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18. März 2009, 06:23 Uhr

Gegen Waffen und Killerspiele

Eine Woche ist vergangen seit Tim Kretschmer in Winnenden bei seinem Amoklauf 15 Menschen mit in den Tod riss. Der Bundestag diskutiert nun mit die Folgen aus der Tat. Im Visier der Politiker: Waffen und Killerspiele. Unkonkreter werden die Forderungen, wenn es um Chancen geht, die Persönlichkeit der Jugendlichen zu stärken.

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Auch eine Folge des Amoklaufs: Die Familie des Täters ist isoliert, nur selten wird - wie auf diesem Zettel - Verständnis geäußert© Winfried Rothermel/AP

Eine Woche nach dem Amoklauf von Winnenden befasst sich der Bundestag an diesem Mittwoch mit den Folgen aus der Tat. Das Verbrechen ist Gegenstand einer Aktuellen Stunde unter dem Titel "Kinder, Jugendliche, Familien stärken - Konsequenzen nach dem Amoklauf". In der vergangenen Woche hatte der 17-jährige Tim K. an einer Realschule im baden-württembergischen Winnenden und bei seiner anschließenden Flucht nach Wendlingen 15 Menschen getötet. Im Bundestag steht die Frage im Vordergrund, wie Kinder und Jugendliche in ihrer Persönlichkeit so gefestigt werden können, dass sich solche Taten nicht wiederholen.

Experten aus SPD und CDU hatten eine Verschärfung des Waffenrechts verlangt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich für verdachtsunabhängige Kontrollen der Waffenbesitzer ausgesprochen. Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU), sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Die schlichte Tatsache, dass jemand Waffen besitzt, reicht nicht aus, um eine Kontrolle in dessen Wohnung durchzuführen." Um derart tief in die Privatsphäre der Bürger einzugreifen, müssten schon konkrete Gefahren für die öffentliche Sicherheit vorliegen. Nach Ansicht Bouffiers ist eine regelmäßige Kontrolle legaler Waffenbesitzer zudem personell nicht zu machen.

Der Deutsche Jagdschutz-Verband wies den Vorstoß des Berliner Innensenators Erhart Körting (SPD), Jägern künftig den Besitz von Kurzwaffen zu verbieten, als "Unsinn" zurück. Verbands-Präsident Jochen Borchert sagte ebenfalls der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Besitzer legaler Waffen dürfen nicht unter Generalverdacht gestellt werden."

Bouffier kündigte in der Zeitung ferner an, dass Hessen im Bundesrat auf "ein komplettes Herstellungs- und Verbreitungsverbot für Killerspiele" dringen werde. "Eine Initiative Hessens und Bayerns liegt der Länderkammer vor. Darüber muss der Bundesrat nun dringend entscheiden." Diese menschenverachtenden Dinge gehörten schleunigst vom Markt, so der Minister.

Jugendliche Testkäufer erneut im Gespräch

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) setzt bei der Kontrolle des Verkaufsverbots von Killerspielen an Jugendliche weiter auf den Einsatz minderjähriger Testkäufer. Dies sei auch ohne ein Bundesgesetz durchsetzbar, sagte sie der "Financial Times Deutschland". "Landkreise können nach heutiger Rechtslage 17-jährige Jugendliche zu Testkäufen losschicken." Die Ministerin hatte im Oktober 2007 einen Gesetzentwurf vorgelegt, der es ermöglichen sollte, Kinder und Jugendliche als Testkäufer von Schnaps, Zigaretten und Gewaltfilmen einzusetzen. Nach massivem Protest verzichtete von der Leyen schließlich auf das Gesetz. Der Deutsche Städtetag bestätigte den Einsatz von minderjährigen Testkäufern. Der Landkreistag bezeichnete dies als "gutes Mittel", um Jugendliche zu schützen.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 22)
 
franzjosefalbert (18.03.2009, 23:03 Uhr)
Waffen in der Nachttischschublade?
Ich hoffe, dass der Vater Kims bestraft wird, denn Waffen dürfen den Kindern nicht zugänglich sein!!! Wenn er sich als guter Schütze vor nächtlichen Angriffen schützen will, dann muss die Waffe und die dafür geringe Anzahl an Munition sofort nach dem Aufstehen und immer, wenn dieser Vater gerade nicht im Schlafzimmer ist, in einem Tresor eingeschlossen sein. Auch dann, wenn der Sohn kerngesund und nicht etwa "amokgefährdet" oder suizidgefährdet ist!!!
franzjosefalbert (18.03.2009, 22:58 Uhr)
Amoklauf aus Frust?
Wenn man die Ohnmacht der Bürger heute in unserem Land betrachtet, egal welche politische Richtung man wählt, sie sind doch alle von der Lobby gekauft! die Umverteilung von unten nach oben, die Ungerechtigkeit in der Entlohnung für Arbeit, die Sinnlosigkeit des dreigliedrigen Schulsystems, das Chancen nach dem Geldbeutel der Eltern verteilt, den kontinuierlichen Abbau der sozialen Marktwirtschaft, das Konkurenzdenken und durch die Globalisierung unmenschlich gewordenen Bedingungen des Lebens, dann ja dann kann man doch als junger Mensch, wenn man keine Chancen für sich sieht und vielleicht noch gemobbt wird, zum Amokläufer werden, da braucht man nicht depressiv zu sein.
franzjosefalbert (18.03.2009, 22:52 Uhr)
Herstellungsverbot Killerspiele
Ja, ein Herstellungs- und Verkaufsverbot von Killerspielen finde ich gut, nicht nur Verbot des Verkaufs an Jugendliche!
Es hat noch nie so viele Spiele gegeben wie heutzutage, da braucht es nicht noch Spiele, die uns eine Verharmlosung von Gewalt suggerieren, deshalb sollte es diese Killerspiele überhaupt nicht geben!
ganzbaf (18.03.2009, 22:28 Uhr)
Aggressive Spiel...

bauen keine Aggressionen ab, sondern verstärken sie sogar eher noch.
Solch ein Untersuchungsergebnis wurde vorgestern im TV präsentiert.
Rosana (18.03.2009, 17:30 Uhr)
machtlose Politik
Nach allem was passiert ist gibt es nur eines: keine Waffen in Privathaushalten - ich möchte wissen, wozu das gut sein soll! Wir wollen doch in Frieden leben, wozu brauchen wir dann Waffen,und dazu auch noch in Privatwohnungen? So ein Unsinn!
Das sind die Spiele der Männer, die nicht erwachsen geworden sind, und wir erleben immer wieder, was alles zerstört und gemordet wird, wenn Männer spielen. Das Gleiche gilt für: Killerspiele! Ein ganz klares Verbot, schon für die Herstellung!
Das kann doch für eine Regierung, die in erster Linie das Wohl der Menschen - wozu auch Frauen und Kinder gehören - im Blick hat, kein Problem sein. Aber natürlich, da kommt dann die Macht der Wirtschaft ins Spiel, die die Politik fest im Griff hat. Es ist dringend angesagt, dass wir uns von einigem befreien. Und wenn die Politik nicht mehr für die Menschen da ist, dann weg damit - eigentlich eine ganz klare Sache.
islaender (18.03.2009, 13:21 Uhr)
Denkt eigentlich einer soweit
das viele Kids und auch erwachsene mit dieser art Spiele ihre aggressionen abbauen, dann wenn diese spiele verboten werden auf andere art und weise Ihre aggressionen abbauen werden, sei es durch schlaegereien, oder "noch" mehr Amoklaeufe?
was wird aus den Cs,OFP,WOW Clans, sind wir dann alle Kriminaelle, die solche Spiele nach einem verbot weiterspielen?
felice4711 (18.03.2009, 11:32 Uhr)
Wieder mal nur unsinnige Betriebsamkeit
mit keinerlei Nutzen.
Schärfere Gesetze? Bringen nichts, wenn die Leute sich nicht daran halten. Mord ist ja bekanntlich auch per Gesetz verboten, trotzdem wird gemordet.
Spiele verbieten? Wenn es da einen ursächlichen Zusammenhang gäbe, müßte es viel mehr Vorkommnisse geben angesichts der Menge der Spieler.
Vielleicht sind hier aber auch mal die Jugendlichen gefragt, ihr Verhalten untereinander mal auf den Prüfstand zu stellen. Muß eigentlich jeder gemobbt und gedisst werden, bloß weil er nicht die richtigen Klamotten trägt oder ausgegrenzt werden, weil er nicht "cool" genug ist oder einfache andere Interessen hat? Der Hass hat sich bei den geschehenen Amokläufen da entleert, wo er auch geschürt wurde. Nämlich in den Schulen. Und da gibt es nicht nur Lehrer.
ganzbaf (18.03.2009, 11:02 Uhr)
Schule nicht mehr als Selektionsanstalt für die Wirtschaft

UND Maßnahmen gegen Gewalt in ALLEN Medien!Insbesondere TV und Computerspiele.
.
Wir brauchen die Hardware FSK-14 in deutschen Kinderstuben. Bis dahin sollte erst einmal das Lesen praktiziert werden. Es gibt zu viele ab-18-Games bei Kids unter 14!
kabelmann (18.03.2009, 10:44 Uhr)
Die Rechnung ist einfach
Es wird schlicht und ergreifend gegengerechnet, wieviele Arbeitsplätze in Deutschland ein Verbot von Shootern kosten würde, kommt zum Entschluß, dass diese 200 Hanseln bei Crytek durchaus auch einen anderen Job finden können und muss sich deshalb nicht weiter mit diesem Thema beschäftigen.
Der Amoklauf von Winnenden hat 17 Tote beschert.
Im Jahre 2008 sind durchschnittlich 12 Menschen je Tag durch einen Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Die Ursachen hierfür: Alkohol, Drogen, Selbstüberschätzung, Verantwortungslosigkeit.
Aber im Straßenverkehr ansetzen kostet ja Arbeitsplätze bei VW.
Hat also jeder den Part mit der Realpolitik verstanden?
Fraggles (18.03.2009, 10:08 Uhr)
es wurde
schon alles von meinen Vorrednern gesagt.
Die wahren Gründe werden übergangen/überhört, ist ja einfacher auf Ego-Shootern rumzuhacken. (Ich benutze das Wort "Killerspiel" NICHT)
Unsere Jugend wird von den Medien zu Konsum und noch mehr Konsum genötigt (ohne das neue Handy bist du nicht cool etc.) dazu dann noch ein bisschen "Eltern haben keine Zeit" und fertig ist der frustrierte Jugendliche von heute. Ich stoppe mal besser hier denn es gibt 1000x mehr Gründe als das ohnehin schon genannte.
MfG
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