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14. Mai 2009, 06:58 Uhr

Westerwelle flirtet wieder mit der Ampel

"Wir sind doch nicht blöd": Weil die Union bislang ein klares Bekenntnis zu Schwarz-Gelb verweigert, schließt FDP-Chef Guido Westerwelle eine Ampelkoalition mit SPD und Grünen nach der Bundestagswahl nun doch nicht mehr kategorisch aus. Von Regierungschefin Angela Merkel zeigt sich der Oberliberale enttäuscht.

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Hält sich für die Bundestagswahl alle Optionen offen: FDP-Chef Guido Westerwelle© Hendrik Schmidt/DPA

Wenige Tage vor dem Bundesparteitag der FDP hat sich Parteichef Guido Westerwelle von der Union distanziert und eine Koalition mit SPD und Grünen nicht mehr kategorisch ausgeschlossen. "Von der Union wissen wir nur, dass sie regieren will - nicht wozu und nicht mit wem", sagte Westerwelle dem "Hamburger Abendblatt". Es sei ein offenes Geheimnis, dass viele in der Union auf die Fortsetzung der Großen Koalition oder sogar auf Schwarz-Grün setzten.

"Wir rennen keinem Rockschoß hinterher"

Westerwelle zeigte sich enttäuscht von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Erst vor Kurzem habe er erklärt, dass die FDP eine "bürgerliche Regierung der Mitte" wolle. "Daraufhin sagt die Kanzlerin, sie wolle keinen Lagerwahlkampf führen und kämpfe für eine starke CDU." Daraus habe er die Konsequenz gezogen: "Liberal sind wir schon, aber blöd sind wir nicht. Wir kämpfen für eine starke FDP und rennen keinem Rockschoß hinterher."

Vor diesem Hintergrund relativierte Westerwelle seine Absage an eine Ampelkoalition. Ein Bündnis mit SPD und Grünen sei "im Augenblick" inhaltlich ausgeschlossen. Die FDP erwarte jedoch nun "ein klares Signal der Union", sagte der Parteichef. Weil sich CDU und CSU bislang aber zierten, werde die FDP mit einer formellen Koalitionsaussage bis kurz vor der Bundestagswahl warten.

Auch Niedersachsens FDP-Chef und Wirtschaftsminister Philipp Rösler schloss einen Lagerwahlkampf gemeinsam mit der CDU gegen SPD, Grüne und Linke aus. "Wir sind mit der Union ja nicht immer einer Meinung. Im Gegenteil. Die Begründung, gerade bei dieser Bundestagswahl FDP zu wählen, ist, dass wir Kurs halten und wir deshalb ein gutes Korrektiv gerade für die Union in wirtschafts- und finanzpolitischen Fragen sind", sagte Rösler dem Bremer "Weser Kurier".

Münteferings Avancen

Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering sieht in Westerwelles ursprünglichem Nein zu einer rot-gelb-grünen Ampelkoalition keine endgültige Absage. "Er hat eine Priorität, die lautet: Schwarz-Gelb. Aber er hat die Tür nicht wirklich zugemacht, sondern nur angelehnt", sagte Müntefering dem Bonner "General-Anzeiger". "Es gibt ganz viele Überlappungen zwischen uns: Innenpolitisch, außenpolitisch, Liberalität, Toleranz, Mittelstand." Die Theorie sei falsch, nach der nur Parteien mit besonderer programmatischer Nähe kooperieren können. "Ich gehe sogar so weit, dass die FDP in einer Ampelkoalition ein Alleinstellungsmerkmal hätte, das sie in einem Bündnis mit CDU/CSU nicht haben würde", sagte der SPD-Chef.

Silvana Koch-Mehrin, FDP-Spitzenkandidatin für die Europawahl, erneuerte hingegen die Absage an ein liberal-sozialdemokratisches Bündnis. "Eher wird Peer Steinbrück Botschafter in der Schweiz, als dass die FDP mit der SPD gemeinsam regiert", sagte sie dem "Rheinischen Merkur".

Angesichts schlechter werdender Umfragewerte für seine Partei betonte Westerwelle, er erwarte ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Bundestagswahl. "Wenn es wieder zu einer linken Mehrheit kommen sollte, mag es noch einmal Schwarz-Rot als Durchgangsstadium geben", sagte der FDP-Chef. "Aber spätestens nach der nordrhein-westfälischen Landtagswahl im Frühjahr 2010 marschieren SPD und Grüne zur Linkspartei, wo sie inhaltlich längst angekommen sind."

Die Spitzengremien der FDP bereiten heute in Hannover den 60. Bundesparteitag der Freien Demokraten vor. Von Freitag bis Sonntag werden die etwa 660 Delegierten das Programm der Partei für die Bundestagswahl beraten. Auch werden sie ihre Parteiführung für die nächsten zwei Jahre neu wählen. Westerwelle, der die FDP seit acht Jahren führt, kandidiert erneut für dieses Amt. Auch bei den anderen Spitzenpositionen werden keine Änderungen erwartet.

joe/Reuters/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 26)
 
auwei (14.05.2009, 16:34 Uhr)
@vegefranz
Mit Verlaub - ich zahle Steuern und verbitte mir solche Pauschalisierungen. Und wer sagt Ihnen, dass Sie nicht auch eines Tages auf Hartz angewiesen sind (Außer Sie sind Beamter oder reicher Erbe)?
vegefranz (14.05.2009, 16:19 Uhr)
Yes, we Westerwelle
klar, für die hier schreibende Harz4-Fraktion ist der Mann ein rotes Tuch
jetrabbit (14.05.2009, 13:56 Uhr)
partei der reichen
dafür stand die FDP schon immer. der geldadel hat immer schon diese partei gewählt, gerade weil die kein parteiprogram haben. es gibt keine grössere polithure als die FDP, aber wie gesagt, das weiss der geldadel am besten.
ganzbaf (14.05.2009, 12:24 Uhr)
Genau

Für diese kleine Schicht an leistungslosen Ultrareichen brauchen wir jetzt eine gesalzenen "Solidaritätszuschlag Wirtschaft/Staat" in Höhe von 25 bis 50%!
.
Grundgesetz Artikle 14/15 läßt grüßen... ;-p
Blendwerk (14.05.2009, 12:21 Uhr)
Großartige Unionsstrategie,
.. die FDP am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen. Auch dem wirtschaftsliberalen Unionisten ist eine Kanzlerunion lieber als eine FDP als fünftes Rad am Rotgrünen Wagen. Die Union stürzt Westerwelle mit seinem Flirt zur Ampel in eine tiefgreifende Glaubwürdigkeitsfalle. Die alten Vorbehalte gegen die FDP, ihr Fähnchen nach dem Wind zu richten, sind in den Medien wieder allpräsent. Westerwelles Kontinuität und Seriösität ist dahin. Großes Lob an das Konrad-Adenauer Haus - aus dem linken Lager!
tarpan8 (14.05.2009, 11:48 Uhr)
Guido-Mobil
Ich will das Guido-Mobil zurück.
Damals erschien mir der Guido noch
als ehrhafter und seriöser Politiker. Unvergessen sein
Superauftritt bei BIG BROTHER auf RTL2. Ich will den witzigen Guido zurück.
AttaTroll (14.05.2009, 11:47 Uhr)
@ gesox
gute Vorschläge, hier ist noch einer:
"Achtung Leiharbeiter: die Linke will euch eure Villen im Tessin wegnehmen" (frei nach Klaus Staeck) ;-)
erichmonika (14.05.2009, 11:32 Uhr)
Schwattlappen
Das würde man bei uns im Rheinland sagen, wenn man den spitzfindigen angeblichen Kommentar von Broder ließt. Dieser Mensch hat sich das Image eines zynischen gemeinen Menschen zugelegt und er aalt sich genüsslich in seinem Schleim öffentlich. "Die FDP-Politiker sind wenigstens keine vollversorgten Bürokraten: zum Lebenslauf von Heil, Nahles etc anliegender Kommentar von Broder". Wenn das Zitat echt ist, dann frage ich mich gequält, wo Herr Westerwelle jemals als eloquenter Strafverteidiger oder als bissiger Staatsanwalt aufgetreten ist. Denn er soll ja Jurist sein. Ich kann mich nur erinnern, dass er sich direkt und zielstrebig vom Vorsitzenden der jungen Liberalen zum Vorsitzenden dieser Beliebigkeitspartei emporgehangelt hat. Wie er das gemacht hat, davon können sicher eine Reihe von FDP Mitgliedern, unter anderem Herr Gerhardt ein Liedchen singen, tun sie aber nicht, weil ihnen das schlecht bekommen würde. Soviel zur Liberalität in der liberalen Partei. Und zu Broder kann man nur sagen Pfffff..........
auwei (14.05.2009, 11:12 Uhr)
Guido allein zu Haus
Heiß umworben und doch inhaltlich kalt gestellt: Die Partei der Besserverdienenden hats nicht leicht. Als Mehrheitsbeschaffer gebraucht kann sich die FDP als Vertreter einer kleinen, dafür umso arroganteren Minderheit kaum Hoffnungen darauf machen, die Partikularinteressen ihrer Klientel auch wirklich zu bedienen. Genau so wird man auf Dauer zum Boxenluder der Politik.
Louyi (14.05.2009, 11:11 Uhr)
Westerwelle ... es reicht.
@vegefranz –
Dieser exhibionistisch veranlagte Polit –Frontmann Phrasen -Wichtigtuer der FDP und seine Mannschaft will in die Regierungsverantwortung in Deutschland? Dann gute Nacht. Der Sozial- Staat, soziale Verantwortung einer Regierung für alle und nicht auschließlich für die Besserverdienendenseiner ideologischen Kaste ist schon viel zu lange geschleift worden. Immer mehr Menschen am Existenzminimum – und ein kleiner Rest von Superverdienern, Lobbyisten und Wirtschaftsbossen, Managern, Millionären, sagen wo es lang geht; profitieren davon. Man hat das Gefühl nur noch das System der Discounter Billig, Profit um jeden Preis auf Kosten der Gesellschaft regiert in Deutschland. Wie so eine Partei derzeit Stimmenzugewinne bis 15/18 % erhalten konnte, wird sicher nicht nur mir ein Rätsel bleiben.
Was will der überhaupt mit seiner Neoliberalen Politik? Diese, seine FDP Ideologie hat einen mitverursachten, großer Anteil an der globalen Finanzkrise mit (komplexen, unüberschaubaren ) Folgen. Die FDP steht für die Freiheit des Kapitals; des freien Marktes. Er meint/e damit für die Herausforderungen der Globalisierung das richtige Mittel zu haben. Nach seinen Vorstellungen sollte sich der Staat und der kleine Mann –die Gewerkschaften mit ihrem so bescheidenen ökonomischen Verständnis heraushalten von dem (angeblich) „notwendigen“ nur so funktionierenden Geldfluss der Wirtschaft; Finanzsystems,des internationalen Marktes. Die Ergebnisse sind nun bekannt. Jetzt schiebt Westerwelle,Nibel und Co. alles wieder auf den Staat, proletet gegen die Forderungen der Linken. Das angebliche Versagen des Staates - der Finanzkontrolle - war kein Versagen, sondern die konsequente Durchsetzung der Ideologie des freien, sich selbst kontrollierenden Marktes -ala Westerwelle und Co. Der Staat war nicht Versager, sondern Verführter. Er wurde verführt und in die Irre geführt von den Lehren derer, die ihn jetzt Versager nennen, es aber selber sind. Genau diese nun schon wieder die große Klappe aufreißen. Westerwelle wird hoffentlich sein Fiasko bei der BT Wahl erleben. Nicht 18 % -sondern 100% -in die Hose gegangen. Hoffentlich.
Siehe dazu auch:
http://www.sueddeutsche.de/finanzen/305/464899/text/
http://www.freitag.de/community/blogs/margareth-gorges/wahlprogramm-der-fdp-eiskalter-neoliberalismus
Ps. mensch @ vegefranz – Du musst mit einer Menge übriger freier Zeit viel Kohle verdienen.Wenn ich mal einen Artikel im Stern lese –ist Dein Kommentar schon da.
Wie machst Du das?
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