. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
16. November 2007, 10:17 Uhr

Abgeordnete gönnen sich mehr Gehalt

Bundestag

Mit breiter Mehrheit haben sich die die Abgeordneten des Bundestages eine Gehaltserhöhung genehmigt. Ihre Diäten steigen bis 2009 auf 7668 Euro - ein Plus von 9,4 Prozent. Die Opposition stimmte dagegen - profitiert aber trotzdem.

Bei der namentlichen Abstimmung im Bundestag, sprachen sich die meisten Abgeordneten für eine Erhöhung der Diäten aus© Axel Schmidt/DDP

Die Bundestagsabgeordneten haben sich eine kräftige Gehaltserhöhung genehmigt. Mit den Stimmen der großen Koalition votierte das Parlament am Freitag für eine Anhebung der Diäten um 9,4 Prozent auf dann 7.668 Euro. Die Opposition stimmte dagegen, profitiert aber trotzdem. Die Erhöhung erfolgt in zwei Schritten 2008 und 2009. Im Gegenzug sinken die Altersbezüge geringfügig. Die Rente mit 67 wird auch für Abgeordnete eingeführt. Die Diäten wurden seit 2003 nicht erhöht.

Es geht um die BestenIn der namentlichen Abstimmung stimmten 377 Abgeordnete mit Ja, mit Nein 166. Es gab 14 Enthaltungen. Derzeit erhalten die Mitglieder des Bundestags eine Abgeordnetenentschädigung von 7.009 Euro brutto im Monat. Hinzu kommt eine steuerfreie Kostenpauschale von 3.720 Euro. Davon müssen die Parlamentarier Ausgaben wie Einrichtung und Unterhaltung eines Wahlkreisbüros und den Zweitwohnsitz in Berlin bestreiten, aber keine Nachweise liefern.

Die Koalitionsfraktionen verteidigten die Diätenerhöhung als angemessen und maßvoll. CSU-Politikerin Gerda Hasselfeldt sagte, für die politische Verantwortung in Deutschland brauche es die Besten. Die Wähler träfen zwar die Entscheidung. "Aber wir bekommen gar nicht die Besten in die Auswahl, wenn sie nicht adäquat bezahlt werden." Die SPD-Abgeordnete Susanne Kastner bemängelte, es gebe keinen anderen Beruf, in dem man sich bei einer Erhöhung so rechtfertigen müsse. 2009 würden die Abgeordneten ebenso viel verdienen wie Bürgermeister von Städten und Gemeinden mit 50.000 bis 100.000 Einwohnern. Sie verwies darauf, dass jeder Bürger momentan 60 Cent pro Jahr pro Abgeordneten zahle. 2009 würden es dann 66 Cent sein.

Linke will das Geld spendenDie Opposition sprach sich gegen die Erhöhung aus. Dagmar Enkelmann von der Fraktion Die Linke erklärte, die Abgeordneten ihrer Fraktion würden das Geld, das sie durch die Erhöhung erhielten, für soziale Projekte in ihren jeweiligen Wahlkreisen spenden. Die FDP forderte einen Systemwechsel. Eine unabhängige Kommission solle die Höhe der Einkünfte festlegen und auch Vorschläge für die Altersvorsorge machen.

"Wir wollen zu Transparenz beitragen", sagte FDP-Fraktionsgeschäftsführer Jörg van Essen. Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, erklärte, die Grünen seien für die Einrichtung eines Altersversorgungswerks. Man wolle ein für die Bevölkerung nachvollziehbares und transparentes System.

Kaum Abgeordnete aus freier WirtschaftIn der Kritik steht vor allem die Altersversorgung, für die Abgeordnete keine Beiträge in die Rentenkasse entrichten müssen. Derzeit bekommt ein Parlamentarier nach acht Jahren oder zwei Legislaturperioden 24 Prozent der Diäten als Altersversorgung. Künftig werden es nur 20 Prozent sein. Für jedes weitere Jahr im Bundestag wird die Pension dann nicht mehr um drei Prozent, sondern um 2,5 Prozent wachsen. Die Koalitionsfraktionen hatten Anfang November ihren Vorschlag für eine Anpassung der Diäten bekannt gegeben.

Als Maßstab sollen die Bezüge von Bundesrichtern oder Bürgermeistern von Städten mit bis zu 100.000 Einwohnern herangezogen werden. Ein Argument für die Diätenerhöhung ist auch, dass mehr Manager aus der freien Wirtschaft in den Bundestag einziehen sollten und dies für sie auch finanziell attraktiv sein soll. Allerdings ist die Mehrheit der Abgeordneten aus dem öffentlichen Dienst sowie aus Gewerkschaften oder gesellschaftlichen Organisationen in den Bundestag gewechselt.

Diäten

Die zu versteuernde monatliche Entschädigung von derzeit 7009 Euro wird in zwei Schritten angehoben - zum 1. Januar 2008 um 330 auf 7339 Euro (plus 4,7 Prozent) und Anfang 2009 um weitere 329 auf 7668 Euro (plus 4,48 Prozent). Damit sollen die Diäten an die Vergütungen von Bürgermeistern kleinerer Städte und von einfachen Bundesrichtern angepasst werden. (Mehrkosten für beide Schritte bis 2009: 4,8 Millionen Euro).

Altersversorgung

Derzeit erhält ein Abgeordneter nach dem Ausscheiden für jedes Jahr seiner Mitgliedschaft im Bundestag eine Altersentschädigung in Höhe von 3 Prozent der monatlichen Diät. Künftig gibt es nur noch 2,5 Prozent. Nach acht Jahren wird ein ehemaliger Abgeordneter dann nicht mehr 24 Prozent, sondern nur noch 20 Prozent der Diät als Ruhegeld erhalten. Der Höchstsatz des Ruhegehalts von 67,5 (bislang 69) Prozent der Diäten wird danach künftig erst nach 27 (bislang 23) Jahren erreicht. Abgeordnete erhalten aber bereits nach dem ersten Jahr im Parlament einen Pensionsanspruch. Bislang waren dafür acht Jahre erforderlich. Dafür wird die bisherige großzügige Abfindungsregelung für Kurzzeit-Parlamentarier abgeschafft.

Die Rente mit 67 in der gesetzlichen Rentenversicherung soll schrittweise auch auf Abgeordnete übertragen werden. Allerdings sieht eine Ausnahmeregelung vor, dass Parlamentarier mit mindestens achtjähriger Zugehörigkeit auch schon vom 57. Lebensjahr an Anspruch auf die Auszahlung eines Ruhegehalts haben.

Das bleibt wie bisher

Amtsausstattung Daneben hat jeder Abgeordnete Anspruch auf ein Büro in Berlin mit einer Größe von 54 Quadratmetern. Er kann Dienstfahrzeuge im Umkreis der Hauptstadt benutzen, bekommt eine Bahn-Freifahrtkarte (künftig auch für private Anbieter) sowie bei mandatsbedingten Reisen die Inlandsflugkosten ersetzt.

Kostenpauschale Für Einrichtung und Unterhaltung eines Büros im Wahlkreis, Büromaterial, Telefon und Reisen erhalten Abgeordnete eine steuerfreie Kostenpauschale von derzeit 3720 Euro im Monat gezahlt.

Krankenversicherung Abgeordnete haben die Wahl zwischen gesetzlicher und privater Kranken- und Pflegeversicherung. Bei Mitgliedern der gesetzlichen Kassen (rund 40 Prozent der Parlamentarier) trägt der Bundestag die Hälfte des Beitrags. Die übrigen zahlen die Beiträge selbst, die aber nur ein Teil des Risikos decken. Für den Rest springt bei ihnen die Beihilfe wie bei Beamten ein.

Mitarbeiter Für die Mitarbeiter-Bezahlung stehen monatlich 13.660 Euro zur Verfügung.

Versorgungen Bei mehreren Versorgungsansprüchen aus verschiedenen öffentlichen Ämtern greifen Anrechnungsvorschriften. So wird etwa das Ruhegehalt eines früheren Ministers auf die Bundestags-Diäten angerechnet.

KOMMENTARE (10 von 26)
 
tripex (17.11.2007, 19:34 Uhr)
Politikverdrossenheit
...hilft ueberhaupt nicht die Situation zu aendern sondern verstaerkt sie nur, denn die senilen Waehler waehlen so oder so, was sie ihr ganzes Leben schon immer gewaehlt haben. Was Deutschland aber braucht ist frisches Blut im Bundestag.
scully78 (17.11.2007, 17:32 Uhr)
dumm verkauft
Da werden wir mal wieder richtig für dumm verkauft.Wir sollen sparen,hungern und das bitte ohne zu meckern.Wir müssen um Lohnerhöhung betteln bzw.streiken.Und die sagen sich,man sind unsere Bürger dumm und lassen sich das auch immer wieder gefallen.Also ohne groß tammtamm wird ihr Lohn erhöht.Und das frechste ist,das die meisten noch irgendwo in nem Vorstand hocken und dafür Gehalt kassieren das sie auch nach belieben erhöhen.Damit die Bürger mehr Rente,Kindergeld etc. bekommen,das nicht so wichtig,darüber kann man noch in 10 Jahren diskutieren.Ist denen doch Wurschd das die kleinen Bürger nach und nach auf der Strasse landen.Steuersenkungen???Nein!!! höchstens für unsere Politiker.zum kotzen. Und dann fragen die noch warum wir politikverdrossen sind.Die muessen uns ja fuer so bloed halten.Wir koennen ja froh sein das wir diesmal nicht den Spruch ala Schroeder:"Jammert nicht, spart lieber"zu hoeren bekommen haben.Zum KOTZEN HIER!!!!
UThome (17.11.2007, 10:14 Uhr)
Schade nur

das die Kommentare in ein bis zwei Tagen wieder Kommentare von Gestern sind. Was hier fehlt ist eine wochenlange Kampange gegen die Unverfrorenheit unserer Politiker. Wasser predigen aber Wein saufen. Hoffentlich werden jetzt alle Gewerkschaften wach, Lohnforderungen unter 10 % sind wohl nicht mehr den Arbeitern und Angestellten zu verkaufen. Was Politikern recht ist kann der arbeitenden Bevölkerung nur billig sein.
Kindergelderhöhung verschieben aber sich selber die Taschen vollmachen,
Wo bleibt denn die Erhöhung der Hartz IV - Sätze um 9,5 % ?????
ganzbaf (17.11.2007, 08:54 Uhr)
Beamte, Juristen und Kaufmänner sind der Untergang...
wie wahr... ;-Pp
Aber jeder eine oder zwei Euro Erhöhung z.B. bei den Rentnern wird als Jahrhundertereignis an Großzügigkeit gepriesen... (!)
Was soll man da bei etlichen hundert Euro für eh schon fürstlich bezahlte, hohlbirnige Faulenzer und Müßiggängern sagen?
Frach ich mal so ;-PPPP
Gabeltier (16.11.2007, 22:36 Uhr)
Unglaublich
In der aktuellen Zeit, bei mageren Lohnabschlüssen wird die große Koalition = große Mehrheit dazu missbraucht, sich mal eben schnell das Gehalt saftig zu erhöhen. Besonders lächerlich ist die Zurückrechnung ins Jahr 2003 und ab da prozentual gerechnet. Schließlich hat man die letzten Jahre groß betont, Nullrunden gefahren zu haben. Und nun benutzt man für Rechenbeispiele diese Zurückrechnung. Meine Stimme haben die Regierungsparteien schon lange nicht mehr, spätestens seit der Tempolimit-Debatte. Und das Argument mit den Managern die angelockt werden sollen kann doch auch keiner mehr hören. Es sind doch eh alles Beamte und Juristen im Bundestag.
Roy05441 (16.11.2007, 16:32 Uhr)
Der deutsche Bürger der dümmste der Welt,
schließlich hat er Alle gewählt!
Für einen jeden Euro der jetzt erhöht, wird ein hungerndes, deutsches Kind dann gequält!
Da setzen wir noch einen drauf, denn in Afrika, und Afghanistan da hungern sie auch!
tripex (16.11.2007, 15:57 Uhr)
9,4%
sind doch echt massvoll, zumal die letzte Erhoehung erst 2003 war. Das ist ja schon ne Ewigkeit her. Ich moechte von dieser Rechtfertigungstussi mal wissen, in welcher Branche das Gehalt so oft so viel und vor allem ohne sich rechtfertigen zu muessen erhoeht wird? Das ist nur noch bei den Managergehaeltern dreister. Beides stinkt, dass man schon fast keine Luft mehr bekommt. Leider wird sich die arm/reich-Schere noch weiter oeffnen, denn die Deutschen sind schlicht unfaehig an der Urne die richtige Wahl zu treffen. Und die die faehig sind wandern eher aus.
Roy05441 (16.11.2007, 15:39 Uhr)
Das ist doch toll,
jeder deutsche Depp findet das wundervoll! Weiß aber immer noch nicht, welchen Idioten bei dem nächsten Qualgang er wählen denn soll! Selbst der dümmste Bürger denn weiss, alles was er wählt, ist für ihn, die selbe Scheiß!
ganzbaf (16.11.2007, 15:20 Uhr)
Offener Affront !
...die Gesellschaft sollte den Fedehandschuh aufheben und zum Generalstreik blasen!... ((O:
emeinung (16.11.2007, 13:47 Uhr)
Mehr Manager aus der freien Wirtschaft?
Dann nimmt der Wirtschaftslobbyismus und die Realtitätsferne im Bundestag noch mehr zu, denn die werten Nadelstreifenträger haben ebenso wenig Bezug zum gemeinen Volk wie der jetzige Abgeordnete.
MEHR ZUM ARTIKEL
Abgeordneten-Diäten Scholz und Röttgen verteidigen Erhöhung

Am Wochenende war publik geworden, dass die Abgeordneten-Diäten schrittweise um 9,7 Prozent steigen sollen. Wie auf Knopfdruck hagelte es negative Kommentare über das fette Leben der Parlamentarier. Nun versuchten die Geschäftsführer der Regierungsfraktionen, diesen Eindruck eilig zu korrigieren. mehr...

Nebentätigkeiten von Abgeordneten Parlamentarier arbeiten immer mehr nebenbei

Bundestagsabgeordnete verdienen durch Nebentätigkeiten immer mehr zu ihren Diäten hinzu. Das belegt eine neue Studie. Dennoch hält ein Verbandsvertreter die Schelte an der Diätenerhöhung der Abgeordneten für verfehlt. Die Parlamentarier müßten mehr verdienen, findet er. mehr...

Diätendebatte Die Rente ist sicher - für Abgeordnete

Die Bundestagsabgeordneten wollen sich die Diäten erhöhen, dafür aber die eigenen Pensionsansprüche kürzen. Für eine echte Reform ist das zu wenig, findet stern.de-Autor Hans Peter Schütz. Er hält die Empörung der Wähler für berechtigt: Denn die schauen bei ihren eigenen Renten in die Röhre. Schütz plädiert für eine radikale Kehrtwende. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe