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12. Oktober 2007, 11:28 Uhr

Afghanistan-Einsatz verlängert

Die Abgeordneten des Bundestags haben mit deutlicher Mehrheit für die Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes gestimmt. Die Grünen enthielten sich, die Linke stimmte dagegen. "Der gute Zweck heiligt auch in Afghanistan keine militärischen Mittel", sagte Linkschef Lothar Bisky.

Verteidigungsminister Jung, Außenminister Steinmeier und der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, im Bundestag© Johannes Eisele/DPA

Der Bundestag hat mit Dreiviertel-Mehrheit die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan beschlossen. Dafür stimmten die Koalitionsfraktionen sowie die FDP, die Linksfraktion votierte gegen die Verlängerung des Einsatzes um ein Jahr. Die Grünen-Fraktion enthielt sich mehrheitlich, obwohl sie die Isaf-Mission zur Absicherung des Wiederaufbaus grundsätzlich unterstützt. Insgesamt stimmten 454 von 581 Abgeordneten für den Einsatz, 79 dagegen. 48 enthielten sich der Stimme.

Vor der Abstimmung warb Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul für die Fortsetzung. Der Einsatz sei "im Interesse der Menschen dort, die so lange gelitten haben, aber auch im Interesse unserer eigenen Sicherheit", sagte sie. Alle Redner, auch der Linken, verwiesen auf die Erfolge des Wiederaufbaus unter dem Schutz der internationalen Isaf-Mission, an dem sich die Bundeswehr seit sechs Jahren beteiligt. Sie nannten den Aufbau von Schulen und des Gesundheitswesens, eine Verbesserung der Situation der Frauen und der Menschenrechte.

"Einen Rückfall können wir nicht hinnehmen"

"Einen Rückfall können wir nicht hinnehmen", so SPD-Ministerin Wieczorek-Zeul. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hatte im ZDF-Morgenmagazin zuvor auch die Bevölkerung zu einer breiten Unterstützung des Bundeswehreinsatzes aufgerufen. Den deutschen Soldaten in Afghanistan müsse der Rückhalt der Heimat vermittelt werden. Eine "klare Zweidrittel-Mehrheit" im Bundestag sei wichtig "für diesen gefährlichen, aber notwendigen Einsatz, den unsere Soldaten dort leisten".

Eine Absage erteilte der CDU-Minister einer Aufstockung der Zahl der deutschen Soldaten. Das Mandat umfasst bis zu 3500 Soldaten sowie die sechs Tornado-Aufklärungsflugzeuge. Die Kosten für das kommende Jahr werden auf 487 Millionen Euro beziffert.

FDP-Chef Guido Westerwelle begründete die Zustimmung seiner Fraktion mit den Worten: "Wir tun das für Afghanistan und noch mehr für uns selbst." In dem Augenblick, in dem sich die internationale Gemeinschaft aus Afghanistan zurückzöge, "wird Kabul wieder zur Hauptstadt des Terrorismus der Welt". Er mahnte die Bundesregierung allerdings "Geld für den Polizeiaufbau in die Hand zu nehmen", wenn sie einen Erfolg ihres Engagements wirklich wolle.

Die Grünen-Fraktionschefin Renate Künast beteuerte: "Wir sind als Fraktion mehrheitlich davon überzeugt, dass eine weitere Isaf-Beteiligung Deutschlands nötig ist." Allerdings schränkte sie ein: "Wir können dieser Bundesregierung heute bei der Abstimmung inklusive der Tornados nicht einfach so Prokura geben." Sie forderte die Bundesregierung zu einem Strategiewechsel und zum Ende der Beteiligung an der Antiterror-Operation Enduring Freedom (OEF) in Afghanistan auf. Über das OEF-Mandat stimmt der Bundestag erst im November ab.

Grünen-Basis wollte mit Nein abstimmen lassen

Die Grünen-Basis hatte aus Unmut über die Zusammenlegung der Mandate von Isaf und Tornados der Fraktion auferlegt, mit Nein zu stimmen oder sich zu enthalten. Die Abgeordneten wollten sich mehrheitlich enthalten. Allerdings hatten 15 Parlamentarier angekündigt, sie würden aus Gewissensgründen trotzdem mit Ja stimmen, darunter Fraktionschef Fritz Kuhn. Der Parteilinke Hans-Christian Ströbele erinnerte an die dramatische Verschärfung der Lage in den vergangenen drei Jahren. "Wir sind immer weiter davon entfernt, die Herzen der Menschen zu gewinnen", sagte er. Ohne einen Strategiewechsel könne er Isaf nicht zustimmen. Der Linksfraktionsabgeordnete Lothar Bisky erklärte: "Die Linke sagt eindeutig Nein zur Verlängerung des Mandats." Die UN-mandatierte und Nato-geführte Mission sei gemessen an ihren eigenen Zielen gescheitert. "Der gute Zweck heiligt auch in Afghanistan keine militärischen Mittel."

Claudia Kemmer/AP
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
vonSelbenstein (15.10.2007, 10:14 Uhr)
Mehrheit der Deutschen für Abzug
War doch klar, dass das deutsche Parlament dem Einsatz zustimmt. Allerdings sollten unsere Volkvertreter bedenken, dass nunmehr schon ca. 60% der deutschen Bevölkerung gegen einen längeren Einsatz in Afghanistan sind.
Aber wer glaubt, dass Volksvertreter das Volk vertreten, der glaubt ja auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten.
Allerdings wissen wir ja auch, dass die zunehmende Kritik der Bevölkerung an den Einsätzen der Bundeswehr an der bislang noch nicht ausreichenden Aufklärung liegt.
Mit anderen Worten: Ihr seid einfach zu dämlich! Na klar, die meisten von uns lesen weder Zeitung, noch schauen wir fern und Internet, wat is dat denn??
Also liebe Politiker, haltet das Volk nicht für blöder als wir sind. Dass das auch mal ganz gewaltig nach hinten losgehen kann, haben wir Anno 89 in der damaligen DDR erlebt.
Raknarak (15.10.2007, 08:06 Uhr)
@Roy05441
wenn jemand mal meinte das du reimen kannst, dann hat derjenige dich belogen!
Roy05441 (12.10.2007, 23:38 Uhr)
Es wäre doch schnellstmöglich an der Zeit,...
sämtliche Standorte in dieser sogenannten demokratischen Republik aufzulösen!
Alle Einheiten auf jedwede Krisenregion verteilen, alle Kasernen der Republik abreisen!
Mein Gott, hat Kanzlerin dann geklagt, warum habt mein Konto ihr zuvor nicht geplagt?
Roy05441 (12.10.2007, 22:59 Uhr)
Das beste Beispiel,..
für deutschverstandene Demokratie!
Verwendungszweck-Bundeswehr!:
Sämtliche Einheiten in BRD auflösen, und in alle Krisenregionen entsenden, und dort kasernieren!
Erspart innerhalb der Republik unmassen an €uros, wenn alle Kasernen als Wohnraum für Imigrantern benutzt werden!
So dacht ich denn ich hätt die Pest, leg lieber ich mir eine christliche Partei ins Nest!
RAZE (12.10.2007, 15:11 Uhr)
@
das trifft sich gut, ich suche noch Freiwillige für meine persönliche Schutztruppe;-)
Raknarak (12.10.2007, 13:21 Uhr)
@RAZE
manch einer zieht den kopf ein, und manch ein anderer stellt sich den kommenden gefahren....
....ich hoffe bei einem eventuellen verteidigungsfall deutschlands, mich nicht auf leute wie sie verlassen zu müssen!
RAZE (12.10.2007, 12:46 Uhr)
Zufälle gibts!
Gestern zufällig ein Angriff auf ein Feldlager des regionalen Aufbauteams inkl. deutscher Soldaten in Afghanistan und heute entscheidet die Bundeswehr passenderweise über die Fortsetzung des Afghanistan-Einsatzes...
Nee is' klar. Das erinnert an Bombenkoffer und Sauerland-Terroristen, passend zur Schäuble-Agenda!
Viel Spaß noch mit weiteren Toten, unglücklichen Zivilopfern und Freitod-Bombern...
NeuerMensch (12.10.2007, 12:18 Uhr)
Neusprech
Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke.
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