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4. April 2008, 13:43 Uhr

Lobbyistin ebnete Hedgefonds den Weg

Über den Skandal um "Lobbyisten-Leiharbeiter" in der Bundesregierung werden jetzt mehr Details bekannt. Eine Juristin aus der Finanzbranche soll mitgeholfen haben, den öffentlichen Vertrieb von Hedgefonds in Deutschland zu legalisieren. Von Sebastian Christ

Mitglieder der Bundesregierung haben die Parlamentarier offensichtlich falsch informiert© AP Photo/Fritz Reiss

Der Lobbyismus-Skandal um die Bundesregierung bekommt immer schärfere Konturen. Erst wurde bekannt, dass von 2004 bis 2007 insgesamt bis zu 300 Lobbyvertreter in den Ministerien gearbeitet haben sollen - in Spitzenzeiten 106 gleichzeitig. Viele von ihnen wurden nicht von der Bundesregierung bezahlt, sondern von ihren Interessengruppen und Mutterkonzernen.

Bezahlte Leiharbeiter der Verbände

Recherchiert wurde der Skandal von den Fernseh-Journalisten Sascha Adamek und Kim Otto. Am Freitag stellten sie auf einer Pressekonferenz in Berlin ein Buch vor, in dem sie ihre Erkenntnisse zusammen getragen haben. In dem Buch ("Der gekaufte Staat", Kiepenheuer und Witsch) veröffentlichten sie auch Fallbeispiele aus den Ministerien. Viele Fakten waren schon länger öffentlich zugänglich, wurden aber bisher von den meisten Medien nicht aufgegriffen.

Der wohl krasseste Fall: Eine Juristin aus der Investmentbranche soll im Jahr 2003 das Gesetz mitformuliert haben, mit dessen Hilfe Hedgefonds der Weg auf den deutschen Markt geebnet wurde. Deren öffentlicher Vertrieb war zuvor in Deutschland untersagt. In dem Buch wird beschrieben, dass die Frau sieben Monate lang einen eigenen Schreibtisch im Ministerium hatte - in der Abteilung "Nationale und Internationale Finanz- und Währungspolitik". Genau da, wo sie am wirkungsvollsten die Interessen ihres Lobbyverbandes vertreten konnte. Eigentlich stand sie auf der Lohnliste des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI). Sie wurde in dieser Zeit auch weiterhin vom BVI bezahlt.

Eigener Schreibtisch im Ministerium

In der Folge soll die BVI-Juristin an der Entstehung des Gesetzes mitgewirkt haben. Die Begründung des Finanzministeriums: "Für diese Arbeiten werden vertiefte Spezialkenntnisse aus dem Bereich des Kapitalmarkts benötigt, insbesondere um eine Einschätzung der möglichen Auswirkungen von den Gesetzgebungsvorhaben der Bundesregierung auf die betreffenden Unternehmen und den Kapitalmarkt als Ganzes vornehmen zu können", so die damalige Staatssekretärin Barbara Hendricks.

Ferner soll ein BASF-Mitarbeiter ab dem Jahr 2004 als "Leiharbeiter" im Bundeswirtschaftsministerium dafür gesorgt haben, dass eine unliebsame Chemikalienverordnung in entscheidenden Punkten abgeschwächt wurde.

Geheimbericht an die Stromwirtschaft weitergeleitet

Auch Lobbyisten der Energiewirtschaft sind laut Adamek und Otto in großem Maße in die Ministerien eingesickert. In der "Task Force Netzzugang" saßen demnach vier Staatsbeamten fünf Externe gegenüber. Über diese Mitarbeiter soll auch ein streng vertraulicher Monitoringbericht über die Wettbewerbssituation im Energiesektor im Sommer 2003 an den Stromriesen Eon gelangt sein. Außerdem habe RWE maßgeblich an der Verordnung zu den Netzentgelten mitgeschrieben – und verdiene bis heute daran.

Die Recherchen von Adamek und Otto legen den Schluss nahe, dass sowohl die damalige rot-grüne als auch die heutige schwarz-rote Bundesregierung auf Anfragen von Parlamentsabgeordneten hin Fehlinformationen heraus gegeben haben. Ob bewusst oder unbewusst, ist bisher noch unklar.

Nach stern.de-Informationen fragte die PDS-Parlamentarierin Gesine Lötzsch in der Bundestagssitzung vom 5. November 2003 den Parlamentarischen Staatssekretär im Innenministerium, Fritz Rudolf Körper: "In welchem Treueverhältnis befinden sich die abgeordneten Lobbyisten Ihrer Meinung nach?" Körper antwortete: "Ich habe Ihnen beschrieben, welche Aufgabenstellung diese Mitarbeiterin im Bundesfinanzministerium hatte (gemeint ist die Juristin aus der Investmentbranche, d. Red.). Dabei ging es nicht um hoheitliche Befugnisse. Die Verschwiegenheits- und Vertrauensregularien sind in diesen Fällen klar geregelt." Tatsächlich jedoch hatte die Jurist hoheitliche Befugnisse - beim Verfassen des Gesetzestextes.

Auch der grüne Abgeordnete Volker Beck fühlt sich "nachweislich falsch informiert". In der Bundestagssitzung vom 25. Oktober 2006 beschied ihm der Parlamentarische Staatssekretär im Innenministerium, Peter Altmeier, auf seine Frage nach den Externen: "Nur weil Sie das in der Frage angesprochen haben, darf ich darauf hinweisen, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für die Bundesregierung tätig sind, auch von dieser dafür bezahlt werden." De facto wurden laut Bundesrechnungshof weniger als 40 Prozent der "Leiharbeiter" vom Bund bezahlt.

Von Sebastian Christ
 
 
KOMMENTARE (10 von 46)
 
ganzbaf (06.04.2008, 11:18 Uhr)
....Und was sagt unser wohlfeiler Bundespräsident...?

Natürlich nix.
Der wartet auf besseres Wetter.
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Hätte nie gedacht, dass sich dem Roman Herzog noch mal hinterherweine... ;-PP
ganzbaf (06.04.2008, 11:13 Uhr)
McDoof-Kinsey, Roland Zwerger...

und die Bertelsmannstiftung haben die Republik in wesentlichen Teilen unter ihre Kontrolle gebracht und manipuliert!
Ein Skandal ersten Ranges und eine nationale Schande.
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Um weiteren Schaden von Deutschland auszuschließen und die Aushöhlung des Grundgesetzes zu stoppen, müssen jetzt alle Menschen vor Ort aktiv werden.
Stellt Eure Abgeordenten vor Ort zur Rede! Und wählt KEINE etablierten Parteien/Politiker mehr, BIS sich GRUNDSÄTZLICHES getan hat... !
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deholgi (06.04.2008, 08:45 Uhr)
Nachtrag
Noch ein Vorteil:
Die Flut der Gesetze wird abnehmen, da es einfach zu teuer wird.
deholgi (06.04.2008, 08:43 Uhr)
Direkte Demokratie
Lasst die Bevölkerung über die Gesetze abstimmen. Dann ist es egal wer sie ausgearbeitet hat. Dann wird es bevor diese Gesetze zur Anwendung kommen eine Diskussion geben. Und der Initiant dieses Gestzes muss es auch vor der Öffentlichkeit verkaufen. Das erspart uns viele Gänge zum Bundesverfassungsgericht.
Aber unsere Volksverräter wollen ja an ihrer Macht nicht rütteln.
Deswegen MUSS es zu einer Revolution kommen, sonst ändert sich nichts.
Holgi
deholgi (06.04.2008, 08:30 Uhr)
@Progreso
Bravo, das hätte ich nicht schöner sagen können.
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Nur leider sehe ich das ganze eher fatalistisch.
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Jedes Volk hat die Regierung die es verdient.
Wenn ich meinen Arsch nicht mehr vorm Fernseher wegbekomme um was zu machen, muss ich mich nicht wundern das man mit mir "Katz und Maus" spielt. Und es gibt mehr Mäuse als Katzen.
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@Admins
Sie verkommen auch immer mehr zu Ausführungsgehilfen von Herrn SSchäuble. Revolutionen kamen nie ohne Gewalt aus, und es wird mal langsam wieder Zeit für eine. Aber die "führende Kaste" sollte sich nicht wundern, wenn das Fass mal wieder!!! überläuft. Aus der Geschichte nichts gelernt?
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Aber ich glaube nicht, das es soweit kommen wird.
Nach der letzten mir bekannten Umfrage über eine direkte Wahl zum Bundeskanzler hatte die "Tippse aus dem Osten" mehr als 50%.
Hurra, diejenige die etwas dagegen tun könnte, aber es nicht macht und daher den Status Quo aufrecht erhält, hat Zuspruch von mehr als der Hälfte der Bevölkerung.
Wie blind ist das Deutsche Volk?
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Spült die Parlamentarische Demokratie in den Orkus der Geschichte und kommt zurück zur direkten Demokratie wie z.B. in der Schweiz. Da läuft vielleicht auch nicht alles gut, aber das Volk hat schon mehr Einfluss auf entscheidenen Beschlüsse.
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Ich schreibe das schon seit Monaten, lasst uns was machen als nur zu reden.
Jeden Tag mit Menschen reden, private, im Büro, in der Kneipe, Disko usw.
Nur wenn die Menschen endlich wach werden und sich nicht vom Mutantenstadl und Stefan Raab einlullen lassen, kann sich was ändern. Wer keine Änderung will, sollte dann aber die Klappe halten.
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Grüsse,
Holgi
Daisan (05.04.2008, 18:58 Uhr)
Kriminelle Machenschaften einer parasitären "Elite"
das ist es, was dieses Lobbyistenpack tut.
Es ist notwendig, alle Staatsvertreter vollkommen "gläsern" zu machen, sie zu durchleuchten, alle Tätigkeiten, Einkünfte, Zugehörigkeiten zu Verbänden für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen und VOR ALLEM ein Verbot jeglicher Nebeneinkünfte, dies sind absolut erforderliche Notwendigkeiten.
Wir haben ein Ausmaß struktureller Korruption erreicht das den Staat gefährlich schädigt.
Wenn nichts passiert, wird was passieren. Das kann und wird auf Dauer nicht mehr gutgehen.
Aquarius2 (05.04.2008, 12:19 Uhr)
Wessen Interessen sollen Lobbyisten denn vertreten?
Lobbyistinnen/Lobbyisten haben die Interessen ihrer Arbeitgeber zu vertreten. Dafür werden sie bezahlt, auch wenn sich zeitweise der Arbeitsort ändert.
Hat ernsthaft jemand angenommen, dass durch Lobbyisten selbstlose Beratung, ggf. entgegen den Interessen ihrer Arbeitgeber erfolgt?
Das System des regierens in Deutschland beinhaltet diese Möglichkeit der Interessenvertreteung.
Alle andern Diskussionen sind scheinheilig. Das Problem besteht nicht in dieser Einflussnahme auf Politik, sondern darin, dass es "herausgekommen" ist!
ecomoc4u (05.04.2008, 05:16 Uhr)
Hedgefonds
"Deren öffentlicher Vertrieb war zuvor in Deutschland untersagt. In dem Buch wird beschrieben, dass die Frau sieben Monate lang..."
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Ein paar Monate hat die Tussi am Schreibtisch gelümmelt und weg ist das Gesetz. Resultat, ein paar Billiönchen Euro dem Bürger aus der Tasche gemopst.
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Manchmal wünsche ich mir im Mittelalter zu leben. Schnell ein paar faule Eier gekauft und ab auf den Marktplatz, wo der Galgen und die Bürger schon emotionsgeladen warten.
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Vielleicht existiert dieser Marktplatz noch irgendwo in den heiligen Köpfen der heiligen Bürgervertreter.
ganzbaf (04.04.2008, 20:29 Uhr)
PS:
"Der ADAC", als größter Lobbyistenverein zur Verhinderung eines Tempolimits in Deutschland, hat vor allem mal tausende von Menschenleben auf dem Gewissen.
Gegen jede Vernunft und gegen eine deutliche Bevölkerungsmehrheit!
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Pfui ne. Da bin ich schon vor Jahren ausgetreten.
ganzbaf (04.04.2008, 20:18 Uhr)
Ich hoffe jetzt aber auch ..

diese Sauerei ist endlich mal eine Initialzündung wert, und es fliegen endlich mal die Fetzen!
Politisch gesehen.
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Protest! Generalstreik! Subversive Maßnahmen oder ein Tritt in den Funktionärshintern. Ich für meinen Teil werde zukünfig NICHTS mehr unlöblich ausschließen, liebe Freundinnen und Freunde...
;-DD
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