Sicherheitswahn nimmt langsam lächerliche Züge an. Im Namen der vermeintlichen Terrorüberwachung wird Voyeuren Tür und Tor geöffnet. Schäuble hat bald Bush überholt, wenn es so weiter geht.
Sandygirl (17.11.2008, 08:32 Uhr)
Wer die Demokratie im letzten Augenblick noch rettet....
...bekommt meine Stimme bei der nächsten Wahl.
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