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29. April 2009, 20:30 Uhr

Wahlkampf ohne Rente

Wegen Krise und Kurzarbeit droht Deutschlands Rentnern 2010 eine Rentenkürzung. Arbeitsminister Olaf Scholz sieht darin die perfekte Steilvorlage für den sozialdemokratischen Wahlkampf. Zu Guttenberg hält sich bedeckt und gehorcht damit brav der Ansage seiner Kanzlerin. Von Hans Peter Schütz

Rente, zu Guttenberg, Merkel

Wegen Krise und Kurzarbeit drohen Rentenkürzungen. Die sollen aber nicht zum Wahlkampfthema werden© Felix Kaestle/AP

Der Bundeswirtschaftsminister präsentierte sich, wie er in seiner noch kurzen Amtszeit stets auftritt: präzise, detailgenau, unaufgeregt. Dies, obwohl er düstere Zahlen bei der Frühjahrsprognose der Bundesregierung vorlegen musste. Einen Rekordabsturz der Wirtschaft um sechs Prozent, mehr Kurzarbeit, Anstieg der Arbeitslosen im nächsten Jahr auf 4,6 Millionen - im Schnitt wohlgemerkt, was durchaus auch fünf Millionen in bestimmten Monaten bedeuten kann.

Rentenkürzung für 2010 wahrscheinlich

Nur bei einer Frage verlegte sich zu Guttenberg auf nebulöses Gerede. Immer dann, wenn er nach der Entwicklung der Renten gefragt wurde und wie er zu dem Vorhaben von Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) stünde, der per Gesetz künftige Rentenkürzungen verhindern will. Denn die drohen nach geltender Rechtslage den 20 Millionen Rentnern 2010, wenn sich die Einkommenssituation der Arbeitnehmer 2009 aufgrund der Wirtschaftskrise verschlechtert. Sinkt die Bruttolohnsumme pro Kopf, das ist die Messgröße, wäre eine Rentenkürzung fällig. Diese Entwicklung droht durch die massive Ausweitung der Kurzarbeit, denn Kurzarbeiter bekommen wegen ihrer verminderten Arbeitszeit auch weniger in die Lohntüte. Gerechnet wird von den Experten mit einer an sich fälligen Rentenkürzung um 2,3 Prozent.

Der Sozialdemokrat Scholz sieht hier eine glänzende Wahlkampfchance für seine Partei und hat sie sofort angepackt: "Die Renten werden im nächsten Jahr nicht gekürzt." Sein Ministerium entwickle daher eine gesetzliche Formulierung, um dies zu verhindern. Natürlich hat sich der Sozialverband VdK unverzüglich hinter diese Ankündigung gestellt: "Diese Entscheidung kann man nicht offen lassen. Hier muss vor der Bundestagswahl Klarheit herrschen." Die nordrhein-westfälische SPD-Vorsitzende Hannelore Kraft sagt: "Es kann nicht sein, dass wegen der steigenden Kurzarbeit der Anspruch auf Renten sinkt." Auch die Grünen argumentieren auf dieser Linie. Und natürlich stellte sich auch die Linkspartei unverzüglich mannhaft hinter das Scholz-Projekt.

Doch von Klarheit hielt sich zu Guttenberg auf seiner Pressekonferenz weit entfernt. "Ich bin offen für Gestaltung, die Sinn macht. Es muss keine Befürchtungen geben", schwadronierte er. Noch kenne man die Zahlen des Arbeitsmarkts nicht, wisse nicht, was auf den Sozialstaat zukomme. Die nebulöse Wortwahl des Bundeswirtschaftsministers war kein Zufall. Denn im Kanzleramt und in der CDU-Zentrale hatte am Wochenanfang die Ankündigung von Scholz eingeschlagen wie eine Bombe und für höchste Alarmstimmung gesorgt.

An alle führenden Unionspolitiker und CDU-Verbände wie etwa den Wirtschaftsflügel erging daher von der Führung die akute Warnung: Auf keinen Fall jetzt eine Rentendiskussion anfangen, den Scholz-Vorstoß nicht kommentieren, denn es drohe akute Gefahr, dass offener Widerstand der SPD ein überaus griffiges Wahlkampfthema beschere, bei dem die Kanzlerin nur verlieren könne. Irgendwie müsse der Eindruck aufrecht erhalten bleiben, so die Devise ans Unionslager, dass Merkel sehr wohl die Interessen der Rentner wahrnehme. Wie auch immer.

Die Menschen wollen eine sozialere CDU

Mit gutem Grund. Denn die Kanzlerin hat im Präsidium der CDU für den Kern ihres Wahlprogramms die Devise ausgegeben: "Eine Mehrheit der Menschen will eine sozialere CDU." Da passt natürlich eine Diskussion über Rentenkürzung überhaupt nicht in die Debatte. Auf der Linie marschierte zu Guttenberg brav, als er betonte, Befürchtungen seien nicht angebracht. Er hätte es auch mit den Worten des politischen CDU-Rentners Norbert Blüm sagen können: Die Renten sind sicher. Offen ist nur, ob die Rücklagen reichen werden.

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 19)
 
Aquarius2 (02.05.2009, 20:37 Uhr)
Preussin
Rentenkürzer werden nicht gewählt?
Wie wollen Sie denn das anstellen?
Dann dürfen Sie nicht zur Wahl gehen.
Sonst geht es nicht.
utospatz (02.05.2009, 16:02 Uhr)
Wer ist schon Guttenberg?
Die Fäkalie der Geschichte? 1000send jahre alter Adel 2 jahrzehnte Geschlechtskrank, christlich, sozial parteimäßig geadelt? Du hast doch Zeit Trottel zu wählen, die für folgende 4 Jahre dich christlich quälen! Ergo, geh doch irgendwann mal wählen!
utospatz (02.05.2009, 15:36 Uhr)
@DerDa, eigentlich ist das
was man christlich so will. Nur aus dem Arbeitsleben ausgeschiedene halten christlich still, weil die nachfolgende Urne es so will!
Preussin (01.05.2009, 11:56 Uhr)
An DerDa
Hallo DerDa, 100 prozent Recht.
Zu Deinen Aufzählungen gehört unbedingt noch die Streichung des Sterbegeldes aus der Krankenversicherung. Damit hat man den Versicherungen Sterbeversicherungskunden in Massen zugeführt, wer will schon seinen Kindern Schwierigkeiten hinterlassen. Warscheinlich geht es ihnen in der Zeit noch übler als jetzt,wenn bei den Rentnern nichts mehr zu hohlen ist und Riester und Rürup haben schon abgegrast, dann wird man es den nachfolgenden Generationen zeigen wo noch was geht.
Sie sitzen hoch zu Ross weil wir den Weg für all ihren Reichtum geebnet haben und nun würden sie uns am liebsten kompostieren.
Die Macht des Geldes beutet eine Nation in Friedenszeiten aus und verschwört sich gegen sie in Kriegszeiten.
Sie ist despotischer als eine Monarchie, unverschämter als eine Autokratie und egoistischer als eine Bürokratie.A.Lincoln
Preussin (01.05.2009, 11:35 Uhr)
Rentenkürzer werden nicht gewählt!
Unter diesem Motto sollten auch die Jungen zur Wahlurne gehen, denn der Tag rückt näher an dem auch ihre Rente angeknabbert wird.Wenn nicht Riester und Rürup, das Geld in den Finanzrachen der Versicherungen geleitet hätten wäre mit einer Zusatzrente in die Rentenkasse, genug Geld füre alle Alten und Arbeitsunfähigen da.
Zählt man zu dem Demografischen Faktor die steigende Produktivität, dann weiß ich garnicht was der Demografische Faktor anrichten soll?
Das Geld kam in die falschen Hände und die Schuldigen sind immer noch die Dirigenten des Geldflusses.
utospatz (30.04.2009, 17:56 Uhr)
Gerade hast Du an der Urne an der
verkehrten Stelle dein Kreuz gemacht, und 24 Stunden später hat man Dir für 4 Jahre mitten ins Gesicht geschissen! Da soll einer beim Arbeiten noch was sehn!
boletus07 (30.04.2009, 13:46 Uhr)
Wer glaubt schon einem Scholz? - Falsche URL
Die Aufregung verstehe ich nicht ganz, weil der jetzige Arbeisminister - ein gelehriger Schüler seines Vorgängers - offenbar wieder einen Rentenbetrug vorbereitet, Man sollte sich die Worte von Müntefering zwei Monate vor und zwei Monate nach der Wahl angucken. Das war glatter Betrug, aber wie hat er es auch so schön gesagt, es sei doch gemein, wenn man Sozialdemokraten an ihren Versprechungen misst.
Beleg: http://feynsinn.org/?p=1005 *Das Echo des Wortbruchs* (dort die Worte "seine Wähler belügt" anklicken.
Der vollzogene Verrat der Sozialdemokraten und ihres Vorsitzenden ist dort dokumentiert ... im Wortlaut. Wer sollte solche Betrüger wählen?
susiwolf (30.04.2009, 09:48 Uhr)
... nebulöse Wahrnehmung ... es flattert.
Über die neue SteuerNummer, die ja auch jedem Rentner eigen ist, bekommen diese 20.000.000 Wahlzettel zugeschickt; mit vorgestanztem und abreißbaren Gutschein.
Auch der Parteienkreis ist vor-'gekreutzt'.
Wehe da schummelt jemand ... das wäre Parteienbetrug. Der Betrag dieses Gutscheins möge noch diskutiert werden. (Geld gegen Gutschein gibt es aber nicht.)
Herr zu Guttenberg:
Auch Ihr 'Gestaltungsspielraum' möge nicht zu 'Befürchtungen' führen. Präzise, detailgenau und unaufgeregt warten 20 Mio Stimmzettel auf Abgabe, Papierkorb oder Einlösung. Nebulös ist vorbei, Gestaltung gefragt. Und denken Sie daran: Diese Generation läßt sich weder auf Spielchen ein - noch fehlt denen Lebenserfahrung. Sie sind ein Machtpotenzial.
Die Macht des 27. Septembers ... nur noch 150 Tage.
sportartmakler (30.04.2009, 09:27 Uhr)
mich kotzt am meisten an
dass man sich mit vollmundigen versprechen die größte wählerschaft sichern kann, scheiß egal was das restl. wahlprogramm hergibt. es ist und wird eine demokratie der rentner.
nur das bringt dtl nicht mehr voran
Angel_of_Mercy (30.04.2009, 09:15 Uhr)
Die Renten sind sicher
Der Nobbi hat nie gesagt in welcher Höhe. Eine sichere 1 Euro Rente ist auch sicher.
Das Problem ist der überholte Genrationenvertrag. Dieser läßt eine stabile Rentenzahlung nicht zu, wenn der durchschnittliche pro Kopf Lohn durch KUG und Arbeitslosigkeit sinkt. Herr Scholz müsste also den Generationenvertrag kündigen. Wäre an sich nicht das schlechteste. Das Problem ist, dass auch der Herr Scholz kein Konzept hat, wie die Renten dann zu finanzieren seien. Langfristig wird dies eh nur komplett über Steuerfinanzierung gehen. Schon heute werden die Rentenkassen zu einem großen Teil mit Steuergeldern aufgefüllt. Die einen wollen sich nicht äußern und die anderen bauen Luftschlösser.
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