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28. Mai 2009, 18:46 Uhr

Schwerstabhängige erhalten Heroin auf Rezept

Nach jahrelanger Debatte hat der Bundestag die kontrollierte Heroinabgabe an Schwerstabhängige beschlossen. Das Gesetz sieht vor, das synthetische Heroin - sogenanntes Diamorphin - künftig nicht mehr als illegale Droge einzustufen, sondern als verschreibungsfähiges Betäubungsmittel zuzulassen.

Bundestag, Heroin, Diamorphin

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Abgabe von Heroin unter ärztlicher Aufsicht sinnvoll ist© Kay Nietfeld/DPA

Der Hauptkonflikt in der Großen Koalition in der Drogenpolitik ist gelöst, der Grundsatzstreit über Heroin aus der Hand des Staates entschieden. Künftig sollen Schwerstabhängige Diamorphin auf Rezept bekommen. Nach engagierter Debatte erhielt das von der SPD initiierte Gesetz 349 Ja-Stimmen bei 198 Gegenstimmen und 3 Enthaltungen. Die Union im Bundestag sträubte sich erfolglos mit einem eigenen Antrag gegen Diamorphin auf Kosten der Krankenkassen. Die Stimmabgabe war den Abgeordneten der Koalition freigegeben worden.

Befürworter und Gegner beriefen sich auf die Erfahrungen, die von 2002 bis 2006 in Bonn, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Köln und München mit über 1000 Schwerstabhängigen gemacht wurden. In der unter Rot-Grün gestarteten Studie verglichen Suchtexperten die längerfristigen Wirkungen von Diamorphin mit der herkömmlichen Behandlung mit dem Ersatzstoff Methadon. Studienleiter Christian Haasen: "Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Abgabe von Heroin unter ärztlicher Aufsicht sinnvoll ist."

Den meisten Diamorphin-Empfängern ging es deutlich besser, argumentieren die Befürworter. Methadon lindert zwar die Entzugserscheinungen, hat aber keine euphorisierende Wirkung - deutlich mehr Methadon- als Diamorphin-Empfänger beschafften sich den Stoff noch auf dem Schwarzmarkt. Unter den Diamorphin-Empfängern kehrten dagegen viele in ein Leben mit festem Wohnsitz und Job zurück.

Seit Abschluss der Studie verging kaum ein öffentlicher Auftritt von Sabine Bätzing, ohne dass die Bundesdrogenbeauftragte für die Diamorphin-Abgabe warb. "Unsere Erfahrung zeigt, dass es durch dieses Angebot gelingt, Heroinabhängige zu erreichen, die sich schon aufgegeben hatten", sagt die SPD-Politikerin. Die Modellstädte und die betroffenen Länder plädierten ebenfalls für eine kontrollierte Freigabe von Diamorphin. Der Bundesrat beschloss - auch mit den Stimmen von Unionsländern - bereits einen entsprechenden Entwurf.

Dreistellige Millionenkosten für die Krankenkassen befürchtet

Mit dem Beschluss des Parlaments ist klar: Alle Städte können weitermachen - weitere können hinzukommen. Nur Menschen in speziellen Einrichtungen sollen Diamorphin bekommen, wenn sie seit mindestens fünf Jahren opiatabhängig sind, mindestens zwei erfolglose Therapien hinter sich haben und mindestens 23 Jahre alt sind.

Die Unionsfraktion sah noch ungeklärte Fragen. "Das Modellprojekt sollte nicht nur fortgeführt werden, sondern neue Erkenntnisse sollten in neuen Standorten mit neuen Teilnehmern gewonnen werden", sagt die gesundheitspolitische Sprecherin Annette Widmann-Mauz (CDU). So ging es in der Gruppe der Heroinempfänger zwar 80 Prozent deutlich besser - aber bei den Methadon-Empfängern waren es immerhin auch 74 Prozent. An einer Orientierung hin zu einem Komplett-Ausstieg hapere es beim derzeitigen Diamorphin-Konzept. Ideologie sei nicht der Antrieb hinter den Unionsbedenken, hält Widmann-Mauz Kritikern entgegen.

Die letzte Chance in ein geregeltes Leben zurückzukehren

"Von herausragender Bedeutung ist die psychosoziale Betreuung der Betroffenen", sagt sie. Bei mehr intensiver Begleitung könnte der Kreis der Menschen, die am Ende Diamorphin bekommen, möglicherweise besser eingegrenzt werden.

Die Unionsfraktion warnt, bis zu 80.000 Abhängige könnten nun Anspruch auf eine Diamorphin-Behandlung bekommen und den Kassen dreistellige Millionenkosten bringen - die SPD-Gesundheitsexpertin Carola Reimann geht von bis zu 3000 Schwerstabhängigen aus, die nach jahrelangem Leiden infrage kommen. Reimann: "Für sie ist die Behandlung mit Diamorphin die letzte Therapieoption, die allerletzte Chance, in ein geregeltes Leben zurückzukehren."

Basil Wegener, DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
Haka (29.05.2009, 12:30 Uhr)
legal
da scheinheiligkeit und doppelmoral nicht abzuschaffen sind, bleibt nur die absolute legalitaet saemtlicher sogenannter drogen. das geld das fuer bekaempfung gegen prostitution, mord- und totschlag und bandenkriege eingesetzt wird, koennte sinnvoller zur hilfe eingesetzt werden. mal jetzt ganz simpel hier erklaert.
babylon (29.05.2009, 12:00 Uhr)
Und wer zahlt das alles?
Der dumme steuer- und Beitragszahler!
Sicherlich muß diesen Leuten geholfen werden, aber bei Alkoholikern würde es ja dann Freibier für alle Alkoholiker bedeuten und der Beitragszahler wird zur Kasse gebeten! So ein Schwachsinn! Vielleicht wäre es mal an der Zeit die Drogendealer etwas härter zu bestrafen, aber diese Leute werden ja bei uns mit Samthandschuhen angefaßt. Man könnte ja dieren Menschenrechte verletzen. Das die Dealer dieses ebenfalls tun steht ja mal wieder nicht zur Sache. Total krankes System. Schade um meine Beiträge!
bmpost (29.05.2009, 08:38 Uhr)
@hjohjo
Das liegt auch an der jahrzehntenlangen Hetze der Medien gegen alle Drogenge- und missbraucher, ausser natürlich den traditionsreichen Alkies, denn das ist ja Volksdroge und macht schön stumpf. Funktioniert hat es allemal, wie an an den teils grenzdebilen Kommentaren sieht.
umseme (29.05.2009, 07:54 Uhr)
@confused
auch ich habe lange Jahre alles zu mir genommen was es auf dem "Markt" gab und kann nicht nachvollziehen wie man so einen Mist schreiben kann wie Sie. Viele meiner verstorbenen Freunde könnten noch leben wenn die Politik nicht so vehemment gegen Drogen angehen würde. Die Leglisierung würde dazuführen das die Preiße für Drogen in einem reellen Rahmen bleiben würden.Die Frage darf nicht lauten ob Freigabe oder Verbot, sonder warum führt der Weg zur Sucht. Außerdem wo ist ist Ihrer Ansichtnach der Unterschied zwischen legalem Alkohol und illegalen Drogen. Ich habe bis heute nicht verstanden warum sich die Menschen bis zum Koma vollaufen lassen können, aber sobald ich ein Joint rauche oder Heroin nehmen ich ein Krimineller bin. Dies alles in Gedenken an meine verstorbenen Freunde.
STR_EDDS (29.05.2009, 01:53 Uhr)
Der einzig richtige Weg
Wer einmal in seinem Leben mit schwer und schwerst Abhängigen arbeiten durfte, weiss das dies der einzige vernünftige Weg ist. Er beitet keine Garantie, dass ein Junky wieder auf die Beine kommt. Eine ihm versagte Versorgung befördert ihn aber mit 100%er Sicherheit in die Beschaffungskriminalität und eher früher als später in den Tod. Gerade bei harten Drogen würde das Wegbrechen der Hauptkonsumentengruppe den Dealern den Ertrag kürzen und deren Aktivität wieder aus den Randbezirken an wenige lokale Brennpunkte konzentrieren. Ein Nebeneffekt wäre in diesem Fall auch eine Entlastung unserer Polizei.
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Und ehrlich: wenn ich mir immer diese ganzen Schwabbels mit 20kg Übergewicht jeden Tag ansehe - dann reift die Erkenntnis, dass unsere Krankenkassen eher andere Kostensenken haben.
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@ganzbaf: nach meiner Einschätzung sind alle Konsumenten von Heroin früher oder später mitellos. Das Partyvolk geht doch eher auf Koka oder jegliche Form von Acid oder DOM los.
Anemone (29.05.2009, 00:28 Uhr)
Ich bin weniger froh darüber ......
Seit mehreren Jahren erhalten schon ein paar Hundert Schwerstabhängige im Rahmen eines wissenschaftlichen Modellversuchs in 7 deutschen Städten Heroin auf Rezept. Es war sozusagen eine Gesetzesänderung auf Probe. Nun soll es also weitergehen.

Es geht nicht in erster Linie nur um die Kosten – 80 % aller Krankheiten bei uns sind ernährungsbedingt!!! Da könnte man protestieren gegen Alkohol, Nikotin, Schweinefleisch u.v.m.! Es gibt sowohl Gründe, die für diese Änderung des Betäubungsmittelgesetzes sprechen als auch dagegen!
Lieber confused, ich freue mich über Ihre Willenskraft und Ihren Erfolg! Das gibt hoffentlich manchem Mut, es selbst zu schaffen!
hjohjo (29.05.2009, 00:03 Uhr)
Ich bin heilfroh...
...daß intelligente Menschen über den Vorschlag abgestimmt haben und nicht so geistige Tiefflieger wie sie hier kommentieren (von den Ausnahmen abgesehen).
Hier wird in billigster Weise eine sinnvolle Sache schlechtgemacht mit dümmsten Vergleichen. Dabei geht es doch nur um die ganz schlimmen Fälle bei denen nichts anderes mehr funktioniert und bei denen schlußendlich die Behandlung volkswirtschaftlich gesehen sogar Geld spart.
Aber hier sind manche so primitiv, daß sie wohl lieber sehen würden, wenn die Betroffenen verrecken - das ist natürlich noch billiger.
NeuerMensch (29.05.2009, 00:02 Uhr)
@confused: Sie haben Recht
Sie haben mich überzeugt. Die Junkies haben sowieso keine Chance und sind ohnehin selbst Schuld an ihrem Schicksal. Überlassen wir sie also demselben. Ebenso wie millionen Alkoholabhängige zukünftig auch keine Therapien oder Medikamente gegen die Folgen ihrer Sucht von den Krankenkassen bezahlt bekommen. Schließlich müssten die ja nicht trinken, wenn sie nicht wollten. Einmal Alki, immer Alki. Das Gleiche betrifft dann natürlich auch die hunderttausende Tablettenabhängigen, und alle Raucher sowieso. Lungenkrebs? Tja, tut uns leid, selbst Schuld, Therapie zahlen wir nicht. Die Fettleibigen nehmen wir auch gleich mit ins Boot. Therapie? Lebenshilfen? Quatsch! Kostet Geld! Chronisch Kranke ebenso. Wer nicht irgendwann gesund wird, hat wohl was verkehrt gemacht. Einen Arbeits- oder Autounfall gehabt? Tja, da hätte der Patient eben besser aufpassen müssen oder halt langsamer fahren müssen. Ich glaube, so bekämen wir wirklich eine bessere Welt hin. Solidarität, Gemeinwohl und vor allem das Wort Gesellschaft bekämen wieder eine Bedeutung. Das wäre doch eine Welt in der wir alle leben wollen, nicht wahr? Wo jeder mit dem Finger auf andere zeigen kann: was hat der nicht alles falsch gemacht, und jetzt sollen wir auch noch dafür zahlen.
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Der Drogenkonsum hat vielen die Birne vernebelt. Da helfen auch keine Fakten aus vielen internationalen Studien nicht mehr. Der eigene Rausch ist halt immer schöner als die Realität, und sei es nur der Rausch des Neides und der Mißgunst. Um diese wirklich arme Welt der Wahrnehmung beneide ich wirklich niemanden.
confused (28.05.2009, 23:07 Uhr)
@Neuer Mensch
"schweren Folgeerkrankungen wie Hepatitis in allen Formen, HIV, etc. etc" ... jemand der seit min. 5 Jahren an der Nadel hängt und ich meine die die wirklich tief unten liegen, hat meist schon eine dieser Krankheiten.
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"die Krankenkassen ohne erfolgreiche Therapie kosten?" .... warum ist die Therapie OHNE Erfolg ? weil der/diejenige nicht wirklich von tief innen aussteigen will. Kennen sie DEN Spruch eines jeden Junkies ? ... einmal Junkie immer Junkie, es ist IMMER im Kopf auch wenn man aussteigt.
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"Dazu noch gesellschaftliche Kosten durch Beschaffungskriminalität, Arbeitslosigkeit usw. Besser, diese Menschen bekommen die Droge auf Rezept und können wieder ein gesünderes, geregeltes Leben mit vielleicht sogar einem festen Arbeitsplatz führen.
-... OK die Beschaffungskriminalität fällt weg, wird umgeschaufelt auf die Krankenkassen, sprich auf alle die Arbeiten und fleissig KK zahlen verteilt, nur wie sie selbst sagen, geregeltes Leben? VIELLEICHT ? wieder einen Arbeitsplatz ? es mag wieder verachtend für sie klingen jedoch wer stellt einen EX Junky ein? wenn ein normaler schon probleme hat einen Job zu bekommen.
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²...daß es ziemlich menschenverachtend ist, Suchtkranke selbst für ihre Lage verantwortlich zu machen und diese Menschen ausschließlich als Kostenfaktor zu sehen."... es ist Menschenverachtend? das einer selbst Schuld ist UND JEDER der an der Nadel hängt ist selbst Schuld, sprich selbst verantwortlich dafür, denn für alles was einem Geschieht ist man SELBST Verantwortlich, daher wo ist es Menschenverachtend? schon in der Schule, von klein auf im Endeffekt wird man als heranwachsender davor gewarnt das man an Drogen in den Abgrund driftet sich selbst umbringt damit, daher man weiss im Vorfeld was man tut...
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und einer der raucht, trinkt, wird nicht so mit Glashandschuhen behandelt wie ein Drogensüchtiger, bekommt auch seinen Entzug nicht bezahlt ausser Alkoholiker und wie sie meinen sich beim Sport verletzt, - der zahlt wahrscheinlich auch Krankenkassenbeiträge und geht arbeiten.
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Ich habe selbst fast 20 Jahre Drogen genommen, bin seit 14 Jahren sauber, war Polytoximan sprich nahm alles quer Beet hauptsache Birne Dicht, ich weiss was es heisst Abhängig sein, weiss wie hart es ist davon wegzukommen, weiss wie tief man fallen muss, weiss wie Scheisse schmeckt, eines weiss ich jedoch auch, wer aufhören will hört auf. Und ach ja bevor sie kommen von wegen wer meine Therapie bezahlte, KEINER es gab keine, ausser kalten Entzug auf eigene Kappe..
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Was noch hinzukommt, es wird neue Junkies züchten das verfahren, denn in Zukunft werden sich viele sagen, och ja nicht so schlimm, kann ich ruhig nehmen, mach ich irgendwann Entzug und wenn es zweimal nicht klappt krieg ich ja mein Zeugs vom Arzt und werde gepflegt, wird mir geholfen das ich wieder davon runter komme... mal drüber nachgedacht das die Hemmschwelle kleiner wird ? da es ja ab jetzt dann die Perfekte Hilfe gibt .
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Meine Meinung - Volksabstimmung ob die Kassen es zahlen sollen. UND vor allem ENDLICH in Afghanistan die Opiumfelder eliminieren, dort wo 90% des Heroins Weltweit herkommen.
giangastone (28.05.2009, 22:27 Uhr)
Pragmatismus
... eine gute Entscheidung. Sie dürfte vor allem die Dealer ärgern. Das Krankenkassen-Gegenargument ist leicht zu entkräften, wir zahlen ja auch die Folgeschäden des "schlechten Stoffs", die Beschaffungskriminalität, Raucherlungen, Säuferleber, und sonstigen selbstverschuldeten Dreck, da sind die paar sauberen "Schüsse" nur Peanuts. Ich gehe noch weiter: Junkies sollten das Zeug in jedem Fall rezeptfrei bekommen. In Null-Komma-Nix wären die Drogenkartelle implodiert.
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